22.11.2012

Weg von Sunrise? So viel teurer ist die Swisscom nicht – oder sogar günstiger!

Ich fresse Kreide und empfehle nach den Erfahrungen in diesem Jahr erstmals, zu Swisscom zu wechseln bzw. Sunrise zu meiden.

Zur Erinnerung: Seit es diesen Blog gibt, geissle ich die Geschäftspolitik der Swisscom immer wieder. Die Empfehlung für Swisscom statt Sunrise kommt folglich in etwa der Aussage gleich „Christoph Blocher empfiehlt, SP zu wählen“.

Ich war seit 1999 bei diAx/Sunrise und gehöre zu jenen, die Sunrise trotz Defiziten lange auf Biegen und Brechen verteidigten. „Konkurrenz belebt den Markt, Sunrise ist sympa“ pflegte ich zu sagen – ich war ein Sunrise-Fan. Ich half Sunrise sogar ohne Entschädigung, Urheber von kritischen Kommentaren in diesem Blog direkt an eine interne Stelle weiterzuleiten, welche sich kulant um diese Personen kümmerte.

Durch verschiedene Vorkommnisse wurde daraus eine Hassliebe.

Heute habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, bei Sunrise zu künden und zu meinem Erzfeind zurück zu kehren.

Es ist ein Armutszeugnis für die Schweizer Telco-Branche, wenn man zum Ex-Monopolisten retour muss, da sich nur schon der Hauptkonkurrent zu blöd anstellt.

Was ich dieses Jahr mit Sunrise erlebt habe, war meistens frustrierend. Es ist nicht einmal das Problem selbst, das mich jeweils am meisten aufregt, sondern wie die Firma kommuniziert und was sie tut, damit das Problem nicht mehr auftaucht. Oder eben nicht tut.

Beginnen wir aber fairerweise mit positiven Erfahrungen.

Mir wurde nach Änderungen bei den Abos eine Rückstufung auf sunflat4 (einmalige Kosten für den Wechsel 50 Franken) genehmigt. Endlich wird dieses Jahr das Mobilnetz auch in Randregionen auf 3G getrimmt – besser spät als nie. Die astronomischen Romaing-Tarife wurden auf ein brauchbares Niveau gesenkt. Das wären an sich alles Gründe, Sunrise als „nicht so zuverlässig, aber flexibel und günstig“ zu empfehlen.

Sunrise hat mich als Auch-Telekom-Blogger vor Jahren einmal nach Zürich eingeladen, das fand ich zuvorkommend. Daraus entstanden interessante Gespräche und Kontakte.

Inzwischen ist die Personalfluktuation aber offenbar hoch. Das wäre egal – ich will ja nicht primär ein Sunrise-Schriftsteller sein, sondern möchte schlicht und einfach eine funktionierende Telekom-Infrastruktur. Würde alles immer zu meiner vollen Zufriedenheit laufen, hätte ich nicht das Gefühl, mich öffentlich zu Sunrise äussern zu müssen, oder dann höchstens vor lauter Begeisterung.

Nur funktioniert eben vieles nicht so, wie man das als zahlender Kunde erwarten kann.

Kürzlich schrieb mir selbst ein bekannter Telco-Kenner, Sunrise sei nur noch ein einziges grosses Ärgernis. Langsam muss ich ihm leider beipflichten, zumindest was den Kundendienst und Mobile angeht. Festnetz- und ADSL-mässig habe ich nach gewissen Anlaufschwierigkeiten seit Monaten keinerlei Probleme mehr. Soweit so gut.

Aber zu den hier gesammelten oftmals negativen Erfahrungen kamen heuer einige hinzu, die für den grössten Swisscom-Konkurrenten nicht drinliegen.

Da war zunächst der mehrtägige Netzausfall im Bündner Oberland im Januar 2012 – nach einem Schneesturm waren Swisscom und Orange problemlos online, Sunrise nicht. Die Kommunikation war mies, eine Statusmeldung gab es nie. Spätestens seit diesem Ereignis ist Sunrise bekannt, dass es ein Problem mit gewissen Basisstationen und Richtfunkverbindungen in der Region Surselva/Urseren gibt und dass die Kommunikation bei Pannen verbessert werden muss.

