Als sie noch standen

Gestern habe ich den 11. September 2001 gar nicht erwähnt, sondern allen anderen elften Septembern ein Denkmal gesetzt. Inzwischen ist mir so einiges durch die Hände gegangen, das heute unweigerlich mit Ground Zero in Verbindung gebracht wird. Auf den Zwillingstürmen stand ich anno 1982 das erste und 1993 das letzte Mal – 1982 war zugleich meine Premiere auf einem Interkontinentinalflug. Capitol Airways gibts zum Glück heute nicht mehr – die Flüge waren ziemlich chaotisch, soweit ich mich erinnere. Das bestätigen auch meine Notizen auf dem Reiseprogramm (klicken für grössere Fassung):

Reise nach Amiland 1982 mit Hindernissen - klicken für grössere Fassung

Noch amüsanter sind allerdings die beiden Reise-Spezialausgaben meiner Schülerzeitung: “Wir werden nie wieder mit Capitol fliegen. Ich weiss auch nicht was da los war, aber ich glaube das das ein Fehler der Capitol war”, bemerkte der gewiefte Reisejournalist. Das Faksimilie dieser Ausgabe mit weiteren Reiseberichten ist hier als PDF abrufbar (2 MB). Und… unbedingt den gut gemeinten Hinweis an den geneigten Leser beachten: “Bitte die Artikeln nach den Nummern lesen!”

Schliesslich flogen wir aber doch noch – Ticket und Boardingpass sahen vor 23 Jahren noch ein wenig anders aus (klicken für grössere Fassung):

Capitol Airways: Ticket und Boardingpass von 1982 - klicken für grössere Fassung

So stand ich dann also bald mal auf den Twin Towers – das World Trade Center warb damals mit diesem Prospekt für sich (klicken für grössere Fassung):

Prospekt World Trade Center 1982 - klicken für grössere Fassung

Die Aussicht von oben fing meine Instamatic-Kamera so ein (rechts: Ein Capitol-“Sky-Saver”-Flugzeug am San Francisco Airport im August 1982):

Aussicht vom WTC 1982 / Capitol-Flieger (klicken für grössere Fassung)

Dass New York einen Zehnjährigen ziemlich umhaut, ist klar – unser kleiner Reisender war bis am Schluss so begeistert, dass er Capitol Airways beim Rückflug in den Himmel lobte: “Das Gepäck wurde uns schon draussen abgenommen, und der, der das Gepäck abholte sagte uns wir sollen zum Gate 5. Zuerst die Röntgenstrahlen, dann konnten wir die Bordkarte abholen. (…) und flogen mit einer Stunde Verspätung ab. Im Verhältniss zum letztenmal war das schnell.”

Aber auch das soziale Gefälle blieb nicht unentdeckt: “New Work ist eine schöne und nicht schöne Stadt. Man muss aufpassen, denn wenn man in eine Strasse einbiegt, kann es eine sein, die sehr schmutzig und und eine Art Elendsviertel ist. Es hat ziemlich viele solche. Wir waren sogar auf den beiden höchsten Häusern: nämlich auf dem Empire state Building und auf dem World Trade Center 2.” Alles weitere im Faksimile dieser Ausgabe als PDF (540 KB).

5 Kommentare

  1. der blöker war damals also gerade zarte 10 jahre alt und schreibt schon solches zeugs? wahnsinn! und was mich noch fast mehr beunruhigt: er bewahrt das dann auch noch auf, nur um es 23 jahre später zu scannen und PDFs draus zu basteln. ich für meinen teil bin froh, verschwinden viele dinge im schwarzen loch der vergangenheit und tauchen daraus auch nicht mehr auf.

  2. Nun ja – mit dem Blick in die Zukunft und einem Ohr in die Vergangenheit. Der Sultan steht halt nicht auf so Zeugs. Aber wie auf jeder Autonummer in Québec nachzulesen ist: “Je me souviens” – in Anspielung an den Satz “Un peuple sans mémoire est un peuple sans avenir”. Jetzt könnten daraus natürlich SVPler und andere Rückständige ihr böses Tun rechtfertigen – ich finds hingegen ganz einfach lustig, zu schauen, was denn früher so los war. Ich hab selten genug wirklich Zeit dafür – aber es ist extrem spassig. Schliesslich ist die Summe bzw. die Spuren von all dem alten Zeugs das, was uns heute ausmacht, und jede Sekunde kommt mehr Zeugs dazu, das wir in 20 Jahren anschauen und denken “uh, das waren noch Zeiten” – und dann vielleicht wieder scannen.

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