Vor 20 Jahren ging meine erste Website online – diejenige des Instituts für Medienwissenschaft der Universität Bern (das heutige ikmb), wo ich von 1996-2001 mein Unwesen trieb.

Roger Blum und Erwin Koch in einem Seminar 1996Chef Roger Blum (rechts im Bild anno 1996 mit Erwin Koch) sagte dem 24-jährigen Hilfsassistenten mit den grauenvollen Think-Pink-Hemden im August 1996, er solle „mal so eine Houmpeitsch“ machen. Meine Antwort: „Was ist das genau?“

Den Grundstein gelegt hatten zuvor einige netzophile Studierende – ich verdanke meinen heutigen Job quasi Frank Lenggenhager. Ich verfeinerte (aus heutiger Sicht: verschlimmbesserte) den von ihm und einem Freund entworfenen Auftritt mit „GNN Press„, einem der ersten Web-Editoren (entwickelt 1993) – und staunte, als wenig später unter der Adresse http://ubeclu.unibe.ch/imw nach dem Hochladen mittels eines rätselhaften Tools namens „FTP“ tatsächlich eine Website erschien. (Auf „ubeclu“ lagen damals die meisten Uniwebsites.)

Zu Beginn des Wintersemesters 1996/97 – genau in dieser Woche vor 20 Jahren – war es soweit: Die Ur-Fassung hab ich zwar nicht mehr, aber dafür eine sanft renovierte Fassung von 1997. Ein Freund feedbackte am 24. Oktober 1996: „Gute Sache im Internet. Mach weiter so!!“ Die Icons – heute würde man wohl „Kacheln“ sagen, also ein wenig revolutionär war das schon – bestanden übrigens mangels Software (oder Wissen) aus in Word geschriebenen, ausgedruckten und eingescannten „Schildern“.

Der Blogger und seine Halbbrüder anno 1997Damals waren Internetseiten und E-Mail eine mittlere Sensation, und Teammitglieder frotzelten laufend „der Jacomet hat ja eh immer das Mailprogramm offen, unglaublich, da machts dann grad ‚pling‘ wenn so ein Mail kommt – öhm, kostet das eigentlich was, ein Mail zu verschicken?“

Ich (rechts im Bild 1996 mit meinen Brüdern, die 20 Jahre nach dem Bild soeben ihren Bachelor gemacht haben) bekam Panik, denn so sicher war ich mich auch nicht, ob ein Mail denn nun – wie damals ein Telefongespräch – kostet oder nicht.

Dumm war nur, dass mein 486er mit Windows 3.11 ständig abstürzte, wenn jemand ein Attachment über 500 KB schickte. Zudem hatte ich nur einen 640×480-Monitor – dennoch stand auf der Startseite „Best viewed with Netscape/Explorer 2.0 or higher, 800 x 600 high resolution“. Irgendwann konnte dann unser mausarmes Insti neue Compis beschaffen (Pentium mit 2×500 MB Harddisk, boah!), und das Problem war gelöst.

IMW-Website anno 1996 (Klicken für Ausflug in die Netzvergangenheit)Links auf andere Websites setzen war ein unglaublich gutes Gefühl – dass am Bildschirm plötzlich Seiten aus einer ganz anderen Welt erschienen, war in der Webpublishing-Pionierzeit schier unfassbar. Ich war unheimlich stolz, unter einem Bild von sich die Zähne putzenden Studis einen Link zur „Colorado Dentist Association“ gemacht zu haben.

Surfen daheim war noch alles andere als einfach – die Uni bot ab 1997 für Studierende einen Dialup-Access mit 14’400 bps an, der aber ständig besetzt war. Surfen konnte man damit aber zunächst nur auf uniinternen Sites… auf web.archive.org ist archiviert, wie ein neuer, unbeschränkter Dienst angekündigt wird. Hier begegnen wir auch wieder alten Bekannten wie melkor.unibe.ch und sehen, dass die Informatikdienste (ID) empfehlen, Eudora statt Simeon als Mailprogramm zu benutzen. Dazu gibt es Software für Windows 3.x und 95.

Natürlich waren die 1990-er auch die Pionierzeit der Internetpornos, was die Uni Bern vor Probleme stellte – das Netz wurde zusehends langsam, da… lassen wir das. Jedenfalls sperrten die ID – wohl eher im Rahmen einer Sensibilisierungsaktion – jeglichen Webtraffic mit der Zeichenfolge „sex“. Was zur Folge hatte, dass Seiten mit „Gasexplosion“ oder „Essex“ plötzlich nur noch Fehler lieferten.

Ein anderer Freund schrieb im Oktober 1996: „Das Thema Internet gewinnt immer mehr an Aktualitat. Vor einigen Jahren waren ausgesuchte Informatiker und Informatikerinnen stolz auf ihre Visitenkarten, auf welchen das magische Zeichen @ (deutsch: Affenschwanz, englich: at) vorhanden war. Damals prahlte Mann und Frau mit einer eigenen E-Mail Adresse um elektronische Botschaften zu erhalten. Die Zeiten andern sich rasant – und wer heutzutage nicht uber eine sogenannte Homepage im World Wide Web (WWW) verfugt, betreibt eh kein ernstzunehmendes Business. Unterdessen surfen in der Schweiz 700’000 aktive und weniger aktive Leute im Internet herum; eine stolze Zahl – weltweit sollen es bereits uber 50 Millionen sein.“

Er schickte auch gleich die erste URL des Berner Alternativradios „RaBe“ mit: http://ourworld.compuserve.com/homepages/radio_rabe

Genau: Compuserve, HotMetal Pro, HotDog, Suchen mit Hotbot und Altavista (OK, manchmal auch Astalavista, zugegeben)… und dazu eine kurze, handliche Mailadresse andreas.jacomet.1@sm-philhist.unibe.ch – das waren noch Zeiten! Auf Radio RaBe hatten wir als „Fachschaft Medienwissenschaft“ eine eigene Sendung und verlasen auch die aktuellen Internet-Tipps  – hier einige Beispiele aus der Web-Urzeit, als vieles heute Selbstverständliche noch wahnsinnig neu war:

– Was zum Henker ist das „3W“? – Frank erklärts – und erwähnt die „neue Website des ISC“. Zudem wimmelte es schon damals von „stinklangweiligen Seiten“ – immerhin, gottseidank gabs noch keine Blogs. Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 16. April 1996:

 

– Internettipps vom Juni 1997:

 

– Aus einer Zeit, als Windows 95 noch der letzte Schrei war und ich mich mit Windows 3.1 abmühte… Gewisse Angebote sind nur über Compuserve erreichbar, oder was war der URL-minder schon wieder? Und wieso muss man ächtscht Faxen oder schreiben, um mehr Infos zu den vorgestellten Websites zu bekommen? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 24. Mai 1996 (MP3, 2.5 MB):

 

– „Ich bin da nicht so der Web-Spezialist“ – Von wem könnte dieses Zitat stammen? Und wieso findet man die besten Medienseiten via „Bilanz“-Website? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 17. September 1996 (MP3, 2. MB) – In diesem Manuskript haben wir den SRG-Medien, die den Internetzug verpennt hatten, tüchtig eingezeizt.

