Mein Laptop ist bald vier Jahre alt – ein Methusalem-Alter für einen Computer.
Sollte er schlapp machen, erwarte ich mit Grausen das Erscheinen von Windows 8.
Denn ich bin vollkommen zufrieden mit Windows XP (betrieben natürlich im klassischen, schnellen, schlanken Windows2000-Design) – ich möchte mich weder unfreiwillig an andere Designs gewöhnen (schon gar nicht an den Kachelmist von Windows 8), ich will das klassische Startmenu und ich will, dass meine teils über 15 Jahre alte Software noch läuft.
Ich habe mich dem “Ribbon”-Scheiss von Office 2007-10 bisher schon erfolgreich entzogen, indem ich seit 1997 auf – genau – Office97 setze, das unter Windows XP problemlos läuft. Oder notfalls auf LibreOffice, das .docx-Dateien einigermassen passabel darstellt.
Windows XP und Office97 können schlicht alles, was ich brauche. Viele alte Programme starten auf heutigen Maschinen rasant, während die neueren Versionen sekundenlange Startvorgänge hinlegen – gähn. Ich brauche weder neue Funktionen noch aufgezwungene neue Menus, in denen man stundenlang sucht, was vorher jahrelang am gleichen Ort war. Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.
Nein, ich bin kein konservativer Compi-Hinterwäldler; in meinem Umfeld gelte ich als Computerfreak, den man anruft, wenn man ein Rechnerproblem hat. Es ist also höchste Zeit für einen Aufstand der Anwender gegen die beknackte Innovationsflut – wieso muss man immer alles prinzipiell anders machen, wenn’s vorher schon bestens war?
Microsoft macht derzeit so ziemlich alles falsch: Dem Vergewaltigungsversuch durch den Wegfall der klassischen Menüs (Datei, Bearbeiten, Ansicht…) bei den Office-Versionen konnte ich durch die Verwendung von alter Software oder Alternativprogrammen immerhin noch halbwegs ausweichen.
Doch nun kommt das Betriebssystem selbst mit einer komplett neuen Oberfläche? Nein danke!
Da finde ich genau, was der User hier in den Kommentaren sagt: “Eine bessere Reklame für Apple kann man sich ja auch nicht vorstellen.” Oder: “dann steig ich um auf apple.. das ist ja der grösste scheiss. epic fail.”
Allerdings wäre für mich der Umstieg auf Apple bei einem Notebook ebenso fatal wie Ribbonmenus und Windows-8-Design: Das Tastaturdesign ist mir schlicht zu unterschiedlich.
Wichtig ist mir in meinem PC- und Online-Leben vor allem: Ich will mich nicht umgewöhnen müssen. Menus, Shortcuts und der “Basic Look” sollen genau gleich sein wie immer. Ich beherrsche Tastenkombinationen im Schlaf, ich möchte drum einfach nur speditiv arbeiten und danach das einzige Leben geniessen, das ich habe, und mich nicht an von irgendjemandem erzwungene neue Menuführungen und Shortcuts gewöhnen, weil es nicht alle Hersteller schaffen, die gleichen Tasten an den gleichen Ort zu platzieren oder Software mit identischer Menüführung wie immer zu machen.
Das mag sich für Normalo-User nach Humbug anhören – für mich als Gewohnheitstier (und sind das nicht viele von uns?) und Schnellst-Tipper ist es zentral, dass man für Alt+F4, Ctrl+S, Alt+Tabulatur, Pfeil rechts usw. immer an den genau gleichen Ort greifen kann, da eine Umgewöhnung etwa so wäre, wie wenn man vom einen Tag auf den anderen zwangsweise einen anderen Schweizer Dialekt sprechen müsste.
Man kanns versuchen, aber aus jahrzehntelanger Gewohnheit fällt man bekanntermassen immer wieder in seine über Jahre hinweg gesprochene Ursprache zurück. Selbst nach 20 Jahren in Bern sage ich immer noch mein Baselbieter “näi” statt dem Berner “nei”.
Darum ist es auch am User vorbeigedacht, wenn man Tastaturlayouts mit langgestreckten Delete-Tasten einführt (Desktops) oder die Fn- statt die Ctrl-Taste (gewisse Notebooks, alle Macs) links aussen hintut. Oder eben das Betriebssystem völlig umkrempelt. Oder Usability-Todsünden begeht wie jahrzehntelang an Ort A gewesene Buttons plötzlich ganz woanders hinlegt. (Bei Firefox schwöre ich natürlich auf die Addons Status-4-evar, das die Statusleiste unten wie früher permanent einblendet, und StrataM4, das den Look und die Iconpositionen von Firefox 3 erhält. Ständig nervös wechselnde Sachen auf dem Bildschirm stören mich, ebenso irgendwelcher “Durchschimmer-Look”.)
