Nach dem Saisonstart in Zermatt (am 17. November) folgte die gefühlte 371. Erkältung dieses Jahres. Gestern war dafür wieder einmal einer dieser perfekten Montage, an denen man frühmorgens beschliesst, dass man auch nachts arbeiten kann, ein Mobility-Auto chartert und in die Berge düst.

Trotz guter Schneeverhältnisse sind die Berner Oberländer Skigebiete reichlich lethargisch: Wie so oft bietet fast nur die Elsigenalp durchgehenden Skibetrieb an (dem Vernehmen nach begann die Saison hier auch schon einmal Mitte Oktober). Höchste Zeit also, das Angebot auch mal zu nutzen. Die nahe Engstligenalp, ebenfalls im Adelbodner Tarifverbund, ist quasi das Gegenteil: bekannt für den späten Saisonschluss – und in dieser Serie schon früh zu Ehren gekommen.

Das Vintage-Gefühl beginnt schon bei der Anfahrt: Ein enges Strässchen mit nur wenigen Kreuzungsbuchten führt von Achseten (zwischen Frutigen und Adelboden) nach Elsigbach.

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Man hat nicht das Gefühl, dass man hier richtig ist und das einzig offene Skigebiet weit und breit korrekt anpeilt – aber kaum will man Google Maps starten, steht man auch schon auf dem Parkplatz der Gondelbahn. Nach der Fahrt öffnet sich vor einem die Hochebene der Elsigenalp…

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

… die Bindungen klicken, und los geht der Genuss. Für Skiliftnostalgiker ist dieses Gebiet ein absolutes Mekka. Keine einzige Sesselbahn stört die Bergbahnidylle – einzig die Schneekanonen wirken etwas gar modern. Aber da drücken wir ein Auge zu; dank der Kunstschneeunterlage mit Naturpulverauflage sind die Pisten schlicht umwerfend.

Die beiden Hauptanlagen sind die Habegger- und Küpfer-Skilifte aus den Jahren 1966 und 1979 – solide Thuner und Steffisburger Arbeit “wie geng”:

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Der Habegger-Lift wurde laut dem Schild bei der Talstation von “F. Zurbrügg & Sohn Frutigen” montiert. Natürlich fehlt auch der obligate Regierungsratsbeschluss nicht:

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Geschlossen waren heute die beiden modernen Garaventa-Bügellifte Elsighorn und Wilderhubel, mit denen Mitte der 1990er-Jahre das Gebiet erweitert wurde. Dafür surrte oben der Küpfer-Tellerlift Hohmatti (Jahrgang 1976), der einige nette Pisten “hingerdüre” erschliesst:

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Eines der Lifthighlights des Berner Oberlandes ist aber der fast 1.5 Kilometer lange, schwere Habegger-Lift Höchst-Metschalp im zweiten Teil dieses Skigebietes. Als Spezialität weist die 42 Jahre alte Anlage Kurzbügel auf, die “verkehrtrum” hängen (90 Grad verdreht wie Selbstbedienungs-Langbügel):

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Leider hat keiner der Lifte hier oben mehr die quietschenden und röhrenden Habegger-Gehänge aus den Anfangszeiten. Aber dafür haben wir ja z.B. den Skilift Faltschen oder die längere Anlage im Selital.

Nebst den altehrwürdigen Liften (mehr Technisches dazu hier) gabs an diesem wunderbaren Vorsaisontag aber natürlich auch noch ein Schnipo und schönes Abendlicht.

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Skifahren auf der Elsigenalp, Dezember 2013 - klicken für mehr Fotos

Kurz: Wer dieser Tage dem Büro entfliehen kann, soll es unbedingt tun. Es gibt keine unbeschwerteren Skitage als in der Vor- und Nachsaison, wenn die Angefressenen unter sich weilen.

Video des Skitages auf der Elsigenalp am 2. Dezember 2013. Mehr Bilder hier.

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Valée de Joux

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28.09.2013

Faule Ferien

Im Gegensatz zu früheren Reiseberichterstattungen habe ich mir vorgenommen, in meiner längeren Auszeit dieses Jahr möglichst wenig am Computer zu hocken – nur schon eine Woche grossflächige Pause hat dazu geführt, dass die klassischen Tastaturarbeits-Entzündungen in den Fingergelenken mächtig zurückgegangen sind. Das ist gut so und soll auch so bleiben. (Man wird alt, scheinbar.)

Ich twittere von dieser Reise (wieder einmal im Westen der USA, später dann im Osten) allerdings vom iPhone aus täglich Dinge, die mir – bisher – entlang der Route zwischen San Francisco, dem Death Valley und Las Vegas auffallen, und schalte in der Fotogalerie Bilder auf:

- Westen: San Francisco, Kalifornien, Nevada
- Osten: New York, Long Island
- Osten: New England, Québec, Chibougamau, Boston

Wenn ich irgend eine Geschichte loswerden will, melde ich mich extensiver. Ansonsten scheint mein Twitterkanal diesen Blog langsam aber sicher für Kurzfutter komplett abzulösen – für Nichtzwitscherer sei nochmals erwähnt: Man kann die Tweets einer Person wie eine normale Website anschauen, ohne sich irgendwo anmelden zu müssen.