Dann folgte die Story mit den Abzock-SMS einer Sunrise-Partnerfirma. Ich war nicht der einzige Betroffene. Sunrise arbeitet trotzdem nach wie vor mit dieser Firma zusammen. Bei solchen Vorfällen bin ich unerbittlich: Unschuldigen Kundinnen und Kunden mit dubiosen, nie aktiv bestellten Angeboten Geld aus der Tasche zu ziehen, ist unverzeihlich. Sunrise sieht offenbar keinen Grund, die Zusammenarbeit zu beenden. Ich wurde zwar entschädigt, aber den ganzen Abklärungsaufwand bezahlt natürlich niemand. Zudem offenbarte der Fall, dass Sunrise offenbar ein inexistentes oder unprofessionelles Abuse Desk hat (diese Abteilung kümmert sich z.B. um Spam).

Danach kam ein Problem mit meiner Sunrise-Mailbox – die Wartezeit in der telefonischen Helpline betrug 23 Minuten. Mit Verlaub, aber alles, was über 3 Minuten ist, ziemt sich für den zweitgrössten Player im reichsten Land der Welt schlicht nicht. Schon vor zwei Jahren war allen Beteiligten klar, dass der Kundendienst massiv besser werden muss. (Passiert ist nichts, wie auch der Besuch eines Bürokollegen soeben beweist – was für ein Zufall: Er bekomme seit Monaten falsche Rechnungen, wollte der Hotline anrufen, habe aber nach 20 Minuten in der Warteschlaufe entnervt aufgegeben.)

Und was mir dann endgültig den Nuggi rausjagte: Ein zweiter mehrtägiger Netzausfall in Sedrun im Oktober nach einem Schneestürmli, wie es jedes Jahr mehrmals vorkommt, ein weiterer stundenlanger im November. Und wieder keine Statusmeldung, keine konkreten Angaben, was los ist und wann es wieder läuft. Sunrise hat weder technisch (Anpassung einer offenbar wetteranfälligen Infrastruktur) noch kommunikativ (saubere Statusmeldungen) etwas gelernt. Die Behebung der Panne bei problemlosen Wetter- und Strassenverhältnissen dauerte viel zu lange. Anfragen an Sunrise wurde mit allgemeinen Floskeln beantwortet. Eine konkrete Rückfrage wurde komplett ignoriert – eine offensichtlich heillos überforderte Firma.

Klar: Wenn Sedrun nicht mein Heimatort wäre, wo ich oft arbeite (und bei Ausfällen für 500 Kunden schlecht bis gar nicht erreichbar bin), würde dieser Text hier vermutlich nicht stehen. Allerdings offenbart der Umgang von Sunrise mit solchen Vorfällen massive interne Defizite – und wenn ich Geschichten wie albtraum-sunrise.com sehe, die in einem professionellen Umfeld nie und nimmer auch nur annähernd passieren dürften, sträuben sich mir die Nackenhaare.

Diesen Textabschnitt schrieb ich im Zug von Zermatt nach Brig und ging fast drauf – lahmes EDGE-Netz seit kurz nach Zermatt. Um diesen Beitrag zwischenzuspeichern, braucht WordPress etwa zwei Minuten. Meine Begleitung via-à-vis mit einem seit Jahren fast durchgehenden UMTS-Netz von Swisscom lachte sich ins Fäustchen. Schon auf dem Weg hierher habe ich mit ihrem iPhone einen Hotspot erzeugt, um ein Video halbwegs angenehm schauen zu können. Mit Sunrise war das unmöglich – warten, warten, warten.

In Zermatt selbst scheint es zwar UMTS-Antennen zu geben, aber sobald mal in ein Gebäude geht, fällt Sunrise im Gegensatz zu Swisscom fast komplett raus oder es hat noch ein mickriges EDGE-Strichli; Surfen oder Whatsappen unmöglich. Gut – gemäss dem Ausbauplan soll das angeblich demnächst bessern, sei der Fairness halber erwähnt.

Andere Orte, an denen ich oft bin: Skifahren im Diemtigtal. Sunrise-Netz? Fehlanzeige im ganzen Tal kurz nach Oey. Ein Ausbau ist gemäss Karte nicht geplant. Ebensowenig auf den lahmen Sesselbahnen „Val Val“ in Sedrun, wo mit Swisscom volle Pulle HSPA herrscht. Im Bahnhof der Hauptstadt besteht oft kein UMTS-Empfang.

All diese Dinge zehren an der Geduld.

Stichwort Kommunikation: Anfragen an Sunrise werden auf den Social-Media-Kanälen an Wochenenden weiterhin konsequent ignoriert – auf Kanälen, die vom jedem Smartphone von überall her bedienbar wären, wenn man sich nur etwas Mühe geben wollte.

