Ja, ich weiss, ich müsste bei dem Mist nicht dabei sein.

Aber ich gehöre zu jenen seltsamen Zeitgenossen, die es interessiert, was Freundinnen und Freunde – gerade jene, die man nicht mehr jede Woche sieht – so umtreibt. Facebook war dafür jahrelang eine schöne Plattform. Auch als Archiv des eigenen Lebens taugt Facebook nicht einmal schlecht.

Dass Facebook sich in den letzten Monaten zur undurchsichtig feedfilternden Werbeschleuder gewandelt hat, bereitet dem Vergnügen aber ein schleichendes Ende.

Wenn wir gerade dabei sind…

Für nette Auflockerung sorgen zudem fremdenfreindliche Parolen gewisser nun definitiv als rechtsextrem entlarvter Weggefährten von vor 30 Jahren (aber hey, wer will schon in seiner linken kleinen Bubble gefangen bleiben), Werbung für Sonnenbrillen oder Kredite gehackter Accounts bzw. allzu schnell klickender Netzbanausen, notorische Profilbildwechsler („Anschlag in XY! Sofort Flagge als Hintergrund setzen!“), ICH-WIDERSPRECHE-DEN-NEUEN-FACEBOOK-AGB- und andere-Hoaxes-Teilern und Mein-Kind-als-mein-Profilbild-Setzerinnen, die – pssst! – dieser seltsamen Disziplin durchaus auch auf Whatsapp frönen.

Und natürlich die Meister meiner Lieblingsdisziplinen: Dem Teilen von Geschichten nach den Strickmustern „Zuerst blieb es ganz ruhig. Aber du wirst nicht glauben, was dann passierte“ bzw. „Wer das teilt, ist lieb, und andere sind doof“.

Und jene, die genau dasselbe Bild auf Facebook, Twitter UND Instagram teilen, *Augenrollsmiley*.

Oder gefitzte Internetaktivistinnen, die dem in der ganzen Welt verstreuten Freundeskreis mitteilen möchten, dass in Hintertupfingen gerade Schulkinder von einem bösen Mann angesprochen werden („BITTE TEILEN!!!!“), dass in Schüpfolfingikon Köter Rocky entlaufen sei („HELFT MEINEN NACHBARN IHR HUNDI WIEDER ZU FINDEN!!!!!!!!“), dass ich mit Krautfönnding mithelfen soll, von vornherein zur Erfolglosigkeit verdammte Weissnichtwas (SUPERINTERESSANT) mitzufinanzieren, dass ich beim Urnengang XY doch unbedingt Z stimmen müsse (LASSEN WIR UNS DAS NICHT LÄNGER GEFALLEN!!!), dass ich mir die wahnwitzig weltbewegendwichtige Meldung von polzeificker-punkt-zehaa +++++ Zwei 3.29cm grosse Schildkröten ausgesetzt – bitte TEILEN & LIKEN! +++++ genauer angucken sollte oder DAS TEILEN soll, wenn ich GLEICHER MEINUNG sei.

Ah nein, KOPIEREN UND EINFÜGEN, NICHT TEILEN!!!! Im Fall.

Das höchste der Gefühle ist aber, wenn ich mithelfen soll, den armen kleinen SEIT *DREI* TAGEN vermissten Jan, sein Velo sein Töffli seinen Teddybär seine Märmeli oder Jan’s verdammte Zahn Spange wiederzufinden, auch wenn ich HUERESICHNOCHMAL ZWEIHUNDERT KILOMETER VON DA WEG WOHNE und nicht auf Deppenapostrophe, Deppenleerzeichen, Slacktivism oder Kommafehler stehe.

Dass Zuckis Applikation nun auch noch meint, mich grüssen zu müssen, löst höchstens Hassanfall Nummer 2871649 aus als den Wunsch, den Morgengruss zu erwidern.

Ohne Titel-1

Lass doch den Kinderkram, Herr Salzhügel, wirklich.

Aber was wollte ich eigentlich sagen? – Ach ja: Dem Fass den Boden ausschlagen tut in letzter Zeit allerdings die Renitenz, mit der sich Basefook dagegen wehrt, meine Wünsche zu respektieren.

Ich kann in der iOS-App tausendmal „weniger ähnliche Meldungen anzeigen“ wählen – ob es jetzt darum geht, dass die FB-App mir zehnmal am Tag andrehen will, „ein aktuelles Foto“ zu teilen („15 neu“, im Fall!) oder „den letzten Link zu deinem Beitrag“ hinzuzufügen oder meine beiden Facebook-Seiten umgehend kostenpflichtig zu bewerben – es kommt immer und immer wieder, unablässig, mehrmals am Tag.

Inzwischen bin ich überzeugt: Facebook muss nicht nur modularer anpassbar und transparenter kontrollierbar werden, Facebook müsste vor allem zwingend kostenpflichtig sein. Ein Abo-Modell würde einerseits userseitig die Spreu vom Weizen trennen und andererseits den blauen Riesen aus Menlo Park davon befreien, dermassen penetrant wie derzeit den Feed mit nervigen Aufforderungen vollzupflastern.

Wenn Facebook zahlungspflichtig würde, könnte der Konzern ohne schlechtes Gewissen eine Option „Feed ungefiltert / chronologisch“ einführen – mit Suboptionen wie „reine ‚Gefällt mir‘ ausblenden“, „Kategorie ‚Politik‘ ausblenden“, „‚Seiten, die dir gefallen könnten‘ ausblenden“. UND VOR ALLEM: „Alles über Hunde ausblenden“! (Am besten „automatisch löschen“, pardon.)