Allerdings ist es natürlich interessanter für alle Beteiligten, wenn man selbst ab und zu einen netten Tipp oder ein schönes Foto vertwittert.

San Francisco, September 2013

(Gestern in San Francisco.)

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So langsam befürchte ich tatsächlich, dass es Microsoft mit dem irren Gedanken ernst meint, in nicht einmal einem Jahr den Support für Windows XP einzustellen.

In meinem Umfeld setzen viele Leute problemlos und glücklich XP ein. Ich benütze selbst vier Systeme mit Windows XP und ich bin bestens zufrieden – die Geräte sind schnell und gut. Es gibt keinen Grund, sie zu ersetzen oder neue Software zu installieren, nur weil “die Industrie” das so will.

Abgesehen davon habe ich schlicht kein Geld, diese Geräte zu ersetzen, und die meisten neuen Geräte erfüllen meine Anforderungen an gute Computer nicht: gerade die Unsitte mit dem Trackpad ohne separate Tasten ist ein Klassiker von Mülldesign (hat man zwei Finger drauf – einen zum Klicken und einen zum Fahren – interpretiert das System das meistens als Zweifingergeste und macht damit irgendwas, nur nicht das, was man wollte).

Windows 8 ist Usability-Schrott – das interessiert mich nicht. Und ein Downgrade auf Windows 7, mit dem ich noch halbwegs leben könnte, ist oftmals mit manueller Arbeit und Treibersuche verbunden. Sobald Windows ein Betriebssystem anbietet, das man auf den Look von Windows 2000 zurücksetzen kann und auf dem sämtliche von mir heute eingesetzte Software problemlos läuft, lasse ich allenfalls wieder mit mir reden.

Aber Geld für neue Rechner auszugeben, die perfekt funktionieren – oder ein untaugliches Betriebssystem lizenzieren und installieren (und wohl an mancher Hürde zu scheitern) nur weil Microsoft das so will? Nee.

Das fehlende Geld und die mangelnde Freude an den “innovativen” Designs dürften für die rund 40% der PC-User, die ebenfalls noch das bewährte und schlanke XP einsetzen, Zwangsargumente sein, auch nach dem 8. April 2014 weiterhin “auf gut Glück” XP einzusetzen.

Microsoft hat mit Win XP vor über zehn Jahren schlicht ein gutes OS eingeführt – hallo Redmond, viele wollen und brauchen nicht mehr als das. Auch in Zukunft. Verlängert den Support um weitere 5-10 Jahre. Oder ihr seid hauptverantwortlich dafür, dass eine Welle von Botnetzen die Welt überrollen wird.

Nochmals: Knapp 40% benützen Windows XP immer noch – will Microsoft wirklich das Risiko eingehen, Cyberkriminelle zu unterstützen, die ungestopfte Sicherheitslücken ausnützen?

Ihr könnt mir ansonsten auch gerne ein paar 1000 Franken überweisen, weil ich meinen Gerätepark oder meine Software aufgrund eurer Support-Policy angeblich erneuern soll (von der Arbeitszeit ganz zu schweigen) und mich danach auch noch selbst um Plugins bemühen muss, um Windows 8 halbwegs alltagstauglich zu gestalten.

Also: Redet XP nicht schlecht, sondern verlängert den Support!

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Etwas vom wenigen, was ich aus dem gymnasialen Geographieunterricht in die nackte Realität retten konnte, waren die Great Smoky Mountains. Eine Mitschülerin hatte wenige Jahre zuvor ein Referat über die Appalachen und die “Smokies” gehalten.

Also sagte ich mir im Juni 1993: Wenn ich schon mal zwischen Florida und New York unterwegs bin, schaue ich mir die Sache mal aus der Nähe an.

(Dies ist der zweite Teil eines Rückblicks auf meine erste “grosse Reise” vor 20 Jahren, Teil eins ist hier zu lesen.)

Zunächst führte die Route aber an Atlanta vorbei – da musste der Jungschurni natürlich bei CNN vorbeischauen. Spätestens seit dem ersten Golfkrieg blickten wir alle auf den Sender, und in den USA gefiel mir das Konzept von “Headline News”.

Von der I-95 gings also rüber zur I-75 – irgendwo war dann auch noch die Abzweigung nach Athens, wo REM herkommen, die damals ganz gross waren. Einigermassen ehrfürchtig fuhr ich also “Losing my Religion” singend über die Interstates im Niemandsland von Georgia und tankte irgendwo auf dem Land draussen zum vermutlich ewigen Benzintiefstpreis meines ganzen Lebens: 79 cent pro Gallone, damals rund 30 Rappen pro Liter.

