Ein früherer Verwaltungsrat der Sedruner Bergbahnen wollte den “Idiotenhügel” Valtgeva kurzerhand schliessen und die Kinder oben in Milez Skifahren lernen lassen.

Das wäre kompletter Unsinn gewesen, wie sich nun zeigt: Nach dem Ausscheiden des besagten “Visionärs” positionierten die Bergbahnen den flachen Hang oberhalb des Sedruner Bahnhofs neu, rissen einen überflüssigen Lift ab, bauten ein neues Restaurant und stellten zahlreiche Attraktionen auf.

Und siehe da: Für Anfängerinnen, Anfänger und vor allem Familien mit kleinen Kindern ist das Gebiet DER Renner.

Auch der Blöker hat in Valtgeva Skifahren gelernt. Es war Ostern 1975, als er seine ersten Schwünge in den Schnee zog - wer hätte damals gedacht, dass er es einst auf durchschnittlich 50 Skitage pro Winter bringen würde… der Grossvater war dabei und filmte das Grossereignis mit seiner Super8-Kamera:

Nostalgie-Video: Des Autors erster Skitag anno 1975, dazu Super8-Aufnahmen aus Sedrun aus dem Winter 1968. Mehr solche Aufnahmen in diesem Video!

35 Jahre danach fand ich mich letztes Weekend in Valtgeva in einer ganz anderen Rolle wieder: Als Göttibub-Skilehrer. Raphael und sein Bruder Angelino machen das schon ganz gut; nach wenigen Fahrten hatten wir sie bereits so weit, “nebendran” Bügellift zu fahren.

Skifahren lernen in Valtgeva / Sedrun: Andi 1975, Raphi 2010

Doch alles hat seine Vor- und Nachteile; Papa Tanner und ich klagten nach den zahlreichen Bügel-in-der-Kniekehle-Fahrten über Schmerzen an so ziemlich allen Orten, an denen der Mensch Schmerz empfinden kann…

Nebendran Skiliftfahren hat Vor- und Nachteile

Am Montag war dann wieder etwas freieres und vor allem schnelleres Skifahren mit angesagt - bei minus zehn Grad herrschten die absoluten Traumverhältnisse zwischen Dieni und dem Oberalppass.

Alpsu, 8. März 2010

Im Gantrischgebiet wimmelts von Kleinstskigebieten mit je nur 1-2 Anlagen. Letztes Jahr habe ich das Selital schon mal getestet, ein Kollege hat 2009 so ziemlich alles abgegrast, was es hier an Liften gibt. Er hat sie gar im Sommer besucht und dokumentiert.

Rüschegg-Eywald hat zwar die coolste Skilift-Kurve und den kultigsten automatischen Pistenbericht (sogar mit Facebook-Fanseite), aber erstens ist derjenige der Skilifte Gantrisch-Gurnigel auch nicht übel (031 738 88 88) und zweitens haben die auch Anfang März noch offen an Werktagen.

Gantrisch-Gurnigel, 1. März 2010

Also gings mit Co-Seilbahnnostalgiker db. an diesem wunderschönen ersten März-Montagmorgen via Gürbetal ins Gurnigelgebiet - seltsam, wie man in 45 Fahrminuten ab der Stadt Bern aus einer grünen Landschaft plötzlich auf einer schneebedeckten, von anderthalb Meter hohen Schneemauern gesäumten Bergstrasse landet.

An sich wollten wir noch Innereriz dranhängen, aber es gefiel uns so gut am Gurnigel, dass wir eine Vierstundenkarte lösten und zum Schluss in der Pistenbeiz noch ne knackige Bratwurst mit allerfeinsten Pommes Frites dranhängten.

Gantrisch-Gurnigel, 1. März 2010

Die beiden Anlagen wurden 1973 (Länggrätli) und 1974 (Kuhberg) erbaut - wie fast alle Lifte hier von Habegger aus dem nahen Thun, heute Teil des Dopplemayr-Garaventa-Konglomerates. Der Skiliftmann trägt noch eine “Krumme” im Mund, wie es sich gehört. Die alten Habegger-Bügel stossen, wenn das Seil einzieht, auch hier jenes gurgelnde Röcheln aus, das Freunden antiker Skilifte das Herz höher schlagen lässt.

Video: Skilifte und Pisten, Gantrisch-Gurnigel, 1. März 2010 - mehr Fotos hier

Ganz in der Nähe surrt zudem der recht steile Skilift Schwefelbergbad - wobei der vor einer Woche geschlossen war. Zudem steht entlang der Strasse von Riggisberg zum Berghaus Gurnigel auch der Skilift Gurnigelbad, der akut vom Abriss bedroht ist, wie kürzlich das Schweizer Fernsehen berichtete. Und auch die Lokalpresse - nur schaffte es der “Bund”, in der Onlinefassung einen Artikel über den Skilift Gurnigelbad mit einem Foto des Skiliftes Länggrätli (Gantrisch-Gurnigel) zu illustrieren - und der ist definitiv nicht vom Aus bedroht…

Gantrisch-Gurnigel, 1. März 2010

Alles in allem nichts wahnsinnig Spektakuläres, aber die Aussicht übers Gürbe- und Aaretal bis zum Napf, die Schrattenfluh, den Hohgant (sogar mit dem Tödi im Hintergrund!) bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau samt einem Zipfel Thunersee sowie die coolen Pisten (oft von Wäldern gesäumt) machen den Ausflug hierhin lohnenswert. Mehr Fotos hier.