Wer sich durch die User-Beiträge auf der Sunrise-Facebook-Seite liest („Aktuelle Beiträge anderer Nutzer auf Sunrise > Alle anzeigen“), fragt sich, weshalb eine Firma diesen Kanal überhaupt halbwegs unzensuriert offen lässt. Es entsteht der Eindruck einer grossen Hilflosigkeit – ausser bei sehr einfachen Problemen – gegenüber zahllosen verärgerten Sunrise-Kunden. Richtige Dialoge werden nicht geführt, der Standardsatz lautet „Du kannst uns dein Anliegen gerne an socialmedia_service@sunrise.net senden, damit wir eine Lösung finden können.“

Kürzlich war die gesamte Sunrise-Website „wegen Wartungsarbeiten“ fast ein ganzes Weekend lang offline. Eine Swisscom würde sich niemals so ein langes Wartungsfenster leisten. Der Sunrise-Support schien vom Wartungsfenster übrigens nichts zu wissen; Kunden mussten das Personal auf Facebook darauf hinweisen.

Wenn ich für meine Kunden der Swisscom-Hotline anrufe, habe ich stets nach wenigen Sekunden kompetente und freundliche Leute dran.

Darum habe ich das ganze einmal konkret durchgerechnet.

Sunrise Sunflat 4 plus Roaming kostet 95 Franken (mit subventioniertem Handy), ADSL 5000+ 30 Franken (59 minus 29 Franken Kombirabatt Mobile/Fix/DSL), dazu Speed plus für 10 Franken (für die Verdoppelung auf 10’000 Kbit/s). Macht Total 135 Franken.

Bei der Swisscom wäre das am ehesten vergleichbare Abo Natel Infinty M 99 Franken (in freier Wildbahn erreicht man kaum je überhaupt 7.2 MBit/s), dazu DSL Standard (10’000 Kbit/s) 49 plus Festnetz-Anschluss 25.35 Franken, total 173.35 Franken.

Die Differenz von 38.35 im Monat oder 460.20 im Jahr erscheint auf den ersten Blick gross – für Leute mit kleinem Budget müsste man wohl sagen: „Ihr müsst für den günstigen Preis den schlechteren Service in Kauf nehmen“.

Wer aber den besseren Kundendienst und Support will, das zuverlässigere Netz und wer ab und zu mal im Ausland ist, fährt womöglich bei Swisscom preislich sogar besser.

Meine Rechnungstotale der letzten vier Monate – seit Sunflat 4 für 90 Franken verfügbar ist – betragen nämlich wegen Auslandreisen im Durchschnitt 185 Franken monatlich. Wenn ich schaue, was mit Swisscom alles (selbst ohne Auslandoption) im Abo inkludiert wäre, lohnt sich das angesichts des ständigen Ärgers mit Sunrise. Da wären die Rechnungsbeträge kaum über dem Grundpreis gewesen.

Mit Swisscom resultiert also je nach Gebrauch sogar eine tiefere Rechnung als mit Sunrise.

Dazu kommt als Killerargument für oft-öV-Benutzende, dass die Benutzung des Public-WLAN-Netzes der Swisscom in den Infinity-Abos inbegriffen ist, was gerade an Bahnhöfen eine massive Erleichterung der elektronischen Kommunikation bedeutet.

Der guten Ordnung halber sei hier sunrise24 erwähnt („Alles-Flat“ für 49 Franken monatlich, aber kein Support, keine Kombi-Möglichkeiten und keine Nummernportierung von Sunrise).

Wir haben eine Sat-Schüssel und benötigen daher weder Swisscom TV noch Cablecom – dasselbe Modell wie oben rechnet sich allerdings auch mit einem Cablecom-Anschluss, der höhere Bandbreiten beinhaltet, und einem Mobile-Abo bei Swisscom. Zudem kann man bei Swisscom noch mehr sparen, wenn man aufs Festznetz verzichtet („Naked ADSL“) oder nur 5000kbit/s nimmt.

Dafür, dass man sich mit weniger Problemen herumschlägt, muss ich langsam zugeben: Die Geschäftspolitik der Swisscom mag noch so verwerflich sein. Was ist mir mehr Wert? Einfach in Ruhe Telekommunikations-Dienstleistungen geniessen oder alle paar Monate solche Beiträge schreiben und hoffen, dass es endlich besser wird?

