DVDs, Kinofilme und Teebeutel

Der Blöker hat wieder einmal einiges zu blöken diese Woche.

Einerseits brauchte ich wieder einmal eine Ladung leere DVDs für meine Datenbackups. Dabei habe ich mich einmal mehr genervt, dass die Urheberrechtsabgaben auf beschreibbaren DVDs nach wie vor exorbitant hoch sind – soll mir mal einer erklären, warum mein Vermieter die Waschmaschinenreparatur richtigerweise nicht “pauschalstrafenmässig” in die Nebenkosten einrechnen kann (obschon eigentlich immer klar ist, wessen Haarspängeli drin stecken bleiben), ich beim Erstellen von Backups von Worddoukmenten und dergleichen bzw. beim Sichern alter Familienvideos aus den 80ern aber abgezockt werde, weil die Musik- und Filmgiganten vermuten, dass die meisten Leute beschreibbare DVDs eh zum Raubkopieren benützen. Oder besitzen die neu auch das Urheberrecht an meinen Texten und alten Filmen? Bei der allgemeinen Abgabitis und dem Gezeter rund um leere Datenträger würde es mich nicht wundern, wenn der Nationalrat nächstens entscheiden würde, dass das geistige Eigentum an Werken aller Art nach deren Schöpfung umgehend an einen grossen Konzern übergeht.

A propos Filme: Wieso schalten die Operateure das Licht immer schon bei der ersten Sekunde des Abspanns an? Kürzlich bei “My Summer of Love” erlebt: Da würde man gerne noch eine Minute weiterhängen, verdauen, Abschied nehmen – aber nein, *pling*, Licht an, Bewegung im Saal, die ersten stehen auf bzw. auf meinen Zehen rum – und aus ists mit der Stimmung, in die einen der Film versetzt hat. Ähnliche Verbrechen begehen TV-Sender, die den gesamten Abspann weghacken und durch Sponsoring mit ein paar Pseudocredits ersetzen. Da ist die Stimmung im Nu von 100 auf null. – Ist noch kein Regisseur auf die Idee gekommen, Kinooperateure zu verpflichten, das Licht in den ersten Sekunden des Abspanns nicht anzuzünden oder es bei der TV-Verwertung den Stationen zu untersagen, den Abspann zu amputieren?

Bleiben wir grad im Kino: Ich hab mir jetzt “Snow White” doch noch angetan. Stellenweise überraschend und packend (toll: Carlos Leal), als Ganzes aber ein typischer Schweizer Film mit den üblichen Handwerksmängeln, Samir hin oder her. Alleine die Synchronisation von Nicos Stimme (Julie Fournier spricht kein Züritüütsch) ist miserabel, da wurde am falschen Ort gespart. Auch an anderen Orten weist der Ton erhebliche Mängel auf – z.B. tönt die sich schliessende Türe eines ICN der SBB ganz sicher nicht so wie im Film. Ein Detail, das kaum jemand bemerkt – aber doch symptomatisch ist. Ebenso Dialoge, die extrem aufgesetzt und gestelzt wirken. Solcherlei hat mich schon bei anderen “teuren” Schweizer Filmen gestört, namentlich “Beresina” und “Exklusiv”. – Interessant auch das Gästebuch der Filmwebsite: Es wimmelt von Leuten, die jetzt das Gefühl haben, das gebe es wirklich genau so in der Schweiz… die Einträge geben auch einen schönen Überblick über den Zustand der Sprachfertigkeiten anno 2005: “hey äntlech e guete schwizer fium wo uf d’realiätä ihr schwiz basiert, fing i ächt dr hammer!!”

Und zum Schluss doch noch was Schönes: Wer kennt nicht das unangenehme Gefühl, den tropfenden Teebeutel aus dem frisch gebrühten Tee zu nehmen und nicht zu wissen, wohin damit? In den Löffel legen, Daumen daruf – und Aufschreien, weil der Beutel so heiss ist? In den Löffel legen, Schnur drum wickeln, spannen, und alles fällt mit einem *Pflotsch* zurück ins Tassli? Den Beutel nicht ausdrücken, in die Untertasse legen, wo er im Weg ist und einen kleinen See macht, der einem wenig später auf Hemd und Hose tropft? Offenbar hat – so in einem Werbespot gesehen – jemand endlich den Ausweg gefunden und einen ähnlichen Mechanismus wie bei den Abfallsäcken eingebaut, die wir in den 80ern noch mühsam mit der unten angehängten Schnur verdrehen mussten. Der Teebeutel wird über der Tasse durch Zug an zwei Schnüren quasi auto-ausgewunden. Perfekt.

