12.04.2008

Der schleichende Zerfall

Die Gletscher schmelzen, die Meere steigen, die Luft wird schlechter – es geht bergab mit dem Planeten. Und der eigene Körper? Dem gehts nicht besser. Er wird runder, die Haarpracht schwindet, die Falten wachsen, allfällige Kiddies zehren an den Nerven.

Über Freundschaften zu schreiben, die nun schon über 30 Jahre andauern, ist ein Privileg. Drum tue ich das hier mit Wonne – auch wenn der Frust über die physiologischen Veränderungen in die Quere kommt. Wie erwähnt: Für die letzte Ausgabe unserer Schülerzeitung und den Sek-Abschluss hielten Kumpel Patrick (der Welt besser als „Tanner“ bekannt) und der Blöker vor genau 20 Jahren eine kleine Fotosession ab; diese Woche versuchten wir (nachdem Göttibub Raphael und sein Bruder im Bett waren) die Fotos möglichst adäquat nachzustellen.

Wir haben fast alle Requisiten von 1988 gefunden: Drumsticks, Calvados, Champagnergläser, Krawatte, Wollpullover – nur bei den weissen Socken und beim hellgelben Sweater mussten wir passen.

Und nun, Volk, sehe selbst, wie die Zeit ihre Spuren hinterlassen!

Schülerzeitungsmacher anno 1988 und 2008 - die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen! (Fotos: Stefanie Jacomet 1988 / Lucinda Tanner 2008)

Schülerzeitungsmacher anno 1988 und 2008 - die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen! (Fotos: Stefanie Jacomet 1988 / Lucinda Tanner 2008)

Schülerzeitungsmacher anno 1988 und 2008 - die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen! (Fotos: Stefanie Jacomet 1988 / Lucinda Tanner 2008)

Scheisse… hatte ich da wirklich mal Haare? So weit vorn? Echt? Uff.

Männerfreundschaften haben für mich immer ein wenig nen seltsamen Touch – Assoziationen wie „Dauerbesäufins“ oder weitergehend primitives Verhalten haften daran. Schade eigentlich. Frauen waren mir als Menschen schon immer sympathischer, aber heute bin ich überzeugt, dass ein Mann einfach zwei, drei gute Kumpels braucht.

Der Tanner ist einer von ihnen, und das seit dem Kindergarten (sein Sohnemann sieht heute fast so aus wie er damals). Mal sehen wir uns ein paar Monate nicht, dann wieder regemässig, wir machten zusammen Filme und Zeitungen, organisierten als Kiddies Grümpelturniere, Strassenläufe und Skirennen im Dorf, verbrachten zusammen insgesamt mehrere Wochen auf den Skis oder am Meer (und sogar auf Olivenbäumen), erzählen uns unsere Bettgeschichten und unseren Liebeskummer – und das ist gut so. Wir können wohl zuversichtlich sein, im April 2028 wieder eine Fotosession zu machen. Thanks, mate!

Dannzumal als Grosseltern? Mit noch weniger Haaren – und was noch übrig ist, vollständig ergraut? Gesund? Glücklich? In der Schweiz, irgendwo sonst?

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

[…] http://blog.jacomet.chhttp://www.konsumblog.ch « Noch eine Unterzeile irgendwas Der schleichende Zerfall […]

Ich hoffe doch sehr, dass der Calvados nicht auch 20 Jahre alt ist…

Das wäre umso besser, denn laut Wikipedia gilt: „Je älter der Calvados ist, desto samtiger und aromatischer schmeckt er.“

Nun – vielleicht gilt das ja sinngemäss auch für Männer. Wäre ein Trost.

Wir machen dann auch bald solche Bilder – das wird Dir nicht erspart bleiben 😉

Die Jahre verfliegen und so auch das Haar… Hauptsache: Das Feuer brennt noch. Nicht wahr, Ihr beiden FGOI’ler.

Gruss
Hannes

Immerhin besser weniger Haare als ganz weg vom Fenster wie die Buran, die vor ziemlich genau 20 Jahren ihren einzigen Flug hatte und nun nach einer Odyssee in einem deutschen Technikmuseum landete.

