18.11.2016

Wahlen Stadt Bern 2016: Wen wählen?

Ich suche Kandidierende und Parteien, die…

  • sich für das Velofahren einsetzen: sichere, effiziente Velowege, viel mehr Veloparkplätze mit Anbindemöglichkeit, Rechtsabbiegen für Velos bei Rot, veloorientierte Ampelsteuerungen und tadellose Velostreifen (breit, keine Schlaglöcher, keine schlecht versenkten Dolendeckel, im Winter rasch schneefrei), subventionierte Velostations-Abos, alle Einbahn-Fahrverbote für Velos aufheben, alle „allgemeinen Fahrverbote“ umwandeln in „Velos und eBikes im Schritttempo OK“
  • sich dafür einsetzen, dass der motorisierte Privatverkehr (sprich: vor allem Autos) möglichst aus der Stadt zurückgedrängt wird und/oder sich für e-Mobilität stark machen, wo individueller Privatverkehr sinnvoll ist
  • sich für mehr Platz für FussgängerInnen einsetzen
  • sich für flächendeckende Temporeduktionen auf Stadtgebiet einsetzen (maximal 30, möglichst viel 20)
  • sich für einen idealen öV einsetzen (gut ausgebaut, moderne Fahrzeuge, möglichst früher/langer Betrieb, weiterer Ausbau)
  • sich klar von Gewalt und Sachbeschädigung distanzieren
  • sich für eine Verfolgung von gewalttätigen (auch „gegen Sachen“) Schwarzblöcklern, 031ern, unkreativen Tagsprayern und Konsorten einsetzen (schöne, kreative Graffitis z.B. an sonst grässlich grauen Mauern kann man ruhig stehen lassen), aber gleichzeitig z.B. eine Ombudsstelle unterstützt, die mögliche / vermutete Polizeigewalt neutral untersucht und für die Sanktionierung fehlbarer PolizistInnen sorgt
  • Videoüberwachung nicht verteufeln, sondern punktuell an neuralgischen Punkten einsetzen wollen (z.B. um im letzten Punkt genannte Menschen schneller zu schnappen oder auch Übergriffe seitens Polizei beweisen zu können)
  • sich für eine kinderfreundliche, familienfreundliche, Stadt mit viel Grün einsetzen
  • sich für die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann einsetzen, aber nicht spitzfindig überall, wo es nur geht, „Sexismus, Sexismus“ schreien
  • sich für erneuerbare Energien, gegen Atom- und Kohlestrom einsetzen und dafür sorgen, dass sauberer Strom für alle möglichst erschwinglich verfügbar ist
  • sich für die möglichst baldige Abschaltung des AKW Mühleberg und aller anderen Kernkraftwerke einsetzen
  • sich für ein Fernwärmenetz einsetzen
  • sich für eine bessere Subventionierung und vereinfachte Bewilligungspraxis privater Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass verfolgte MigrantInnen sich hier möglichst wohl und sicher fühlen können
  • sich dafür einsetzen, dass fremdenfeindliche und rechtsextreme Parolen möglichst streng bestraft werden
  • Privateigentum nicht verdammen, sondern schützen
  • keinen Bezug zu „christlichen“ oder sonstwie religiösen und anderen märchenhaften Einstellungen haben und keine Listenverbindungen mit solchen C- und E-Parteien haben
  • keinen Bezug zu marxistischen, kommunistischen oder sonstwie vorgestriger Linksaussenanliegen haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • keinen Bezug zu rechten Parteien wie der FDP oder Rechtsaussenparteien wie der SVP usw. haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • für eine strikte Trennung von Staat und Kirche sind (z.B. kein Steuereinzug für Kirchen durch den Staat)
  • sich für eine vollständige Liberalisierung aller Öffnungszeiten einsetzen, dabei aber durch flankierende Massnahmen das Wohl der ArbeiterInnen im Auge behalten
  • Leute unterstützen, die beim Zurückdrängen grosser Multis Mut und Eigeninitiative zeigen und nicht einfach unnachhaltige, birnenweiche Demos gegen Ladenketten organisieren, bei denen auch noch Gewalt ausgeübt wird
  • den politischen Dialog mit einer gewissen Bescheidenheit und Realitätsbezogenheit führen und nicht möglichst schrill und laut herumpoltern
  • sich für coole Rahmenbedingungen für Kleinstbetriebe und/oder KMU einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass für SteuerzahlerInnen der Stadt möglichst viele Dienstleistungen der öffentlichen Hand gratis sind
  • keine Wahlwerbung in private Briefkästen werfen oder an Velos anbringen
  • vor Wahlen und Abstimmungen keine Telefonanrufe tätigen (bzw. nur dann, wenn die Angerufenen dem explizit zugestimmt haben – und eine Liste jener führen, die nicht angerufen werden wollen)
  • sich dafür einsetzen, dass die Stadt auch für jene lebenswert bleibt, die es gerne etwas ruhiger haben, ohne Kultur und Nachtleben komplett zurückzubinden
  • dafür sind, dass sozial Benachteiligte möglichst ideal unterstützt, aber auch zur Eigenverantwortung angehalten werden
  • sich dafür einsetzen, dass bewilligte wie auch unbewilligte Demos so gelenkt werden, dass sie den öV und den Alltag der hier lebenden und arbeitenden Menschen nicht nachteilig beeinflussen
  • jegliche GewalttäterInnen (egal, ob rechts- oder linksextrem oder apolitisch) oder Sportveranstaltungs-Vermöbelpöbel möglichst aus der Stadt fernhalten oder entfernen (sprich: dem Gericht zuführen und eine Weile einbuchten) wollen und nicht unter dem Vorwand der „Grundrechte“ idiotisches Verhalten rechtfertigen
  • Andersdenkende oder „besondere“ Lebensformen Lebende (HausbesetzerInnen, Fahrende, Waldmenschen…) möglichst tolerieren, aber ein Fehlverhalten derselben klar sanktionieren (z.B. wenn es andere bei einer angenehmen Lebensführung stört)

