27.04.2014

Gripen-Zeitung: Auffällige Parallelen zwischen Propagandatext und BZ-Artikel

Auf Seite 11 in der Gripen-Zeitung: Ein Text zur Mindestlohninitiative, der einem BZ-Artikel verblüffend ähneltDass das unsägliche Gripen-Pamphlet im Zeitungsformat (gleich wie die ebenso unsäglichen SVP-Blättli) trotz Stopp-Kleber im Briefkasten lag, haben wir schon zur Genüge diskutiert. Und dass auf Seite 11 noch ein themenfremder Verriss der Mindestlohninitiative zu lesen ist, war angesichts der Herausgeberschaft auch fast zu erwarten.

Dass aber ebendieser Text in weiten Teilen einem Artikel im redaktionellen Teil der „Berner Zeitung“ gleicht, wirft Fragen auf.

Am 5. April schrieb der frühere BZ-Chefredaktor Michael Hug unter anderem diese Sätze:

40 bis 80 Mitarbeitende zählt der Betrieb – rund 25 verdienen weniger, als von der Mindestlohninitiative gefordert wird. Manche ungelernten Angestellten kommen bloss, um in einer Saison Geld zu verdienen und wieder in die Heimat zurückzukehren. Für solche Leute, oft ohne Fach- und Sprachkenntnisse, seien 3400 Franken nach ihren Massstäben angemessen, sagt Gisela Heller. Die Ambitionierteren würden sich rasch um Weiterbildung bemühen, und ihnen biete der Betrieb auch entsprechende Möglichkeiten. Schon mit einer Anlehre, im Gastgewerbe wird sie «Progresso-Ausbildung» genannt, steigt der branchenverbindliche Mindestlohn auf 3600 Franken.

In der Gripen-Zeitung ist der Abschnitt leicht gekürzt und modifiziert zu finden:

Im „Hotel Eiger“ und im Partnerbetrieb „Mountain Hostel“ sind je nach Saison 40 bis 80 Mitarbeitende tätig. Rund 25 verdienen weniger als der von den Gewerkschaften geforderte Mindestlohn von 4000 Franken. Zu wenig? Für ungelernte Saisonangestellte ohne Fach- und Sprachkenntnisse seien 3400 Franken angemessen, findet Gisela Heller aufgrund ihrer Erfahrungen. Schon mit einer Anlehre im Gastgewerbe steige der Mindestlohn auf 3600 Franken.

Im BZ-Text steht:

Die Kaderlöhne im Selfness Eiger Hotel bewegen sich zwischen 5000 und 8400 Franken. Gerade mal zusammen 15’000 Franken zahlen die Eheleute Heller sich selbst als Monatslohn aus. Nicht gerade eine fürstliche Entschädigung dafür, dass sie das unternehmerische Risiko tragen und ein Pensum von deutlich über 45 Stunden pro Woche arbeiten.

In der Kampfjet-Werbung lautet der Text:

Im „Eiger“ liegen die Kaderlöhne zwischen 5000 und 8400 Franken. Zusammen zahlt sich das Besitzerpaar Heller 15’000 Franken als Monatslohn aus, für das hohe unternehmerische Risiko und ein Arbeitspensum von weit mehr als 45 Stunden pro Woche!“

Die geneigte Leserin, der geneigte Leser denken sich: Verblüffende Übereinstimmungen, momou.

Und ich denke mir: Ein Grund mehr, den Mindestlohn anzunehmen (und als KMU-Mensch und Hochpreisinsel-Gegner habe ich mir den Kopf sehr lange darüber zerborochen) sowie die Pilotenspielzeuge aus Schweden bachab zu schicken.

(Wie ich darauf gekommen bin? – Ich wollte wissen, ob es die „ungelernte Serviceangestellte Carmen Aeberhard“ wirklich gibt, die im Abstimmungs-Blatt ein Statement samt Foto abgibt. Ja, offenbar ist sie kein Stock-Image-Konstrukt einer PR-Agentur, wie ich zuerst vermutet hatte. Google findet aber sehr schnell auch den Text aus der „Berner Zeitung“ zu diesem Thema – wo sie ebenfalls abgebildet ist und zitiert wird. Wer hat da wem abgeschrieben und wer hiess das allenfalls gut?)

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Kommentare

Das du diesen Scheiss trotz Stopp Werbung-Kleber trotzdem liest? Bei mir landet das im Altpapier oder in Nachbars Briefkasten 😉 Merci für die Aufklärung. Könnte es evtl. sein, dass die BZ mit diesem SVP-Nahen Käseblatt verbandelt ist? Eher wahrscheinlich als abzuschreiben, nicht?
Schön übrigens, dass du auf dem Blog wieder aktiver bist. Trotz Meinungsverschiedenheiten von „Früher“ vermisste ich dein Geschreibsel, auf Twitter bin ich drum nicht aktiv.

Danke 🙂 Aber du musst auf Twitter gar nicht „aktiv“ sein- du kann http://twitter.com/jacobloek auch einfach so lesen wie wenn es „meine zweite Seite“ wäre, ohne jegliche Aktivität.

Und warum ich den Scheiss trotzdem lese? Nun: Warum schauen sich gewisse Leute gerne Horror- oder Splattermovies an? Eben.

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