 

Vor 20 Jahren hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages als Selbständiger mit solchen Dingen mein Geld verdienen könnte, egal von wo aus auf dem Planeten. Und dass das an der Uni aufgebaute Beziehungsnetz bis heute die Ur-Basis meiner Geschäfte ist – 100x mehr Wert als jedes Diplom.

Screenshot der IMW-Website von 1998 bis 2000Wenig später waren wir ab 1998 – mit neuer Website (erstes Bild rechts) – das erste Institut, das Prüfungsresultate online veröffentliche (Matrikelnummer und Note). Eines der Frühwerke von Michael Herrmann war ein Perl-basiertes System, das ab etwa 1999 Prüfungsanmeldung und Notenmitteilung samt Mailings zuverlässig automatisierte und uns Stunden an Arbeit sparte. Im Jahr 2000 gestaltete uns Bastiaan von nothing eine für damals äusserst moderne Website (zweites Bild), deren Design bis zur Übernahme des Uni-Designs Bestand hatte.

„Online first“ war aber Ende der 1990-er nicht jedermanns Sache. In einem Sitzungsprotokoll beklagte ich mich 1999 bitter: „Input fürs Web kommt ab und zu von X und Y, selten von anderen, ansonsten bringt auch mehrfaches Nachhaken praktisch nichts (z.B. Bitte um neue Projekttexte oder themenverwandte Links). Diese Situation ist bisweilen frustrierend. Gerade Fehler auf der IMW-Website werden so kScreenshot der IMW-Website von 2000 bis 2003aum entdeckt. Viren-Hoaxes werden wie in der Internet-Steinzeit weiterhin fröhlich weitergeleitet, obschon mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass solche Meldungen reiner Unfug sind. E-Mails werden ausgedruckt, obwohl das Verschieben in eine andere Mailbox reichen würde. Linkvorschläge werden manchmal auf Papier eingereicht. Aus der Situation lässt sich eine geringe Sensibilisierung für Online-Anliegen herauslesen.“

Gut, einiges hat sich bis heute nicht verändert…

Mich hatte inzwischen der Internet-Virus aber komplett gepackt – ich brach das Studium ab und entwickelte zusammen mit Role ab Mitte 2000 beim Kanton Bern die ersten Websites der Staatskanzlei, des Grossen Rates, der Gesetzessammlung Belex sowie für Wahlen und Abstimmungen. Auch diese Pionierjahre möchte ich trotz aller Kämpfe gegen eine gewisse Innovations-Lethargie der öffentlichen Verwaltung nicht missen.

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Jeden Herbst, wenn die Verlängerung des Generalabonnementes ansteht, der gleiche Ärger: Die SBB verlangt für das Partner-GA eine Wohnsitzbestätigung. Diese kostet in Bern 20 Franken. Faktisch bezahle ich für mein GA also mehr als andere in der gleichen Lebenssituation.

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Nun kann man einwenden: Wenn ich mir ein GA leisten kann, sollten auch die 20 Franken zusätzlich kein Problem darstellen.

Das ist aber zu kurz gedacht, denn das Stossende an der Sache ist nicht der geringe Mehrpreis des Fahrausweises, sondern dass die SBB Konkubinatspaare schlechter stellt als Verheiratete oder eingetragene Partnerschaften. Letztere kommen leicht um die „Strafgebühr für Unverheiratete“ herum.

Mit der geltenden Regelung habe ich keine Chance, das Zusammenleben mit meiner Partnerin anders nachzuweisen als mit einem Dokument, das ich bei der Gemeinde gegen Gebühr beschaffen muss.

Zu den 20 Franken, welche die Stadt Bern verlangt (was einem Stundensatz von rund 2400 Franken entspricht), kommt der Zeitaufwand. Wir alle haben Sinnvolleres zu tun als jedes Jahr – trotz unveränderter Situation – die gleichen Formulare auszufüllen oder persönlich bei der Einwohnerkontrolle anzutraben. Vor allem, wenn andere in der gleichen Lage eben dies nicht tun müssen.

Verheiratete oder in einer eingetragenen Partnerschaft Lebende können gemäss der heutigen Regelung einfach ihr Familienbüchlein (oder den Parterschafts- oder Familienausweis) kopieren und sind fein raus. Kopien dieser Dokumente sind nota bene leicht zu fälschen, denn auf einer Beglaubigung beharrt die SBB seltsamerweise nicht.

Gemäss dieser Seite ist die Bedingung für den Bezug eines vergünstigten Partner-GA das „Leben im gemeinsamen Haushalt“. Aber:

  • Dass Verheiratete nicht immer unter dem selben Dach leben, ist der SBB offenbar egal.
  • Dass Paare manchmal noch Jahre nach einer Trennung auf dem Papier verheiratet sind, ignoriert die SBB.
  • Dass das Partner-GA problemlos auch für Nicht-Paare „erschleichbar“ ist, wird toleriert (die Wohnsitzbescheinigung gibt es auch für Wohngemeinschaften).

Fazit: Ein „GA-Partner-Bschiss“ wäre vielen Menschen problemlos möglich. Konkubinatspaare müssen aber in jedem Fall – ob sie ehrlich sind oder nicht – jedes Jahr die Bescheinigung bezahlen.

Haus- oder Wohnungsbesitzerinnen und -besitzer könnten, werte Bundesbahnen, übrigens auch einen Grundbuchauszug einreichen – dieser ist bezüglich „Wert“ bzw. Betrugsmöglichkeiten mit dem Familienbüchlein oder der Wohnsitzbestätigung vergleichbar. Dort steht immerhin, dass meine Partnerin und ich das Haus an unserer Postanschrift zu je 50% besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch als Paar beide dort wohnen, ist ebenso gross wie bei Verheirateten mit gleicher Adresse. (Und mit gewissen Beziehungen kommt man immerhin gratis zu einem Grundbuchauszug.)

Auch die Kopie einer Begünstigungsklausel in der beruflichen Vorsorge mit dem Stichwort „Konkubinat“ würde ich punkto Offizialität und Fälschungssicherheit den oben genannten „SBB-konformen“ Dokumenten gleichsetzen.

