Liebe Leserinnen und Leser von Ron Orp!
Herzlich willkommen auf JacoBlök und konsumblog.ch. Der Herr Orp ist natürlich echli ne Laferi, und es ist schleierhaft, warum er mitten im Winter ein klassisches Sommerthema bringt: Natürlich hebe ich gern einen in der Aarbergergasse, und Helis haben in der Altstadt etwa gleich wenig zu suchen wie Schneekanonen.
Und noch ein Gruss ans Ron’sche Korrektorat: Überfordert bin ich höchstens mit Sprachflaschen wie euch – es heisst “rechtschaffen”, nicht “rechtschaffend” sowie “liesse”, nicht “liess”, nach “nicht” kommt ein Komma – bitte, gern geschehen. Etwas viel Flüchtigkeit auf so wenigen Zeilen für einen derart renommierten Newsletter, n’est-ce pas? Aber auf Schludrigkeit seid ihr ja so chli spezialisiert.
Es ist einfach schade, dass das (angeblich) rotgrün regierte Bern bei der Veloförderung einen auf “Provinz im Quadrat” macht und es unmöglich ist, halbwegs zügig durch die Altstadt zu kommen, da hier scheinbar prinzipiell immer alles ein wenig gemütlich sein muss. Wer es in Bern eilig hat, stört offenbar. Gewisse Dinge wundern einen da nicht mehr. Zum Beispiel hat die Stadt Bern bei der Umfrage auf velostaedte.ch nicht besonders gut abgeschnitten. Ganz alleine ist der Blöker also nicht mit seiner Ansicht.
Wer gerne etwas aktuellere Themen hat, wird auf der Startseite fündig. Die Themenpalette ist breit. Mehr zu diesem Blog hier. Wer Freude hat, kann in der Spalte rechts ein Mailabo lösen oder den RSS-Feed abonnieren. Kommentare sind immer willkommen, Primitives und Anonymes wird allerdings gelöscht. Viel Spass!
Und nun weiter mit dem Originalbeitrag vom August 2008.
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Wir haben vor einigen Tagen berichtet, dass die Berner Stadtregierung endlich die Übernutzung des öffentlichen Raumes eindämmen will und ein Konzept erarbeitet. Leider wächst dagegen bereits Opposition – immerhin vorab aus Kreisen der CVP, die in der Berner Legislative nur gerade über drei Sitze verfügt.
Leserbriefschreiber, die vermutlich die Berner Innenstadt gar nicht kennen, echauffieren sich über die ach so böse Regula Rytz, Stadtberner Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. Sie verkennen, dass viele StadtbewohnerInnen froh sind, dass endlich etwas geschieht.
Das Ziel ist nicht, das Leben in der Stadt zu ersticken – niemand hat grundsätzlich was gegen Strassenbeizen. Es geht bloss um die Menge und die Orte.
JacoBlök beweist mit Alltags-Szenen anschaulich, dass zum Beispiel ein Durchkommen mit dem Velo vielerorts – mitunter wegen inflationär eingerichteter Strassenbeizen – kaum mehr möglich ist.
Wo liegen die Hauptprobleme für einen Altstadtbewohner, der mit dem Velo fast täglich durch die Stadt fährt, oft mit Ziel HB? Dieses Video (aufgenommen zu einer eher ruhigen Zeit!) beweist, dass vermehrte Leitplanken für den Langsamverkehr (wie Velostreifen) und das Zurückbinden von Strassenbeizen ebenso sinnvoll wären wie eine bessere Ampelsteuerung rund um den Bahnhofplatz:
| Eine qualitativ bessere, aber länger ladende Version dieses Videos (WMV, 66 MB) ist hier abrufbar. | |
Die Stadt ist aber auch aufgefordert, die Veloparkplatzmisere am HB endlich zu lösen sowie die an sich vorteilhaften (aber stiefmütterlich behandelten) Velostationen weiter aufzuwerten und zu subventionieren. Platz für Gratisparkplätze hätte es auf der neuen Teer- und Betonwüste genug, wie diese Fotos beweisen:


Besonders stossend sind die nicht ausgenützten Plätze an kaum je bevölkerten, “toten” Punkten wie zwischen Milchgässli und Strasse sowie entlang des Burgerspitals, wo Raum für Hunderte Velos gäbe!