Auf den Interstates von Georgia, Juni 1993

Bei CNN dann die Ernüchterung: Die Studiotour war ausverkauft. Also gabs nur ein sehnsüchtiges Foto vom Eingang…

CNN-Studiotour in Atlanta, 1993

… und einen Spontanbesuch bei 104.7 WALR. Die Discjockeys waren immer sehr locker, wenn man sich als Radiöler aus einem fernen Land zu erkennen gab, und gaben bereitwillig Auskunft. Im Tagebuch gab ich mich beeindruckt: “Die haben hier die selben Studer-Spulenmaschinen wie wir. Aber sie machen sonst fast alles mit Carts. Wahnsinn, 5 Sekunden vor dem Ende eines Jingles blinkt eine Lampe! Die spielen bis zu 20 in Folge. Wo nimmt der Moderator bloss diese unendliche Coolheit in seiner Stimme her?”

Am Abend landete ich dann spontan in Asheville, North Carolina – Liebe auf den ersten Blick. Irgendwie fühlte ich mich hier auf Anhieb wohl, vielleicht weil es nun etwas gebirgiger wurde und die Menschen etwas “alternativer”, jedenfalls verblasste das Heimweh in der dritten Reisewoche immer mehr.

Natürlich besass auch Asheville seine Mall – das mir völlig neue Konzept von Einkaufstempeln faszinierte mich ebenso wie die über der Strasse hängenden Ampeln:

Asheville NC, Juni 1993

In dieser Woche lief der Film des Jahres an – damals feierten die grossen Streifen in den USA noch Monate vor Europa Premiere, und so war ich umso stolzer, Kinoticket für Jurassic Park, 13.6.1993“Jurassic Park” (begleitet von einem nie dagewesenen Merchandise- und Marketinghype) bereits am 13. Juni 1993 gesehen zu haben (Ticket rechts), einen Tag vor meinem 21. Geburtstag, den ich einsam in den Great Smoky Mountains feierte.

Spielbergs Dino-Epos war wohl der erste Film, in dem man das Gefühl hatte, das könnte wirklich echt sein; die Computertechnik machte in dieser Zeit enorme Fortschritte – am Anfang stand das flüssige Metall in “Terminator 2″.

Nach all den Computer-Spezialeffekten im Kino lechzte ich aber nach Natur. Im nahen Cherokee (nomen est omen, voller Indianerkitsch) gönnte ich mir eine Fahrt auf einem alten, ratternden Sessellift…

Sessellift in Cherokee, North Carolina, 1993

… und wanderte über Hügel, die irgendwie auch im Jura hätten stehen können:

Wandern in den Appalachen, Blue Ridge Mountains, Juni 1993

Wandern in den Appalachen, Blue Ridge Mountains, Juni 1993

Auf dem Gipfel schrieb ich ins Tagebuch (heute würde ich bestensfalls 140 Zeichen und ein gepimptes Foto Twittern): “Gediegen, ich sitze auf einer Felsnadel auf etwa 1800m, nach einer etwas haarsträubenden Kletterei, und geniesse die Aussicht. Die Chimney Tops steigen aus einem dicht bewaldeten Hügel auf, einem Urwald gleich – ich glaube, ich habe noch nie einen so dichten Mischwald gesehen. Auf dem Parkplatz des Clingmans Dome traf ich Andrea, eine Studentin aus Indiana, die den Schlüssel im Kofferraum eingeschlossen hatte und schon früh im Gespräch betonte, sie wolle einmal Präsidentin werden – das nennt man Ambitionen. Langsam hat es mir hier oben zu viele Squirrels, und diese komischen Schmerzen im Becken werden wieder stärker, ich sollte an den Abstieg denken. Ich musste eine dieser Tabletten nehmen, die mir Hans für Notfälle mitgegeben hat.”

Dass das von einem Morbus Bechterew herrührte und dies den Rest meines medizinischen Lebens prägen würde, sollte ich erst zwei Jahre später erfahren.

Später begann es zu regnen, und die Fahrt auf dem Blue Ridge Parkway war mir ohnehin etwas zu kurvig, so landete ich in Gatlinburg, einem ziemlich schrecklichen Retortenort in Tennessee, in dessen Umgebung unter anderem Dolly Partons “Amusement Park” Dollywood liegt.

Gatlinburg, Juni 1993

Dass auch ein “Ober Gatlinburg” samt Skigebiet und einer stattlichen Gondel existiert, entging mir leider – das hätte den Lifthistoriker allenfalls noch milde stimmen können.

Auf dem Weg nach Norden landete ich auch in Little Switzerland, North Carolina – tatsächlich sieht es in den Appalachen und vor allem in den Blue Ridge Mountains (John Denver lässt grüssen) sehr oft aus wie in der Schweiz. Natürlich waren die Amis begeistert, dass endlich wieder einmal einer als “Big Switzerland” vorbeischaut – der Pöstler stempelte mir sogar bereitwillig ins Tagebuch:

Little Switzerland, North Carolina, Juni 1993

Auf der Postkarte des Ortes mit einem doch sehr zu einer Reise hierher animierenden Sujet…

Little Switzerland, North Carolina, Juni 1993

… war zu meiner Überraschung genau mein weisser Chevy Cavalier Station Wagon abgebildet, der mir doch schon so sehr ans Herz gewachsen war, dass er sogar als exklusives Sujet für ein Foto in Frage kam – in den Zeiten vor der Digitalfotografie knipste man noch sehr sparsam; alle Bilder von dieser Reise sind Ektachrome-Dia-Scans.