Drum ist für mich die Gretchenfrage bei Windows8: Kann man das Windows-2000-Design einstellen (auch als “Windows klassisch” bekannt)? Wenn nicht, ist das System für mich keine Option und ich versuche mich irgendwie mit XP an der Support-Deadline von Microsoft (8. April 2014) vorbei zu schmuggeln.
Weiter wichtig für Windows 8: Läuft Office97 darauf? Oder zumindest Office 2000? Und Photoshop6? Und der Mailclient Eudora aus den 1990ern? Und WSFTP95?
Schon vor vier Jahren pochte ich auf einen Rechner mit Windows XP, als man eigentlich nur noch Vista erwerben konnte. Mit Mühe und Not und Tricks brachte ich Ende 2008 Windows XP auf meine Kiste, die immer noch bestens läuft (abgesehen von den Problemen, die man als VAIO-Käufer leider grundsätzlich hat).
Ich wette schon heute: Microsoft wird nicht darum herum kommen, den Support von Windows XP über 2014 hinaus zu verlängern, da es genau das ist, was 99% der User brauchen. Sie wollen schlicht nichts anderes, so genannt “besseres”, Punkt.
Es wäre schlicht ein zu grosses Sicherheitsleck, den Tausenden von glücklichen XP-Usern zu sagen “sorry, ihr müsst nun wechseln, es gibt jetzt keine Patches mehr”… und niemand hört hin, sondern verwendet einfach weiter XP.
Alles wäre kein Problem, wenn Windows für alte Software komplett rückwärtskompatibel wäre (bei gleichbleibender Sicherheit natürlich) und der User frei wäre, ein neues oder ein klassisches Erscheinungsbild zu wählen. Dann würde ich umgehend einen neuen, schnelleren Rechner mit Win8 kaufen!
Gaby Salvisberg schreibt im PCTipp wie immer souverän:
Das andere Extrem kennen wir doch auch. Zu welchen Auswüchsen ein übertriebener Innovationswahn führen kann, sehe ich derzeit mit Besorgnis bei den umgekrempelten Bedienoberflächen von Windows 8 und in neuen Ubuntu-Linux-Versionen. Die Benutzerfreundlichkeit bleibt zu Gunsten eines blindlings vorwärts stürmenden «Hauptsache anders!»-Geistes komplett auf der Strecke.
Kann man also Windows 8 mit dem klassischen Desktop und Startmenu laufen lassen, was für mich das Killerkriterium ist? Offenbar schon, wie dieser Artikel zumindest behauptet. Allerdings leider nur über Umwege und Gebastel – was darauf schliessen lässt, dass irgendwann eh Schluss sein wird damit.
Zudem liefen schon Office 2000 und Photoshop 6 nicht mehr richtig auf Windows 7 – eigentlich der Hauptgrund, dass ich kein neues Notebook kaufe.
Doch der Abschied von Windows (bzw. vorher DOS) nach fast 30 Jahren am Bildschirm? Es scheint so. Ich prophezeie, dass Windows 8 Microsoft in eine noch tiefere Krise stürzen wird.
Aber dann – wie weiter? Irgendwann wird leider auch mein XP-Rechner abliegen. Occasionsmaschinen so lang’s geht? Linux? Mac? – Keine Ahnung. Jedenfalls zwingt mich Microsoft ins Exil. Ich muss scheinbar fortan Zürtüütsch sprechen – und kumuliert Stunden meines Lebens überfüssigerweise damit verbringen, über zwei Jahrzehnte eingeschliffene Mausbewegungen und Tastaturbefehle neu in mein Hirn zu hämmern.
Es ginge auch anders:
- Her mit der Möglichkeit, die alten Menus in Office wieder anzuzeigen!
- Her mit der Möglichkeit, alle zukünftigen Windows-Versionen im Windows-2000-Look (mit dem klassischen Startmenu und dem stinknormalen Windows Explorer) zu betreiben!
Herr Ballmer, Sie haben noch etwas Zeit.
Nutzen Sie sie.
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Edit Januar 2013 – Addons wie Classic Shell oder Win8Starter lassen uns konservativen Usern das Herz höher schlagen.
Wer Fotos von dieser Seite verwenden will, fragt vorher fairerweise. Danke!
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Dieser Text wurde von Andi Jacomet geschrieben und gehört zu den Kategorien
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