100 Jahre Skilift – der Blöker feiert als Bügelgeber

In Fachkreisen ist die Liftomanie des Verfassers einschlägig bekannt: Schon als Vierjähriger schaute er sich gerne stundenlang Miniblöker mit Pony-Skilift auf der Sissacher Fluh, Winter 1976 (klicken für grössere Fassung)diese faszinierenden Transportmittel an, was den skibegeisterten Eltern sehr entgegenkam – während der Junior den Bügeln nachgaffte, flitzten sie ungestört über die Pisten. Heute nennt er sich etwas hochgegriffen “Hobby-Seilbahnhistoriker” und versucht unter anderem, alte Sesselbahnen zu retten, wie kürzlich auch die BZ berichtete.

Zum 100-jährigen Jubiläum des Skilifts – im Februar 1908 errichtete Robert Winterhalder im Schwarzwald die erste Transportanlage für Wintersportler, hier einige Originaldokumente dazu – erfüllte sich der Blöker einen langgehegten Wunsch: Er fungierte heute Mittag am Oberalppass eine halbe Stunde lang als Skiliftbügelgeber!

Das ist zwar leicht übertrieben: Die klassische Städeli-Anlage aus dem Jahre 1987 ist für Selbstbedienung konzipiert. Aber wenn man einmal erlebt, wie es ist, gleichzeitig die Strecke zu überwachen, den Einstieg zu checken und unsicheren Wintersportlern den Bügel zu reichen – dann verneigt man sich vor den Vorfahren dieser “Wächter des Tempels der Lässigkeit”, wie skiliftbuegelgeber.ch diesen Menschenschlag bezeichnet (übrigens mal hochoffiziell merci für den goldenen Bügel).

Der Blöker als Skiliftbügelgeber: Oberalppass, 18. Februar 2008

Am Oberalppass trat ich ein schweres Erbe an – schon in den 1940er-Jahren bauten Tujetscher Skipioniere hier die ersten Lifte unter grossen Mühen. Auf der Passhöhe liegt aber auch ein gewichtiges Stück Familiengeschichte – mein Urgrossvater erbaute und betrieb das heutige Restaurant “Alpsu”, in dem Regula Schmid seit einigen Jahren mit einem coolen Team Veltliner Spezialitäten serviert. Selbst im Zustand höchster Verwirrung wusste meine Tatta im Sedruner Asil S. Vigeli noch Geschichten von tagelangen Schneestürmen und Angstzuständen zu erzählen, die Klein Blöker schwer beeindruckten. Wer heute in der Alpsu-Gaststube neben dem Specksteinofen mit den Initialen “FC” sitzt, soll zumindest eine Sekunde an Urgrosspapa Florentin Cavegn denken.

Damit zurück in die Gegenwart: Baseli sei für die spontane Delegation seines Jobs und das Überlassen einer der begehrten Jacken der Sedruner Bergbahnen gedankt! Da kommt man sich gleich wie ein Held der Berge vor drin. Die Sicherheit war übrigens jederzeit gewährleistet; “Mister Alpsu” war stets in der Nähe.

Sammelstücke aus dem Blökerschen Bügel-Fundus sind z.B. am 15. März am Ski-Nostalgieabend in der Fravia Sedrun zu bestaunen, darunter ein Tebru-Holzbügel (mit Holzgriff und Holzsitz eine echte Rarität). “Tebru” steht dabei für Theodor Brunner – ein Mann mit einer interessanten Geschichte, erfand er doch für Walter Städeli einen grossen Teil jener Technologie, die Städeli später zu einem der wichtigsten Liftproduzenten der Welt machte. Man trennte sich im Streit, und Brunner ging leer aus – ein Gruppe von Skiliftforschern untersucht anhand von Quellen und Interviews die genauen Umstände.

Und wem das nicht genug ist, meldet sich beim Chefverwalter des Schweizerischen Skiliftgutes: Jakob Schuler zeigt auf Anfrage Interessierten gerne seine Sammlung.

7 Kommentare

  1. Salü Andi Blöker

    Danke für die immer guten Bilder und die Blogeinträge über den Skisport. Als ebenfalls begeisterter Skifahrer lese ich diese immer mit Interesse und ich sehe, wir sind uns zumindest in diesen Punkten einig 🙂

    Auf die Idee mit dem Liftgeber wäre ich ehrlich gesagt noch nie gekommen. Ist aber durchaus eine gute Idee.
    Wünsche Dir noch einen unfallfreien und schönen Winter.
    Thomas

  2. Immer wieder staune ich, wie in der Schweiz der Wintersport Menschen allerlei politischer Couleur zusammenbringt – vielleicht sollte man Politik grundsätzlich in Pistenbeizen, auf Seilbahnen oder auf Schneeschuh- und Skitouren machen 🙂 Womöglich kämen viele Debatten konstruktiver und weniger gehässig heraus…

  3. Ich denke, dass die politische Farbe auch an einer Schneebar irgendwann einmal zum Vorschein käme. Spielt aber ja auch keine Rolle, da ich im Skigebiet lieber über die Pisten, den Skirennsport und die Sonne plaudere als über Politik 🙂
    Ich weiss gar nicht mehr, ob ich das Angebot schon einmal gemacht habe. Falls nicht: Du bis jederzeit herzlich eingeladen einen Skitag mit mir im Gebiet Meiringen-Hasliberg zu verbringen. Meldung genügt 🙂
    Lieber Gruss
    Thomas

  4. Zum Thema Skiliftjubiläum kommt mir meine Mutter in den Sinn, die vom Gurtlift in Arosa erzählte. Bei diesen Skiliften Marke Oehler setzte man sich nicht auf einen Bügel, sondern hängte sich mit einem Gurt um die Hüfte am Seil ein. Es sei vor allem mühsam gewesen weil Arosa im Winter oft unter Strommangel litt und die Anlage oft ausschaltete. Wer nicht gefasst gewesen sei und den Gurt nicht festgehalten hätte, dem rutschte dieser an die Füsse runter. Aus dieser Lage hätte man sich meist nur befreien können in dem man den Gurt aushängte. Wer dann aber wieder mit dem Gurt bei der Talstation auftauchte, konnte gratis wieder auf den Lift.

  5. Hallo Andi

    Es gab auch so einen Gurt-Lift auf die Ibergeregg Berghaus Eseltritt. Ich sende Dir zur TEBRU-Geschichte noch 2 Schachteln Doku betreffen TEBRU zu SKIMA und TEBRU zu Städeli AG.

    Gruss, Peter Brunner

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