Mein guter alter Chevy Cavalier in den Blue Ridge Mountains

Nach den Tagen in den Hügeln dürstete es mich wieder nach kurvenfreier Interstate-Fahrerei samt Musikhören und Fast Food aus dem Drive Thru, zudem war das Wetter in den Appalachen durchzogen – schon bald bestimmten solche Bilder wieder den Tagesablauf:

Irgendwo zwischen North Carolina und Delaware, Juni 1993

Und sonst? In den News herrschte langsam aber sicher Sommerflaute, für Schlagzeilen sorgte allenfalls eine wie immer völlig übertriebene Panikwelle, weil angeblich jemand eine Spritze in einer Pepsidose gefunden hatte, wie ich in der Folgewoche aus New York für meine Heimradiostationen berichtete:

Go get Adobe Flash Player!
(Lieber in eigenem Player hören / herunterladen – MP3, 1.6 MB)

Ja, heute lacht man drüber – doch in den Prä-Web-Zeiten war das noch etwas ganz Besonderes, so ein Report aus Übersee – und erst noch von mitten auf der Strasse. Boah.

So ganz geheuer war es mir beim Gedanken aber nicht, erstmals alleine in den Grossstadtdschungel einer Weltstadt abzutauchen.

Am 18. Juni 1993 notierte ich in Wilmington, Delaware: “Ah, Alien 3 kommt auf HBO, das passt perfekt – denn ich stehe vor den Toren des ungewissen Monsters NEW YORK.”

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Heute vor fünf Jahren ging “Newsnet” (als “Newsnetz”) an den Start – und überraschte primär durch eine stattliche Anzahl Tippfehler. (Wir schauten damals ins Jahre 1996 zurück, als die erste Tagi-Website online ging.)

Man könnte meinen, im Jahre 2013 seien endlich alle Probleme gelöst – doch leider sorgt Tamedia nach wie vor für Ärger mit seinem Onlineangebot. Ich rege mich inzwischen täglich über die mobile Fassung des “Tages-Anzeigers” und seiner zugewandten Orte wie “Bund” und “Berner Zeitung” auf.

Was den Userinnen und Usern zwangsweise angedreht wird, ist ein Paradebeispiel von vermeintlich gut gemeintem Digitalschrott – eine klassische Bevormundung der Kundinnen und Kunden ohne eine einfache Möglichkeit, sich zu wehren.

“Responsive Design” scheint für Tamedia/Newsnet ein Fremdwort zu sein. Stattdessen werden User mit bestimmten Geräten auf eine so genannte “mobile App” geleitet, deren Adresse mit mobile2 statt www beginnt.

Whow, “mobile2″ als Subdomain – was für ein kreativer Kopf hat wohl diese Adresse auserkoren?

Nun könnte man meinen, wer umsverrode die “mobile Fassung” einer Website wolle, könne zumindest beim ersten Besuch wählen, ob er das will. Dann wird ein Cookie gesetzt, und bis sich der User aktiv für die andere Fassung entscheidet, bleibt er bei der gewählten Version (selbstredend befindet sich irgendwo auf jeder Seite ein Wechsellink wie in diesem Blog hier).

Ich für meinen Teil halte viele “mobile Fassungen” (vor allem wenn sie einem aufgezwungen werden), die nervtötenden Popups (“wussten Sie, dass diese Seite als App verfügbar ist”) und auch viele “responsive Sites” (Seiten, die sich dem Bildschirm automatisch anpassen) für überflüssig. An einem Smartphone schätze ich eben gerade, dass meistens die “normale” Fassung einer Website problemlos zu betrachten ist – so auch beim Tagi.

Wenn ich wirklich das “mobile App-Feeling” möchte, lade ich mir – nomen est omen – eben die App runter. Wenn ich im Browser surfe (was meiner bescheidenen Ansicht nach immer noch Standard ist), möchte ich primär Websites sehen wie auf einem Notebook oder Desktop – sicher aber keine “mobilen Apps”, die sich auch wie solche anfühlen und abseits jeglicher Browserstandards bewegen.

Statt die normale Seite mit mehreren Spalten und vielen Geschichten auf einen Blick erhalte ich bei “mobile2.tagesanzeiger.ch” eine abgespeckte Fassung mit zwei Geschichten pro Ressort, und ich scrolle und scrolle und scrolle und scrolle, wenn ich runter will, und scrolle noch mehr, wenn ich wieder an den Anfang der Seite will.

Dummerweise hält sich “mobile2″ auch nicht an Standards und Konventionen, an die sich viele Menschen – gerade versierte Benutzerinnen und Benutzer – gewöhnt haben (hier bezogen auf das iPhone):

  • Die Webadresse eines Artikels lässt sich nicht aus der Adresszeile kopieren (die URL lautet permanent “mobile2.tagesanzeiger.ch”, auch auf Unterseiten)
  • Ein Tippen auf die oberste Leiste führt nicht zum Seitenanfang
  • Einen Link auf die reguläre Fassung gibt es nur auf der Startseite
  • Es gibt keine Möglichkeit, Links in einem neuen Browsertab zu öffnen (ich scrolle meistens durch den Content und öffne Artikel, die ich später lesen will, durch langes Berühren und der Wahl des entsprechenden Links im Kontextmenu in einem neuen Hintergrund-Tab).

