18.06.2010

Schon wieder Ärger mit Spam von der Schweizerischen Post

Am Mittwoch im „Bund“ gelesen: „Post wirbt für Werbung in Briefkästen – trotz Stopp-Klebern“. Hier ein offener Brief zu diesem Thema an die Post – mehr dazu übrigens auch auf der Website der Stiftung für Konsumentenschutz.

Lieber Gelber Riese!

Ich habe Sie mehrfach darauf hingewiesen, dass ich keine teiladressierte Werbung, Promopost usw. in meinem Briefkasten haben will. Dürfte ich Sie höflich bitten, meinen Wunsch endlich zu erfüllen?

Das letzte Exemplar sende ich Ihnen in der Beilage zur Entsorgung zurück, ebenso werde ich das mit weiteren Spams tun. Da ich kürzlich umgezogen bin, teile ich Ihnen gerne auch nochmals mit, dass ich auch an die neue Adresse KEINERLEI Werbung seitens der Schweizerischen Post wünsche, weder jetzt noch in Zukunft.

An sich steht das auch auf dem Briefkasten: „Keine Promopost, keine teiladressierte Post“. Dürfte ich Sie bitten, dem Zustellpersonal klare Anweisungen zu geben, diese unmissverständliche Anschrift in Zukunft zu beachten? In unseren Briefkasten gehört nur persönlich adressierte Post, sonst nichts.

Ich bin mir bewusst, dass dieser Geschäftszweig für Sie Geld einbringt. Als Briefkastenbesitzer interessiert mich das aber nicht – ich will einfach keine unerwünschte Werbung erhalten, die ich dann entsorgen muss. Ich werde solchen Spam auch in Zukunft an Sie zurücksenden oder mit dem Vermerk „refusé“ in den nächsten gelben Briefkasten werfen.

Mit Schrecken habe ich am Mittwoch im „Bund“ gelesen, dass Sie momentan eine Offensive „Werbung? OK!“ fahren. Ich kann Sie nur bitten, solche Dinge – die aus meiner Sicht Unsinn und hinausgeworfenes Geld sind – zu unterlassen. „Keine Werbung“ an unserem Briefkasten bedeutet auch, dass wir keine Aufforderung wünschen, davon Abstand zu nehmen.

Sympathischer macht sich die Post durch solche Werbeoffensiven nicht. Mit Befriedigung stelle ich fest, dass in gewissen Gegenden offenbar 70% der Briefkästen mit einem Anti-Werbe-Kleber versehen sind. Akzeptieren Sie dies bitte und versuchen Sie nicht, die Menschen „besser“ – sprich: „empfänglicher für Werbung“ – zu machen, als Sie aus Ihrer Sicht sind.

Bitte kalkulieren Sie die Budgets für solche Werbefeldzüge doch einfach mit jenen Briefkästen, die keinen Stoppkleber haben – wer Werbung erhalten will, bitte, kein Problem. Aber lassen Sie uns anderen aber bitte einfach in Frieden und verschonen Sie uns von diesem Werbemüll. Danke!

Find‘ ich gut. (6 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

ich wurde schon „beglückt“ und habe mich extrem genervt! hätte ich grad nicht so viel anderes um die ohren, könnte obiger text auch auf meinem blog stehen.

An alle, die immer zur Stelle sind, wenns drum geht unter dem Deckmantel „Service public retten“, eine schützende Hand über die ach so aaarme Post zu halten: Macht doch die Post auch mal darauf aufmerksam, dass solche Aktionen das Image des Unternehmens nachhaltig schädigen und daher für immer zu unterlassen sind.

Und sagt ihnen, dass sich die Post umgehend damit beschäftigen soll, wie sie in Zukunft *alle* auf den Briefkästen angegebenen Willensbekundungen beachten kann – oder sich sonst (wenn sie dazu nicht in der Lage ist) aus dem Werbemarkt zurückziehen soll, punkt.

Weitere Müsterchen von der „Kundenfreundlichkeit“ der Post gibts hier.

Ach ja: Nicht vergessen – wer sich über den Post-Spam nervt, soll doch bitte auch gleich seine Beziehungen zu Postfinance überdenken, Konti auflösen, Pakete wenn immer möglich mit Konkurrenten verschicken, keine Einzahlungen am Postschalter mehr machen, keine A-Post-Briefe mehr versenden usw. Und das der Post auch gleich so mitteilen.

Im Zusammenhang mit ihrer adressieren Sammelwerbesendung „ShoppingAktuell“ hat sich die Post im Juni auch mit der Stopp-Kleber-Thematik auseinander. Die Schweiz ist mit einem Stopp-Kleber-Anteil von beinahe 45 Prozent international ein Ausnahmefall: In England sind Stopp-Kleber beinahe unbekannt und in Frankreich haben knapp acht Prozent der Hausbriefkästen einen solchen Kleber, etwas stärker verbreitet sind diese in Deutschland und Skandinavien.

Unadressierte Werbesendungen stellen einen bedeutenden Teil unserer Einnahmen dar und sind ein wichtiges finanzielles Standbein der Post. Die Post hat in diesem Geschäft, in dem auch viele kleine lokale Unternehmen mitmischen, einen Marktanteil von rund 50 Prozent und 2009 rund 1,2 Milliar-den Sendungen ohne Adresse verteilt. Insgesamt stellte die Post 2009 gut fünf Milliarden Sendungen zu.

Durch Stopp-Kleber fällt beinahe die Hälfte des schweizerischen Marktes für unadressierte Werbung weg. Als öffentliches Unternehmen mit einem klaren Auftrag des Bundes sind wir verpflichtet, diesen Markt zu bearbeiten. Wir tun das unserer Ansicht nach mit der für ein Service-Public-Unternehmen erforderlichen Vorsicht.

