Da empören sich zig Leute in Foren, da gebrauchen Politiker das Wort “katastrophal” – warum? Weil auf dem praktischen Google Street View ein paar nicht anonymisierte Gesichter sichtbar und ein paar Autonummern lesbar sind.
Was soll dieser neue Auswuchs des Privatsphären-Hypes? Haben diese Leute keine wesentlichen Probleme?
Ich halte es vielmehr für einen Skandal, dass der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte seine Zeit mit solchen Überflüssigkeiten vergeudet anstatt in wesentlichen Bereichen tätig zu sein – zum Beispiel mit dem Missbrauch von Adressen zu Werbezwecken, namentlich aus dem Handelsregister. Der verursacht mir etlichen Aufwand, währenddem von einem Foto meines Gesichtes genau null Gefahr ausgeht.
Allen, die sich ernsthaft darüber aufhalten, dass sie vielleicht auf zufälligen Alltagsfotos zu finden sind, sei empfohlen, schnellstens in eine Höhle in Sibirien, Nordkanada oder irgendwo im Australischen Outback zu ziehen, wo vermutlich diese ach so bösen Auswüchse des Internetzeitalters so schnell nicht Einzug halten werden.
Einmal mehr frage ich mich grundsätzlich: Woher kommt diese seltsame, diffuse Angst vor etwas, das weder gesundheitliche Probleme verursacht noch das persönliche Wohlbefinden beeinflusst? Diese Prinzipienreiterei mit meist abstrus konstruierten Geschichten, was da so alles passieren könnte, oder seltensten Einzelfällen (“nicht anonymisierter Mann vor Sexshop”)?
Oder ists einfach pure Eitelkeit? Welche übertrieben extensive Auslegung von “Privatsphäre” oder “Persönlicher Freiheit” liegt einer solchen Attitüde zugrunde?
Wieso gibts keinen Aufschrei, wenn die Tagesschau Strassen-Alltagsszenen sendet oder Zeitungen klar erkennbare Personen in Menschenansammlungen abdrucken, was täglich zig-fach vorkommt, wie diese Woche im “Bund”?

Rufen die Abgebildeten umgehend die Redaktion an und verlangen, dass das Foto aus dem Archiv gelöscht wird? Bereitet Hanspeter Thür bereits die Klage vor?
Es ist eine groteske Herabsetzung der Begriffe “Persönliche Freiheit” oder “Privatsphäre”, wenn eine Lappalie wie “Street View” damit in Verbindung gebracht wird.
Mir kommen nebst dem Missbrauch von Adressdaten viele andere relevante Dinge in den Sinn, die eine gewisse Unruhe tatsächlich rechtfertigen: Kundendatensammlungen privater Firmen zum Beispiel. Die Unterwanderung linker Organisationen durch rechtsgerichtete Kreise. Die Liste liesse sich beliebig verändern – gerade auch in Ländern, wo “Meinungsäusserungsfreiheit” nichts gilt.
Da werden im Jahre 2009 Frauen ausgepeitscht, weil sie Bier trinken oder Hosen tragen – und gewisse Kreise veranstalten lieber einen Riesenaufstand wegen einiger Föteli auf Google. Schämen sollten sie sich.
