Der ach so professionelle Kundendienst der Post

Auf eine weitere Beschwerde bei der Post wegen Briefkasten-Spamming (teiladressierte Werbung, unadressierte Werbung) erhielt der Blöker kürzlich ein Schreiben, das ihn einmal mehr am guten alten Gelben Riesen zweifeln liess – es war voller Ausreden und Deutschperlen: “Ebenso die Dropa-Zeitung wurde Ihnen nicht von der Post zugestellt.”

Ich möge mich doch bitte an die “BEVO Berner-Vertrags-Organisation, Zentweg 5, 3006 Bern, 031 330 32 49”, wenden.

Das ist interessant – denn die BEVO ist eine 50%-Tochter der Post. Und wenn die Post ihren Laden im Griff hätte, wüsste auch die BEVO, was alle Telefonmarketer, Umfrageheinis und Briefkastenvollsopfer zwangsweise eine Milliarde Mal auf ein Hüseliblatt schreiben sollten:

Es wird nicht gespammt.
Es wird nicht gespammt.
Es wird nicht gespammt.

Vor allem nicht in Briefkästen, die unmissverstänlich beschriftet sind.

Nebenbei gesagt: Über den teiladressierten Spam (“an alle EinwohnerInnen der Schweiz”), den die Post verträgt und über den ich mich zum x-ten Male beklagt hatte, verlor der Kundendienst kein Wort. Und auf eine konkrete Rückfrage kam dann gar keine Antwort mehr.

Ach, ach, können so doofe Kunden lästig sein…

Nun leert ja die BEVO, wie der “Bund” heute berichtete, für Ihre Mutter, die Post, neustens auch die Briefkästen – man könnte nach dieser Lektüre zu den neuen Leerungszeiten fast sagen: zum Glück leert die überhaupt noch jemand irgendwann. (Dass die Post die Anzahl Briefkästen nicht nur radikal reduziert, sondern es selbst an zentralsten Orten nicht für nötig hält, die KundInnen über den neuen Standort zu informieren, durften wir ja im Herbst schon feststellen.)

Der Umgang mit unseren Karten und Briefen wird also an Dritte ausgelagert. Nett, denn immerhin in diesem Punkt vertraute ich dem Gelben Riesen bisher – dass meine Briefe nämlich gewissenhaft behandelt werden. Post-Sprecher Oliver Flüeler betont zwar im “Bund”, dass alle, die mit Post hantieren, dem Briefgeheimnis unterliegen.

Angesichts dessen, was Post und BEVO sich so leisten punkto Beachtung der Kundenwünsche, überfällt den Schreibenden aber ein ganz klein wenig s’Gramsele: Von “Ach, dieser Stopp-Kleber ist mir jetzt grad egal” zu “Oh, diese schöne Karte lese ich doch schnell” ists nicht sehr weit.

Beidem liegt bzw. läge ein eklatanter Mangel an Empathie und Kundenorientierung zugrunde. Aber wenn man entweder schlicht zu doof ist (Verdacht beim Frontarbeiter) oder wie Dagobert Duck statt Pupillen Dollarzeichen in den Augen hat (beim Management), kanns fast nicht anders kommen.

Damit zurück zum Marketingmüll, mit dem uns unsere gute alte Post immer mehr beglückt. Und zum ach so professionellen Kundendienst.

Auch A.F. (uns namentlich bekannt) aus dem basellandschaftlichen Giebenach ärgert sich über unadressierte Drucksachen, die ihm die Post in den Briefkasten wirft. Woher ich das weiss? Der Post-Kundendienst antwortete auf mein Mail hin zwar an die korrekte – meine – Mailadresse, kopierte aber in die Antwort das Originalschreiben von Herrn F. hinein, samt seiner Mailadresse.

Soviel – (noch) mit einem Augenzwinkern – dazu, was die Post wirklich vom Briefgeheimnis hält.

Immerhin weiss ich nun, dass ich nicht der einzige bin, der sich über den Spam seitens Post aufregt. Und dass Oliver Flüeler nicht ganz auf der Höhe der Realität ist mit der Aussage, dass “die Bevo AG und deren Personal über das erforderliche Knowhow” verfügten – zumal, quod erat demonstrandum, die Post-Tochter ebensowenig Stopp-Kleber an Briefkästen korrekt lesen kann wie die Post selbst.

Und dies erfordert doch wahrlich nur ein Minimum an Intelligenz, pardon, Know How.

Und als kleiner Epilog: Wieso sind es oftmals Firmen, die der Bund an sich kontrolliert, öhm, kontrollieren sollte, die solche Schrott-Dienstleistungen erbringen und sie frecherweise noch auf Biegen und Brechen rechtfertigen?

Es sei daran erinnert, dass kürzlich die Swisscom mit einem umstrittenen neuen Feature bei der Telefonauskunft zum etwa Hundertsten Male Negativschlagzeilen machte.

9 Kommentare

  1. Aber wenn man entweder schlicht zu doof ist (Verdacht beim Frontarbeiter)

    Manchmal denke ich, dass man diesen Frontarbeitern, die an der Front arbeiten, 500 Stutz im Monat mehr geben sollte und so gleichzeitig mehr Qualität fordern könnte (und kontrollieren sollte). In so grossen Firmen wie Post, Migros, Swisscom etc. Die 240 Mio. Mehraufwand für 40’000 Mitarbeitende pro Grossfirma jährlich lassen sich mit Sicherheit anderswo einsparen – oder sogar, es könnte ja sein o_O, über Mehrerlöse beim Service am Public reinholen.

  2. Ach und das mit den Leerungszeiten – wie wärs mit einer Info an alle Berner Haushalte? Davon wusste ich bis jetzt nichts. Sauerei, das. Und Danke fürs Berichten.

  3. Tja die Post… hat einen eingeschriebenen Brief von mir verschlampt, das Ticket kam nicht mehr rechtzeitig bei der Freundin an und war dann wertlos. Sowas regt mich richtig auf – miserabler Service zu immer teureren Tarifen.

  4. tja, also die Post kann mir momentan auch gestohlen bleiben…
    ein wichtiger Brief verliess unser Dorf am Donnerstag mit einer A-Post-Marke drauf…hätte am Freitag in Sedrun ankommen sollen. tat er nicht. nicht am Samstag und auch nicht heute Montag….

  5. Ja die Post verliert sogar Wertsendungen (Assurance) und hat einen miserabel Kundendienst. Also nie Wertsendungen mit der Post verschicken. Zum Glück gibt es jetzt Konkurrenz !! Selber bringen kostet vielleicht Zeit, aber man weisst, dass die Ware effektiv ankommt !!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.