Für eines der führenden Medienhäuser des Landes ein reichlich seltsames Angebot.

Nun könnte ich zumindest mit iCab mobile – dem im Gegensatz zu Safari echt brauchbaren Browser für iOS – dem Tagi vorgaukeln, mein iPhone sei ein iPad (iCab sendet dann dem Server eine andere Browser-ID). Dann funktionieren aber diverse andere Seiten nicht so, wie ich es mir auf dem iPhone wünsche.

Ausserdem stockt “mobile2″ oftmals und “dreht im Leeren” – wähle ich die normale Fassung, erscheint der Inhalt sofort. Auf “mobile2″ hingegen darf ich teils minutenlang zuschauen, wie sich die nette kleine Animation dreht:

Mühsam und nervig: Mobile Fassung der Tagi-Website

Ich kontaktierte Tamedia schon im letzten Winter, als die erste Fassung der mobilen Website für Ärger sorgte. Da beschied man mir, ich solle ?nomobile=1 an die Webadresse hängen, so würde die mobile Fassung umgangen. Ich passte meine Lesezeichen an, und so klappte das auch eine Weile.

Nebenbei gesagt nervte die mobile Version auch monatelang bei jedem Start mit der Spam-artigen Meldung, man solle mit einem Klick auf ein Icon den Link als Symbol auf dem Homescreen ablegen – dummerweise zeigte der Pfeil nur gerade bei Safari aufs korrekte Icon – von alternativen iOS-Browsern schien man bei Tamedia nie gehört zu haben.

Spam-artige Meldung bei jedem Besuch der mobilen TA-Website - mit Pfeil aufs falsche Icon

All das hat dazu beigetragen, dass ich vermehrt andere Medienseiten konsumiert habe.

Vor einigen Wochen begannen sich dann auch Links aus Twitter und Facebook in der unbrauchbaren “mobile2″-Fassung zu öffnen, und der Spuk begann auch beim “Bund” und der “Berner Zeitung”. Seither kann ich kaum mehr einen in sozialen Medien verlinkten Tamedia-Text lesen, da in 90% der Fällen statt dem Content nur die kleine Dreh-Animation erscheint.

Es erhöht die Freude am digitalen Leben nur bedingt, wenn man Inhalte abrufen will, dann aber nur das da zu sehen bekommt:

Link aus Twitter zur Berner Zeitung: Minutenlang drehende Animation statt Inhalt

Auf eine weitere Anfrage – mit den obigen Einwänden bezüglich Standard-Abweichungen ausgestattet – kam keine Stellungnahme zurück, wieso man dieses und jenes so und nicht anders mache, sondern ein knappes Mail:

Guten Tag

Ganz unten auf der mobilen Fassung gibt es einen Link “Zur klassischen Ansicht wechseln”. Dahinter versteckt sich dieser Link: http://www.tagesanzeiger.ch/?force_desktop=true

Mit freundlichen Grüssen
[Name des aktuellen IT-Leiters "Tages-Anzeiger Online"]

Unten stand noch der Text der Leserservice-Mitarbeiterin im Mail, die meine Nachricht weitergeleitet hatte: “Lieber XY, kannst Du evtl. diesem Leser technisch weiterhelfen? Danke und beste Grüsse, R” – doch, all dies wirkt höchst professionell.

Und sonst? – Keine persönliche Anrede. Kein Wort des Bedauerns. Nichts davon, dass sich dieser Link nur auf der Startseite befindet und sonst nirgends. Keine Anleitung, wie man einen nicht blockierten “mobile2″-Link aus Social Media rasch zum Laufen bringt oder umgehen kann.

Nicht gerade das, was man als langjähriger Leser von Tamedia-Produkten und als IT-affiner User punkto Kommunikation erwartet.

Die Rückfrage, ob der Parameter “?force_desktop=true” nun eine Weile lang so bleibe, blieb unbeantwortet. (Der geneigte Surfer denkt sich: Passen die nun jedes Jahr zweimal die URL-Parameter an? Ist das sinnvoll und sieht das nach einem gut geplanten Vorgehen aus?)

Kurz: Der Tagi hat hier auf Deutsch gesagt än rächte huere Seich produziert und tut gut daran, hier rasch etwas zu ändern. Und es vor allem wieder dem User zu überlassen, welche Fassung er sehen möchte.

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Zum heutigen Ende des Such-Urgesteins “Altavista” – das Mass aller Dinge in Sachen Websuche vor Google – zitiere ich als langjähriger Internet-Kursleiter gerne einfach ein wenig aus den Kursunterlagen der Jahre 1999 und 2000.

Leset, geniesset und grinset.

Was benötigen Sie fürs Internet?

