3.10.2016

Vor 30 Jahren: Itinger Teenager drehen im Sommer 1986 den Film „Feinde“

Videospielfilme entwickelten sich Mitte der 1980er-Jahre zu unserem grossen Hobby: Bevor Mädchen so richtig interessant wurden, war es die Videokamera, die uns Landjungs faszinierte.

Dass man dereinst mit einem kleinen, flachen Gerät Filme herstellen, schneiden und einem Milliardenpublikum zur Verfügung stellen könnte, hätten wir uns vor 30 Jahren niemals vorstellen können. Wir fanden bereits das sensationell: Mit einem tragbaren VHS-Videorekorder (an dem an einem fetten Kabel die Kamera hing) filmen. Dann zwei Recorder mit klobigen Kabeln zusammenstöpseln, mittels Play auf Gerät A und Record auf Gerät B den Film cutten.

Filmen mit Videokamera 1986Und wenn’s ganz flott werden musste: Den Ton via Mischpult leiten und Musik drunter mixen. Den Bildqualitätsverlust nahmen wir in Kauf oder beherzigten Tipps aus Heftli wie dem „Schweizer Video Magazin“, den Verlust zu minimieren.

Filmende Kiddies waren Jahrzehnte vor den Youtubern eine Ausnahme, darum gab es damals auch TV-Sendegefässe für Schülerfilme. Unsere beiden ersten Streifen „Der Ausgestossene“ und „Die Schatzsuche“ wurden bereits ausgestrahlt – aus heutiger Sicht sind sie auch weitaus gehaltvoller als der Film, um den es in diesem Beitrag geht. Waren wir bei den ersten Filmen zwischen 11 und 13 Jahre alt – quasi „jung und unverdorben“ – merkt man bei der Produktion des Sommers 1986, dass wir langsam zu pubertierenden Jungs wurden.

Wir waren überzeugt, dass unser neuer Film ein wenig anrüchig werden musste.

Und das hiess auf dem Lande: Keilereien, Töffli, Rauchen, Fluchen.

Meitli waren – im Gegensatz zu den letzten Filmen – keine mehr mit dabei, „Feinde“ war ein reines Jungs-Projekt. Mädels waren im Sommer 1986 plötzlich keine reinen Schulkameradinnen mehr, sondern zogen sich irgendwie anders an, verhielten sich anders, und „beim Flaschenspiel an der Schulparty küssen üben“ oder „geschlossen Tanzen“ schienen wie durch Zauberhand bessere Optionen als „zusammen einen Film drehen“.

Dass unsere Eltern den Plot „Töfflibuebe-Dorfgang prügelt sich in der Badi und beim Fussball mit Outlaws“ birnenweich fanden, verstanden wir nicht – hey, wir waren hier schliesslich drauf und dran, in die Hollywood-Liga aufzusteigen! Bud Spencer, Terence Hill (wir dachten damals, das sei Hollywood), Beverly Hills Cop, Back to the Future, Knight Rider… das waren die Vorbilder, Filme und Serien, an die wir anknüpfen wollten.

19851231-itingen-radiorecorder-fairmateIm Sommer 1986 sahen Radiorecorder von Teenies etwa so aus wie auf dem Bild links (das war mein Fairmate RD-6000); in der Hitparade weit vorne lagen Samantha Fox (Touch me), Bananarama (Venus), Modern Talking (Atlantis is Calling), Madonna (Live to Tell und Papa Don’t Preach), Level 42 (Lessons in Love), Nu Shooz (I Can’t Wait) oder Janet Jackson (Nasty). Wham! verabschiedeten sich fulminant mit „The Edge of Heaven„, und Peter Gabriel setzte mit „Sledgehammer“ dem Medium Videoclip ein monumentales Denkmal.

A propos Videoclip: Das Schweizer Fernsehen sendete stundenlang live von der FERA (das war eine Schweizer Unterhaltungselektronik-Ausstellung in Zürich); der Stereoton dazu lief parallel auf DRS3 (Fernsehen in Stereo gab’s damals noch nicht). Davon haben wir in diesem Blog schon anno 2007 berichtet. Man beachte dort vor allem die Kommentarspalte, wo sich eine Pop-Ikone der 1980er persönlich zu Wort meldet.

Damit aber zu unserem Schläger-, Fussball- und Klamaukvideo „Feinde“, das in den Sommerferien 1986 in Itingen (BL) entstand, zwischen den ersten beiden Dorfgrümpelturnieren (Videos davon hier und hier). Mit von der Partie waren nebst Patrick Tanner und mir Martin Madörin (alias Duggi), Martin Spitz, Rolf Stirnemann, Patrick „Pex“ Buser und Rolf Wüst. Martin Brunner setzen wir hiermit einen kleinen Gedenkstein ins Netz: Er kam wenige Jahre nach dem Dreh bei einem Strom-Unfall ums Leben.

Hinweis: Das Video mit dem Hauptfilm (aus technischen Gründen in zwei Teilen) kann aus urheberrechtlichen Gründen in einigen Ländern nicht verfügbar sein. Die Originalaufnahmen und Takeouts hingegen gehören allein uns und sind überall abrufbar.

Feinde, Teil 1

Feinde, Teil 2

Feinde, Originalaufnahmen und Takeouts

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