18.04.2008

Frühling 1988 – erste Liebe, Parties, Sat-TV

Es war die Zeit von “Dance Academy“, “Cocktail” und “Salsa“; Thomas Kreuzfahrt war noch kein Scientologe; Kylie Minogue und Jason Donovan waren das Traumpaar der Saison, Stock Aitken Waterman produzierten jeden zweiten Hit dieses Jahres – und der Blöker war zum ersten Mal über beide Ohren verknallt: Frühling 1988.

Auch wenn ich am Gymer-Sporttag kurzfristig Regula Grauwiller anhimmelte, hatte ich vor 20 Jahren fast nur noch Augen für Valérie.

Nach drei Monaten Baggerei beruhte das dann endlich auf Gegenseitigkeit. Und da es im Leben nur eine erste grosse Liebe gibt, haben wir – seit 15 Jahren in der selben Stadt daheim – ihre beiden coolen Kinder gestern Abend dem Papa überlassen und gebührend auf unser Quasi-Zwanzigjähriges angestossen. Die Themen sind ernster als 1988: Wogegen soll man Kinder impfen? Ein Kind, mehr Kinder? Wie verändert sich das Leben? Wie einfach bekommt man Krippenplätze? Wieviel Prozent Job daneben? – Genau: Wir sind Mitte Dreissig.

Zumal diese Idee von Früher-Heute-Fotos auf gute Resonanz stiess, versuchten auch wir ein Bild einer Schulreise von 1988 nachzustellen – der Zerfall scheint bei Frauen weitaus weniger signifikant zu sein als bei Männern:

Eine gute Freundschaft seit dem 16. April 1988 - schön! (Klicken für weitere Fassung)

Nur damit keine Zweifel aufkommen: Meine heutige Partnerin ist natürlich die allerbeste aller Zeiten!

Was lief sonst noch vor 20 Jahren? Die Gemeinschafts-Antenne Sissach führte fünf neue Satellitenprogramme ein. Das war ein Sieg auf der ganzen Linie, hatte ich doch versucht, in einem Radiobeitrag schon im Herbst 1987 Druck zu machen. Damals hiess es noch, dass die meisten Leute mit den bestehenden 13 Programmen sehr zufrieden seien; man werde ja sehen, ob sich all diese Satellitensender wie RTL durchsetzen würden. Zudem sei vom EVED (das damalige UVEK) nur der Empfang von 14 Satellitenprogramm gestattet, wobei 30 technisch möglich seien…

Wenige Monate später dann die Kehrtwende – am 22. April 1988 kündigte der Anntennenleiter in meiner Schüler-Lokalradiosendung an, dass ab dem Sommer auch 3Sat, TV5, Sat.1, Super Channel und Sky verfügbar sein würden:

Go get Adobe Flash Player!

(Lieber in eigenem Player anhören hören / MP3, 4 MB)

Die aktuellen Hits in der Sendung: “Heart of Gold” von Johnny Hates Jazz und das wunderschöne “Suedehead”, die erste Single von Morrissey – da begann man mir schon den frischgebackenen Kantischüler anzumerken :)

An Tanners Party zum 16. Geburtstag (an der Valérie unter uns gesagt gesagt noch etwas zickig war) liefen aber vor allem Bros (die auch den Schuhstil vor 20 Jahren prägten – mit “When Will I be Famous” und “Drop The Boy”), Taylor Dayne (“Tell it to my Heart”, “Prove Your Love”), Bomb The Bass (“Beat Dis”), Mel & Kim (“That’s The Way it is”), zum “geschlossen Tanzen” A-Ha (“Stay on These Roads”), aber auch Rick Astley (“Together Frorever”), Pebbles (“Girlfriend”), sowie durchaus auch Iron Maiden (“Can I Play With Madness”) und andere, räusper, aus heutiger Sicht Oldies.

Zurück zum Satellitenfernsehen: Lustig sind – gerade im Zusammenhang mit dieser Diskussion, in der ich mich engagiert habe – vor allem diese Zitate von 1988: “Satellitenschüsseln werden langsam auch für Privatpersonen erschwinglich – wir wollen mit der Aufschaltung auch den Schüssel-Wildwuchs verhindern, denn das Ziel der Kabelanlage war es schon immer, die Dorfbilder von den hässlichen TV-Antennen zu befreien.”

Und: “Unterhalte ich mich mit Herrn Grieder bald über die Einführung von hochauflösendem Fernsehen? Kaum, das liegt in sehr ferner Zukunft.”

Willkommen in der sehr fernen Zukunft.

Find’ ich gut.

Kommentare

[...] Am letzten Schultag fuhren wir als Blumenkinder verkleidet auf einem Traktor-Anhänger durch die Gegend, abends feierten wir im Western-Look. Und tanzten “geschlossen” (der Flyer mit der Band “The Courage” ist hier abrufbar). Dass ich bei Lisi nicht landen konnte, fuchste mich nur wenige Tage – doch dazu ein andermal. [...]

[...] gibts diesmal von Rick Astley, “Slipping Away“. Dann moderiere ich – natürlich (noch) unglücklich verliebt – ein “Softie-Lied” an, von dem ich heute keine Ahnung mehr habe, von wem er ist – Bros [...]

[...] Chef heute noch hoch an. Erschwerend kam dazu, dass ich an der Sommerferien-Beginn-Fete am Vorabend jenes Mädel zum ersten Mal geküsst hatte, mit der ich die kommenden dreieinhalb Jahre verbringen sollte – da [...]

[...] an den nahen Strand, wacklige Fahrten im überfüllten R4 rund um die Insel, im Mondlicht Briefe an die Holdeste schreiben, wunderbare Paellas essen, Bravo lesen, spanische Lokalradios hören – zwei Wochen im [...]

[...] früher vs. heute haben in diesem Blog Tradition, siehe hier und hier. Also versuchen wir doch das auch mit Seattle, wo der Blöker anno 1996 und 1998 letztmals war – [...]

[...] anders. “Euro” hätte uns damals etwa so wenig gesagt wie “Handy”. Wenn ich meine damalige Freundin kontaktieren wollte, musste ich mühsam ein öffentliches Telefon finden und tonnenweise (zuvor bei [...]

[...] Serie, die den schleichenden Zerfall im Laufe des menschlichen Daseins dokumentiert (Teil 1 / Teil 2). Wie bei diesen Links zeigte sich auch bei der Nachstell-Session in London, dass Frauen besser [...]

[...] Popgruppe Danny Wilson perfekt – hatte ihre erste Singe “Mary’s Prayer” den ersten Liebessommer meines Lebens begleitet, wurde “The Second Summer of Love” zum Soundtrack des zweiten. [...]

Schreibe einen Kommentar (Hausregeln hier)

Dein Kommentar:

  (Hausregeln beachtet?)

Kategorien