23.09.2010

Also sprach Kubrick

Dieses rastlose Leben. Selbst während des Essens stehe ich regelmässig auf, um irgend eine Idee aufzuschreiben oder im Netz nachzuschauen, was nun dieses oder jenes schon wieder…

Ruhig sitzen habe ich verlernt. Selbst hier in der Provence verfalle ich in einen hoffnungslosen Aktivismus.

Da muss gejätet werden, da gibts noch einen Riss zu kitten, diese defekte Kastentür wollte ich schon lange leimen, der Pool hat einen zu hohen PH-Wert – und ach, diese Kundin wollte doch noch ein CSS-Problem gelöst haben, dieses WordPress eines Stammkunden sollte man noch updaten, da könnte man doch noch die fehlende Fernbedienung auf eBay suchen, und sowieso, diesen Dinosaurier an der Wand fotografieren…

Gecko in Seillans

Das muss ich von meinem Grossvater haben, den man auch quasi gewaltsam stillegen musste, der hier unten im Hüsli immens geschuftet hat immer. Aber es machte ihm Spass. Und das tuts mir auch.

Aber eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mal drei Tage allein zu sein und nichts zu tun ausser mir den Bauch vollzuschlagen, auszupennen, ein Buch zu lesen und mir zig DVDs reinzuziehen – und was tue ich? Darüber bloggen. Ohne Pause nach der Gartenarbeit. Aber egal, so bin ich wohl.

Inzwischen bin ich nämlich vernarrt in den Film, den ich endlich auf DVD erstanden habe – „2001 – a Space Odyssey“ von Stanley Kubrick. Genau, den ersten SciFi-Film, bei dem die Spezialeffekte fast schon auf Star-Wars-Niveau lagen, wo die Satelliten nicht 100m gegen den Wind als reinkopiert aussehen. Den Streifen mit dem legendärsten aller match cuts – vom Knochen zum Satelliten. Den Film, in dem der Donauwalzer einfach perfekt ins All passt.

Und da find ich, muss ich dem Straussenrichu umgehend ein Kränzchen widmen. Ich bekenne: Ich habe nie Nietzsche gelesen und kenne „Also sprach Zarathustra“ nur aus Wikipedia, räusper, mein Hauptbezug ist Eumir Deodatos Funk-Version. Aber zur Konjunktion aus Mond, Erde und Sonne passt Richard Strauss‘ Opus 30 einfach umwerfend gut.

Und Strauss meinte ja anno 1895 tatsächlich den Sonnenaufgang mit dem Eröffnungsstück – und selbst ein Morgenmuffel, der fast nie einen Sonnenaufgang sieht, erkennt: Das ist schlicht genial umgesetzt.

„The Greatest Movie Opening Ever“, schreibt dieser YouTube-Pirat. Wie recht er doch hat. Und das ganze dann noch mit Dolby 5.1 volle Pulle – hoffentlich haben die Nachbarn die Fenster zu…

Dazu gibts dann auch noch wieder mal Kubricks „Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb“ ab DVD. Falls ich nicht wieder in Aktivismus verfalle. Oder darüber bloggend philosophiere.

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