- Computer: Windows-PC (allermindestens ein Pentium-Prozessor mit min. 133 MHz und 32 MB RAM bzw. Arbeitsspeicher sowie Windows 95) oder Macintosh. Empfohlen: Pentium III-Prozessor mit min. 64MB RAM, Windows 98/Me/2000 oder im Macintosh-Bereich einen I-Mac bzw. Cube mit G3 oder G4-Prozessor und Mac OS 8.6 oder höher.

- Wenn Sie kein Internet über die neusten Angebote namens “ADSL” oder via Kabelanschluss haben (teuer und noch instabil), brauchen Sie ein Modem, das die Signale aus der Telefonleitung bzw. der Kabelbuchse in für den Computer verständliche Signale übersetzt und umgekehrt (beim Neukauf darauf achten, dass sie je nach Leitung ein Modem für Kabel, ISDN oder analoge Leitungen kaufen; im letzteren, häufigsten Fall bestehen Sie auf ein Modem mit 56’000 bps Übertragungsrate und V90- oder V92-Standard).

- Zugangssoftware ins Internet (in Windows 95/98 sowie neuen Macintosh-Systemen enthalten; muss aber ev. separat aktiviert werden).

- Software, um im Internet surfen und mailen zu können: Web-Browser (Microsoft Internet Explorer ab Version 5, Netscape Navigator Version 4.75, aber NICHT Version 6) und E-Mail-Programm (z.B. Outlook, Outlook Express, Netscape Messenger, Eudora).

Fast alle Telefongesellschaften bieten heute Gratiszugänge ins Internet an. Dabei bezahlen Sie nur die effektiven Telefonkosten, keine Abonnementsgebühren mehr. Es sind jedoch meist keine Zusatzleistungen inbegriffen.

Verfügt der Provider über einen Einwählknoten in Ihrer Umgebung? Wird eine Ortsrufnummer oder eine gebührenfreie Nummer an anderen Standorten angeboten? Gefordert ist heutzutage grundsätzlich schweizweiter Lokaltarif über eine 0842/0840-Nummer oder eine Nummer im eignen Ortstarifbereich. Testen Sie, wie oft Sie beim Einwählen eine Verbindung herstellen können, ohne ein Besetztzeichen zu erhalten. Verlassen Sie sich dabei nicht auf die Zusagen der MitarbeiterInnen der Kundenbetreuung, sondern wählen Sie die Verbindungsnummer zum Testen mehrmals täglich – besonders abends zwischen 20 und 24 Uhr, wenn das Netz am meisten verstopft ist.

Sofern Sie sich für einen Internetzugang via Kabelanschluss oder ADSL entscheiden (in Bern z.B. bei Cablecom – Voteil: freie Telefonleitung, ständiger überdurschnittlich schneller Zugang ins Internet, ab ca. Fr. 65.- im Monat), benötigen Sie zudem eine Netzwerkkarte (Ethernet Card), die in der Regel von Fachleuten (oder netten Computerfreaks aus der Nachbarschaft) installiert werden muss.

Klären Sie für eine private Webseite ab: Können Sie eine eigene Webseite auf dem Server des Internet-Dienstanbieters veröffentlichen? Wie viel Speicherplatz steht Ihnen dafür zur Verfügung? (5-10 MB reichen in der Regel längstens aus.) Wie hoch belaufen sich die Kosten dafür?

Haben wir den Kampf mit der Hard- und Softwareinstallation einmal hinter uns, kann uns der Compi eigentlich nur noch durch die berühmten “Abstürze” einen Strich drch die Rechnung machen. “Eingefrorene Bildschirme” (nichts geht mehr), “Diese Anwendung wird wegen eines ungültigen Zugriffs beendet”, die beliebten “Bluescreens” (“Das System ist gerade ausgelastet…”) – leider (noch) Alltag im Netz, ausser man benützt Profi-Betriebssysteme wie Windows 2000, die jedoch – richtig geraten – meistens teurer als “AlltagsanwenderInnen-Software” sind. Angesichts nicht mehr eintretender Nervenzusammenbrüche kann sich die Installation aber lohnen. Tip: Ein Neustart (wenn unter Windows nichts mehr geht: Tasten Ctrl+Alt+Delete zusammen drücken) wirkt Wunder.

Macs stürzen weniger ab, sind aber teurer und eher in der Grafikbranche verbreitet.

Der Nutzen in Kürze: Was bringt mir das Internet?

Im Internet sind unvorstellbare Informationsmengen abrufbar. Weiss man die Adresse des Angebots, unter der die gesuchte Information zu holen ist, stellt sich schnell ein Erfolgserlebnis ein. In den meisten Fällen findet man die gesuchte Information aber erst, wenn man bei einer sogenannten Suchmaschine Schlüsselwörter eingibt und hofft, dieser automatische Suchdienst führe einem aufgrund dieser Suchbegriffe auf die richtige Seite.

