17.03.2007

Ladet sofort Eure Grosseltern zum Essen ein!

Warum hab ich Idiot meinen Grossvater eigentlich nie so richtig zum Essen eingeladen?

Songs wie “The Living Years” von Mike & The Mechanics fand ich immer extrem kitschig. Und jedesmal, wenn jemand aus der Familie stirbt, bekommt er doch einen schalen Touch von Realität. Wieso wartet man immer auf die letzten Augenblicke, über bestimmte Dinge zu reden, mehr beisammen zu sein?

“Göh mir go schloofe”, hat Apu in seinem unverkennbaren ungarisch-schweizerdeutschen Dialekt (der hier weiterlebt) verkündet, wenn er müde war. Das hat er sich letzte Nacht um viertel nach drei auch gesagt und seinen letzten Flug angetreten. Den Humor hatte der Krebs nie besiegt, und so wird er mir es nicht übel nehmen, wenn ich frage: Wer bringt jetzt bitte in Südfrankreich die Croissants?

Mein letztes Gespräch mit ihm am Spitalbett am Donnerstagabend drehte sich um Fussballresultate, die er bis zum Schluss vorgelesen haben wollte. An seinem letzten Abend zu Hause im Februar schauten wir zusammen Champions League… das war Apu pur. Seit meine Grossmutter gestorben war, war Fussball die Nummer eins. Und natürlich Reisen.

Das machten die beiden vorzüglich: Seine Frau starb kurz nach einer langen Reise durch Südamerika, Apu verbrachte den ganzen Januar noch in Neuseeland.

Krebs ist einfach Scheisse.

Tja, mit Fussball Schauen ists nun wieder vorbei: Er wusste, dass auf der anderen Seite seine Frau auf ihn wartet. Gläubige Menschen habens in solchen Situationen leichter.

Gute Reise, Apu. Minden jót. Und danke für alles.

Tibor Engel a.k.a. Apu, 10.7.1929 bis 17.3.2007 - der beste Grosspapa der Welt (Bild: Sommer 1995, Seillans)

Apu
10. Juli 1929 – 17. März 2007

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Einer meiner Lieblingsbürogenossen zeigte mir kürzlich dieses von Mozart vertonte Gedicht, Joachim Heinrich Campes “Abendempfindung”. Kannte ich nicht – passt irgendwie gerade wunderbar.

Abend ist’s, die Sonne ist verschwunden,
Und der Mond strahlt Silberglanz;
So entfliehn des Lebens schönste Stunden,
Fliehn vorüber wie im Tanz.

Bald entflieht des Lebens bunte Szene,
Und der Vorhang rollt herab;
Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne
Fließet schon auf unser Grab.

Bald vielleicht (mir weht, wie Westwind leise,
Eine stille Ahnung zu),
Schliess ich dieses Lebens Pilgerreise,
Fliege in das Land der Ruh.

Find’ ich gut.

Kommentare

Wie immer in solchen Situationen –> mein Beileid!

Meine Mutter starb 2001 an Krebs. Bis heute bin ich froh, dass ich in ihren letzten Tagen immerhin noch ein paar Pseudospaziergänge machen durfte. Auch wenns uns schwer fiel…

[...] Wir schreiben den 30. Januar 1984. Was man beim Räumen des grosselterlichen Hauses nicht so alles für Perlen findet auf dem [...]

[...] machs zwar nicht wie mein Grossvater selig – er war der geborene Buchhalter – und prüfe jeden Posten meiner Kreditkartenabrechnung auf Bschiss [...]

[...] und gedenken meines im März verstorbenen Grossvaters (Bild rechts), der bis vor zwei Jahren noch fleissig auf den Bäumen herumkletterte und jeweils [...]

[...] mein Grossvater noch leben würde, wäre er nun Urgrossvater – um anderthalb Jahre hat er verpasst, was er sehr gerne zu [...]

[...] gutes Gefühl! Für uns war dies die erste Ernte vom Pflücken bis zum Ölabholen seit dem Tod meiner Grosseltern, die hier hausten – und ich bin extrem froh, dass unsere Familie dieses Kleinod in der Provence [...]

[...] Mein Weihnachtswunsch: Unternehmt möglichst viel mit euren Grosseltern, solange sie noch leben. [...]

[...] Willy DeVille hats nicht geschafft – schon bei meinem Grossvater wussten wir schnell, dass die Diagnose “Pankreastumor” meist gleichlautend ist mit [...]

ciao andi,
danke für deine antwort.
war ein toller tip dein grossvater,
und mit dem hoch auf willy deville bin ich ganz und gar einverstanden.
zoltan

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