Briefkasten-Kahlschlag: Die Post spinnt

In der Stadt Bern ging die Motorsäge um: Die Post hat zahlreiche Briefkästen wegrationalisiert. Auch meinen Lieblingseinwurf entlang des täglichen Weges durch die Stadt.

Dass man in virtuellen Zeiten ein paar wenig benutzte gelbe Boxen wegräumt, ist verständlich. Aber die Post schaffte auch, was vermutlich niemand für möglich gehalten hätte – sie montierte einen der wohl meistbenutzten Einwürfe der Stadt ab, denjenigen beim Treffpunkt im Berner Hauptbahnhof. Stattdessen prangte dort einige Tage lang dieser Zettel…

Kein Briefkasten mehr beim Treffpunkt im HB Bern (November 2008)

… wobei natürlich alle wissen, wo der Geldwechselautomat ist – vor allem Auswärtige, oder?

Inzwischen steht nur noch in einer minimal kleinen Handschrift geschrieben, dass der Briefkasten “westlich von hier bei den Liften” zu finden sei (jemand hat auch eine treffende Bemerkung dazu verfasst):

Kein Briefkasten mehr beim Treffpunkt im HB Bern (November 2008)

Ach so – anstatt auf dem Weg zu den Perrons noch schnell den Brief einzuwerfen, muss man nun unter der Erde überlegen, wo die Sonne untergeht (wobei “südwestlich” vermutlich korrekt wäre). Wetten, dass 90% nicht innert zehn Sekunden wissen, wo Westen ist? Der neue Standort ist vom alten her nicht auf Anhieb sichtbar. Nervpotential: Hoch.

Liebe Post: Never change a running system. Hättet ihr wenigstens den beliebtesten Kasten der Stadt einfach da gelassen, wo er war. Oder wenigstens klar und vandalensicher angeschrieben, wo der neue ist.

(Anmerkung: Nach dem nicht ganz unberechtigten Kommentar von kusito umgeschrieben.)

5 Kommentare

  1. Bei uns hiess es vor kurzem auch: Dieser Briefkasten wird am Sonntag nicht mehr geleert. Hier befindet sich der nächste Briefeinwurf. (Karte von meinem Wohnort bis zum Briefeinwurf)

  2. Die Leute schreiben fast nur noch E-Mails statt Briefe und unterstützen die Post gar nicht mehr. Aber sie verlangen, dass alles gleich bleibt! Hallo? die Post muss wie jeder Betrieb Gewinn bringen und kann nicht alles beim alten lassen. Also bitte, werden Sie besserer Kunde, dann können sie mit Reklamationen beginnen.

  3. Sehr interessantes Verständnis von Service Public, doch doch. Wegen genau solch anspruchslosen Leuten wie Stephi ist das Dienstleistungsniveau vieler Branchen in diesem Land so tief.

    Was heisst denn für dich “Service Public”, Stephi? Lass uns teilhaben an Deinem Wissen. Bitte.

    Interessant ist übrigens, dass “Stephi” andernorts “Chrissy” heisst… und aus dem internen Netz der Post kommentiert (IP 194.41.216.154 = outproxy2.post.ch) was doch auch schon mal tief blicken lässt. Einen primitiven Kommentar in Grossbuchstaben mit dem auszugsweisen Inhalt “DU HAST AUCH NICHTS IN DER BIRNE” oder “FRESSE HALTEN” habe ich gelöscht – solche netten Leute arbeiten also bei der Post!
    Personaldienst, übernehmen Sie…

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