Und nun wartet ihr gespannt auf eine Pointe, die DVDs, Kinobeleuchtung, Schweizer Filme, und Teebeutel gekonnt miteinander verknüpft? Pech gehabt. Aber auf der Suche nach halbwegs birnenweichen Links zum Thema Teebeutel bin ich auf diese Seite gestossen, wo u.a. auch steht, was man mit dem Teebeutel in England sicher nicht machen soll.

Und: JA, es gibt Leute, die noch Dümmeres machen als Bloggen. Die testen Tee und teilen ihr gesamtes Tee-Erlebnis der Allgemeinheit mit.

12 Kommentare

  1. Was das Urheberrecht angeht: schon mal gefragt, warum ein Scanner so langsam scannt, während dem ein Kopierer zackig und flott kopiert, obwohl genau die gleiche Technik bei beiden Geräten mit dabei ist? Jaaaa… das Urheberrecht machts möglich: darum ist auch ein Kopierer so viel teurer als ein Scanner (nicht weil dort bessere Technik drinn verbaut wäre, sondern weil die Urheberrechtspauschale mit dabei ist). Es wäre kein Problem einen Scanner so schnell zu machen wie einen Kopierer, nur dürfte er dann nicht mehr als Scanner verkauft werden, sondern als Kopierer und wäre damit x-mal teuerer, also bremst man das Teil extra runter…. So geht das eben.

    Zu Snow White: Also bitte! Verstehe jetzt grad gar nicht wie man dem Film nur was einziges Gutes abgewinnen kann. Der Plot ist sowas von hanebüchen, dass man das nur mit zugepuderter Nase geil finden kann: gerade der Carlos. Was oder wen sollte der genau mimen? Ein Rapper, der sich aus einfachen Arbeiterverhältnissen hochgerappt hat und nun das moralische Gewissen des Films liefern muss? Und dann jettet das Burschi zwischen Paris, Bandbus, Büri und Genf hin- und her, als wäre er Marcel Ospel himself! Fand ich echt realistisch und sehr glaubwürdig. Fehlte nur noch das Sens Unik im Olympia in Paris vor 20’000 spielten. Dazu noch kurz eine Einlage vor Banlieue-Kidz zwecks Aufpolierung des Sozialarbeiter- und Gutmensch-Image und telefonieren tut er dann natürlich mit dem top UMTS-Gadget-Handy der Swisscom in seiner Klischee-Loft mitten in Paris (Man achte mal auf das Product-Placement im Film: easyjet, Nokia und Swisscom werden einem mit solcher Penetranz auf die Netzhaut geballert, dass mir die moralinsaure Story nach dem ersten Schnitt nur noch als Staffage à la Goldküsten-Chicks vorkam). Und über den Schluss wollen wir hier mal gar kein Wort verlieren, da hätte der Operateur von mir aus das Saallicht gleich nach 10 Minuten andrehen können.

  2. Urheberrecht/Kopierer: Hmmm… woher hast du denn diese Info? Sind Scanner nicht langsamer, weil sie halt kleiner sind und weniger Platz für nen leistungsfähigen Motor haben? Auf Scannern zahlt man ja auch ne Urheberrechtsabgabe, was recht birnenweich ist, wenn man ausschliesslich eigene alte Fotos und Dias digitalisiert.

    Snow White: Du solltest die Story ja supercool finden, zumal sie an deinem Geburi beginnt 🙂 Das Positive, das ich dem Film abgewinne, ist wohl, dass man sowas zumindest mal versucht in der Schweiz. Und als “nice try” lass ichs als gutmütiger Zeitgenosse schon durchgehen. Und ohne Product Placement – siehe auch Eugen – ist so ein Film hierzulande halt fast nicht finanzierbar. Find ich OK, solange es nicht allzu plump wirkt. Bei Snow White wurde die Grenze m.E. noch nicht überschritten.