Ich denke, ich werde für diese Spielchen mit Sunrise einfach langsam zu alt. Ich will, dass alles einfach zuverlässig läuft. Vor allem mag ich aber nicht bei einer Firma sein, die Probleme zwar kennt, aber nichts tut.

Wenn Sunrise aktiv allen, die sich in diesem Zusammenhang beschwert hatten, kommuniziert hätte, dass die Zusammenarbeit mit dem Premium-SMS-Partner beendet worden sei, dass die Basisstation bei Sedrun technisch so angepasst worden sei, dass die Art Ausfälle nicht mehr vorkommen könne und dass die Kommunikation bei Ausfällen nachweislich verbessert worden sei, wäre der Fall für mich erledigt. Ich könnte sehr gut mit der Aussage „100% Ausfallsicherheit gibt es nicht“ leben – im Wissen, dass das genau so ist.

Aber eben. Wenn man nicht will… nichts von alledem ist geschehen.

Das grösste Problem sind natürlich die Kündigungsfristen.

Aber man darf immer fragen, ob man wegen Nichterbringung detr Leistung aus dem laufenden Vertrag entlassen wird. Ich werde jedenfalls noch im Dezember 2012 wieder bei Swisscom sein. Ich fühle mich dabei nicht besonders wohl. Aber wie gesagt: Eigentlich soll’s einfach laufen, Sunrise schafft das im derzeitigen Zustand nicht. Nach 13 Jahren treuer Kundschaft bei Sunrise hat es die Firma geschafft, mich durch schlechte Leistungen raus zu ekeln.

Schade, es hätte wirklich gut kommen können mit Sunrise.

Find‘ ich gut. (15 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Kennsch, Orange? Scheint in Deinem Telecomweltbild nicht vorzukommen… 😉 Und Du unterschlägst den Namen sogar, wenn Du Orange meinst (Abschnitt Unwetter Januar 2012)…

[Anm.d.Red.: Der Fehler ist korrigiert und andere Kommentare in diesem Zusammenhang gelöscht, um keine Verwirrung zu stiften. Sorry für die Verzögerung.]

Nein, Orange ist für mich kein Thema, solange nicht klar ist, wie es mit der Firma weitergeht (mit der international bekannten und vernetzten Mutter hat die Firma ja nur noch den Namen gemeinsam). Ich habe auch die Preispläne nie wirklich durchschaut. Insgesamt gebe ich zu, resigniert zu haben – klar sind daran auch politisch-gesetzgeberische Richtlinien schuld, doch egal, inzwischen scheint klar, dass man vorerst in diesem Land leider nur mit Swisscom auf Nummer sicher gehen kann. Orange wäre also imho nur ein weiteres Experiment à la Sunrise (eine Beteiligungsgesellschaft irgendwo weit ausserhalb des Landes befiehlt).

Beim einen passt der Service nicht, beim anderen die Besitzverhältnisse….?!

Ich meine, da besteht kein Zusammenhang und letztere sind egal, wenn das Produkt stimmt. Was ich (für mich) unterschreiben kann.

Die Besitzverhältnisse passen mir bei beiden nicht – was ich sagen will: Ich muss nicht unbedingt von einem Schuppen, der von primär Geld- statt Dienstleistungsgierigen dominiert wird, zum anderen wechseln.

Ausserdem hat Orange keine brauchbare Netzabdeckungskarte, nur so ein Mini-Dingslein.

Dazu kommt, dass ich mich in meinem Blog primär über Dinge äussere, die ich selbst versucht habe und handfeste Aussagen dazu machen kann. Das ist bei Orange schlicht nicht der Fall – aber dazu gibts ja die Kommentarspalte. Also nur zu, du kannst gern auch ausrechnen, vergleichen, empfehlen…

Edit: Ich empfehle gerne auch meinen Kommentar auf albtraum-sunrise.ch zur Lektüre.

Kann da leider nur zustimmen, siehe dazu auch: http://www.mirjamfonti.ch/sunrise. Sunrise hat es geschafft, viel Kredit zu verspielen in den letzten Jahren.

Wieder ein paar Zentimeter Schnee in Sedrun, wieder ist das Sunrise-Netz ausgefallen. Sensationeller Service! Statusmeldung? Fehlanzeige.