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es alles nicht gäbe oder wie sich Bern anfühlen würde, wenn Bern ein rechts stehendes Parlament hätte und einen FDP-/SVP-dominierten Gemeinderat. Bern als linke Stadt passt mir grundsätzlich sehr.

Ich wähle normalerweise Frauen aus dem Links- bis Mitte-Links-Spektrum, meistens Sozialdemokratinnen. Gerade die Velo-Offensive wäre für mich als seit Jahren kritischer Velofahrer ein sehr guter Grund, SP zu wählen. Leider macht es einem die Stadtberner SP derzeit nicht einfach, mit gutem Gewissen SozialdemokratInnen zu wählen.

Nachdem ich in den letzten Jahren kurz vor den Wahlen doch immer wieder schwach geworden bin, wähle ich diesmal ausschliesslich grün. Das fällt mir schwer. Ich kenne viele engagierte SP-Leute persönlich und finde, dass die Partei eigentlich vieles genau richtig macht. Die Velooffensive von Ursula Wyss und anderen SP-Leuten schiene mir z.B. äusserst unterstützenswert. Ich kann mich vermutlich mit 90% der Ansichten der SP nach wie vor solidarisieren.

Da waren aber in den letzten Monaten zu viele Dinge, bei denen ich primär die Nase rümpfe. Als Anti-Spam-Aktivist der ersten Stunde kann ich amimässige „Mobilisierungsaktionen“ wie die Telefonanrufe bei SympathisantInnen keinesfalls gutheissen. Mag sein, dass viele SP-WählerInnen so etwas mögen. Ich tue es nicht, was ich seit Jahren über verschiedenste Kanäle kundtue. Es bringt nichts. Es kommen immer wieder Anrufe, auch dieses Jahr. Es konnte oder wollte mir niemand einen offiziellen Kanal nennen, über den Adressdaten dauerhaft für solchen Unfug gesperrt werden könnten. Eine Partei, die sich für Datenschutzanliegen einsetzt, aber nicht nicht einmal Opt-Out (geschweige denn Opt-In) kennt und ihre Datensammlung nicht im Griff hat? Schade. Ich habe nichts dagegen, wenn die SP diese Methode bei jenen praktiziert, die das schätzen und den Anrufen explizit zugestimmt haben (Opt-In). Aber wenn man zig mal kund getan hat, dass man das nicht will, und immer noch angerufen wird, kommen einem gewisse Zweifel an der Professionalität so einer Partei.