Das wäre etwa die selbe Erleichterung im Social-Media-Alltag wie wenn die offizielle Twitter-App endlich das Hashtag-Muting einführen würde.

Nein, ich gebe noch nicht gerade auf. Twitter und Instagram haben zwar Facebook in meiner tagesaktuellen Selbstdar…, äh, Kommunikation weitgehend abgelöst – und mit gezieltem Ausblenden, Muten, Entfreunden und Melden kann man bislang den Feed noch halbwegs sinnvoll gestalten bzw. säubern. Und JA – Facebook bringt mir nach wie vor interessanten Lesestoff, schöne Ferien- und Alltagsfotos sowie Tipps und Tricks, die ich sonst nicht bekommen hätte.

Wenn es  aber in diesem Stil weitergeht…

20160814-a-sedrun-1136

20160813-sedrun-290

20160811-bern-0801

20160814-a-sedrun-1119

20160829-fb-01

20160929-zucki-kannst-mich

… und diese Feedbacks auf „weniger von dieser dampfenden Kacke anzeigen“ weiterhin eine blanke Lüge bleiben…

20160829-fb-02

… dann zerstört sich das Fratzenbuch nachhaltig selbst.

Und ich als alter Naivling hoffe immer noch, dass es bloss ein Bug ist, der in der nächsten Version der App behoben sein wird, muahahaha!

Werter Mark – ich kann wunderbar selbst beurteilen, wann ich was poste, und ich werde es sicher nicht dann tun, wenn mich irgend ein vollkommen Amok gelaufener, verquerer Algorithmus auch nach 100 Klicks auf NEIN noch dazu auffordert.

Habe geschlossen.

Find‘ ich gut. (8 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Höchste Zeit, wieder einmal im Archiv zu kramen und ein paar alte Bilder und Videos hervor zu kramen. Mitte der 1980er-Jahre, vor 30 Jahren also, begann das Videozeitalter. Nicht im Sinne der VHS-Cassette, die jüngst beerdigt wurde – die gab es 1986 schon lange. Sondern mit eigenen Aufnahmen.

Als Teenager und schon damals angehendem Archivar schien mir die Möglichkeit, den Alltag für spätere Zeiten (in denen man das alles wahnsinnig altmodisch finden würde) zu konservieren, extrem faszinierend zu sein. Und so rückte ich ab 1984 immer wieder mal mit der Familien-Videoausrüstung einfach so aus und nahm den Alltag in Itingen auf – dem Oberbaselbieter Dorf, in dem ich meine Kindheit verbrachte.

19851001-filmenschatzsucheSeit dann ist das Leben seit damals also nicht nur mit statischen, sondern auch bewegten Bildern dokumentiert. Und diese sollen in den kommenden Monaten den Weg aus dem Archiv finden.

Im Gegensatz zu heute, wo in der Öffentlichkeit Filmende und Fotografierende von Abbildungsscheuen skeptisch beäugt oder von Datenschutzfreaks drangsaliert werden, erntete man 1986 mit einer Videokamera höchstens grosse Augen oder, wenn’s hochkam, bewundernde Blicke. So konnte ich – heute undenkbar! – sogar in der Itinger Badi filmen.

Wo man heute Zeter und Mordio schreien würde (halb nackte Kinder! Persönlichkeitsschutz! Pädophile!), kümmerte sich niemand um mich, als ich als 14-Jähriger meine Schulkolleginnen- und kollegen beim Spass im Freibad festhielt. Wie durch ein Wunder blieb die Panasonic A2 sogar trocken.

Ja, die Itinger Badi!

Unser Kleinod, mit einer langen Geschichte, in den frühen 1980ern dank dem Erlös des Dorffestes 1979 totalsaniert, die schönste Badi im Baselbiet, und – o Wunder – die einzige mit Gratiseintritt. Bis heute! Die Badi war und ist der allsommerliche Brennpunkt des Dorfes. Hier lernen die Itinger Kids schwimmen, hier wird wild herumgerannt, angebändelt, sich vergnügt, sich über die Auswärtigen ereifert, die schmarotzen und nichts ins Kässeli geworfen haben.

Und in den 1980ern vor allem Ping Pong gespielt („Rundlauf“, „aasuugä“) – hier ein Bild von mir und Kumpel Tanner (zusammen waren wir u.a. „Metro Goldwyn Hansi“ und machten Filme) aus dem Sommer 1986:

19860707-tannerandi

Seit 1986 hat sich die Badi und ihre Umgebung natürlich ziemlich verändert. Hier ein paar Vergleichsbilder 1986/2016 aus Videostills und aktuellen Aufnahmen von Mitte Juli – Tischtennis ist weitaus unbeliebter als vor 30 Jahren, die Tische verwittern:

 

Nun aber zum Video. Auf Youtube ist eine leicht zensurierte Fassung schon seit Jahren abrufbar. Zum 30-jährigen Jubiläum des Originalvideos springe ich nun erstmals über meinen Schatten und veröffentliche sogar Szenen samt Tonspur, auf denen ich als Teenie… naja, etwas peinlich rüber komme, als mir Fränzi, Barbara und Sandra (oh! Mädchen!) die Kamera kurzerhand wegnehmen und ihren eigenen Film drehen. Vorher haben sie sich vorzüglich vor dem Kameramann im Wasser produziert. So eine Cam war damals auch ein ausgezeichnetes Mittel, das andere Geschlecht auf sich aufmerksam zu machen.