Nach einigen Stunden Empfang ist das Sunrise-Netz in Sedrun bereits wieder weg – tja, 30cm Neuschnee sind halt schon extreeeem heftig…

[…] auf kompetenten Service Wert legt und dafür etwas mehr zu bezahlen bereit ist (oftmals nicht einmal so viel mehr!), geht zu Swisscom. (Sagt ein erbitterter Gegner der […]

[…] neue Probleme hinzugekommen… und ich bin in den Jahren vom Sunrise-Fan zum Kritiker geworden, der im Dezember 2012 entnervt zu Swisscom zurück gegangen ist. Aktuellere Beiträge zum Thema finden sich in der Auflistung aller Beiträge zum Thema […]

[…] Epilog: Sunrise hat das Gegenteil gemacht. Zwei Jahre nach diesem Beitrag bin ich – mit den Nerven am Ende – wieder zur Swisscom zurückgekehrt. Ich würde Sunrise von Herzen gönnen, dass sie das “Loser-Image” eines Tages wieder loswerden. Aber so wird das nichts. […]

Das Sunrise-Netz in Sedrun ist nun schon beinahe eine Woche ausgefallen. Es gibt zwar eine Statusmeldung, aber Sunrise schweigt sich beharrlich dazu aus, das der Grund der Störung ist und was getan wird, um sie zu beheben. Meine Vermutung ist: NICHTS!

Sunrise ist inzwischen Dorfgespräch – und ich habe dieses Weekend keinen Sunrise-Kunden gehört, der nicht dringend weg möchte. Mein Handy zeigt seit der Fahrt über den Oberalppass notorisch „Kein Netz“ an.

Spassige Wochenend-Beschäftigung: Auf der Sunrise-Facebookseite die „Beiträge anderer Nutzer“ lesen. Sie werden zwischen Freitag Büroschluss und Montag Bürostart nicht zensuriert, was ja schon mal auf eine interessante Arbeits-Attitüde schliessen lässt!

Sowas spricht an sich Bände und angesichts dieser schlappen Moral („keine Minute freiwillig arbeiten“ lautet offenbar das Motto) ist es kein Wunder, dass die Netzstörung in Sedrun 6 Tage lang nicht behoben wird.

Wenn ich beim Social Media Team wäre, würde ich angesichts der immensen Welle an vernichtender Kritik selbst abends und nachts antworten und den kommunikativen schaden halbwegs in Grenzen zu halten und „Total-Amoks“ zu zensurieren.

Ich muss den Sunrise-Käse zum Glück nicht mehr lange aushalten. Uff, bin ich froh.

Edit 10.12.2012: 20minuten berichtet über den Fall. Endlich kommt etwas Druck seitens Medien. Nur hat sich der Journalist einen Bären aufbinden lassen von der Sunrise-Medienstelle: zu dieser Antenne auf der Alp Tgom führt eine Seilbahn, die bei jedem Wetter in der Lage ist, da rauf zu fahren, wenn man sie bestellt. Sogar für Skitourenfahrer ist sie im Winter in Betrieb. Zufällig füht meine Coucousine Denise da oben das Beizli im Sommer – und tgom.ch läuft auf meinem Server. Ich weiss also sehr genau, dass es von der Bergstation bis zur Antenne ca. 50m sind, die man mit Schneeschuhen locker zurücklegen kann – wenn man nur will… mit der Argumentation von Sunrise hätte Sedrun bis zur Schneeschmelze kein Netz. Und die anderen Anbieter am genau gleichen Mast laufen wie durch ein Wunder problemlos. Das Problem liegt also entweder nicht an diesem Mast – oder Sunrise will einfach nicht.

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Edit 11.12.2012: Immerhin, „20minuten“ hakt nach – und auch RTR berichtet, ebenso die Südostschweiz. Eine Antenne in Andermatt sei Schuld am Ausfall in Sedrun, gar nicht die Basisstation auf dem Tgom. Die Frage ist nur: Wieso muss man Sunrise alle Würmer aus der Nase ziehen? Wieso keine transparente Information von Beginn an? Wieso kein Heliflug in den Phasen mit gutem Wetter, die es zuhauf gab seit dem 4. Dezember?

Ich bin nun seit rund 9 Stunden bei Swisscom Mobile. Die Umstellung hat problemlos geklappt. Der Unterschied allein in der Stadt Bern ist frappant – spontane Reaktionen heute:

– Oh, hier hätte man also ein 3G-Netz haben können statt nur ein Strichli EDGE ohne wirklichen Datendurchsatz!

– Oh, 5Mbps statt 0.5Mbps speed! (Jedenfalls viel lieber 5, wo 7.2 versprochen sind, als nie mehr als 3, wenn bis zu 21 versprochen sind.)