Was wären Lösungen, die gerechter sind als die heutige? Ein paar Ideen:

  • Wenn der SBB eine Gleichbehandlung ihrer Kundinnen und Kunden wichtig wäre, müsste sie auch von Verheirateten alljährlich die Wohnsitzbescheinigung verlangen. Oder beglaubigte Kopien anderer Dokumente. Dies wäre aber kaum kundenfreundlich.
  • Darum wäre eine grundlegende Änderung des GA-Rabatt-Modus die bessere Lösung: Egal, ob Paar oder nicht – den Rabatt gibt es, wenn zwei oder mehr Generalabos für zwei oder mehr Personen mit der selben Postadresse zusammen bestellt und bezahlt werden.
  • An einem anderen Ort angesetzt: Die Gemeinden sollten die Gebühren senken. Warum ich meiner Gemeinde als Steuerzahler für eine nicht anspruchsvolle Kurzdienstleistung von fünf Minuten 20 Franken bezahlen muss, ist mir schleierhaft.
  • Den hier beschriebenen Ärger gäbe es nicht, wenn ich bei der Gemeinde online einen Auftrag erstellen könnte, im Sinn von: „Bis Widerruf jedes Jahr Wohnsitzbestätigung am 1.11. per Post senden.“ Mit einer Gebühr von 3-5 Franken pro Jahr könnte ich sogar noch leben.

Und wenn die SBB weiterhin auf der Bescheinigung beharrt?

  • Die SBB könnte andere Dokumente als Wohnsitzbestätigungen oder Familienbüchlein akzeptieren, z.B. einen aktuellen Grundbuchauszug oder eine Bestätigung der Begünstigung in der beruflichen Vorsorge.
  • Die SBB könnte den Betroffenen Gutscheine in der Höhe einer durchschnittlichen Wohnsitzbescheinigung verschicken, die man für internationale Tickets oder Mitfahr-GAs verwenden bzw. verschenken kann.
  • Etwas Vertrauen in Stammkunden wäre schön: Die SBB könnte die Bescheinigungen – wenn sie darauf beharrt – nach mehrjährigem Bezug eines Partner-GA nur noch alle 2-3 Jahre verlangen. Immerhin habe ich seit über einem Vierteljahrhundert unterbruchsfrei ein Generalabo. Und seit über zehn Jahren die gleiche Partnerin.
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Videospielfilme entwickelten sich Mitte der 1980er-Jahre zu unserem grossen Hobby: Bevor Mädchen so richtig interessant wurden, war es die Videokamera, die uns Landjungs faszinierte.

Dass man dereinst mit einem kleinen, flachen Gerät Filme herstellen, schneiden und einem Milliardenpublikum zur Verfügung stellen könnte, hätten wir uns vor 30 Jahren niemals vorstellen können. Wir fanden bereits das sensationell: Mit einem tragbaren VHS-Videorekorder (an dem an einem fetten Kabel die Kamera hing) filmen. Dann zwei Recorder mit klobigen Kabeln zusammenstöpseln, mittels Play auf Gerät A und Record auf Gerät B den Film cutten.

Filmen mit Videokamera 1986Und wenn’s ganz flott werden musste: Den Ton via Mischpult leiten und Musik drunter mixen. Den Bildqualitätsverlust nahmen wir in Kauf oder beherzigten Tipps aus Heftli wie dem „Schweizer Video Magazin“, den Verlust zu minimieren.

Filmende Kiddies waren Jahrzehnte vor den Youtubern eine Ausnahme, darum gab es damals auch TV-Sendegefässe für Schülerfilme. Unsere beiden ersten Streifen „Der Ausgestossene“ und „Die Schatzsuche“ wurden bereits ausgestrahlt – aus heutiger Sicht sind sie auch weitaus gehaltvoller als der Film, um den es in diesem Beitrag geht. Waren wir bei den ersten Filmen zwischen 11 und 13 Jahre alt – quasi „jung und unverdorben“ – merkt man bei der Produktion des Sommers 1986, dass wir langsam zu pubertierenden Jungs wurden.

Wir waren überzeugt, dass unser neuer Film ein wenig anrüchig werden musste.

Und das hiess auf dem Lande: Keilereien, Töffli, Rauchen, Fluchen.

Meitli waren – im Gegensatz zu den letzten Filmen – keine mehr mit dabei, „Feinde“ war ein reines Jungs-Projekt. Mädels waren im Sommer 1986 plötzlich keine reinen Schulkameradinnen mehr, sondern zogen sich irgendwie anders an, verhielten sich anders, und „beim Flaschenspiel an der Schulparty küssen üben“ oder „geschlossen Tanzen“ schienen wie durch Zauberhand bessere Optionen als „zusammen einen Film drehen“.

Dass unsere Eltern den Plot „Töfflibuebe-Dorfgang prügelt sich in der Badi und beim Fussball mit Outlaws“ birnenweich fanden, verstanden wir nicht – hey, wir waren hier schliesslich drauf und dran, in die Hollywood-Liga aufzusteigen! Bud Spencer, Terence Hill (wir dachten damals, das sei Hollywood), Beverly Hills Cop, Back to the Future, Knight Rider… das waren die Vorbilder, Filme und Serien, an die wir anknüpfen wollten.

19851231-itingen-radiorecorder-fairmateIm Sommer 1986 sahen Radiorecorder von Teenies etwa so aus wie auf dem Bild links (das war mein Fairmate RD-6000); in der Hitparade weit vorne lagen Samantha Fox (Touch me), Bananarama (Venus), Modern Talking (Atlantis is Calling), Madonna (Live to Tell und Papa Don’t Preach), Level 42 (Lessons in Love), Nu Shooz (I Can’t Wait) oder Janet Jackson (Nasty). Wham! verabschiedeten sich fulminant mit „The Edge of Heaven„, und Peter Gabriel setzte mit „Sledgehammer“ dem Medium Videoclip ein monumentales Denkmal.

A propos Videoclip: Das Schweizer Fernsehen sendete stundenlang live von der FERA (das war eine Schweizer Unterhaltungselektronik-Ausstellung in Zürich); der Stereoton dazu lief parallel auf DRS3 (Fernsehen in Stereo gab’s damals noch nicht). Davon haben wir in diesem Blog schon anno 2007 berichtet. Man beachte dort vor allem die Kommentarspalte, wo sich eine Pop-Ikone der 1980er persönlich zu Wort meldet.

Damit aber zu unserem Schläger-, Fussball- und Klamaukvideo „Feinde“, das in den Sommerferien 1986 in Itingen (BL) entstand, zwischen den ersten beiden Dorfgrümpelturnieren (Videos davon hier und hier). Mit von der Partie waren nebst Patrick Tanner und mir Martin Madörin (alias Duggi), Martin Spitz, Rolf Stirnemann, Patrick „Pex“ Buser und Rolf Wüst. Martin Brunner setzen wir hiermit einen kleinen Gedenkstein ins Netz: Er kam wenige Jahre nach dem Dreh bei einem Strom-Unfall ums Leben.