Das Wesen des World Wide Web besteht darin, dass Querverweise auf andere Seiten möglich sind, die altbekannten Links oder Hyperlinks. Dies geschieht über unterstrichene Begriffe oder “verlinkte” Bilder (der Maus-Pfeil verwandelt sich in ein Händchen). Oft geht es einem beim Websurfen ähnlich, wie wenn man etwas in einem Lexikon sucht: Man bleibt auf spannenden Seiten hängen, die man an sich gar nicht anschauen wollte und kommt nicht mehr los davon. Dies ist spannend, lehrreich, unterhaltsam – und macht viele süchtig. Vorsicht: Eklatante Gefahr von Schlafmanko!

Via E-Mail lassen sich schnell allerlei Daten verschicken. Das Mitgeteilte bleibt dabei sowohl in der eigenen Box mit versandten Nachrichten wie auch in der Inbox (Briefkasten) des Empfängers gespeichert – solange man will; Mailboxes können also durchaus als “Ersatztagebuch” dienen. Man kann einen Brief per E-Mail gleichzeitig an Hunderte von Empfängern schicken und so News schnell weiterverbreiten. Es ist zudem möglich, jedem E-Mail beliebige Dateien aus einer Textverarbeitung usw. anhängen (als sogenannte Attachments oder Anhäge). Wichtige Briefe können zur Überprüfung oder Vernehmlassung anderen Menschen schnell gemailt werden. Die Empfängerin kann sie selbst abspeichern und verändern etc. – oder weiterschicken, als ob sie diese auf einer Diskette bekommen hätte.

Suchmaschinen

Suchmaschinen lassen sogenannte “Robots” oder “Spiders” täglich Millionen von Webseiten besuchen und nach wichtigen Stichwörtern absuchen, die dann automatisch registriert werden. Sie eignen sich daher für seltene und ausgefallene Stichwörter, da für jede Seite fast alle Begriffe erfasst werden. Den Suchenden werden sie allerdings meistens zusammenhangslos und in einer beliebigen Reihenfolge angezeigt. Ihre Stärke ist die ungeheure Fülle an gespeicherten Stichwörtern.

Vom Geheimtip zur momentan besten Suchmaschine gemausert hat sich in den letzten Monaten “Google” (www.google.com oder www.google.ch). Eine der früher leistungsstärksten und immer noch guten Suchmaschinen ist “Alta Vista” (www.altavista.com), die auch als Partner für kleinere nationale Suchdienste beliebt ist. Weitere wichtige Suchmaschinen: Lycos (www.lycos.com), Hotbot (www.hotbot.com), Fireball (www.fireball.de), Northernlight (www.northernlight.com), Euroseek (www.euroseek.net), Aladin (www.aladin.de), Eule (www.eule.de), Bluewin Sear.ch (www.sear.ch), Search.ch (www.search.ch).

www.dejanews.com ist eine gute Suchmaschine für die Stichwort-Suche in Newsgroups. Meta Search Engines vereinigen mehrere Search-Engines und durchforsten diese: www.cyber411.com, www.metacrawler.com.

Katalogdienste suchen zwar die Stichwörter auch mit Robotern, aber jede aufgenommene www-Seite wird danach von Menschen angeschaut und thematisch klassifiziert. Wenn man also etwas zu einem bestimmten Thema sucht, benutzt man mit Vorteil einen Katalogdienst. Der wichtigste ist “Yahoo” (www.yahoo.com oder www.yahoo.de). Weitere Kataloge: www.sharelook.de, www.webdata.com, galaxy.einet.net, magellan.excite.com, www. search.ch, www.swissguide.ch. Tip: Sie müssen diese Adressen nicht einzeln eintippen, um die Sites zu besuchen. Um eine Übersicht zu noch viel mehr Suchmaschinen und Katalogen mit dirkekten Anklick-Möglichkeiten zu bekommen, geben Sie folgendes ein: http://www.cx.unibe.ch/imw/kurs/suchen.htm

Bereits im ersten Kurs im Januar 1999 (für freie Journalistinnen und Journalisten gemeinsam mit @Anne_Re_Keller) wies ich übrigens auf einen heute noch für so manchen Ärger sorgenden Dauerbrenner hin:

Adressieren Sie Mails an mehrere Personen an sich selbst und setzen Sie alle anderen EmpfängerInnen ins Feld BCC, keinesfalls CC. Leiten Sie keine Kettenbriefe weiter. Beachten Sie die “Netiquette” – ALLES IN GROSSBUCHSTABEN SCHREIBEN HEISST JEMANDEN ANSCHREIEN!

Wie in jedem guten Workshop damals gab es natürlich eine sensationell gestaltete Power-Point-Präsentation:

Folie aus der Präsentation vom Januar 1999 in einem sensationellen Design

Kurzer Einschub: Ich kenne sogar jemanden mit einem gedruckten Buch, das alle Websites des Jahres 1995 samt Kurzbeschrieben enthält – werde aber tunlichst vermeiden, Namen und Orte zu nennen, denn dieses Werk ist vermutlich schon heute sehr wertvoll.

