28.03.2011

Für Digital-TV nur neue Kabel benützen / Kleines Wunder bei Cablecom

An sich wollten wir von Beginn an eine Satellitenschüssel aufs neue Hüsli pappen, aber da das einerseits hässlich ist und andererseits kompliziert, haben wir uns gesagt, wir versuchens als Zwischenlösung mal einige Monate lang mit der Cablecom-Digicard, bis wir die Zeit und Musse finden, die Sat-Antenne zu montieren.

Montage, Ausrichtung, Verkabelung auf zwei Fernseher und einen noch anzuschaffenden Harddiskrecorder, der erst noch einen Sat-Tuner haben muss (die Festplattenaufnahme des neuen Fernsehgerätes funzt irrerweise nur für Sendungen, die man gerade anschaut – hach, wie sinnvoll)… das ist eben alles nicht in einem halben Tag gemacht.

Iimmerhin hat seit diesem Beitrag der technische Fortschritt einen halbwegs vernünftigen Umgang mit Digital-TV ermöglicht – mit neuen Geräten kann man problemlos ohne Stromfress-Settop-Box Digifernsehen geniessen. Bei Cablecom sind zudem seit heute Montag auch Arte, ARD und ZDF in HD im digitalen Grundangebot enthalten.

Einmal 99 Franken pro TV-Apparat in ein CI+-Modul investieren, das wars; das „Mini“-Paket kostet ausser den ohnehin zu berappenden Grundanschlusskosten nichts.

Wenn das von Beginn an so einfach gewesen wäre… zum Glück gabs genug politischen Druck, sodass nun (zumindest für neue TV-Apparate) brauchbare Angebote ohne Boxen-Schnickschnack zur Verfügung stehen. Klar: Ohne Karte, ohne Grundverschlüsselung wäre noch besser – aber für dieses Gebahren wird UPC Cablecom ja innert nützlicher Frist auch die Quittung in Form einer kompletten Kündigung des Anschlusses bekommen. Wenn dann eben die Satschüssel kommt.

Die telefonisch bestellte Digicard war nach einem Tag bereits da – so muss das sein. Die Installation wäre zwar nichts für komplette Techniklaien, die schon vor einem Compi Angst haben, doch die beiliegenden Anleitungen sind sehr anschaulich. Das schafft auch Otto Normalverbraucher.

Aber… SF1, SF2, TSI1, TSI2, TSR1 und TSR2 lieferten entweder gar kein Bild oder dann aber die Anzeige „schwaches Signal“ und grobe digitale Bildfragmente und Tonausfälle. Analog kamen die Sender problemlos rein; aber auf dem brandneuen 42″-Gerät sind analoge Signale nicht wirklich geniessbar.

Ich hatte eine böse Vorahnung, als ich dem Cablecom-Support anrief. Die Schauder-Geschichten dies „miserabelsten Supports der Schweiz“ klingen im Hinterkopf nach… – aber weit gefehlt, da muss sogar der empfindliche Konsument Blöker den Hut ziehen: Die Anrufe wurden nach wenigen Sekunden entgegen genommen, die Mitarbeitenden waren allesamt höflich und kompetent, nach fünf Minuten Fehlerabklärungen hatte ich einen Termin für einen Technikerbesuch innert 18 Stunden. Noch bevor ich den Hörer auflegen konnte, wurde das auch noch – mitsamt Case-Nummer – per SMS bestätigt.

Ich fand dann die Lösung doch noch selbst und konnte den Techiker wieder abbestellen – ich gebe zu, das hätte ich früher versuchen müssen: Es lag schlicht an den alten Antennenkabeln.

Darum folgender Tipp: Sowas sollte man also nicht tun, wenn man digitales TV geniessen möchte…

… denn sonst passiert das…

… und die Bilder sehen so aus oder kommen gar nicht (bzw. nur die Anzeige „Kein Signal“ oder „Schwaches Signal“):

Verwendet man hingegen ein hochwertiges, möglichst kurzes Koaxial-Kabel „am Stück“, siehts schon seeehr viel besser aus:

So waren denn die Doppelfolge „Grey’s Anatomy“ und „No Country For Old Men“ auf ZDF HD heute in wunderbarer Qualität zu geniessen – ein ganz neues Heimkinogefühl!

Andererseits muss man feststellen: Die Kosten eines Kabelanschlusses sind (selbst ohne Settop-Box-Miete) verglichen mit einer Parabolantenne immer noch enorm. Ich habe ein wenig herumgerechnet:

– Cablecom: Digicard einmalig 99 Franken, Kabelanschluss inkl. Servicevertrag und Urheberrechtsgebühr: 29.35 pro Monat, Totalkosten für ein Jahr 451.20 und für zehn Jahre 3621 Franken.

– Satellitenschüssel: Materialkosten einmalig ca. 500 Franken (Schüssel, LNB, Kabel, SRG-Empfangskarte), keine Monatsgebühren, Totalkosten für ein Jahr und zehn Jahre ca. 500 Franken, Ersparnis gegenüber Cablecom in zehn Jahren über 3000 Franken!