Hinweis: Das Video mit dem Hauptfilm (aus technischen Gründen in zwei Teilen) kann aus urheberrechtlichen Gründen in einigen Ländern nicht verfügbar sein. Die Originalaufnahmen und Takeouts hingegen gehören allein uns und sind überall abrufbar.

Feinde, Teil 1

Feinde, Teil 2

Feinde, Originalaufnahmen und Takeouts

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Mit „Infinity M“ von Swisscom habe ich zwar ein Mobilfunk-Abonnement, mit dem ich in Europa während 60 Tagen im Jahr total 3 Gigabytes absurfen kann. Für Power User und Vielreisende reicht das aber bekanntlich nicht sehr weit.

3 GB beträgt mein monatliches 3G/4G-Volumen in der Schweiz alleine schon in eher „surfarmen“ Monaten. Und 139 Franken monatlich für „Infinity L“ mag ich derzeit ebenso wenig ausgeben wie 39 Franken für ein 1GB-Datenpaket, das dann doch nur 30 Tage gültig ist.

Auch nur einen Monat gültig ist zwar das Gigabyte des Prepaid-Angebotes von Vodafone Nederland, das ich dank Oliver Gut entdeckt habe. Mit 10 Euro ist es aber weitaus günstiger – und es gilt in ganz Europa, auch in der Schweiz. Im Link von Michael Stuckis Tweet findet sich dann auch einer von vielen Links zu eBay, wo man auch als Schweizer zu einer holländischen SIM-Karte kommt, die das Roaming-Surfen via LTE (4G) samt Tethering und VoIP erlaubt.

20160802-vodafone-sim-hotspot-03Ich finde das Wechseln einer SIM und die damit verbundenen Nachteile (z.B. Nummernwechsel) mühsam, also habe ich mich für einen LTE-Hotspot entschieden, wie ich ihn auch schon in Japan als Mietgerät verwendet hatte. Mediamarkt hatte ein Gerät von TP-LINK (M7350) für rund 110 Franken an Lager, das ich sogleich erwarb. Die Dinger heissen „Mobile WiFi Hotspot“, „MiFi“, „LTE Router“, „4G-Modem“ oder ähnlich.

Vergleicht man die Kosten der Datenpakete, so ist – bei horrenden 39  Franken für ein europäisches Gigabyte bei Swisscom und Salt (und 49 für 2GB bei Sunrise) – die Anschaffung von SIM und Hostpot schon nach rund vier 1GB-Datenpaketen amortisiert.

@sultaninen macht mich darauf aufmerksam, dass Salt im Abo "Plus Europe" für 89CHF/Monat 12GB in Europa inklusive hat. Ich kenne allerdings etwas gar viele Leute, die mit dem Salt-Service nicht zufrieden waren; mit dem Mitbewerber Sunrise habe ich selbst nur negative Erfahrungen gemacht. Daher gibt es für mich in der Schweiz im Mobile-Bereich nur Swisscom; alles andere kann sehr schnell in einem Kundendienst-Fiasko enden, wie zahllose Berichte im Netz zeigen.

Das Projekt „Der Swisscom ein Schnippchen schlagen“ war aber leider nicht so einfach wie erhofft; ich versuche hier die wichtigsten Probleme und Hinweise zusammenzustellen. Für alle Daten und Preise gilt „Stand heute“ (09/2016).

TLDR

  • Surfen mit einer ausländischen SIM-Karte ist primär etwas für Menschen, die eine gewisse Technikaffinität und Tüftellust besitzen.
  • Wenn man etwas Aufwand nicht scheut, lässt es sich aber in ganz Europa sehr günstig surfen. Allen, die den Initalaufwand von 30-60 Minuten  nicht scheuen, kann ich das Angebot von Vodafone Holland bestens empfehlen; es bietet eine sehr günstige Datenverbindung auf Reisen (und selbst im Inland) für Schweizerinnen und Schweizer.
  • Es ist zu hoffen, dass Vodafone noch einige Kinderkrankheiten beseitigt.
  • Apple-User haben allerdings das Problem, dass iOS noch keine „metered wireless connections“ erlaubt – was dazu führt, dass iPhone & Co. unterwegs mehr Daten als nötig verbrauchen.
  • Der mobile Hotspot TP-LINK M7350 liess bei mir keine Wünsche offen.

Bestellung und Grundsätzliches

  • Die Bestellung der SIM verlief problemlos. In den Niederlanden können derzeit noch alle ohne ID-Registrierung eine SIM-Karte kaufen. eBay-Händler verkaufen sie Interessierten weiter. Zwei aktuelle Links hier und hier. Ich habe meine beim zweiten Anbieter erstanden – teurer als beim ersten, aber der war damals ausverkauft. Die Lieferung dauerte 3 Tage, die SIM kam in einem neutralen Couvert.
  • Die Registrierung auf der Seite von Vodafone NL ist nur auf Holländisch möglich. Wer ein wenig Sprachgefühl hat, schafft das locker; ansonsten hilft Google Translate. Ich konnte problemlos eine Schweizer Adresse angeben und bekam sogleich ein nettes Begrüssungs-SMS, das man auch als Deutschsprachiger versteht:

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  • Beim ersten Aufladen gibt’s 25% Extra-Guthaben (Guthaben = „Tegoed“). Meine CH-Mastercard wurde nicht akzeptiert, die Schweizer VISA hingegen schon – es ist zu hoffen, dass das so bleibt, ansonsten kann man nur über Umwege aufladen (via prepaid.eu, Bekannte in Holland oder ev. gegen Gebühr beim eBay-Verkäufer).
  • Das Guthaben bleibt ein Jahr gültig, jedes Aufladen („Opwaarderen“) verlängert die Gültigkeit wieder um 365 Tage. Vom Guthaben werden die Preise der gelösten Datenpakete abgebucht. Das hier thematisierte Prepaid-Angebot heisst „YOU“, die Pakete heissen „Bundels“ und/oder „Blox“ (den Unterschied habe ich nicht ganz verstanden). Man löst als Vielsurfer in der Regel ein „ONLINE ONLY BLOX“ für 1GB Daten in ganz Europa. Das kostet 10 Euro.
  • Jeden Freitag gibt es im Rahmen der Aktion „Fantastic Friday“ Specials wie Extraguthaben beim Aufladen usw. Oft sind die Angebote aber nur innerhalb der Niederlande gültig.
  • Nach Einlegen der SIM wurden in den Interneteinstellungen APN usw. automatisch auf für Vodafone NL korrekte Werte gesetzt.