Schön, von unserem damaligen Schülerzeitungs-Mentor Hanspeter (also… eigentlich „Hannes“!) zu hören, der ebenfalls ins Bernbiet emigriert ist und heute ebenfalls Blogger ist 🙂 Yeah, the fire still burns.

[…] diese Idee von Früher-Heute-Fotos auf gute Resonanz stiess, versuchten auch wir ein Bild einer Schulreise von 1988 nachzustellen – […]

[…] LP, das CD-Archiv umfasste gerade man wenige Dutzend Titel – die Songs dieser Sendung stammten aus Kumpel Tanners Privatarchiv. Und wenn man mal eine CD spielte, sagte man das extra noch als mittlere Sensation […]

[…] November 1984 war auch Kumpel Tanner mit dabei (im Hintergrund die damals noch ganz kleine Basis […]

[…] Auch wenn das Bild rechts nur eine Fotomontage ist – Christoph Neuhaus hat Glück: Im Vergleich zum echten Foto links hat sich seine Haarpracht seither kräftig vermehrt. Ganz im Gegensatz zu der des Schreibenden. […]

[…] und groovten am Pool regelmässig zu “The Twist” von Chubby Checker & The Fat Boys (was wir heute ja auch sind, […]

[…] früher vs. heute haben in diesem Blog Tradition, siehe hier und hier. Also versuchen wir doch das auch mit Seattle, wo der Blöker anno 1996 und 1998 letztmals […]

[…] Apfelmus und sehr, sehr viele braun gebratene Zwiebeln – so muss ein Abend auf dem Lande mit Kumpel Tanner im Baselbiet […]

[…] 1984: Winterferien mit Kumpel Tanner in Rosswald. Frankie Goes to Hollywood sind mit “Relax” die Nummer Eins der Charts. Wir […]

[…] meine kleine Serie, die den schleichenden Zerfall im Laufe des menschlichen Daseins dokumentiert (Teil 1 / Teil 2). Wie hier zeigt sich, dass Frauen besser dran […]

[…] Beziehungsweise verursachte – vor 20 Jahren hätten wir auf die monotonen Aufrufe der Bahnspeakerin “Wollt ihr nochmaaaals?” ganz klar mit “JAAAA!” geantwortet. Am letzten Dienstagabend hingegen, als die Bahn so lange wie nie lief, liefen wir nach fünf Minuten schon recht grün an und riefen nur “NEEEEIN, abstelleeeeen!”. Eben: Der schleichende Zerfall… […]

[…] im Lac de Ste-Croix bzw. Gorges du Verdon aufgenommen – wird einmal mehr der schleichende Zerfall (Teil 1, Teil 2, Teil 3) […]

[…] Freund Patrick – besser bekannt als “Tanner” – und ich waren als Teenies voller Tatendrang. Wir gaben zusammen sechs Jahre lang eine Schülerzeitung heraus und organisierten im Dorf Sportveranstaltungen. Der Kommentar in der “Basellandschaftlichen Zeitung” zu unserem Quartier-Strassenlauf im Herbst 1985 (in diesem PDF abrufbar) spornte uns derart an, dass wir im schneereichen Winter 1986 ein Skirennen auf die Beine stellten. Irgendwie bekamen wir Spass an der Sache, es musste eine noch grössere Nummer her, und so gedieh rasch die Idee eines Grümpelturniers. […]

[…] zwölf machten Freund Tanner und ich eine Tandemtour nach Olten, volle Kanne auf der Hauptstrasse über den Unteren Hauenstein […]

[…] ein magisches Herbst-Highlight, das Aushöhlen der Durlipse im Kindergarten oder im Kreise von Tanners Familie ein schönes […]

[…] Brems-Pflotschschnee im Tal sind Good Old Tanner und der Blöker anlässlich ihres 30-Jahre-gemeinsam-Skifahren-Jubiläums am Mittwoch da rauf […]

[…] “FGOI”-Zeitung von Good Old Tanner und mir hatte damals eine Auflage von rund 100 Stück – hier habe ich einige Ausgaben als PDF […]

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