29.06.2018

Vor 30 Jahren: Radio Raurach an der Tour de Sol 1988 in Liestal

Ziemlich genau jetzt vor 30 Jahren war ich mächtig stolz auf etwas, das mir heute Schamesröte ins Gesicht treibt und alle anderen vermutlich zum Fremdschämen animiert.

Am 29. Juni 1988 um 14 Uhr durfte ich meine allerersten Radionachrichten live lesen. Radio Raurach, das Baselbieter Lokalradio (quasi der Vor-Vor-Vorgänger des heutigen Energy Basel) sendete aus dem Übertragungs-Wagen live von der „Tour de Sol“ in Liestal.

Jeweils mittwochs betreute ich als damals 16-Jähriger die Kinder- und Jugendsendungen. Zum ersten Mal „draussen vor Publikum“ zu senden, war für einen Teenager natürlich so etwas wie der Jackpot.

Die Tour de Sol war ein Autorennen für Solarfahrzeuge, das in den 1980er- und 1990-er-Jahren stattfand. Von der Ausgabe 1988 gibt es ein Dok-Video auf Youtube (Einfahrt in Liestal bei Minute 13:45):

Auf dem Screenshot sieht man sogar den Radio-Raurach-Bus – „Full HD“ war damals leider noch nicht verfügbar:

Natürlich war ich höllisch nervös – unschwer zu überhören – und die News waren voller Schachtelsätze, wie damals üblich. Inhaltlich interessant sind aus nostalgischer Sicht natürlich auch die DRS-Nachrichten, die viele Lokalsender damals zur vollen Stunde übernehmen durften.

Hier geht es um den Absturz eines Airbus an einer Flugshow im Elsass, die Berner Finanzaffäre, eine seltsame Posse um Falschparkierer an einem Zürcher Fussballspiel, der Gründung des BUWAL (dem Vorgänger des BAFU), der Bewilligung der Zürcher Westumfahrung und sowjetische U-Boote, die auf Gorbatschows Wunsch nicht mehr in schwedischen Gewässern operieren.

In den Regionalnachrichten ist unter anderem von der Schaffung der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Mann und Frau zu hören, welche die SVP 2008 vergeblich per Initiative abschaffen wollte. Aber auch das besetzte Areal der Stadtgärtnerei Basel ist ein Thema.

Heute mutet es bizarr an, was damals am Radio alles möglich war (und wie es umgesetzt wurde). Alles egal: Wir fühlten uns  – vor allem an diesen Aussenmoderationen – wie kleine Helden. Es war eine schöne Zeit; man konnte sich kreativ relativ frei entfalten.

Das Handwerk des Radiomachens mit analoger Technik (Bänder, Vinylplatten, Sonifex-Cartridges) verlangte einiges an Konzentration und Multitasking, lange bevor man das so nannte. Auch wenn wir beim Anhören der Tapes heute heilfroh sind, dass das alles Jahrzehnte her ist: Lokalradiomachen in den 1980ern war eine ausgezeichnete Lebensschule.

Besonders denke ich aber an Daniel Fornaro zurück, der mich an diesem 29. Juni vor 30 Jahren seelisch unterstützte und die Technik betreute (er weilt seit 1992 nicht mehr unter uns). Von ihm lernte ich, auch in stressigsten Situationen ruhig zu bleiben – Dani war es, der mir im Sommer 1988 so manchen wichtigen Live-Radio-Trick zeigte. Seine Stimme hört man kurz am Ende von Teil 2 (bei 41:55).

In den Audiodateien habe ich die Musikstücke aus Urheberrechtsgründen rausgeschnitten. Viel Spass bei diesem kleinen Stück Medien-Nostalgie.

Tipp: Rein historisch betrachtet ist Teil 2 wesentlich spannender. Einige Voten meiner Baselbieter SchulkollegInnen zur Sonnenenergie sind rückblickend betrachtet höchst interessant.

Teil 1, 14-15 Uhr

Lokalnachrichten, Kindersendung, ganz am Ende sind integral erhaltene DRS-Nachrichten und nochmals Regionalnachrichten. Die Stunde von 15-16 Uhr wurde von Susanne Hänggi moderiert und ist im Archiv leider nicht erhalten.

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 36 MB)

Teil 2, 16-17 Uhr

Schülersendung: Diskussion von 16- bis 18-Jährigen zum Thema Solarenergie (gemäss der Anmoderation regnete es allerdings).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 40 MB)

Bilder sind von diesem Event leider keine erhalten – aber so sahen wir ein paar Monate zuvor beim Sekundarschulabschluss aus (bzw. ein Jahr später im Studio), und so gestalteten wir anno 1988 unsere Party-Flyer:

 

Ein anderes spannendes Stück Nordwestschweizer Lokalradiogeschichte wird übrigens hier abgehandelt – so mancher spätere „offizielle“ Radiomitarbeiter begann nämlich beim Piratensender „Radio One“ gleich ennet der Grenze.

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