Keine Sorge: „Pussy“ war damals im Sinne von „Bussi“ gemeint. Die andere Bedeutung… naja, die waren wir erst so ein wenig… sehr zaghaft am entdecken. Ähm, natürlich alle anderen. Dem Nerd Andi waren Videokameras (noch) wichtiger.

Die Badi war aufgrund ihrer sozialen Bedeutung vor 30 Jahren auch Stoff für eine Schülerzeitungs-Reportage. Ich wollte ein wenig hinter die Kulissen schauen. Dafür musste ich den gefürchteten Schulabwart „anbinden“, der in unseren fünf Primarschuljahren den Ruf als strenger Hardliner hatte. Wenn „dr Oberer“ auftauchte, nachdem wir Mist gebaut hatten, wussten wir: Jetzt ist Feuer im Dach! Er ähnelte damals ein wenig Ex-Schiri Collina, war grossgewachsen und für uns Kids angsteinflössend. Er war zugleich für die Wasseraufbereitung im Schwimmbad zuständig.

Christian Oberer – kein Unbekannter, er ist nach wie vor Leichtathletiktrainer und auch Vater der früheren Siebenkämpferin Simone – erwies sich aber 1986 als äusserst freundlicher Interviewpartner und erklärte dem Jungreporter einen Morgen lang geduldig die Geheimnisse von Salzsäure, Chlor und pH-Wert.

Die Zeitung ist hier als PDF abrufbar (12 MB), die Badi-Repo ist auf den Seiten 11-13. Mehr Abenteuer von vor 30 Jahren sind in den anderen „FGOI“-Ausgaben des Jahres 1986 konserviert.

 

Mehr aus der Serie „vor 30 Jahren“ demnächst in diesem Theater – Stoff ist mehr als genug vorhanden.

Find‘ ich gut. (6 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kennen Sie den längsten Skilift auf der Schweizer Seite des Juras? Hätten Sie gedacht, dass er nur wenige Fahrminuten vom Neuenburgersee entfernt liegt (den man vom Lift aus sogar sieht), fast zwei Kilometer lang ist und 400 Höhenmeter überwindet?

20160123-paquier-cretdupuy-0739b

Dann haben Sie noch nie vom kleinen, feinen Skigebiet Le Pâquier gehört, das kurz vor der grösseren, bekannteren Station Les Bugnenets / Savagnières liegt. Didier Cuche wird oft mit letzterem Gebiet assoziiert – tatsächlich stammt er aber aus Le Pâquier. Natürlich hängen in der Pistenbeiz signierte Plakate, und einmal pro Winter kann man sich heute noch mit ihm messen.

20160123-paquier-cretdupuy-1013

Der lange Skilift – Marke Küpfer Steffisburg – dreht hier seit 1971 seine Runden. Leider wurden die antiken Gehänge – im Volksmund Skiliftbügel genannt – kürzlich durch die modernen Borer BSG77 ersetzt, und der laute hydrostatische Antrieb durch einen konventionellen.

20160123-paquier-cretdupuy-0861

Zum Lift fährt man ab Neuchâtel auf der Vue-des-Alpes-Autobahn, nimmt die Ausfahrt Valangin…

20160123-paquier-cretdupuy-0732

… und erspäht dann nach einigen Fahrtminuten durch das weite Val de Ruz die Skihänge auf der Rückseite der ersten Jurakette, vom Mittelland her gesehen:

20160123-paquier-cretdupuy-0735

Die erste Hälfte des Liftes verläuft über einen flachen, weiten Hang mit idealen Anfänger- und Carvingpisten:

20160123-paquier-cretdupuy-0869

20160123-paquier-cretdupuy-0896

Dann geht es in die steile Waldschneise bis auf den Rücken des Crêt du Puy:

20160123-paquier-cretdupuy-0898

Bisweilen etwas schmale, coole Waldabfahrten – anfangs flach, dann steiler – beginnen bei der Bergstation, von wo aus man auch den nahen Chasseral-Gipfel schön sieht. Kurz vor dem Waldausgang zum flachen unteren Teil (mit drei schönen Pistenvarianten) sieht man in der Ferne dann auch den Neuenburgersee in der Abendsonne glänzen.

20160123-paquier-cretdupuy-0994

20160123-paquier-cretdupuy-1003

Der zweite, kürzere Lift im unteren Bereich – für fortgeschrittene Anfänger – wurde 1973 ebenfalls von Küpfer Steffisburg aufgestellt. Er besitzt noch die wunderbaren lauten, alten Röhrs-Gehänge mit Metallseilen.

20160123-paquier-cretdupuy-0808

Für die ganz Kleinen existiert ein weitläufiges Kinderparadies mit diversen Schneespielen und Seilliften.

Im Gegensatz zu lethargischen Liften im Gantrischgebiet (inzwischen unter der Woche zu trotz endlich guter Verhältnisse) oder im Jura (Tramelan und andere haben schon Saisonschluss) herrscht hier kurz vor Ostern 2016 nach wie vor Skibetrieb, inklusive Nachtskifahren und Barbetrieb. Das muss unterstützt werden: Ab nach Le Pâquier!

Mehr Bilder in diesem Album. Das Video des Tages:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll und Unterbäch

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Das erste Sekundarschul-Skilager verbrachten wir anno 1987 in Eischoll – nach 29 Jahren war es letzte Woche an der Zeit, endlich an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Das Gebiet ist nämlich ein exzellenter Vertreter für die Vintage-Skigebiete-Serie.