Probleme und Erfahrungen

  • Pakete kann man einerseits via SMS oder via Website (Kundenkonto-Login) lösen. Die SMS kann man über das Web-Interface oder via App des LTE-Hotsopts auch senden, wenn die SIM nicht in einem Smartphone steckt.
  • Hier liegt aber ein gravierendes Problem versteckt: Vodafone offeriert derzeit im Paket „ONLINE ONLY“ zum einen Gigabyte in ganz Europa auch noch 1GB dazu, das nur in Holland gültig ist. Befindet man sich im Ausland – von Holland aus gesehen – meint das System nach Ablauf des Roaming-Gigabytes, dass man das Paket noch gar nicht aufgebraucht hat, da noch ein ganzes Gigabyte der Benutzung in den Niederlanden harrt. Dementsprechend kann man weder per SMS noch via Website ein neues Paket „ONLINE ONLY“ lösen. Hier musste ich über Twitter den Kundendienst von Vodafone Nederland kontaktieren, der mir ein neues Paket manuell freigeschaltet hat. Unter Umständen ist man so aber einige Stunden ohne Datenverbindung – wer z.B. aus beruflichen Gründen dringend darauf angewiesen ist, hat ein gröberes Problem. Möglicher Umweg: „YOU L“ lösen, kostet zwar 15 Euro, ist aber immer noch günstig.
  • Der Kundendienst von Vodafone NL (via Twitter) erinnerte bisweilen ein wenig an Sunrise-Zeiten: Je nach Supporter war die Qualität annähernd null (bis hin zu nachweislich kreuzfalschen Auskünften), wobei zwei sehr kompetente Ausnahmen dabei waren.
  • Immerhin: Die Antworten – ob im Twitterfeed oder via DM – waren selbst nachts oder am Wochenende rasant (wenige Minuten bis wenige Stunden) und ausführlich. Man kann problemlos Englisch schreiben, auch die Antworten kommen in Englisch. Beim Speed kann sich so manches CH-Telko-Unternehmen eine dicke Scheibe abschneiden!
  • Nachdem das zweite ONLINE-ONLY-Paket verbraucht war, aktivierte das System automatisch den Tagestarif, ein „Internet Dagbundel“, das zwar nur 1 Euro für 100 MB in 24 Stunden kostet – doch das hiesse, dass 1GB eigentlich 11 statt 10 Euro kostet, denn eine Erneuerung via SMS/Website war ja aufgrund der oben beschriebenen Probleme nicht möglich. Warum sich das Dagbundel nicht auch das erste Mal aktivierte und warum es 1.23 statt 1.00 Euro kostete? Das gehört zu den vielen Geheimnissen dieser Geschichte.
  • Inzwischen vermute ich, dass ich jedesmal kurz vor Ablauf von 1GB den Kundendienst anzwitschern muss, auf dass er mir wieder ein Paket freischaltet, um der Aktivierung des Dagbundels für 1 Euro zu entgehen. Verglichen mit dem vierfachen Monatspreis der Swisscom drehe ich den einen Euro aber auch nicht 10x um. Wenn Vodafone in den Griff bekäme, dass auch Prepaid-Kunden mit hohem Datenverbrauch im nicht-holländischen Ausland per SMS/Web erneuern können, wäre das natürlich für alle Beteiligten die bessere Lösung.

Hier noch einige Punkte, die mir aufgefallen sind, die ich aber als vernachlässigbar betrachte oder vermute, dass die einmalige Natur waren:

  • Die Vodafone-Website (Kundencenter) ist grundsätzlich OK, bisweilen aber etwas widerspenstig - es zeigt z.B. teils falsche Ablaufdaten für die gelösten Pakete an. Das ist nicht weiter schlimm, ebensowenig die paar toten Links.
  • Tipp für alle, bei denen das Aufladen von Guthaben nicht klappt: Nach jedem Aufladungsversuch min. 30 Minuten warten und das verfügbare Guthaben durch Reloaden der Website checken. Ich habe nicht immer eine Bestätigungsseite bekommen, auch wenn es geklappt hat.
  • Man kann nur Beträge von 10, 20, 30, 40 oder 50 Euro Aufladen. Es ist nicht möglich, einen "ungeraden" Betrag zu wählen.
  • Wenn man in einem Monat mehrere Blox löst, ist irgendwann die Leitung tot. Der Grund dafür ist, dass Vodafone NL einen Kostenschutz hat, der irgendwo bei 60 EUR standardmässig greift. Das Problem ist scheinbar, dass Vodafone dafür noch alte Preise berechnet. Den Kostenschutz kann man einfach ausschalten, bei Prepaid muss man sich schliesslich keine Gedanken machen, viel Geld zu verlieren. Im Kundencenter geht man zu "My Vodafone" > "Profiel" > "YOU instellen" > "Datalimiet" und wählt "Onbeperkt".
  • Nicht weiter von Belang, aber gut zu wissen: 4G (LTE) war nicht automatisch aktiv wie auf der eBay-Verkäuferseite angezeigt. Man muss dafür via SMS oder Kundencenter-Website ein "4G BloX" lösen, der mit 2.50 pro Monat ausgewiesen ist, derzeit aber null Euro kostet. Danach (Reboot erforderlich) wechselte mein Gerät aber sofort anstandslos aufs LTE-Netz.
  • Auch nur ein Detail am Rande: Die 5MB Testguthaben am Aktivierungstag, die hier erwähnt sind, waren bei mir nicht existent.
  • Nachdem das erste ONLINE-ONLY-1GB-Paket verbraucht war und (siehe oben) der Kundendienst mir ein neues freigeschaltet hatte, lief 10 Tage überhaupt nichts mehr. Der Kundendienst behauptete, das sei wegen "technical problems". Und von wegen "we will inform you"... irgendwann lief es einfach wieder. Erst nach Rückfrage erhielt ich für den Totalausfall 10 Euro "Schadenersatz" gutgeschrieben. Dies kam aber danach nie mehr vor.
  • Ein Vodafone-Supporter fand, nachdem ich meinem Ärger über die genannten Unzulänglichkeiten Luft gemacht hatte, alles laufe genau gemäss den AGB und ich solle die doch gefälligst lesen. Dafür ist mein Holländisch dann doch zu schwach. Wer des Holländischen mächtig ist und in den AGB sowie den Online-Blox-Bedingungen etwas findet, das darauf hinweist, dass meine Aussagen auf falschen Annahmen beruhen, kann es mir gerne in den Kommentaren mitteilen.
  • Der Kundendienst fragte mich niemals, ob ich Holländer sei; ich wurde wie ein normaler NL-Kunde behandelt. Ob ein Wiederverkauf der SIM an Ausländer überhaupt legal ist, weiss ich nicht; es ist mir allerdings auch Wurst. Im Zweifelsfall bin ich ein Expat, der von seiner Bude nach Holland versetzt wurde und dennoch viel im Ausland arbeitet.

