10 Jahre eigene Mailadresse

Ganz genau lässt sich nicht mehr eruieren, wann mein erstes Mal war. Es muss irgendwann im Jahre 1995 gewesen sein, als ich in den Katakomben der Berner Stadt- und Universitätsbibliothek meine Internet-Stuf-Premiere hatte. Die gute alte Salome besass damals sogar einen dicken Schmöker namens “Internet Yellow Pages”, eine Sammlung aller (!) Webadressen. Wenn ich mich richtig erinnere, war cnn.com meine erste eingetippte Webadresse – allerdings wusste ich damals nicht mal, wo man die URL eingeben sollte, also musste ich das erste Mal enttäuscht aufgeben.

Auf den Tag genau vor zehn Jahren – das lässt sich nachweisen – war aber meine E-Mail-Jungfernfahrt:

Heute vor zehn Jahren gelöst: Mein erster E-Mail-Account, 2. April 1996

Ja, genau: Diese Mailadresse war extrem kurz und praktisch! Damals hätte ich mir nie träumen lassen, dass dies dereinst meine Hauptkommunikationsform werden würde; ich war aber in den ersten Wochen extrem fasziniert von der Möglichkeit, quasi zeitgleich mit jemandem hin und her zu schreiben. Auch wenn ich jeweils in überfüllte Computerräume an die Uni pilgern musste.

Ach ja: Surfen für Studis via Dialup gabs damals auch, die verbreitetsten Modems schafften 9600 oder 14’400 bps. Und besuchen konnte man mit diesem Login auch nur Websites der Uni Bern… immerhin wusste ich dann endlich, wofür dieses ulkige “DFÜ” bei Windows diente. Meine Eltern damals schon ein richtiges externes Modem daheim (Windows 3.11, Netscape 1.1) – es war ein extrem innovatives Schweizer Produkt namens “Spiderman” (Artikel aus dem “PC-Tipp” 11/1996 dazu als PDF; Artikel aus dem “PC-Tipp” 5/1995 dazu als PDF, je 120 KB) – es kostete 1995 schlappe 848 Franken.

Brutal: Bostitchklammern durch Stirn und Kinn (Klick)1996 ist eigentlich spät – das ging so: Mit Kollega Matthias reiste ich im März 1996 ans “Forum for European Journalism Students” nach Athen. Alle fragten uns nach einer Mailadresse – wir wunderten uns aber nur, was denn das für ne neue Kommunikationsform sein sollte. Da es an diesem Treffen aber extrem nette Studentinnen aus ganz Europa hatte, lösten wir nach unserer Rückkehr schnurstracks so ein Elektropost-Dings…

Einen Audiobeitrag über das Treffen in Athen kann man sich hier anhören (MP3, 8 MB). Mehr lustige Geschichten rund um die Web-Urgeschichte in diesem Post.

Die Schweiz auf Tuchfühlung mit Bulgarien und Italien (FEJS-Treffen in Athen, Ende März 1996 - Klick)  Gruppenbild auf der Akropolis (FEJS-Treffen in Athen, Ende März 1996 - Klick)

Links: Die Schweiz auf Tuchfühlung mit Bulgarien und Italien (der Schreibende weiss heute auch nicht mehr so recht, was er an blau glänzenden Brillen und grünen Hosen so toll fand) – rechts: Gruppenbild auf der Akropolis (klicken für grössere Fassungen).

6 Kommentare

  1. Hey, sehr witzig. Und sooo spät war das nun auch wieder nicht. Daher nur ein kleiner narzistischer kommentar: ich bin zwar in der tat “gut”. gegen das “alt” hingegen hätte ich den einen oder anderen vorbehalt. So bekommst du meine 1995 edition der Internet-Gelben-Seiten (korrekt: The Internet Golden Directory)nie in die Hände… Übrigens meinte das “Wall Street Journal” zu diesem Werk “a must have book for anyone who wants to explore the vast reaches of the Internet. Don’t venture into the ether without it.” Und noch schöner kommentiert Jean Polly (Director of User Services, NYSERnet): “In the hotel rooms of the near future – in between the Gideon Bible and the modern jack – there will be a copy of the ‘Internet Golden Directory’.”… Yeah, right, Mr. Polly.

  2. Kollega Matthias lässt herzlich grüssen! Ja, es leben FEJS und die goldenen Tage von Athen 1996. – Übrigens soll der FEJS-Jahreskongress im kommenden Frühjahr (2007) in Neuchatel stattfinden. Das wäre doch eine Stippvisite wert…

  3. Hello! Mein Deutschsprache ist was es ist, aber ich versuche! Du warst in Athens für den FEJS, in 1996! Jetzt ist es in der Schweiz! Willst du kommen für das "Doors Open Day", den 21.04.2007 ? Es wäre lustig, dich zu treffen!

    Kennst du Raphael Prinz?

    Wenn du kommen willst, schreib mir ein mail und dann werde ich ein "invitation" senden…

    See ya!

    Marlène
    FEJS – Schweiz

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