Immerhin tat ich hier zudem den härtesten Sturz meines Lebens, schrammte wohl knapp an Schlimmerem vorbei – samt Felsen und Bäumen im Weg, wie dieses Bild der Sturzstelle 1987 (mit Vergleich 2016) zeigt:

Eischoll 1987-2016

Positiver Nebeneffekt: Das hübscheste Mädchen der Klasse war dabei und fand mich einen echt harten Kerl, als ich tapfer (im Gesicht blutend) aus dem Wald kroch. Das Lager 1987 war zudem das Hauptthema unserer Schülerzeitung „FGOI“ (als PDF lesen, 4 MB), und der Lagerbericht war zugleich der erste Radiobeitrag meines Leben:

Teil 1

– Lieber in eigenem Player flashfrei hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 1 (MP3, 1.9 MB)

Teil 2

– Lieber in eigenem Player flashfrei hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 2 (MP3, 1.2 MB)

Der Januar 1987 war zudem der letzte Winter, in dem selbst im Baselbiet sibirische Temperaturen von minus 24 Grad gemessen wurden, wie dieser Blogbeitrag von 2007 ausführt. Hier ein paar weitere Eindrücke von Eischoll anno 1987:

198701-eischoll-024

19870110-skilager-eischoll-1095

19870110-skilager-eischoll-1095

198701-eischoll-028

Doch nun zurück in die Gegenwart: Eischoll kommuniziert via Twitter ausgezeichnet, und so kam ich im Feed stets in den Genuss der aktuellen Bedingungen. Auch hier fiel der Saisonstart 2015/16 wie fast überall komplett ins Wasser – pardon, ins Gras -, aber inzwischen liegt im oberen Teil des Gebietes über ein Meter Schnee.

20160311-b-eischoll-3176

Nachdem am vergangenen Feitag (11. März 2016) fürs Mittelland Nebel angesagt war, entschied ich mich fürs Wallis, wo angeblich kein Wölklein am Himmel stehen sollte. Eine gute Entscheidung! Dank meiner Hausbank kam ich zu einer 1/2-Preis-Tageskarte für 22 Franken (die auch noch in Visperterminen, Stalden, auf der Moosalp usw. gültig gewesen wäre – das Snow and Rail hiesse „Rund um Visp“), beschränkte mich aber auf Eischoll und Unterbäch.

Am Müller-Lift in Unterbäch war – soweit ich mich erinnere – 1987 sogar noch ein Anbügelautomat „Liftomat 2000“ im Einsatz, heute hängen die Büsseracher Borer-BSG77-Langbügel am Lift, wie auch an allen anderen Schleppliften (von Küpfer – mit zwei Stützenformen – und Müller) in den Gebieten. Nicht gerade Vintage, aber die Dinger wurden auch vor 1980 erfunden.

20160311-c-unterbaech-3333

War die Küpfer-Sesselbahn in Eischoll 1987 noch so gut wie neu…

198701eischoll-sessel01

… läuft die Konzession der Bahn demnächst ab – in wenigen Tagen findet eine Abstimmung dazu statt (weiterer Beitrag hier). Angesichts der ungewissen Zukunft war es also höchste Zeit, die schönen alten Bahnen hier noch zu besuchen.

20160311-b-eischoll-3301

20160311-b-eischoll-3165

20160311-b-eischoll-3227

20160311-b-eischoll-3251

20160311-b-eischoll-3294

In Eischoll hatte es kaum Leute (etwa 10), in Unterbäch lief etwas mehr, aber über 40 Leute dürften es auch nicht gewesen sein. Dank der Nordhänge waren die Pisten einfach nur perfekt: Kompakter Pulver, bestens präpariert, ideal zum Carven. Eischoll hat etwas viele Ziehwege, aber die roten und schwarzen Waldabfahrten sind top, ebenso die flacheren Hänge unterhalb des Waldes.

20160311-b-eischoll-3236

20160311-b-eischoll-3197

Der obere Teil des Unterbächer Gebietes – aus Eischoll einfach erreichbar über einen langen, malerischen Waldweg – …

20160311-b-eischoll-3316

… ist hochalpin und bietet allen etwas, von blau über rot bis schwarz – sowie alte, knorrige Lärchen unterhalb der Waldgrenze, und einen weiten, malerischen Talkessel zuoberst.

20160311-c-unterbaech-3535

20160311-c-unterbaech-3496

Der untere Teil ist bisweilen etwas ziehwegig, aber dank der schönen Aussichten, Birkenwälder und variantenreichen Abkürzungen ebenfalls recht aufregend.

20160311-c-unterbaech-3393

Ein tolles Cordon Bleu bei der Mittelstation rundete den Tag ab.

20160311-c-unterbaech-3446

Dem vollkommenen Skivergnügen abträglich sind für pressante Menschen allenfalls die drei lahmen Zweiersesselbahnen, die aber grösstenteils auch als blosse Zubringer zu den zügigen Bügelliften verwendet werden können. Und kuppelbare 6er-Sesselbahnen suchen wir in dieser Serie ja eben gerade nicht. Mit drei Herstellern (Küpfer, Bartholet und Leitner) kann der geneigte Liftfetischist immerhin auch eine grosse Sesselbahn-Markenvielfalt bestaunen.

Fazit: Zwei kleine, sinnvoll verbundene Skigebiete abseits des Rummels mit Tarifverbund, sehr zu empfehlen!