Offene Fragen und Schlussbemerkungen

  • Der Datenverbrauch mit dem LTE-Hostpot war gefühlt um ein Mehrfaches so hoch wie wenn die SIM direkt im iPhone stecken würde. Hier ist von „Data billing is in fair 1 KB increments in the EU“ die Rede – nun weiss ich nicht genau, ob das technische Gründe hat, ob ein iPad-Tethering (von Apple zu Apple quasi) besser wäre, oder weshalb genau die MiFi-Verbindung so datenhungrig ist. Macwelt lieferte bereit 2012 einige Tipps, z.B. das Deaktivieren der iCloud-Backups oder des Fotostreams für die Dauer des Hostpot-Tetherings. Das hatte ich natürlich so eingestellt; dennoch erschien mir der Verbrauch horrend. Wenn diesbezüglich kundige Menschen Kommentare hinterlassen, bin ich dankbar.
  • Tethering (mobiler Hotspot) via iPad lief nicht – es hiess „Contact vf nl to enable the feature“, wenn ich „Persönlicher Hotspot“ anwählte. Das Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen des iPads brachte nichts. Tethering mit einem Android-Telefon (htc) klappt aber problemlos.
  • Das „Dagbundel“ könnte man im Kundencenter deaktivieren – ob nach Verbrauch des Paketes die Verbindung abbricht oder der (teure) Standardtarif verrechnet wird, habe ich nicht getestet.

Diese Website liefert eine gute Zusammenfassung der aktuellen Randbedingungen des holländischen Vodafone-Angebotes. Da die SIM auch in der Schweiz läuft (auf allen Netzen!), ist sie für Leute ohne Daten-Inklusivvolumen in der Schweiz ebenfalls interessant – bei Swisscom kostet im Prepaid-Tarif „Ohne Abo gelegentlich surfen“ 9 Franken für 200 MB, also 1/5 der Menge, die mit Vodafone NL für einen ähnlichen Preis nutzbar ist.

Eine weitere Möglichkeit, die Schweizer Abzocker-Romaingtarife zu umgehen, ist übrigens hier beschrieben.

Zum LTE-Modem

Natürlich muss man das zigarettenschachtelgrosse Ding immer dabei haben, und nach einer (vordefinierbaren) Zeit fällt es in den Schlafmodus. Der über USB aufladbare Akku des M7350 hält aber erstaunlich lange, es ist leicht (viel leichter als ein iPad) und aus dem Sleep-Modus erwacht es rasant. Via App oder über jeden Browser kann man auf die SMS auf der SIM-Karte 20160802-vodafone-sim-hotspot-01zurückgreifen oder welche versenden (für Steuerbefehle wie die Abfrage des Restguthabens), den Hotspot konfigurieren usw.

Natürlich können sich mehrere Geräte auf das vom Hotspot erzeugte WLAN verbinden. Die versurfte Datenmenge wird im Vergleich zu dem, was Vodafone tatsächlich berechnet, rund 10% höher angezeigt; dieser „Spatzig“ ist praktisch. Die Latenzzeit ist bei schlechtem Empfang gefühlt massiv höher als wenn die SIM im Smartphone stecken würde.

Nicht vergessen: ausserhalb der Schweiz das Datenroaming im Smartphone ausschalten, damit ausschliesslich via WiFi gesurft wird (für das Handy ist auch der 4G-Hotspot nichts anderes als ein normales WLAN). Ich habe den Hostpot mit der Vodafone-SIM in der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Grossbritannien getestet – der Empfang war stets in Ordnung.

Wer sich nicht scheut, über seine CH-Nummer nicht erreichbar zu sein und Messaging-Apps umzumodeln, kann die SIM natürlich problemlos direkt ins Smartphone stecken. Dann fallen viele der soeben genannten Unzulänglichkeiten des Hotspots weg. Ein Dual-SIM-Phone wäre natürlich eine elegante Lösung.

Fazit

Mit einer SIM von Vodafone NL in Europa herumreisen und surfen klappt grundsätzlich, aber ist aufgrund der erwähnten Downsides bisweilen mühsam. Wäre ich nicht Blogger, Telko-interessiert und technikaffin, hätte ich womöglich irgendwann aufgegeben.

Zudem ist mir der massive Datenverbrauch via Hostpot ein Dorn im Auge. Hier weiss ich aber schlicht zu wenig darüber bzw. habe es noch zu wenig getestet. Die Datenpaket-Gültigkeit von nur 30 Tagen ist angesichts des tiefen Preises vertretbar.

Dennoch kann ich das Angebot empfehlen – wenn anfangs eine technikaffine Nachbarin oder ein Geek-Onkel mithelfen, kann es fast nur gut gehen.

Und hallo, Swisscom…

Schade, dass Ihre Hochpreispolitik Vielreisende zu solch zeitraubenden und bisweilen nervenaufreibenden Aktionen zwingt.

Swisscom täte gut daran, die aus Kundensicht völlig birnenweiche 30-Tage-Politik bei internationalen Datenpaketen aufzugeben: Beginnt denn ein abonniertes Datenvolumen nach 31 Tagen zu gären und zu stinken? Ist es ungesund, es nach einem Monat noch zu benutzen? Nein.

Gäbe es kein Verfalldatum und wäre der Preis etwas tiefer: Ich wäre der erste, der nach Ablauf des Abo-Inklusivvolumens ein Gigabyte dazu kaufen und es auf den Europareisen in den kommenden Monaten nadisna aufbrauchen würde. Aber so lange diese nicht nachvollziehbare 30-Tage-Regelung gilt, greifen ich und andere Power User lieber zu ausländischen SIM-Karten, so lange das geht.

Werter Herr Schäppi: 15 Franken für 1 Gigabyte in Europa, 6 Monate gültig – da würde ich sofort mitmachen!

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Vor genau 30 Jahren wurde in meinem damaligen Wohnort Itingen im Oberbaselbiet die Zivilschutzanlage eröffnet. Es war das grösste kommunale Infrastrukturprojekt der 1980er-Jahre.

„Perestroika“ war noch in den Kinderschuhen, Gorbatschow war erst anderthalb Jahre im Amt – die Anlage war ganz klar ein Kind des Kalten Krieges und fiel in jene Zeit, in der wir noch über teure „GOPS“ (geschützte Operationsstellen in einem Bunker) abstimmten. Genau – das sind jene „GOPS“, von denen kürzlich eine in Basel aufgelöst wurde, ohne dass sie jemals benutzt worden wäre.

Allerdings fanden wir damals, dass so eine Zivilschutzanlage doch etwas ganz Nützliches sei: Die Einweihung fiel ziemlich genau in die Mitte zwischen Tschernobyl und Schweizerhalle.