  3. zu den Scannern: heise bildet: http://tinyurl.com/bb8fy.
    Ein Scanner gilt als Kopierer wenn er mehr als 2-Seiten/Minute kopieren kann. Ab dann werden zusätzliche Abgaben an die VG-Wort fällig. Abhilfe schafft nur: Englische Treiber installieren und der Scanner kann bis zu 3 x schneller werden 😉

  4. Snow White: nööö… ich lasse keine ‘nice tries’ durchgehen. Der Samir bedient sich ja auch ausgeleierten Hollywood-Formalismen, dann soll er sich auch an diesen Kriterien messen lassen. Das ist genau so schweizerischer Minimalismus, wie wei ihn alle Lieben: ‘Jööö, er hats wenigstens versucht, wenn er dann mal gross ist, wird er sicher was Richtiges machen.’ Oder haben wir in der Schweiz auch das Prädikat cineastische Provinz auf Ewigkeiten gebucht? Dann brauchen wir gar nichts mehr zu produzieren. Wundere mich dann nur, wie dann überhaupt so Filme wie ‘Das Boot ist voll’ oder ‘Reise der Hoffnung’ zustande gekommen sind.

  5. Urheberrecht: Aha, da sind wir ja ganz aktuell… aber laut dieser Info gibts ja auch Kopierer gar keine Abgabe…? Hm. Ich hab grad der Suisa geschrieben. Mal schauen, ob der Kundendienst da was taugt. Und dein Heise-Text bezieht sich wohl auf den grossen Kanton…

    Snow White: Hast schon recht. Ich hasse diesen überall grassierenden CH-Minimalismus auch, besonders im Bereich Dienstleistungen. Es lebe die hehre Mittelmässigkeit. Aber ich attestiere Samirs Film mal, dass er zumindest in Ansätzen – wie ein Juraspitz aus dem Nebelmeer rausschaut – einen Zentimeter besser als einfach nur minimalistisch ist.

  6. Also… die SUISA teilt folgendes mit: “Die Leerträgervergütung basiert auf Art. 20 Abs. 3 URG und soll den Inhaber von Urheber- und Leistungsschutzrechten für privates Vervielfältigen seiner “Leistungen” entschädigen. Diese Entschädigung wird vom Hersteller und vom Importeur der Leerträger geschuldet. In der Praxis wird die Entschädigung allerdings auf den Kunden überwälzt.

    Die Höhe der Entschädigung wird zwischen den massgeblichen Nutzerverbänden sowie den betroffenen Verwertungsgesellschaften (hier SUISA und Swissperform) ausgehandelt und von der Eidgenössischen Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten genehmigt. Bei der Bestimmung der Höhe dieser Entschädigung wurde die Tatsache berücksichtigt, dass DVDs auch zum Speichern von privatem oder urheberrechtlich nicht geschütztem Material verwendet werden. Würden sämtliche Datenträger zur Speicherung von geschützen Werken und Aufnahmen verwendet, wäre die Entschädigung entsprechend höher. Die Entschädigung beträgt Fr. 055 für einfach bespielbare und Fr. 1.05 für mehrfach bespielbare DVDs (pro 4.7 GB).

    Sie können die Leerträgervergütung nicht zurückfordern. Sollten Ihre Texte und Bilder jedoch generell veröffentlich werden, kann eine Mitgliedschaft bei der Pro Litteris (http://www.prolitteris.ch) empfehlenswert sein. Als Mitglied einer Verwertungsgesellschaft nehmen Sie anschliessend auch an der Verteilung der eingezogenen Entschädigungen teil.

    Zur Zeit ist keine Umgestaltung dieses System geplant. Im Übrigen ist auf Scannern und Diascannern keine Vergütung für Urheberrechte und Leistungsschutzrechte geschuldet.”

    Na super. Offiziell abgesegnete Abzocke. Wunderbar. Toll. Pro Litteris, viel Littering?!

  7. Zu den Operateuren: Weil dann die Leute im Dunkeln hinaushasten, über die Stufen fallen und sich den Kopf aufschlagen – dann ist garantiert der OP schuld, wenn er kein Licht gegeben hat. Sehr gut zu merken bei Narnia: Der FIlm ist fertig, es kommen erste Credits, dann aber noch eine weitere Szene, als da die kleine Göre wieder zurück ins Ländle möchte. Der schreibende OP hat versucht, die Leute im Saal zu behalten, und zu diesem Zweck kein Licht gegeben.
    Resultat: Die Menschenmassen strömen ungehindert hinaus, öffnen die Türen, überlaufen Abschrankungen…
    Fazit: Lieber Licht geben, als dann von Kollegen zu hören “Hehe, hesch vrsiffet Liecht z’gä, gäu?”

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