20160311-c-unterbaech-3352

– Alle Bilder aus Eischoll in diesem Album (mit weiteren Fotos von 1987)
– Alle Bilder aus Unterbäch in diesem Album

Das Video des Tages:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

TLDR: Ich halte die Mobilisierung über Social Media im Vorfeld von Urnengängen für völlig aus den Fugen geraten. Viele politisierte Menschen mögen es zwar gut meinen, wenn sie täglich mehrmals das Gleiche in leicht anderen Worten posten, richten aber durch die spam-artige Verbreitung ihrer Botschaft mehr Schaden als Nutzen an. So lange es dazu keine repräsentativen empirischen Studien gibt, plädiere ich für eine Zurückhaltung beim Überfluten der Timelines mit zig Aufrufen.

_________

Sind Sie auch oft auf Social Media unterwegs, bewegen sich aktiv im Netz, interessieren sich für Politik? Haben Sie die unablässigen Aufforderungen in Ihren Social-Media-Timelines, abstimmen zu gehen oder bestimmte Vorlagen abzulehnen oder anzunehmen, nicht auch immens genervt?

Zur meiner persönlichen Ausgangslage: Ich habe seit 1990 keine Abstimmung und keine Wahl verpasst, ich fülle die Abstimmungsunterlagen meist am selben Tag aus, wie ich sie bekomme, da ich mir längst eine Meinung gemacht habe. Politisiert wurde ich von Jürg Frischknechts „Unheimlichen Patrioten“, dem Fichenskandal und der ersten GSoA-Abstimmung.

Und auch wenn ich – inzwischen als Einzelunternehmer vielleicht noch etwas mehr als früher – sehr extreme Positionen je länger je mehr ablehne, wäscht mir spätestens meine Partnerin als Gewerkschafterin die Kappe, wenn ich allzu fest zur Mitte tendiere. Bref: Für mich ist zu 110% klar, dass man als normal denkender Mensch eine DSI nur ablehnen kann, dass eine fünfte Gotthardröhre kompletter Unsinn ist undsoweiter.

Natürlich höre ich am Stammtisch im Sedruner Heimatskigebiet das pure Gegenteil davon, in flammenden Reden mit Fäusten auf dem Tisch, und fahre nachher mit den Urhebern der Tiraden den Skilift rauf. Da wird mir allerdings nur noch klarer, dass es bei solchen Vorlagen relativ klar ist, wer wie abstimmen wird; dass ich deren Meinung sicher nicht ändern werde.

Und dass ich in meiner Timeline mit überflutungsartigen #DSInein-Tweets oder SCHON-NEIN-GESTIMMT?-Posts auf dem Fratzenbuch sowieso nichts ausrichten kann. Ausser den Freundeskreis und die Follower zu nerven mit all diesen wohl gut gemeinten, aber wenig durchdachten Posts – denn 95% denken ohnehin gleich wie ich, und „die andere Seite“ werde ich auch mit dem 6238. Post garantiert nicht überzeugen.

Mich und viele andere muss man weder aktivieren noch mobilisieren – wir wissen, was wir zu tun haben.

Danke auch nochmals für das sinnlose Zumüllen meiner Timelines die letzten Wochen. Social Media waren beinahe unbrauchbar, da vollkommen durchtränkt von den immer gleichen politischen Botschaften.

Die einzigen Folgen der DSI-, Gotthard- und sonstigen Nachrichten waren bei mir:

  1. Ich habe mir überlegt, auf einen Twitter-Client zu wechseln, der Hashtag-Muting erlaubt.
  2. Ich habe etliche Personen, deren Posts mich an sich sonst interessieren, gemutet oder entfolgt.
  3. Ich bekam ob dem Overflow bestenfalls wütende Wallungen und überlegte mir, das nächste Mal aus Protest gegen diese sinnlose Über-Posterei ein Video zu posten, wie ich meine Wahl- oder Stimmzettel im Garten verbrenne.

Dabei wäre es einfach: Über Dinge, über die schon 1000 andere Twittern, halte ich meist den Mund (Ausnahmen bestätigen die Regel). Was bringt es genau, der 2358. in der Timeline zu sein, der in leicht veränderten Worten den Trend Nummer 76264 abhandelt oder der 187634762. zu sein, der sich zu wiederholten Male öffentlich über die SVP aufregt?

Diese Zwangsbeglückung mit Selbstverständlichkeiten nervt je länger je mehr.

Anderes abschreckendes Beispiel: Die Telefonkampagne der SP vor den eidgenössischen Wahlen 2015. – „Schon mal was von Mobilisierung gehört?!“ entgegnete eine meiner ältesten Berner Freundinnen und heutige SP-Grossrätin empört, als ich meinen Unmut über diese imho dümmliche Wahlkampfart vertwitterte. Mit Verlaub, aber mir persönlich können all diese Formen der „Mobilisierung“ und „Aktivierung“ gestohlen bleiben – sie führen eher dazu, dass ich eine andere Partei wähle, zum Beispiel eine aus dem linken Spektrum, die mich nicht vollspammt und bevormundend anruft. Genau so gut kann die SP gerne einem Fisch sagen, er solle schwimmen.*

Ein anderer Berner Sozialdemokrat legte mir kürzlich ans Herz, Personen oder Hashtags einfach bis nach der Abstimmung zu muten.

Einspruch! Das sind alles Argumentationslinien, wie wir sie seit den später 1990-ern von Spammern hören: „Wenn du Ruhe vor uns willst, musst DU aktiv werden, und sowieso, tu doch nicht so, das ist doch nicht so schlimm.“ Und zwischen den Zeilen: „Es ist gut für dich, wenn du es lange genug aushälst, merkst du es schon.“

Adrienne Fichter, Politologin und „Head of Social Media“ bei der NZZ, entgegnete nach einem Tweet, in dem ich die übertriebene Posterei kritisierte: „Aber Sie haben dich aktiviert, letzten Endes. Darum geht es.“

NEIN – eben nicht!