Zum Jubiläum habe ich den Videofilm, den ich als 14-Jähriger von der Eröffnung am 30. August 1986 gemacht hatte, ab dem VHS-Band neu gemastert und auf YouTube gestellt. Ein interessantes Zeitdokument des Schweizer Dorflebens in den 1980ern – samt Ansprache des damaligen Gemeindepräsidenten Hansruedi Bieri, der Dorfmusik und „Alt und Jung“ auf den Beinen:

Für uns Jugendliche war die Anlage ein Glücksfall – nicht wegen des atomsicheren Unterstandes oder des Feuerwehrmagazins, aber wegen des Mehrzweckraums und des Sportplatzes, die ebenfalls vor 30 Jahren eröffnet wurden. Im Mehrzweckraum fanden zahllose Partys statt, und Jungdrummer konnten sich im Bunker – der natürlich auch besten Schallschutz bot – die Seele aus dem Leib trommeln, ohne jemandem auf den Keks zu gehen.

Hier der Flyer für unsere legendäre „Dance-Party“ am 26. November 1988:

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Aus dem Video konnte ich die folgenden Stills vom Bau der Anlage extrahieren:

 

Wie aber sah der Platz vor 1986 aus? Im Fotoarchiv habe ich diese Bilder vom Sommer 1983 gefunden, das meine Kumpels beim Fussballspielen auf dem alles andere als ebenen Platz zeigt. Im Hintergrund ist das Mehrfamilienhaus Bahnweg 26 im Bau (dieses war 1984 bezugsfertig):

 

Ich erkenne zumindest Duggi, Glace, Tanner, Busi, Patrizia und Felbi – wer erinnert sich an die anderen?

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Ja, ich weiss, ich müsste bei dem Mist nicht dabei sein.

Aber ich gehöre zu jenen seltsamen Zeitgenossen, die es interessiert, was Freundinnen und Freunde – gerade jene, die man nicht mehr jede Woche sieht – so umtreibt. Facebook war dafür jahrelang eine schöne Plattform. Auch als Archiv des eigenen Lebens taugt Facebook nicht einmal schlecht.

Dass Facebook sich in den letzten Monaten zur undurchsichtig feedfilternden Werbeschleuder gewandelt hat, bereitet dem Vergnügen aber ein schleichendes Ende.

Wenn wir gerade dabei sind…

Für nette Auflockerung sorgen zudem fremdenfreindliche Parolen gewisser nun definitiv als rechtsextrem entlarvter Weggefährten von vor 30 Jahren (aber hey, wer will schon in seiner linken kleinen Bubble gefangen bleiben), Werbung für Sonnenbrillen oder Kredite gehackter Accounts bzw. allzu schnell klickender Netzbanausen, notorische Profilbildwechsler („Anschlag in XY! Sofort Flagge als Hintergrund setzen!“), ICH-WIDERSPRECHE-DEN-NEUEN-FACEBOOK-AGB- und andere-Hoaxes-Teilern und Mein-Kind-als-mein-Profilbild-Setzerinnen, die – pssst! – dieser seltsamen Disziplin durchaus auch auf Whatsapp frönen.

Und natürlich die Meister meiner Lieblingsdisziplinen: Dem Teilen von Geschichten nach den Strickmustern „Zuerst blieb es ganz ruhig. Aber du wirst nicht glauben, was dann passierte“ bzw. „Wer das teilt, ist lieb, und andere sind doof“.

Und jene, die genau dasselbe Bild auf Facebook, Twitter UND Instagram teilen, *Augenrollsmiley*.

Oder gefitzte Internetaktivistinnen, die dem in der ganzen Welt verstreuten Freundeskreis mitteilen möchten, dass in Hintertupfingen gerade Schulkinder von einem bösen Mann angesprochen werden („BITTE TEILEN!!!!“), dass in Schüpfolfingikon Köter Rocky entlaufen sei („HELFT MEINEN NACHBARN IHR HUNDI WIEDER ZU FINDEN!!!!!!!!“), dass ich mit Krautfönnding mithelfen soll, von vornherein zur Erfolglosigkeit verdammte Weissnichtwas (SUPERINTERESSANT) mitzufinanzieren, dass ich beim Urnengang XY doch unbedingt Z stimmen müsse (LASSEN WIR UNS DAS NICHT LÄNGER GEFALLEN!!!), dass ich mir die wahnwitzig weltbewegendwichtige Meldung von polzeificker-punkt-zehaa +++++ Zwei 3.29cm grosse Schildkröten ausgesetzt – bitte TEILEN & LIKEN! +++++ genauer angucken sollte oder DAS TEILEN soll, wenn ich GLEICHER MEINUNG sei.

Ah nein, KOPIEREN UND EINFÜGEN, NICHT TEILEN!!!! Im Fall.

Das höchste der Gefühle ist aber, wenn ich mithelfen soll, den armen kleinen SEIT *DREI* TAGEN vermissten Jan, sein Velo sein Töffli seinen Teddybär seine Märmeli oder Jan’s verdammte Zahn Spange wiederzufinden, auch wenn ich HUERESICHNOCHMAL ZWEIHUNDERT KILOMETER VON DA WEG WOHNE und nicht auf Deppenapostrophe, Deppenleerzeichen, Slacktivism oder Kommafehler stehe.

Dass Zuckis Applikation nun auch noch meint, mich grüssen zu müssen, löst höchstens Hassanfall Nummer 2871649 aus als den Wunsch, den Morgengruss zu erwidern.

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Lass doch den Kinderkram, Herr Salzhügel, wirklich.

Aber was wollte ich eigentlich sagen? – Ach ja: Dem Fass den Boden ausschlagen tut in letzter Zeit allerdings die Renitenz, mit der sich Basefook dagegen wehrt, meine Wünsche zu respektieren.

Ich kann in der iOS-App tausendmal „weniger ähnliche Meldungen anzeigen“ wählen – ob es jetzt darum geht, dass die FB-App mir zehnmal am Tag andrehen will, „ein aktuelles Foto“ zu teilen („15 neu“, im Fall!) oder „den letzten Link zu deinem Beitrag“ hinzuzufügen oder meine beiden Facebook-Seiten umgehend kostenpflichtig zu bewerben – es kommt immer und immer wieder, unablässig, mehrmals am Tag.

Inzwischen bin ich überzeugt: Facebook muss nicht nur modularer anpassbar und transparenter kontrollierbar werden, Facebook müsste vor allem zwingend kostenpflichtig sein. Ein Abo-Modell würde einerseits userseitig die Spreu vom Weizen trennen und andererseits den blauen Riesen aus Menlo Park davon befreien, dermassen penetrant wie derzeit den Feed mit nervigen Aufforderungen vollzupflastern.

Wenn Facebook zahlungspflichtig würde, könnte der Konzern ohne schlechtes Gewissen eine Option „Feed ungefiltert / chronologisch“ einführen – mit Suboptionen wie „reine ‚Gefällt mir‘ ausblenden“, „Kategorie ‚Politik‘ ausblenden“, „‚Seiten, die dir gefallen könnten‘ ausblenden“. UND VOR ALLEM: „Alles über Hunde ausblenden“! (Am besten „automatisch löschen“, pardon.)

Das wäre etwa die selbe Erleichterung im Social-Media-Alltag wie wenn die offizielle Twitter-App endlich das Hashtag-Muting einführen würde.