Dass die SP auf Kritik bisweilen betupft statt cool reagiert, ist ihr gutes Recht. Dass sie ihre langjährige Gemeinderätin als Stadtpräsidentin gesetzt sah, und aufgrund der Tatsache, dass dann doch noch zwei andere den Anspruch anmeldeten, fast das RGM-Bündnis zerbrochen ist, kann man als stärkste Stadtratsfraktion womöglich schon so durchzuziehen versuchen. Ob man damit Sympathiepunkte sammelt, steht auf einem anderen Blatt.

Hauptsächlich gestört hat mich aber der Umgang mit den Warmbächli-Areal-Ausschreitungen und die fehlende Distanz zur JUSO, die inzwischen radikal links politisiert und mir mit ihrer fordernden, lauten und arroganten Art unsympathisch ist. Mit konstruktiver linker Politik hat der schrille JUSO-Stil nichts mehr zu tun. Wenn nach einer Krawallnacht die JUSO den üblichen Quatsch von Polizeigewalt und Freiräumen verzapft, von mir aus. Dass aber gar ein SP-Parteisekretär zunächst einmal Begeisterung zeigt statt entweder gar nichts zu twittern oder Illegalität, Lärm und Gewalt zu verurteilen, und sich die SP dann zu keiner klaren Distanzierung von den Ereignissen oder ihrer Jungpartei durchringen kann, bedeutet, dass man es gar nicht so übel findet, was passiert ist. Mag sein, dass Jungparteien eine lange Leine brauchen. Mich als langjährigen SP-Wähler stösst es aber ab, wenn sich die „Erwachsenenabteilung“ nicht nur nicht von der Jungpartei distanziert, sondern die Unerstützungsbildli und Lob-Slogans gestandener SP-ler auf der Facebookseite der JUSO Stadt Bern stehen lässt. Man könnte auch mal sagen: „Leute, ihr seid zu weit gegangen. Nehmt mein Bild von eurer Seite.“

Auch die Distanzierung der SP von der JUSO betreffend des Streichens von Alec von Graffenried auf der Gemeinderatsliste erscheint halbherzig, wenn SP-Mitglieder von Graffenried auf Twitter laufend fröhlich anschwärzen und für die JungsozialistInnen „fanen“ – Teilen der SP scheint es im RGM-Bündnis tatsächlich äusserst unwohl zu sein. Das goutiere ich als Freund konsensorientierter Politik nicht unbedingt. Anstatt auf Facebook zu schreiben „Die JUSO Stadt Bern ist eine eigenständige Organisation und unterstützt (wie auch die JA!) nur einzelne Kandidierende der RGM-Liste“, könnte man auch die internen Kontakte spielen lassen die JUSO bitten, die Aufforderung von ihrer Facebookseite zu nehmen. Aber man lässt JUSO nicht nur gewähren: Auf der Facebook-Seite der JUSO Stadt Bern brüsten sich nach wie vor zahllose SP-Mitglieder damit, wie toll sie die junge Amoktruppe finden. Einige von ihnen retweetet auch fröhlich „“Dy Stapi“ ist nicht mein Stapi“. Und hey, da ist auch er ja wieder, unser Gewaltverharmloser vom Warmbächli!

Mit Verlaub, werte SP, das passt mir ebensowenig wie vorgestrige Begriffe wie „Klassenkampf“ oder „Überwindung des Kapitalismus“, die nun wieder en vogue sein sollen – man kann solche surrealen Träume gerne träumen; ich habe z.B. die 1:12-Initiative beherzt angenommen und bin beileibe kein Gegner von Umverteilung. Aber man muss auch genug realistisch sein und erkennen, dass im Zeitalter von Alpträumen wie Trump, Le Pen, Wilders & Co. radikale Parolen mit einem Wording aus dem Kalten Krieg kaum die Lösung sein können bzw. von weiten Teilen der WählerInnen relativ fassungslos aufgenommen oder gar als lächerlich angesehen werden.