Sie haben mich nicht aktiviert, da ich seit meiner Kindheit politisch aktiviert bin.

Wie Tausende andere, deren Timelines vor Abstimmungen und Wahlen verstopft werden und die das langsam angurkt (ich hatte in den letzten Wochen anstelle dieses biologisch abbaubaren Wortes diverse Four-Letter-Words zuvorderst, konnte mich aber noch knapp zurückhalten, zu posten, dass sich all diese MobilisiererInnen ihre Aktivierungen sonstwo… eben).

Bevormundung, Überheblichkeit, Übertreibung, Sich-nicht-mehr-Spüren – das sind die Stichworte, die mir dazu in den Sinn kommen. Wenn das die Zukunft des politischen Dialoges ist, dann bitte ohne mich – das habt ihr wirklich sauber hinbekommen, aus einem Homo Politicus einen in Bälde Politikverdrossenen zu machen, dem das ganze langsam zu blöd, zu infantil wird.

Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Gewinn einer Abstimmung etwas ganz anderes ist als der Verkauf von Medikamenten oder die Mitteilung inexistenter Lottogewinne. Und dass unsereiner diese „Aktivierungen“ auszuhalten hat.

Von mir kommt dazu ein klares Nein.

Ich halte die Annahme für naiv, zu glauben, dass es Sinnvoll oder gar Nützlich ist, die Timelines seiner Follower mit täglich, wenn nicht teils stündlich platzierten eintönigen Erinnerungen vollzumüllen. Das ist ein klassisches „Preaching to the choir“ – verpuffter, sinnloser Aufwand, der mehr Schaden anrichtet als nützt. Aber der Viagra-Spammer würde auch sagen: „Wenn von 30 Millionen Mails auch nur zwei reagieren, hat es sich schon gelohnt!“

So schockieren mich auch Aussagen des Campaigners Daniel Graf, die kürzlich im „Tagi“ und „Bund“ zu lesen waren: „Per E-Mail kann man die Leute bitten, einen bestimmten Artikel auf Facebook zu teilen. Das führt dazu, dass viele Leute gleichzeitig auf Facebook aktiv werden. Das löst einen Effekt aus.“

Noch mehr Politiklärm und die ewig gleichen geteilten Inhalte auf sozialen Medien? Nein, danke!

Genau solche „ungschpürigen“ Übertreibungen führen mitunter dazu, dass ich im Vorfeld der Wahlen SMS von Privatpersonen bekommen habe, die eine Partei getriggert hat – vermutlich mit Aussagen wie „Mobilisiert euren Freundeskreis, schickt ihnen SMS mit diesem vorgefertigten Text, einfach kopieren und einfügen…“ – Widerlichst!

Solche Aktionen wirken bestensfalls Freundeskreisverkleinernd.

Ich weiss ja auch, dass zu wenig Menschen an die Urne gehen. Aber die Energie der 10’000 Tweets würde man gescheiter auf der Strasse gezielter einsetzen, oder indem man für bewundernswerte Aktionen wie Peter Studers „Dringenden Aufruf“ oder die Operation Libero spendet. Allenfalls, in dem man eindrückliche Backgroundgeschichten postet (wie z.B. den Text der NZZ-Praktikantin mit afghanischen Wurzeln).

Aber „Schon gewählt?“, „GEH ABSTIMMEN!“, „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, #dsinein zu stimmen“ im Zweistundentakt in den Cyberspace zu proleten, ist nichts anderes als billiger, nerviger Slacktivism – genau so übel wie politische Propaganda in Briefkästen mit STOPP-Kleber zu werfen. (Ich höre schon wieder die heuchlerischen Kommentare von Werbung an sich vehement abgeneigter Politiker, die beim eigenen Thema gerne noch so viele Ausnahmen von der Werbesperre machen.)

Auswege? – Es ist halt anstrengend, aber zumindest Facebook erlaubt es, Freundeslisten zu machen. Ich würde mir als Politaktivist die Mühe machen, solche Listen zu erstellen und Menschen, von denen ich weiss, dass sie genug politisiert sind, von meinen inflationären Posts verschonen.

Und ich bitte all die Berufszwitscherer, bei den nächsten Urnengängen um Zurückhaltung, möge sie das Thema noch so emotional beschäftigen, mögen sie es für die Schweiz noch so katastrophal halten, wenn die Abstimmung nicht in ihrem Sinne ausgehen sollte.

Anyway: Ich möchte zum Thema „Mobilisierung via Social Media“ gerne konkrete Zahlen sehen. Keine „persönlichen Einschätzungen“ (wie hier von mir), sondern repräsentative Umfragen. Ich bin gerne bereit, meine Meinung zu revidieren – und bin gespannt auf handfeste Beweise.