Nein, ich gebe noch nicht gerade auf. Twitter und Instagram haben zwar Facebook in meiner tagesaktuellen Selbstdar…, äh, Kommunikation weitgehend abgelöst – und mit gezieltem Ausblenden, Muten, Entfreunden und Melden kann man bislang den Feed noch halbwegs sinnvoll gestalten bzw. säubern. Und JA – Facebook bringt mir nach wie vor interessanten Lesestoff, schöne Ferien- und Alltagsfotos sowie Tipps und Tricks, die ich sonst nicht bekommen hätte.

Wenn es  aber in diesem Stil weitergeht…

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… und diese Feedbacks auf „weniger von dieser dampfenden Kacke anzeigen“ weiterhin eine blanke Lüge bleiben…

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… dann zerstört sich das Fratzenbuch nachhaltig selbst.

Und ich als alter Naivling hoffe immer noch, dass es bloss ein Bug ist, der in der nächsten Version der App behoben sein wird, muahahaha!

Werter Mark – ich kann wunderbar selbst beurteilen, wann ich was poste, und ich werde es sicher nicht dann tun, wenn mich irgend ein vollkommen Amok gelaufener, verquerer Algorithmus auch nach 100 Klicks auf NEIN noch dazu auffordert.

Habe geschlossen.

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Höchste Zeit, wieder einmal im Archiv zu kramen und ein paar alte Bilder und Videos hervor zu kramen. Mitte der 1980er-Jahre, vor 30 Jahren also, begann das Videozeitalter. Nicht im Sinne der VHS-Cassette, die jüngst beerdigt wurde – die gab es 1986 schon lange. Sondern mit eigenen Aufnahmen.

Als Teenager und schon damals angehendem Archivar schien mir die Möglichkeit, den Alltag für spätere Zeiten (in denen man das alles wahnsinnig altmodisch finden würde) zu konservieren, extrem faszinierend zu sein. Und so rückte ich ab 1984 immer wieder mal mit der Familien-Videoausrüstung einfach so aus und nahm den Alltag in Itingen auf – dem Oberbaselbieter Dorf, in dem ich meine Kindheit verbrachte.

19851001-filmenschatzsucheSeit dann ist das Leben seit damals also nicht nur mit statischen, sondern auch bewegten Bildern dokumentiert. Und diese sollen in den kommenden Monaten den Weg aus dem Archiv finden.

Im Gegensatz zu heute, wo in der Öffentlichkeit Filmende und Fotografierende von Abbildungsscheuen skeptisch beäugt oder von Datenschutzfreaks drangsaliert werden, erntete man 1986 mit einer Videokamera höchstens grosse Augen oder, wenn’s hochkam, bewundernde Blicke. So konnte ich – heute undenkbar! – sogar in der Itinger Badi filmen.

Wo man heute Zeter und Mordio schreien würde (halb nackte Kinder! Persönlichkeitsschutz! Pädophile!), kümmerte sich niemand um mich, als ich als 14-Jähriger meine Schulkolleginnen- und kollegen beim Spass im Freibad festhielt. Wie durch ein Wunder blieb die Panasonic A2 sogar trocken.

Ja, die Itinger Badi!

Unser Kleinod, mit einer langen Geschichte, in den frühen 1980ern dank dem Erlös des Dorffestes 1979 totalsaniert, die schönste Badi im Baselbiet, und – o Wunder – die einzige mit Gratiseintritt. Bis heute! Die Badi war und ist der allsommerliche Brennpunkt des Dorfes. Hier lernen die Itinger Kids schwimmen, hier wird wild herumgerannt, angebändelt, sich vergnügt, sich über die Auswärtigen ereifert, die schmarotzen und nichts ins Kässeli geworfen haben.

Und in den 1980ern vor allem Ping Pong gespielt („Rundlauf“, „aasuugä“) – hier ein Bild von mir und Kumpel Tanner (zusammen waren wir u.a. „Metro Goldwyn Hansi“ und machten Filme) aus dem Sommer 1986:

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Seit 1986 hat sich die Badi und ihre Umgebung natürlich ziemlich verändert. Hier ein paar Vergleichsbilder 1986/2016 aus Videostills und aktuellen Aufnahmen von Mitte Juli – Tischtennis ist weitaus unbeliebter als vor 30 Jahren, die Tische verwittern:

 

Nun aber zum Video. Auf Youtube ist eine leicht zensurierte Fassung schon seit Jahren abrufbar. Zum 30-jährigen Jubiläum des Originalvideos springe ich nun erstmals über meinen Schatten und veröffentliche sogar Szenen samt Tonspur, auf denen ich als Teenie… naja, etwas peinlich rüber komme, als mir Fränzi, Barbara und Sandra (oh! Mädchen!) die Kamera kurzerhand wegnehmen und ihren eigenen Film drehen. Vorher haben sie sich vorzüglich vor dem Kameramann im Wasser produziert. So eine Cam war damals auch ein ausgezeichnetes Mittel, das andere Geschlecht auf sich aufmerksam zu machen.

Keine Sorge: „Pussy“ war damals im Sinne von „Bussi“ gemeint. Die andere Bedeutung… naja, die waren wir erst so ein wenig… sehr zaghaft am entdecken. Ähm, natürlich alle anderen. Dem Nerd Andi waren Videokameras (noch) wichtiger.

Die Badi war aufgrund ihrer sozialen Bedeutung vor 30 Jahren auch Stoff für eine Schülerzeitungs-Reportage. Ich wollte ein wenig hinter die Kulissen schauen. Dafür musste ich den gefürchteten Schulabwart „anbinden“, der in unseren fünf Primarschuljahren den Ruf als strenger Hardliner hatte. Wenn „dr Oberer“ auftauchte, nachdem wir Mist gebaut hatten, wussten wir: Jetzt ist Feuer im Dach! Er ähnelte damals ein wenig Ex-Schiri Collina, war grossgewachsen und für uns Kids angsteinflössend. Er war zugleich für die Wasseraufbereitung im Schwimmbad zuständig.

Christian Oberer – kein Unbekannter, er ist nach wie vor Leichtathletiktrainer und auch Vater der früheren Siebenkämpferin Simone – erwies sich aber 1986 als äusserst freundlicher Interviewpartner und erklärte dem Jungreporter einen Morgen lang geduldig die Geheimnisse von Salzsäure, Chlor und pH-Wert.

Die Zeitung ist hier als PDF abrufbar (12 MB), die Badi-Repo ist auf den Seiten 11-13. Mehr Abenteuer von vor 30 Jahren sind in den anderen „FGOI“-Ausgaben des Jahres 1986 konserviert.

 

Mehr aus der Serie „vor 30 Jahren“ demnächst in diesem Theater – Stoff ist mehr als genug vorhanden.

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