19.02.2018

La Magnucca Sedrun: Fondue im Kiosk des Grossvaters

Am letzten Samstag strahlte SRF die Schweizerische Filmwochenschau vom 23. Oktober 1970 aus. Und wen sah da Familie Jacomet völlig überraschend? Unseren Vater bzw. Grossvater väterlicherseits, den ich leider nur gerade zwei Jahre kennen durfte und den meine Halbbrüder leider nie kannten.

Ab Minute 2:08 stellt die Wochenschau „seltene Berufe“ vor. Auftritt Gion Giusep Jacomet, im Film germanisiert „Josef“ genannt: unser „Tat“ (mit hellem, kurzem „A“) war Ofenbauer. Den Stein für seine Tavetscheröfen baute er selbst ab – in einem inzwischen fast wieder zugewachsenen Steinbruch zwischen Dieni und Tschamut:

Zumal es von ihm kaum bewegte Bilder gibt, waren wir hocherfreut, 44 Jahre nach seinem Tod bislang unentdeckte Filmaufnahmen von ihm zu sehen.

La Magnucca SedrunWas aber hat das alles mit dem neuen Sedruner Fonduelokal „La Magnucca“ zu tun, das diesen Winter neu eröffnet hat?

Wer hier im Blog seit 13 Jahren fleissig mitliest, weiss es: Über den Kiosk von Grossvater Jacomet habe ich schon einmal berichtet. Und genau in diesem Hüttchen befindet sie die Magnucca. Da gibt es aber noch andere Verbindungen – schauen wir weit zurück ins 20. Jahrhundert…

Gion Giusep betrieb neben seinem Specksteinofenbaugeschäft einen Kiosk. Gegenüber des Tujetscher Gemeindehauses verkaufte er Postkarten, Sonnenbrillen, Eis, Zigis, allerlei einheimischem Ramsch für Touristen.

Ein Bild aus der familiären Diasammlung aus dem Sommer 1970:

Der Schreibende (im Schrzweissfoto unten links mit der damals noch blonden Mähne) liebte all den Ramsch heiss – vor allem aber die „Polar“-Täfeli mit dem Eisbärenlogo, kühelnd und süss zugleich, damals natürlich noch mit echtem Zucker, die er ab und zu geschenkt bekam:

Ich trug auch gern Grossvaters Rucksack:

Nach Gion Giuseps unvermitteltem Unfalltod im Sommer 1974 wurde der Kiosk dichtgemacht und diente seither als Lagerraum und Vitrine. Grossvaters legendäre Tavetscher Specksteinöfen (das Geschäft wurde von der heute noch aktiven Giger SA übernommen) stehen heute noch in so mancher Schweizer Stube.

Seine Frau – meine Grossmutter – lebte noch bis 1994 in ihrem Haus neben dem Kiosk. Über Antonia Jacomet, geborene Cavegn, bin ich mit den alteingesessenen Sedruner Beizerfamilien Soliva und Brugger verwandt – die heutigen Betreiber der Hotels Soliva und Krüzli haben den selben Urgrossvater wie ich: Den umtriebigen Florentin Cavegn.

Wenn die Cavegn’sche Erbteilung (per Los!) etwas anders gelaufen wäre, wäre ich heute womöglich auch Beizer in Sedrun oder auf dem Oberalppass, wo Antonia in den 1920er- und 1930-er Jahren beim wirten half:

 

Oberalp-Passhöhe, vermutlich Ende 1920er- / Anfang 1930er-Jahre: Des Schreibenden Tatta bzw. Grossmutter (rechts) als fesche Bündner Ski-Lady

Oberalp-Passhöhe, vermutlich Ende 1920er- / Anfang 1930er-Jahre: Des Schreibenden Tatta (rechts) als fesche Bündner Ski-Lady

Tatta Antonia (links aussen) bewirtet im Restaurant Passhöhe aif dem Oberalppass Einheimische und Gäste - auf der Speisekarte: Flaschenbier, Limonaden, Sirupe, Thee, Caffee, Diverse Liköre, Echt Enzian

Am gleichen Ort: Tatta Antonia (links aussen) bewirtet Einheimische und Gäste – auf der Speisekarte: „Flaschenbier, Limonaden, Sirupe, Thee, Caffee, Diverse Liköre, Echt Enzian“

Vermutlich im Zweiten Weltkrieg (Tatta ist die zweite von rechts)

Vermutlich im Zweiten Weltkrieg (Tatta ist die zweite von rechts): Von den harten Wintern auf dem Alpsu wusste sie noch in den 1990er-Jahren kurz vor ihrem Tod lebhaft zu berichten, als sie selbst Verwandte nicht mehr erkannte. Schade, dass die Beiz nicht mehr in Familienbesitz ist – aber Regula macht das heute auch ganz gut.

Der mit „FC“ beschriftete Specksteinofen neben dem Stammtisch in der Ustria Alpsu erinnert heute noch an Urgrossvater Florentin Cavegn.

Aber was hat Antonia mit der Magnucca zu tun?

Ihr „Grosscousin“ – oder wie der Enkel ihres Cousins auch immer korrekt heisst – betreibt die Käsestube heute: Curdin Brugger. Er macht das zusammen mit Riccardo Monn von der Schneesportschule „Monntains„, dem Nachfolgegeschäft von Otmar Candinas, der über viele Jahre im Haus meiner Grossmutter sein Sportgeschäft im Untergeschoss betrieb.

Curdin und Riccardo haben zusammen mit meinem Vater den Kiosk wunderschön umgebaut: Das Holz bekam einen Bürstenschliff, Objekte von früher (wie das beleuchtete Kioskschild oder der Postkartenständer, den man weiter oben anno 1970 sieht) wurden wiederbelebt.

Anfang Januar durften die Kioskvermieter und ihr Nachwuchs Curdins Gastfreundschaft geniessen und wissen seither: Dieses neue Sedruner Gastro-Angebot ist uneingeschränkt zu empfehlen! Macht euch einen gemütlichen Abend und besucht die Magnucca im alten Kiosk zwischen dem Monntains und dem Krüzli.

Grazia fetg Curdin und Riccardo für eure Initiative – genau solche Projekte braucht das Tal!

Ein Rätsel bleibt noch…

In der Filmwochenschau von 1970 war auch diese Szene enthalten.

Weiss jemand, in wessen (vermutlich Sedruner) Stube das aufgenommen worden sein könnte?

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

hoi Andi ich habe meinen Vater gefragt er meinte es könnte der Ofen sein Valentin Berther in der Tgesa Alva. Vielleicht weisst du das ja bereits. lieben Gruss Corina Ps: Im Film ist eventuell Adelina Hüssy ehemals Berther.

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