________________

* (Sideline: Abgesehen davon ist diese Datensammlung der SP ein Fall für den EDÖB – mir sind viele Menschen persönlich bekannt, die sich niemals selbst auf eine Mailingliste oder ähnliches haben setzen lassen und die schon weissnichtwas unternommen haben, um von diversen Verteilern zu kommen – erfolglos. Ich habe einige Jahre lang Simonetta Sommarugas Website betreut, hoste verschiedene Auftritte von Berner SP-Sektionen, -PolitikerInnen und diverser Grüner ExponentInnen, mache immer wieder Websites für linke PolitikerInnen – aber ich habe nie ein Einverständnis dazu gegeben, dass man mich mit Newslettern, Post oder gar Anrufen eindeckt. Dabei müsste jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein, dass ich zu 99% SP wähle und auch in ihrem Sinne abstimme. Meine Daten wurden auch nach den Wahlen 2011 – als ich öffentlich meinen Unmut über diese Praxis kundtat – nur teilweise gelöscht; aufgrund der Nachrichtenstruktur vermute ich inzwischen voneinander unabhängige Verteiler. Offizielle Kanäle für ein Opt-Out existieren nicht; in Mailnewslettern fehlt der gesetzlich vorgeschriebene Abmeldelink.)

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

17.07.2015

Südkorea und Japan

Ein kurzer Hinweis aus Kyoto für alle, die es nicht bemerkt haben sollten: Seit drei Wochen und noch für eine Woche berichte ich auf Twitter täglich mehrmals über Kurioses, Interessantes, Schönes, Kulinarisches und anderes aus Südkorea und Japan.

Viel Spass!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Hiroshima, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

In diesen Tagen vor 30 Jahren waren einige Schülerinnen und Schüler aus Itingen (BL) ziemlich nervös – wir kamen zum ersten Mal am Fernsehen!

Das mag heute, in einer Zeit der Tausenden Kanäle, etwas nicht sehr Aussergewöhnliches sein. 1985 hingegen gab es erst eine handvoll Sender, und TV DRS hatte eben erst das Wolken-Signet eingeführt (man sieht es im Video weiter unten).

In den frühen 1980ern entwickelte das Schweizer Fernsehen ein Format, das es Kindern und Jugendlichen ermöglichte, eigene Super-8-Filme zu zeigen (und später dann, als entsprechende Kameras auf dem Markt kamen, Videos). Das konnten Dokus, aber auch Spielfilme sein. Mein alter Kumpel Patrick (aka „Tanner“) und ich wollten da natürlich unbedingt hin. Wir gaben ja schliesslich schon eine Zeitung heraus, mit der sagenhaften Auflage von etwa 40 Stück – der Schritt ins nationale TV schien da nicht mehr weit. (Bescheidenheit war schon immer unsere Stärke.)

Es muss Anfang 1984 gewesen sein, als in der Zeitschrift „TR7“ dieser Artikel zur Sendung erschien (klicken für grosse Fassung):

1984, TR7

Das Fieber hatte uns gepackt – wir setzten uns an die Schreibmaschine und schrieben eine Geschichte auf, die wir sogleich an die Redaktion sandten. (Links im oberen Bild ist die Antwort sichtbar. Das Fernsehen hatte angebissen!)

1984, Idee zum Film

Natürlich war „Der Ausgeschlossene“ (später umbenannt zu „Der Ausgestossene“ und in der Handlung leicht modifiziert) ein wilder Mix aus Trick- und Spielfilmen, die wir als Kids toll fanden: Captain Future, Die Zeitmaschine (in der Verfilmung von 1960), Buck Rogers in the 25th Century, Raumpatrouille, Star Trek.

So kam beispielsweise das „Beamen“ vor, und Tanner und ich reisten versehentlich ins Jahr 3458, wo die Leute nach einem Atomkrieg relativ seltsam aussahen (und sich auch so benahmen). Zudem benannten wir zwei Figuren (recht phantasielos!) nach dem Roboter und dem Androiden in „Captain Future“, die Morloks hiessen gleich wie bei H.G. Wells und die Bügeleisen und Badezimmer-Armaturen des Raumschiffs Orion inspirierten uns bei der Einrichtung unseres Raumschiffs.

Am Ende hatten wir ein ganzes Heft voller Unterlagen, Storyboards, Drehbücher, Finanzlisten, Verträge usw. zusammen:

Drehbuch 1984

Am Anfang Stand eine Überischt, dann kam das Drehbuch (klicken für grosse Fassung):

Drehbuch 1984

Kurz nach unserem 12. Geburtstag war dann klar: Es klappte! Sendungsleiter Dani Bodmer fand unsere Idee gut, mein Onkel lieh uns seine brandneue Panasonic-A1-Videokamera mit tragbarem VHS-Recorder aus, und wir machten uns auf die Suche nach Schauspielerinnen und Schauspielern. Es war die Zeit des Schulwechsels von der Primar Itingen an die Sek Sissach – bei uns spielte noch voll der alte Dörfligeist: Fast unsere gesamte frühere Primarschulklasse war dabei. (Interessanterweise treffe ich viele dieser Leute heute noch – schön!)

Alle bekamen einen Plan, auf dem sie ihre Verfügbarkeiten nach den Sommerferien 1984 eintragen sollten (klicken für grosse Fassung – meine Anleitungen waren schon damals absolut legendär):

Plan 1984

Erstaunlicherweise bekamen wir in einer komplett smartphonefreien Zeit immer alle probelmlos an den richtigen Ort – die Dreharbeiten fanden zwischen August und Oktober 1984 in und um Itingen statt.

Als „Zukunft nach dem Atomkrieg“ (sowas von 80er!) musste eine Lehmgrube hinten im Tal her halten (heute mit Biotop), für die Raumschiff-Kommandokapsel räumten wir das Schlafzimmer von Tanners Schwester kurzerhand aus, und besonders stolz waren wir auf den „Verschwindibus-Trick“ (zwei Leute stehen da und verschwinden plötzlich: Kamera stoppen, Leute rennen weg, leeren Raum weiterfilmen).