Und noch eine Reminiszenz aus dem Jahre 2003, als in der Newsgroup ch.admin breit über Schweizer Spam dirkutiert wurde und was man dagegen tun könnte:

Als ein einzelnes Spam von der Community noch speziell auseinandergenommen wurde: Mai 2003 in der Newsgroup ch.admin

Damit zurück zum Kurs anno 1999. Auch Datenschutz war am Ende des letzten Jahrtausends schon ein Thema:

Sie hinterlassen eine Datenspur! Nach der Arbeit an einem fremden Computer alle Daten / Mails / Cookies löschen (auch den Papierkorb!). Bedenken Sie, dass E-Mail nicht abhörsicher ist.

Und zuguterletzt:

Vergessen Sie sich am Ende der Surfsession nicht auszuloggen, das kann zu sehr hohen Telefonrechnungen führen.

Auch wenn ich HotBot fast lieber hatte: Rest in peace, Altavista.

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Auf der Wanderkarte steht immer und immer wieder “SVP” geschrieben. Verfolgen uns diese Polithalunken nun bis in die Ferien in Südfrankreich?

Nein, natürlich nicht. Schliesslich ist das hier EU-Territorium. Feindesland.

Und für einmal steht “SVP” in Frankreich auch nicht für “Siwupplä”. Es geht um den “Sentier des villages perchés” – einen Wanderweg im Pays de Fayence, der von einem an den Hügel geklebten Dorf zum anderen führt.

Bei uns in Seillans führt ein SVP-Abschnitt an einigen “bories” vorbei: Steinhütten für Hirten und Bauern, die im 18. und 19. Jahrhundert errichtet wurden. Das besondere: Die bories brauchten keinerlei Holz oder Mörtel, sie waren einfachste selbsttragende Konstruktionen aus Material, das der allernächsten Umgebung entstammte:

Borie bei Seillans (Juni 2013)

Borie bei Seillans (Juni 2013)

Online sind kaum Routenpläne für diese und andere spannende Wanderungen zu finden, aber die Offices de tourisme der Umgebung verkaufen gute guides wie “St-Raphael et le Pays de Fayence à pied”, herausgegeben von der FFRP (Fédération Française de la Randonnée Pédestre).

Die Wege sind ausgezeichnet markiert – und führen, wie der Seillanser Bories-Pfad, durch wunderbare Gegenden wie dichte Eichenwälder:

Eichenwald bei Seillans

Auch wenn man sich stets nahe an der Zivilisation bewegt, wähnt man nach wenigen Wanderminuten schon weit, weit weg vom Alltag.

Eher etwas für Industriearchäologen sind hingegen die SVP-Abschnitte auf der alten Bahnlinie Nizza-Meyrargues, von der hier schon einmal die Rede war. Die stillgelegten Strecken – oft als “Train des pignes” bezeichnet – wurden Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet.

Der Abschnitt im Pays de Fayence wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ausser Betrieb genommen. Das Trassee verwildert seither an vielen Orten zusehends, wenn es nicht zu Strassen umfunktioniert wurde:

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Das gut erhaltene Bahnhofsgebäude von Seillans liegt inzwischen ebenfalls nicht mehr an einer Eisenbahnstrecke, sondern an einer Nebenstrasse – nur noch das Strassenschild erinnert à la gare:

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Richtig spannend sind aber die zu bewandernden Strecken, die vergammeln oder am zuwachsen sind, wie hier auf dem Rückweg von den bories bei La Rouvière, kurz vor der Chapelle Notre-Dame-de-l’Ormeau – die Brücke führt zwar auf einen Bahndamm, auf dem noch der Schotter zu sehen und spüren ist, aus dem inzwischen allerdings stattliche Baumstämme emporragen:

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Und wo die nächste Brücke wäre, klafft eine Lücke:

Abschnitt der 1949 stillgelegten Bahnstrecke Nice-Meyrargues bei Seillans

Mehr dazu ist bei Andreas Gossweiler zu lesen, hier exemplarisch der Text zu “unserem” Streckenabschnitt.

Und sonst? Ein Tag in Antibes, fein essen bei Hugo und anderswo, faulenzen, die Landschaft in der dritten Heimat geniessen, ausspannen, Markt in Fayence, dem blühenden Lavendel zuschauen und an Olivenblüten riechen, in milden Nächten durch die Gassen flanieren, die besten Erdbeeren des Planeten schnausen. Die perfekte Sommerwoche in einem sonnigen und milden Frankreich. Was noch kommt: Ein wenig Hinterland auf dem Plateau de Caussols.

Doch all dies – wie auch schon die Reise nach Oslowird inzwischen auf Twitter abgehandelt. Der Zwitscheraccount hat sich als angenehme Nicht-immer-den-Computer-einschalten-müssen-Kurzblökerei etabliert; er kann während “toter Zeit” unterwegs einfach gefüttert werden.

Inzwischen twittere ich weitaus mehr als ich blogge. Dennoch stosse ich immer wieder auf skeptische Aussagen wie: “Hey, du bloggst ja kaum mehr! Was, Twitter? Das will ich nicht.” – Quark: Es sei daran erinnert, dass Twitter alle auch ohne jegliche Anmeldung wie eine normale Website lesen und bookmarken können.

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