19.09.2018

„Ich habe einen ganz neuen News Feed“ – nein, es funktioniert eben nicht!

Es ist wieder einmal Zeit für einen Rant rund um das gedankenlose Teilen von Unsinn im Internet, vor allem auf Facebook.

Zumal nun auch schon Kolleginnen und Kollegen aus der Medienbranche den Blödsinn mit „25 Freunde im Feed“ zu teilen beginnen (die doch an sich den angeborenen Riecher für „da ist was faul“ haben müssten), habe ich das unbändige Bedürfnis, Klartext zu sprechen. Bislang dachte ich: „Ach, das Internet ist mein Job, sei doch etwas tolerant mit Leuten, denen das alles nicht so geläufig ist wie dir.“

Nein: Inzwischen finde ich, dass es genug Quellen gibt, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu checken; manchmal genügt sogar eine einfache Google-Suche. Ich und andere finden es nicht toll, wenn unsere Newsfeeds massenhaft mit dem ewiggleichen Bullshit wie diesem vollgestopft werden:

 

Nehmt es mir nicht übel, werte Fake-News-Poster. Aber es sei euch im Vertrauen zugeflüstert: all diese kettenbrief-artigen Meldungen sind eine Art gross angelegter Intelligenz- und Gutgläubigkeitstest. Wer zuerst sucht, dann denkt, und erst dann klickt, handelt richtig.

Allen anderen sollte man als Strafe den Internetzugang für ein paar Tage entziehen. Punkt.

Dass man aufgrund eines solchen Teilverhaltens tatsächlich zum Ziel „sozialer Betrugsversuche“ werden könnte, da sich ein Bösewicht denkt „Yeah, den oder die bekomme ich leicht dran, er/sie glaubt echt jeden Seich“ – das kann man sich vor dem Einschlafen durchaus kurz überlegen.

Nein, ich werde nicht wie viele meiner Freunde alle sofort „entfreunden“, die diesen 100m gegen den Wind als unwahr erkennbaren Mist weiter verbreiten. Dafür mag ich viele von euch zu gut. Aber es ist schon erstaunlich, wie fleissig solcher Quark nach wie vor geteilt wird. Was genau denkt ihr euch dabei? Es interessiert mich wirklich; lasst es mich wissen!

Es soll übrigens auch Leute geben, die den Fake-Beitrag auch dann stehen lassen, wenn man sie aktiv drauf aufmerksam macht… nein, meine Lieben, „nützt‘s nüt so schadt‘s nüt“ ist eben zu kurz gedacht. Oder warum ihr auch immer wieder besseres Wissen Ihr tragt aktiv dazu bei, das Netz mit sinnloser Hühnerkacke zu bekleckern. Wollt ihr das wirklich?

Und ja, letztlich landen wir bei der Fake-News-Problematik oder bei Verschwörungstheorien, die sich ähnlich verbreiten – da man sich schlicht zu wenig überlegt vor dem schnellen Klick.

Sagt es den Leuten, die das mit den 25 Freunden im Feed (und ähnlichen Schrott) teilen, trotzdem, dass sie einen birnenweichen Kettenbrief verbreiten und das Netz mit sinnlosen Unwahrheiten fluten, die niemandem was bringen und reine Zeitstehler sind. Oder teilt diesen Beitrag hier.

Oder versucht doch gleich, den Leichtgläubigen mit einer Fake-Mailadresse bei einem Gratisanbieter ein paar Hunderter anzuknöpfen über irgend eine Masche, die sie euch vermutlich auch glauben werden. Spendet das Geld nachher an eine gemeinnützige Organisation. Manchmal funktioniert es scheinbar nur übers Portemonnaie!

Auch wenn langsam sogar Durchschnittsusern hinlänglich bekannt sein sollte, dass praktisch alles Fake ist, auf dem steht, man solle es unbedingt teilen (vor allem dann, wenn viele Ausrufezeichen stehen und die Sprache holprig wirkt): vor dem Teilen z.B. auf mimikama.at schauen, ob die Meldung schon als Hoax gelistet ist, schadet nie. (Pssst, Geheimtipp: die Geschichte oder der vermeintlich gute Tipp, mit dem ihr euren Freundeskreis soeben beglücken wolltet, wird dort meistens schon stehen.)

Und wenn ihr meine persönliche Meinung hören und mich danach entfreunden wollt: ich halte es für eine Respektlosigkeit sondergleichen, dass man seine Freundinnen und Freunde auf sozialen Medien gedankenlos mit Unwahrheiten zumüllt, ohne vorher geklärt zu haben, ob etwas wirklich stimmt. Es gibt heute genug Quellen, Sachverhalte zu prüfen, wenn einen das eigene Gefühl für Falschmeldungen einmal im Stich lässt.