Ich zweifle allerdings daran, dass die SP in der Stadt Bern Verluste erleiden wird.

Das Folgende hat nun weniger direkt mit der SP zu direkt tun als mit einem Problem der Stadtberner Politik an sich.

Radikale Positionen scheinen immer salonfähiger zu werden. Das Kokettieren mit der Coolheit von Militanz, Gewalt oder Illegalität ist in der Stadt Bern bis weit in etablierte Parteien hinein verbreitet. Mir macht es Mühe, wenn ich als Pazifist, GSoA-Mitglied und Sympathisant von Organisationen wie „Public Eye“ oder der Anti-AKW-Bewegung linke PolitikerInnen und AktivistInnen (deren Gesichter ich sonst in Publikationen sehe, die nur Unterstützenswertes enthalten) immer wieder Dinge schreiben sehe und sagen höre, die mit einem friedlichen Umgang miteinander und einer für alle lebenswerten Stadt so wenig zu tun haben. Wenn ich in der Facebook-Gruppe „Mühleberg stilllegen“ ständig Beiträge eines Reithallen-Radikalinskis sehe, der mit der geltenden Rechtsordnung gelinde gesagt nicht viel anfangen kann, dann verlasse ich halt diese Gruppe eher als dass ich mich dort engagiere. Ich habe mit 14, 15 auch radikales Zeug en masse von mir gegeben und war ein kleiner Marxist. Aber irgendwann so ab 20 sollte man spätestens gecheckt haben, dass das Träumen utopischer Ideologien auf diesem real existierenden Planeten nicht besonders zielführend ist.

Unter dem Deckmänteli einer so wichtigen Errungenschaft wie der Grundrechte „so blöd wie möglich“ zu tun oder selbsternannte AntifaschistInnen zu verteidigen, die grösstenteils selbst faschistoide Ansichten haben, ist nicht meine Vorstellung konstruktiver Politik und sinnvoller Meinungsäusserung. Und sicher nicht der Weg, grauenhafte rechtsnationale, fremdenfeindliche und populistische Tendenzen zu bekämpfen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn PolitikerInnen auf Social-Media-Plattformen – ohne mit der Wimper zu zucken – Inhalte von Gruppen geteilt werden, die in der Illegalität oder in Grauzonen operieren. Gibt es einen Namen für das Phänomen, dass man zwar in einem Parlament sitzt, aber bei unkonstruktiven, extremen, bisweilen Gewalt verharmlosenden oder gar anwendenden Kräften möglichst viele Augen zudrückt? Ich verstehe eine solche Haltung nicht. Radikalismus und Polarisierung sind gerade in der aktuellen Zeit, in der so viel bachab zu gehen scheint, ein Teil des Problems und nicht der Lösung.

Natürlich: Wenn ich die Wahl hätte zwischen fünf JUSO-Leuten und einem einzigen SVP-Menschen, würde ich mich ohne mit der Wimper zu zucken für die fünf Sozis entscheiden. Aber zur pointiert links auftretenden, wild herumtelefonierenden Stadtberner SP und ihrer radikalen JUSO-Truppe gibt es ja auch Alternativen, die mir momentan näher stehen.

Having said that: Wenn die JUSO ungestraft dazu aufrufen kann, von Graffenried zu streichen und so RGM zu gefährden, finde ich es legitim, dazu aufzurufen, dieses Jahr andere Parteien des linken Spektrums zu wählen als die SP.

SP-Mitglieder, die sich von Stil und Haltung der JUSO ebenso abgestossen fühlen, die die Telefonaktion in der heutigen Form doof finden und klar hinter der ganzen RGM-Liste stehen, können sich gerne per privater Nachricht melden – es bleibt garantiert unter uns. Ich weiss es, euch gibt es. Eure Namen schreibe ich gerne auf die noch leeren Zeilen meiner Stadtratsliste.