– Oh, das Netz wechselt nur an extrem entlegenen Orten im Untergrund auf EDGE, sonst immer 3G, wahnsinn!

– Oh, man kann endlich die Mobile-EAPSIM-Netze kostenlos nutzen (mit allen Infinity-Abos)! Whow, ist das schnell und bequem!

– Oh, stimmt, ich kann morgen in Frankreich 30MB Daten gratis versurfen und SMS senden was das Zeug hält – ohne Mehrkosten!

– Oh, ich zahle dafür nur 9 Franken mehr als bei Sunrise pro Monat. Oder gar nicht mehr, wenn man den Auslandanteil beu Sunrise separat abrechnet, der bei Swisscom inklusive ist. Oder gar weniger je nach Gebrauch.

– Oh, die ewigen Netzausfälle in Sedrun und die Unsicherheit, wann es wider ausfällt, gehören der Vergangenheit an!

Fühlt sich fast an wie im richtigen Telekommunikationsleben angekommen zu sein.

Jetzt funktioniert auch die Linkverbindung bei Sunrise wieder, dass heisst die Versorgung ist wieder hergestellt.

http://www.urnerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/uri/Heizung-fuer-Antenne-in-Andermatt;art97,219864

http://www.suedostschweiz.ch/vermischtes/sunrise-antenne-andermatt-bekommt-eine-heizung

Solche Ausfälle sind lästig und ärgern.
Ich hatte vor ein paar Jahren Störungen mit dem Internet. Der Fehler lag bei Swisscom. Bis reagiert wurde, vergingen 14 Tage. Ich wurde abgewimmelt und unterstellt, der Fehler liege bei mir. Als ein Techniker in die Zentrale ging, rief er mich an, dass eine Einschubkarte defekt war und es nun wieder geht. Es wurde keine Vergütung der Abokosten gemacht.

Auch bei Swisscom kann es längere Unterbrüche geben. Kein Unternehmen ist von einem Ausfall gefeit.

Hallo Max

Sunrise versucht mit dem Verlinken der beiden Artikel auf der Facebookseite und einem pathetischen Text den Eindruck zu erwecken, als sei das eine Wahnsinnsleistung. Das ist aus der Perspektive einer Medienstelle verständlich. Würde ich auch tun als Komm-Mensch.

Als von diesen Ausfällen immer wieder Betroffener finde ich das ganze höchst zynisch. Man wusste seit Januar 2011 von diesem Problem und tat erst nach dem vierten längeren Ausfall etwas. Das ist eine miserable Leistung. Ich hätte als Kunde lieber eine laufende, gute und ehrliche Kommunikation im Stil von „Wir geben zu, wir haben Mist gebaut und unternehmen nun dies, damit es nicht mehr vorkommt: …“

Zudem sollten alle, die sich darum bemühen, entweder eine Entschädigung erhalten oder nach diesem krassen technischen und kommunikativen Komplettversagen von Sunrise ohne Strafgebühr aus ihren Verträgen entlassen werden (über eine Gebühr in der Höhe des Restwertes eines subventionierten Handys kann man diskutieren).

Ich bin mir bewusst, dass Technik IMMER ausfallen kann und dass auch andere Anbieter Probleme haben – auch in der Kommunikation.

Was ich in diesem Fall aber mit Sunrise erlebt habe, zusammen mit anderen Problemen dieses Jahr, sprengt alles, was sich der grösste Swisscom-Konkurrent leisten darf. Lies doch einmal die Seiten 141-148 im hier abrufbaren PDF. Da steht, was ich schon lange vermute. Für meinen Teil hoffe ich nur noch auf einen gepflegten Rückzug aus dem Sunrise-Chaos und dann habe ich hoffentlich mit diesr Firma lange nichts mehr zu tun.

Nebenebei: Nach drei Tagen bei Swisscom Mobile weiss ich endlich, wie sich ein gut gepflegtes Netz anfühlt.

Was Kundendienst und Kommunikation angeht, kann ich natürlich noch keine seriösen Aussagen machen. Ich weiss nur, dass ich hinter dem, was Sunrise derzeit leistet, nicht stehen kann – und dafür ist mir auch mein Geld zu schade. Die internen guten Geister, die mir individuell helfen, nehme ich davon explizit aus.

Immerhin: Sunrise entschuldigt sich mit einem Brief und einer Gutschrift von 100 Franken bei den Kundinnen und Kunden in Sedrun.

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