Einige Impressionen aus dem Spätsommer 1984:

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Ich erkläre Kamermann Hanspeter die Panasonic-Videokamera

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Co-Autor Tanner guckt sich die aktuelle Szene durch den Sucher an

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Keinen Aufwand gescheut: Hanspi hat auch seinen Papagei „Agro“ als lebendige Requisite mit in die Lehmgrube gebracht

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Schminke, Perücken, Papagei – und schon ist die Herrscherin des Jahres 3458 (aka Lisi) bereit zum Regieren!

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

So sehen Verstrahlte Kriegsopfer aus, im Fall: Wundi und Fränzi erklimmen den Drehort

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Genau so muss die Szene sein. ACTION!

Wie war denn Filmen anno 1984? Gute Videocassetten (SHG!) waren schon einmal sackteuer. Besonders schwierig war der Ton – das eingebaute Mikrofon der A1 war lausig: Damit man überhaupt etwas hörte, mussten wir richtiggehend schreien. Und die Bildqualität…? Na ja.

Heute kann man Filme auf dem Smartphone erstellen, schneiden, vertonen und auch gleich veröffentlichen. Damals mussten wir durch die halbe Schweiz reisen, um bei der Verwandtschaft für den Schnitt (ein VHS-Gerät spielt ab, das andere nimmt das auf, was man übernehmen will – eine nicht ganz präzise Plackerei) ein zweites Videogerät zu finden.

Inzwischen hatten wir auch unser eigenes Label erfunden „Metro Goldwyn Hansi“ (Wellensittich statt Löwe ganz am Anfang), mit einer selbst gepfiffenen Fanfare.

Anfang Dezember 1984 fand auf der Rega-Basis Untervaz (sichtbar im Hintergrund) die Postproduction statt – die Executive Producers waren mit der Arbeit zufrieden:

Tanner und Andi, Herbst 1984

(Heute würden Eltern wohl in Ohnmacht fallen, wenn ihre Kids ohne Geländer auf der Zinne einer Burgruine posieren. Ohne Helm, boah!)

Das Fernsehen DRS hat uns sodann für die Sendung vom Juni 1985 eingeplant. Da waren aber noch Formalitäten zu regeln – wir waren angenehm überrascht, als wir 450 Franken (für uns Knapp-Teenies natürlich ein Vermögen) für den Streifen bekamen und sogar noch Verträge unterschreiben mussten… bzw. unsere Eltern (klicken für grosse Fassung):

Vertrag 1984

Vertrag 1984

Die 450 Franken verteilten wir möglichst gerecht – nach Anzahl Sekunden im Film oder „Mithilfegrad“ – an alle. Auch die Grossmutter erhielt 10 Franken für die Verpflegung der Filmcrew. Natürlich musste jede und jeder den Empfang quittieren (klicken für grosse Fassung):

Vertrag 1984

Dank des Fernsehens kamen wir auch zu einem der beliebten offiziellen Schuldispense…

Dispens 1985

… und am 15. Mai 1985 fuhren wir – damals eine halbe Weltreise – ins Leutschenbach zur Aufzeichnung der Sendung:

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Tanner und ich waren natürlich die Landeier vom Dienst und sowas von scheu: Schliesslich waren wir hier plötzlich ausserhalb des geschützten Oberbaselbiets! Auch noch in der Sendung waren einerseits das fesche junge Mädel aus Zürich (heute Gemeindepräsidentin von Brunegg) und andererseits drei peppige Radiomacher aus Biel, die ihre Jugendsendung auf „Canal 3“ vorstellten.

Mediengewandten sagen die Namen Jan Brönnimann und Claude Jaggi natürlich etwas – die beiden sind auf diesen Bildern von der Sendungsvisionierung zu sehen:

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Dass Claude dereinst Sportkommentator in diesen Räumlichkeiten würde, dachte er sich damals vermutlich nicht – aber vielleicht hoffte er es insgeheim. Tanner und ich fanden jedenfalls nach diesem Tag, dass wir auch mal Radiomachen müssen – zwei Jahre später war’s dann soweit.

Spannend war natürlich auch die Studioführung mit dem Dekor des legendären „Karrussell“ oder anderen Sendungen wie „Karambuli“ (mit Heidi Abel).

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Und wie sah die fertige Sendung aus, die im Juni 1985 ausgestrahlt wurde?

Etwas ernüchternd für uns war: TV DRS hatte keine Freude an der Qualität unseres Videobandes (jeder Schnitt- und somit Kopiervorgang verschlechterte die Qualität, werte verwöhnte Digitalkids von heute!). Die Fernsehleute verlangten also die Originalaufnahmen und versprachen, sie gemäss unseres Schnittes aneinander zu reihen. Leider missriet da einiges – und die Story wurde noch unverständlicher als sie eh schon war.

Das war für mich die erste Lebenserfahrung des Typs „gib nie ein Projekt aus der Hand, das dir extrem wichtig ist“. Der Film, wie wir ihn eigentlich wollten, ist hier zu sehen (YouTube erlaubte zum Zeitpunkt des Uploads keine langen Videos, daher zwei Teile:

Auch wenn diese kleine Schnitt-Episode enttäuschend war: Wir waren natürlich mächtig stolz. Und arbeiteten hart an unserem Auftreten. Und am nächsten Projekt: Ein Jahr später sassen wir wieder im „Sälber gmacht“, mit dem ungemein spannenden und actiongeladenen Western „Die Schatzsuche“.

Doch mehr dazu anno 2016 zum 30-jährigen Jubiläum.

Find‘ ich gut. (11 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kategorien