Natürlich sind auch eine GFL und das GB mit der JUSO listenverbunden, und auch die JA! tritt mit Parolen auf, die ich teils ebenso fragwürdig finde wie Aussagen der SVP. Das heisst wohl: Wenn ich in Bern links wählen will, kann ich das nur tun, wenn ich damit auch amoklaufende Jungparteien unterstütze (oder extrem links wähle, was die Welt auch nicht wirklich weiter bringt).

Nun gut: Die sind mir dann halt insgesamt doch näher als die CVP oder EVP, die ich via Listenverbindungen indirekt unterstützen würde, wenn ich die GLP wählen würde, was sich wegen dieser Verbandelung von vornherein ausschliesst. Bürgerlich zu wählen, käme für mich niemals in Frage.

Aber wir haben nun mal die heutigen Parteien und Listenverbindungen, und wie eingangs erwähnt ist mir eine grundsätzlich linke Politik wichtig. Politikmenschen mit einem Hang zur Linksradikalität sind unter dem Strich dann doch das kleinere Übel als Bürgerliche. Aber ich bin eher an Konsens und Ausgleich interessiert als an Utopie und Maximallösungen. Letzteres hilft weder gegen Trumpoide noch gegen SVP und Konsorten. Ich wähle darum dieses Jahr Mittelinks.

20161120-wahlliste-stadt-bern

Meine Listenstimme beim Stadtrat gehört dieses Jahr der GFL. Darauf stehen aber nebst den Bisherigen und ein paar neuen auch noch alle Bisherigen und alle neu kandidierenden Frauen des GB.

Beim Gemeinderat wähle ich 2x Franziska Teuscher und 2x Alec von Graffenried – da ich bei der SP aber die Hoffnung trotz allem noch nicht ganz aufgegeben habe und da sie sich stark für die VelofahrerInnen einsetzt, bekommt auch die ohnehin sicher wiedergewählte Ursula Wyss eine Stimme. Als Stadtpräsidentin wähle ich im ersten Wahlgang Franziska Teuscher. Womöglich steht mir Alec von Graffenried politisch etwas näher. Aber ich möchte gerne eine Frau als Stadtoberhaupt, und Franziska ist mir nicht nur aus gemeinsamen Projekten, sondern auch von ihrer Biografie her sehr sympathisch.

Die Atomausstiegsinitiative nehme ich selbstverständlich an.

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kommentare

Lieber Andi Jacomet
Ich fühle mich von dieser sehr durchdachten und konsequenten Liste von Positionen sehr angesprochen. Es gibt einzelne, wo ich vielleicht ein bisschen kritischer bin (ich bin zB nicht sicher, wie effektiv Videoüberwachung im öffentlichen Raum ist, oder ob wir wirklich eine weitere Beruhigung der Innenstadt brauchen) und mich hat man also auch schon beim Briefkästelen ertappen können. Aber den betont auf sachlichen Grundlagen basierenden Argumentationsstil scheinen wir zu teilen.

Falls Sie mögen, schauen Sie sich doch mal meine Homepage an, und vielleicht die Liste meiner Vorstösse im Parlament? Es würde mich auch freuen, wenn wir uns mal bei nem Kaffee austauschen. Auch wenn ich inhaltlich mehrheitlich einverstanden bin: ich kann nicht versprechen, dass sich das alles sofort umsetzen lässt wenn man mich wählt. Aber ich würde gern meine Lösungsvorschläge präsentieren. Ausserdem gibt es bei uns immer Bedarf an klugen und engagierten Köpfen.

Liebe Grüsse Melanie Mettler

Liebe Melanie Mettler

Danke für den Kommentar! Leider ist die GLP einmal mehr Listenverbindungen mit E- und C-Parteien eingegangen und ist daher für mich nicht wählbar, auch wenn ich mich mit vielen Positionen zugegebenermassen einverstanden erklären kann. Man kann natürlich sagen, das sei pure Wahlarithmetik – ich gehöre aber zu den Wählern „alter Schule“, für die so altmodische Sachen wie „Ehre“ eine Rolle spielen. Und die gebietet es, mit solchen Parteien wahltaktisch nichts, aber grad gar nichts zu tun zu haben. Natürlich kann man mit deren Exponenten zusammen reden und Positionen teilen, aber da bei Listenverbindungen das Risiko besteht, „No-Go-Parteien“ zu Sitzen zu verhelfen, sind solche Verbandelungen aus meiner Warte ebenso tabu wie das Verhalten von GewalttäterInnen zu verharmlosen oder Sachbeschädigung in bestimmten Fällen gutzuheissen. Sorry!