Die Einnahmen aus dem Geschäft mit Sendungen ohne Adresse sind wichtig, da hier noch Wachs-tumspotenzial besteht und die Zahl der Sendungen insgesamt seit Jahren rückläufig ist. Und nur eine gesunde Post kann eine hochstehende qualitative Grundversorgung langfristig sichern.

Mit dem Versand des aktuellen ShoppingAktuell mit dem „Werbung? OK!“-Kleber will die Post die Kunden auf die die Stopp-Kleber-Thematik sensibilisieren. Viele Konsumenten haben den Stopp-Kleber nicht selber angebracht haben, sondern diesen vom Vorgänger übernommen oder er wurde einfach von der Hausverwaltung aufgeklebt.

Die Post möchte die Konsumenten mit dem „Werbung? OK!“-Kleber zu einer aktiven Entscheidung auffordern. Solange dieser aber nicht selbst aktiv wird, ändert sich nicht. Dadurch respektieren wir gemäss unserer Ansicht die Freiheit des Konsumenten.

Aus den genannten Gründen bitten wir um Verständnis dafür, dass wir auch in Zukunft auf die Prob-lematik der Stopp-Kleber aufmerksam machen werden.

Die Individualisierung der Sendungen und der Empfängerwünsche schreitet auch bei der Post fort, ist aber noch nicht so weit, wie sich das der Blöker wünscht. Beim aktuellen Aussand von „Shopping-Aktuell“ wurde in den Kantonen Basel und Zürich ein Talon beigelegt, auf dem die Konsumenten ihre konkreten Werbebedürfnisse bekanntgeben können.

Die Empfänger sollen nur noch Werbung erhalten, zu Themen und Produkten, die sie interessiert. Die Post möchte dadurch für den Konsumenten eine Filterfunktion übernehmen und sie vor ungewollter Werbung schützen. So können auch die werbetreibenden Kunden der Post zielgerichteter werben und haben geringere Streuverluste.

Mehr informationen und ein kleiner Film zum Direct-Marketing mit der Post findet sich hier:
http://www.post.ch/direct-marketing

Danke zuerst mal für die vorbildliche Stellungnahme. So muss das sein.

Aus den genannten Gründen bitten wir um Verständnis dafür, dass wir auch in Zukunft auf die Problematik der Stopp-Kleber aufmerksam machen werden.

Nä-ä. Ich hätte aber grosses Verständnis dafür und würde positivst darüber schreiben, wenn die Post vermehrt Vertrauen in das ach so dumme Volk hätte und sich zumindest vorstellen kann, dass man einen Kleber vom Vormieter oder der Verwaltung selbst abreissen kann, wenn man Werbung will.

Für wie doof hält uns die Post?

Als öffentliches Unternehmen mit einem klaren Auftrag des Bundes sind wir verpflichtet, diesen Markt zu bearbeiten.

Das ist meiner Ansicht nach eine sehr extensive Auslegung des Auftrages. Ich bin der Ansicht, dass das Kerngeschäft der Post das Einsammeln und Verteilen von Briefen und Paketen ist. Amtlich bewilligtes Spamming gibt es meines Wissens nicht. Der Blick in die Leserbriefspalte zeigt: Viele reagieren sehr empfindlich auf den Gemischtwarenhandel in den Poststellen und nerven sich, wenn man für einen eingeschriebenen Brief länger anstehen muss, weil das Personal Handyverträge verkauft.

Natürlich schreien gleichzeitig viele auf, wenn Leerungszeiten verschlechtert, Briefkästen verlegt und Öffnungszeiten geändert werden. Aber dann brauchts halt einen klaren Auftrag der Politik, das per Subventionen zu lösen, wenn das Volk das so will.

Diese Methode wäre viel ehrlicher als der ganze Werbefimmel.

Die Post möchte die Konsumenten mit dem „Werbung? OK!“-Kleber zu einer aktiven Entscheidung auffordern. Solange dieser aber nicht selbst aktiv wird, ändert sich nicht. Dadurch respektieren wir gemäss unserer Ansicht die Freiheit des Konsumenten.

Nochmals, weils so schön ist – dieser Satz ist ein Euphemismus für: „Die Post hält die Bürgerinnen und Bürger für reichlich blöd. Wir brauchen Geld. Darum verteilen wir Werbung auch in Briefkästen, auf denen deutlich das Gegenteil steht.“

Die Empfänger sollen nur noch Werbung erhalten, zu Themen und Produkten, die sie interessiert. Die Post möchte dadurch für den Konsumenten eine Filterfunktion übernehmen und sie vor ungewollter Werbung schützen.

Das hingegen hört sich hochinteressant an. Sehr gut. Denn wer Werbung will, soll sie auch haben. Aber – ich wiederhole mich – diese dummen Spielchen von wegen „alle paar Monate mal missachten wir den Stoppkleber ein bisschen, weil da vielleicht doch ein potenzieller Werbeliebhaber dahinter stecken könnte“ kann die Post ruhig sein lassen.

Aus dem Bekenntnis zur Grundversorgung einen Auftrag zum grossen Werbegeschäft ableiten ist schon recht dreist.

Und: Wenn in anderen Ländern weniger Stoppkleber kleben, sei’s drum – wie gesagt, es sei jedem unbenommen, so viel Werbematerial wie nur möglich zu bekommen.

Die Zahlen aus Frankreich bezweifle ich. „Pas de Pub“ sehe ich zumindest im Süden an sehr vielen Briefkästen.

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