Nach einem Jahr ist also die Satschüssel gegenüber dem Cablecom-Anschluss bereits amortisiert – und wenn man kein Swi$$com-TV haben will, ist man CC halt wehrlos ausgeliefert, wenn man in deren Einzugsgebiet wohnt. Es ist absehbar, dass es bei den neuen Glasfaser-Angbeboten preislich in die selbe Richtung geht.

Ausserdem ist das Satellitensignal bei freier Sicht in den Himmel besser als was man übers Kabel heute geliefert bekommt (weniger „digitale Klötzchen-Fragmentierung“), die Sendervielfalt grösser (wenn man auf ORF verzichten kann), das Aufstarten schneller (bei Cablecom kommt am Anfang immer allzu lange „verschlüsselter Sender“ oder „Authentication in progress, please wait“).

Obige Berechnungen gelten für ein Empfangsgerät und beinhalten keine On-Demand-Angebote, für die es bei der Cablecom weiterhin eine Settopbox braucht und die viel teurer sind.

Fazit: UPC Cablecom ist heute offenbar besser als sein Ruf, kann aber preislich mit einer Satschüssel nicht mithalten.

Wenn man unbedingt Filme mieten will, kann man sich z.B. auch eine Apple-TV-Box (einmal 129 Franken plus Filmmietpreise) zur Satschüssel kaufen. Für den Alltag bieten Zattoo & Co. langsam recht brauchbare Aufnahmefunktionen (wobei mir an sich SFinfo immer noch reicht, um 10vor10 vor dem Schlafen noch schnell anzugucken).

Noch angenehmer wäre allerdings ein TV-Gerät mit Doppeltuner, eingebauter Festplatte, WLAN und BluRay-Player – so könnte man sich zig Geräte sparen: Das WLAN-Zusatzmodul (oder das LAN-Kabel), die externe Harddisk bzw. den BluRay-Harddisk-Recorder bzw. den DVD-Player oder was auch immer daheim so alles rumsteht.

Die heutige Lösung mit externen Aufnahmegeräten / optischen Playern ist doch recht antiquiert angesichts der vorhandenen technischen Möglichkeiten… der liebe Panasonic TX-P42GW20 kann zwar z.B. auf Harddisk aufnehmen, aber sinnigerweise nur gerade das laufende Programm (wie irr ist das denn?), umschalten geht also nicht, und angucken kann mans dann auch nur auf genau dem TV-Apparat und sonst nirgends, nicht mal auf dem Zweitgerät im selben Haushalt.

Very, very unpraktisch.

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Kommentare

Schau Dir mal die Geräte von Topfield an, eher teuer, aber sehr gut. Allerdings glaube ich schon, dass das eine aussterbende Gattung ist, d.h. wird letztlich auch alles in die Internetleitung wandern.

Willkommen in der TV-Zukunft 🙂

Es gibt bei der Sat-Schüssel noch etwas zu beachten. Wenn du zum Beispiel französische Programme willst (soll es ja bei euch in Bern geben :-)) brauchst du beim Satelliten nochmals eine Smartcard. Wenn man (wie ich) die britischen Sender will, muss man noch einen dritten LNB haben.

Bei CC geht das ohne Mehraufwand. Du hast aber recht, dass man mit Sat viel sparen kann.

Leider aber gibt es auch bei Sat-TV einen Trend Richtung Verschlüsselung. Das Stichwort ist hier HD+. Die Hollywood-Mafia soll sogar auf ARD/ZDF Druck machen. Ich glaube zwar hier nicht an eine Verschlüsselung, aber Einschränkungen kann es durchaus geben.

Natürlich wären französische und englische Programme cool – aber wir brauchen sie eigentlich nicht wirklich. Vor allem angesichts des Sparpotentials kann man darauf sowieso gut verzichten.

Den ganzen DRM-Scheiss könnte man ruhig auf den Mond schiessen…

Heute Abend haben wir einen nervigen Fehler entdeckt: Bei SF1 und SF2 (nur da!) schaltet sich der GW20 unvermittelt plötzlich ab und wieder ein, teils friert auch das Menu ein, d.h. man kann am TV und auf der Fernbedienung soviel drücken, wie man will – es passiert nichts. Eine Art Absturz also. Hilft nur ganz ausschalten.

Auf anderen Sendern und im Analogmodus treten diese Fehler nicht auf. Werde darum das Gefühl nicht los, dass es an dieser besch… Verschlüsselung liegt bzw. am CI+-Modul. Offenbar ist das Problem in ähnlicher Form bekannt.

Ich hab natürlich den GW20 „hard gebootet“ (inkl. vom Strom trennen) und das CI-Modul entfernt und wieder eingeschoben. Das wirkte – und deutet ebenfalls darauf hin, dass das Problem da zu suchen ist. (Update: Es wirkte gerade mal 15 Minuten, dann schaltet sich das Gerät ca. alle 45 Sekunden aus und wieder an.)

Dasselbe Problem trat auch schon auf, als ich noch (siehe Haupttext) das alte Koax-Kabel verwendete und das Signal schecht war. Wundert mich, dass es bei „volle-Pulle-Signal“ immer noch auftritt… grrrrr – deutet aber auch drauf hin, dass irgendwelche Impulse „aus dem Kabel“ das ab- und einschalten provozieren.

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