Was die Videoüberwachung angeht, um einen Punkt herauszupicken: Diese müsste natürlich so beschaffen sein, dass eine klare Erkennung von Köpfen oder anderen Merkmalen möglich ist, die vor Gericht verwertbar sind. Und in eine Gesamttaktik eingebunden sein, die paar wenigen Hitzköpfe, die die Behörden seit Jahren „vorführen“, effizient und möglichst dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. Dann hätten wir vor denen endlich Ruhe und könnten uns wichtigeren Dingen widmen bzw. dem politischen Gegner von rechts viel Wind aus den Segeln nehmen (Stichwort „Reitschule schliessen“, was gar nicht in meinem Sinne wäre).

Beste Grüsse, Andi Jacomet

Lieber Andi Jacomet

Austausch klingt gut, können wir gern per Email abmachen.

Ja unser liebes Proporzsystem. Ich kann die Position nachvollziehen. Leider kann eine kleine, junge Partei wie die Grünliberalen (wir treten in Bern fängs zum dritten Mal an) alleine keine Parlamentssitze machen.

Und Wahlkampf einfach so ins Blaue raus ohne Möglichkeit, dann auch im politischen System an Lösungen mitzuarbeiten ist jetzt auch nicht die beste Option. Und Wählerinnen und Wähler, deren Stimmen dann wegen Proporz im Nichts landen, resp. im „Restmandat“, sind dann wohl auch nicht befriedigt damit.

Die einzige Lösung wäre eine Änderung des Wahlsystems: das ist aber unmöglich so lange die grossen Parteien zusammen das verhindern.

Bis es soweit ist, setzen wir uns dafür ein, dass unsere Wählerinnen und Wähler mit ihren Stimmen auch tatsächlich zu einer Vertretung im Parlament kommen – halt mit Listenverbindungen.

Zudem muss fairerweise auch relativiert werden: im Stadtberner Kontext sind die C- und E-Parteien doch um einiges progressiver als anderswo.

Schöne Nami, und vielleicht bis bald,
Melanie Mettler

Lieber Andi

Ich bin Maurice Lindgren, Kandidat auf der Liste der Jungen GLP. Ich möchte mich Melanie anschliessen und bei den Listenverbindungen präzisieren: Wenn wir die Verbindung NICHT machen, könnte der Restsitz z.B. auch zur SVP. Indem Sinne ist es besser die Listenverbindung zu machen, einerseits weil für die GLP was rausschauen kann und andererseits weil CVP/BDP/EVP sicher das kleinere Übel wären als SVP oder Linksaussen.
Allgemein finde ich, du hast extrem detaillierte Vorstellungen. Wenn du keine Kompromisse machen möchtest (Kompromisse müssen übrigens wir alle machen), dann gründest du wohl am besten deine eigene Partei 😉

Lieber Gruss
Maurice

@Maurice: Detaillierte Vorstellungen… keine Kompromisse machen – das möchte ich etwas genauer beschreiben: Es gibt gewisse „zwingende Randbedingungen“ für mich. So eine Art „zwingendes Wahl-Völkerrecht“, if you wish.

Das sind: ein Bekenntnis zu absoluter Gewaltlosigkeit (gegen Menschen und Sachen) und eine Distanz zu Extremismus aller Art (wobei man die genaue Ausgestaltung dieses Punktes zugegebenermassen tagelang debattieren kann). Die Einsicht, dass mündige WählerInnen selbst wissen, wen sie wählen und keine Bevormundung durch Anrufe oder Werbemüll im Briefkasten brauchen. Eine möglichst grosse Distanz zu Religiosität (wenn man privat an weissnichtwas glaubt, ist das natürlich OK – wenn sowas aber zu politischen Maximen wird, nicht). Keine Wahlarithtmetik mit Bürgerlichen oder Extremlinken.