Ist so eine leere Fläche schön? Manche mögen sagen: Ja. Aber die Interessen von sich umweltfreundlich fortbewegenden Menschen, die Parkplätze benötigen, sind hier wohl höher zu gewichten. Mangels legalen Abstellplätzen in HB-Nähe beginnen viele, ihr Fahrrad irgendwo abzustellen – das kommt davon, wenn man zu wenig Gratisplätze anbietet…

Also bitte keine doofen Zettel an die Velos hängen, sondern mehr kostenlose Parkplätze schaffen!

Zudem tut ein (kontrolliertes) Kurzzeit-Veloparking vor dem Tibits und vor allem vor der Migros-Rolltreppe Not – momentan herrscht dort zu Stosszeiten das nackte Chaos:

Nein, wir wollen nicht in die Velostationen, wenn wir nur kurz Milch und Brot kaufen gehen – das ist Verhältnisblödsinn. Und völlig an der Alltagspraxis vorbeigedacht. Genau so wie der mühsame Zugang und der oft mangelhafte Service in den Stationen.
Eine weitere Bitte an die Stadt, siehe im obigen Video: Markiert einen Velostreifen aus der unteren Altstadt zum HB und zurück – sooo teuer ist doch das nicht? Es würde das friedliche Nebeneinander von Velofahrenden und zu Fuss gehenden massiv erleichtern, wenn allen klarer wäre, wo ihr Platz ist.
Momentan haben alle das Gefühl, die Strasse gehöre ihnen: Beizer, Fussgänger, Velofahrer. Das ist menschlich, bringt aber für alle nur Nachteile. Die Praxis zeigt: Gemischte Zonen ohne klare Markierungen sind ineffizient und für alle mühsam (mitunter gar gefährlich).
Einige Beispiele, wie es sein könnte – zuerst die Zeughausgasse, üblicherweise vollgestellt mit Falschparkern und FussgängerInnen, die mitten auf der Strasse laufen oder diese unvermittelt betreten:

Die Zeughausgasse bei der französischen Kirche – das Strassencafé gehört da sicher nicht hin. Zudem haben die FussgängerInnen hier immer das Gefühl, die Trottoirs seien zum Spass da – Velostreifen würden Klarheit schaffen:

Dann der Bereich ums Kornhaus – die Strassenbeizen stören da den Langsamverkehrsfluss; auf dem Kornhausplatz selbst hats genug Platz für Beizen. Velostreifen erleichtern allen die Orientierung:

Genz eklig ist die erste kurze Passage der Rathausgasse unmittelbar beim Kornhausplatz: Unverständlich, warum da Parkplätze signalisiert sind. Wenn ein Auto entgegen kommt, ist kreuzen mit dem Velo unmöglich. Also: Parkplätze weg, Velostreifen her.

Auch an neuralgischen Punkten in der Innenstadt mangelt es an Veloparkplätzen, z.B. am Zytglogge/Theaterplatz (die “legalen” Parkplätze sind überfüllt, daneben stehen viele wild abgestellte Fahrräder). Auch das konsequente Büssen von Töfffahrern, die ihre Stinkuntersätze auf Veloparkplätzen abstellen, gehört dazu:

Vielleicht hätten wir Velofahrenden dann endlich das Gefühl, in der rotgrün regierten Stadt wieder ernst genommen zu werden – auch wenn natürlich auch andere Städte wie z.B. Zürich unter Veloärgernissen leiden.
Man schaue aber zum Beispiel nach Berlin – da werden Millionen für Velofahrer ausgegeben, oder wie die Berliner Zeitung berichtet: “Vergleichsweise wenig Geld hat ausgereicht, Berlin für Fahrradfahrer erheblich attraktiver zu machen. Mit wenigen Millionen Euro, die sonst allenfalls für ein kurzes Stück Autobahn gereicht hätten, hat der Senat kilometerweise Extra-Fahrspuren markieren und lange Radrouten anlegen lassen.”
Wer Fotos von dieser Seite verwenden will, fragt vorher fairerweise. Danke!
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Dieser Text wurde von Andi Jacomet geschrieben und gehört zu den Kategorien
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