Und es gibt z.B. für Facebook genug Anleitungen, wie man seinen Newsfeed tatsächlich seinen Bedürfnissen anpassen kann. Aber es wäre ja zu anstrengend, nach solchen Dingen zu suchen. Hinweise finden sich z.B. in diesem und diesem Artikel.

Wie erkenne ich Falschmeldungen (Hoaxes, unwahre Kettennachrichten, Fake News usw.)?

  • Die Sprache ist holprig, der Stil „seltsam“, der Text enthält Grammatikfehler oder komische Formatierungen
  • Viele Ausrufezeichen und sensationell tönende Mitteilungen (Beispiele: „Es funktioniert!!“ oder „Herrlich!!!!“)
  • Es hat am Schluss technisch tönende Anleitungen, wie man es genau teilen muss
  • Wenn ihr etwas schon massenhaft gesehen habt, dann ist es erstens kaum sinnvoll, es nochmals zu teilen – und zweitens ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das es ein Fake ist
  • Kopiert einen kurzen Teil des Textes und googelt danach – Beispiel hier
  • Weitere Hinweise hier

Im Zweifel also lieber einmal etwas weniger teilen. Oder einfach mehr eigene Inhalte posten (schöne Bilder, coole Stories) statt immer nur „Fremd-Inhalte“ teilen. Vor allem nicht solchen Scheiss wie Hoaxes.

Danke. Habe fertig.

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Oder halt mal einfach Hallo sagen, also aus eigenem Antrieb, nicht vorgefertigten Mist copypasten, sondern überlegen, was ich dem Empfänger von mir gerne mitteilen möchte. Mir passiert das dauernd auf WhatsApp. Wirklich nette Leute aus meinem engsten Umfeld bringen mich regelmässig auf die Palme mit solchen „sende das an alle deine Freunde, sonst“ – ja sonst friert die Hölle ein, mein Gott. Was vor jedem Laserdruckerdruckauftrag gilt, sollte eben auch bei jedem Smartphoneschnellschreiber als Hürde aufpoppen:“Think before click“

Offtopic: Ich bin gerade am Abstauben meines eingerosteten Blogs, und durchforste die Blogroll nach toten Links, stelle dabei erfreut fest, boah – die gibt’s ja alle noch. Ok, einige wenige gibt’s halt nicht mehr, aber henusode, die Erde hat sich weitergedreht.

Ganz liebe Grüsse vom bobsmile

Die Tonalität gefällt mir nicht, auch wenn der Inhalt berechtigt ist. Dummheiten, wir sind Laien. Den ganzen Tag mit „Errungenschaften“ konfrontiert, die sich kaum glauben lassen.
Auslachen, Schimpfen, Verhöhnen ist keine angemessene Reaktion. Mach ich auch nicht zu den Dingen, von denen ich etwas verstehe,
Gruss und Dank für den guten Service.
JS

Mein Text wäre vielleicht vor 10 Jahren keine angemessene Reaktion gewesen. Heute – wir schreiben inzwischen das Jahr 2018 – existieren wie beschrieben zig Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt einer Meldung umgehend zu prüfen. Das Weitergeben von offensichtlich falschen Informationen hat für mich nichts mit fehlender Internet- oder Social-Media-Kompetenz zu tun.

Ich verstehe nicht (und wage es daher, auch einmal auf den Tisch zu hauen), warum selbst intelligente Menschen „einfach mal posten“ statt vorher zu überlegen: „Ist es tatsächlich wahr, was da steht“?

Beziehungsweise schon vorher aus der Tonalität der vermeintlich so tollen Mitteilung spüren: „Nein, das kann sicher nicht sein, denn das ist dermassen unbedarft formuliert; es ergibt zudem inhaltlich auch keinen Sinn.“

Es wäre wünschenswert, wenn man nach diesen Gedanken seine Umwelt in verdankenswerter Weise nicht mit der drölfzillionsten ewiggleichen Falschmeldung belästigt.

Ich finde, über gegenteiliges Verhalten darf man heute zu Recht wütend sein und etwas deutlicher werden. Dieses Verhalten auf einer Social-Media-Plattform – also einer Art Parallelöffentlichkeit – ist für mich vergleichbar z.B. mit dem dauernden Anrempeln von Mitfahrern in einem vollen Bahnwagen. Es ist unhöflich und gehört unmissverständlich sanktioniert.

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