Wenn das zu detailliert ist, naja, dann weiss ich auch nicht 🙂

Und so konsequent wie es scheinen mag bin ich dann also auch nicht: Wenn mir z.B. ein SP-Mitglied privat und vertraulich glaubhaft macht, dass es die Telefonaktion einen grossen Mist findet und „Kapitalismus überwinden“ oder „Klassenkampf“ für ein ebensolches Bullshitbingo hält wie ich und z.B. die ersten Tweets von Sutter nach dem Warmbächli-Krawall oder die Juso-Position sehr fragwürdig fand – dann kann es durchaus sein, dass ich diese Person doch noch 2x auf einen Wahlzettel schreibe.

Aber wenn ich mit meinen Linien womöglich EVP/CVP unterstütze… nein, das bringe ich nicht übers Herz. Im Zweifelsfall klar links statt rechts.

Jetzt muss ich leider weg, mehr gerne später.

@Melanie: Von mir aus gerne weiter mit „Du“, wenn keine Einwände sind…

Ich sehe deine Punkte schon. Klar. Aber ökonomisch ausgedrückt habe ich halt andere, ähnlich gelagerte „Produkte“ auf dem „Markt“ zur Verfügung, die in Nuancen dann doch eher meinen Vorstellungen entsprechen. Klar, dass die GFL über Listenverbindungen mit einer JUSO verbandelt ist, passt mir auch nicht. Aber die sind mir von meiner Herkunft her dann halt doch näher als die mit dem C oder E.

Pragmatisch gesehen: Wenn euer noch relativ neues Produkt nicht für sich spricht oder sich nur mit „komischen Addons“ verkauft, dann hat es halt auf dem „Markt“ keine Chance.

Wenn wir bei der Metapher bleiben: Als „Konsument“ finde ich es halt auch etwas seltsam, dass ich in Bern die Wahl zwischen zwei ähnlichen grünliberalen „Angeboten“ habe. Das spornt mich zu einem Gedankenspielchen an, das mich fast interessanter dünkt als die Änderung des Wahlsystems: Eine komplette Neuverteilung aller Parteimitglieder!

Ein Fusionsprodukt des SP-Realo-Flügels mit GFL und GLP, das sich dann aber klar gegenüber C/E und linksaussen abgrenzt, würde ich vermutlich sofort vorbehaltslos wählen. Heissen würde das dann… hmmm… genau: „Sozialliberale ökoorientierte Mittelinksgruppe SLÖ!OMG!“.

(Wenn ich an gewisse Gespräche zurückdenke, wäre es wohl manchen sehr viel wohler in so einem Konstrukt als in ihrer heutigen Partei.)

Weitergesponnen: JA!, JUSO, GPB-DA, PdA, AL und die Fundi-Flügel von GB und SP würden zur „vereinigten radikalutopischen Linksaussenliste VRAULAL“.

Eher der Mitte zugewandte Menschen aus SP/GB mit gewerkschaftlichem Hintergrund könnten die „gemässigte grünrote ArbeiterInnenpartei GG-RAP“ gründen; FDP, EVP, CVP, JF und BDP würden zum „Bürgerlichen Freiheits- und Unternehmer- Radikalzentrum BÜFURZ“.

Und SVP, EDU sowie SD therapieren sich in Bern fortan gegenseitig im „Pathologischen Rechtsaussen-Ohnechancen-Trupp PROCT“, womit auch medizinisch sonnenklar ist, wo diese Partei angesiedelt wäre.

SLÖ!OMG!, VRAULAL, GG-RAP, BÜFURZ und PROCT – perfekte Berner Politik mit nur fünf Parteien ohne verrenkte Hälse bei Listenverbindungen und anderen Fliegenverzehrungen in der Not!

Sofern mir du und Maurice also den ersten Listenplatz bei SLÖ!OMG! zusichert, reporte ich immediately for duty 😉

So viel Spass mir die Neuordnung der Berner Parteienlandschaft bereitet… jetzt muss ich aber leider noch ein wenig an einer Website für eine eurer Grossrätinnen arbeiten.

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