Die weiteren Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend

Markus Eisenhut schreibt heute in einem “Bund”-Leitartikel (leider online nicht verfügbar) zurecht, dass Rauchverbote im Tabaklädeli dem gesunden Menschenverstand widersprechen.

Da hat er völlig recht - ein Rauchverbot in einem Raucherladen ist etwa wie ein Sexverbot im Bordell.

Solch irre Regelungen sind leider Wasser auf die Mühlen jener, die das allseits willkommene Rauchverbot in Beizen und anderen öffentlichen Orten kurz nach der Einführung am liebsten wieder abschaffen würden.

Dabei ist es geradezu paraadiesisch: Endlich können ich und andere ich nicht nur im Ausland, sondern auch in weiten Teilen der Schweiz wieder Restaurants und Cafés besuchen, die vorher tabu waren.

Fraglich ist darum, ob ein Text zum richtigen Zeitpunkt kommt, in dem Worte wie “hysterisch” vorkommen und der ausgerechnet am Beispiel eines Verbotes, das von einer Mehrheit der Bevölkerung lange herbeigesehnt wurde, die Regulierungswut kritisiert.

Denn kaum ist endlich ein halbwegs griffiges Rauchverbot da, drohen bereits wieder Aufweichungen.

Eisenhuts leicht naive Ode an den gesunden Menschenverstand - der eben leider sehr selten spielt - passt bestens zum cheibe Gschtürm, das die üblichen Rauchfanatikerverdächtigen derzeit veranstalten, von zeternden, unkreativen Wirten (die mit Studien um sich werfen, die gleich wieder relativiert werden) über ewiggestrige Freiheitsfreaks von ganz rechts bis hin zu einem fehlgeleiteten SP-Mitglied aus Thun, das mit fadenscheinigen Argumenten (Nachtruhe) das Rauchverbot abschaffen will.

Dabei hat soweit alles ganz gut begonnen - irgendwann hätten die Wirte auch mal mit motzen aufgehört, (über das Beizensterben klagen und darum das Rauchen in Restaurants wieder erlauben wollen ist etwa so doof wie Kriegstote beweinen und das Waffenausfuhrverbot ablehnen), irgendwann in naher Zukunft hätten sich alle an die Situation gewöhnt, einige wünschten sich Verschärfungen, andere Abschwächungen des Verbotes, doch grundsätzlich hätte man sagen können: Momool, damit lässt es sich nach all den Gehässigkeiten und Grabenkämpfen eigentlich ganz gut leben.

Stattdessen bewirken dumme Rauchverbote im Raucherladen, dass die ganze Diskussion wieder angeheizt wird - und drum ist momentan klar: Bevor über punktuelle Aufweichungen debattiert wird, sollte das Rauchverbot erst einmal konsequent durchgesetzt werden.

Leider darf unmittelbar vor Eingängen immer noch gepafft werden, ebenso in einigen Stadtberner Passagen und der Bahnhofsunterführung - dem kranken Hirn, das diese Orte als “draussen” taxiert hat, verdanken wir nun penetranten Rauchgeruch in der Unterführung sowie z.B. in (!) meiner Hausaptotheke. Ebenso unangenehm ist das Vollgepafftwerden auf Aussenplätzen von Restaurants und auf Bahnperrons.

Skifahren mit Blick auf einen nicht zugefrorenen See ist immer etwas Besonderes. Vom Skilift Faltschen sieht man zwar auf den Thunersee, noch schöner ist aber die Seesicht von den Skiliften bei Aeschi. Zeitweise blitzt in der Ferne sogar der Brienzersee auf.

Skilift Aeschiallmend, 25. Februar 2010

Seit 1968 bzw. 1971 führen zwei Habegger-Anlagen vom bei Spiez gelegenen Dorf auf den Allmispitz. Ponylifte runden wie in Faltschen das familienfreundliche, heimelige Angebot ab.

Skilift Aeschiallmend, 25. Februar 2010

Im Archiv sind auch zwei Postkarten aus den 1970ern, die bei besserem Wetter und mit mehr Schnee aufgenommen wurden als an diesem Föhn-zu-Ende-geh-Tag.

Angesichts der coolen Anlagen, ansprechenden Pisten und der wunderbaren Aussicht kommt der Blöker nächsten Winter sicher wieder. Und dann wird er vom Parkplatz aus auch den Lift schneller finden - der Start befindet sich in einer Senke, vom letzte Woche matschig-morastigen Parking aus seewärts gesehen.

Video: Skilifte und Pisten in Aeschi, 25. Februar 2010 - mehr Fotos hier

Auch wenn die Skilifte in Aeschi inzwischen mangels Schnee den Betrieb einstellen mussten - die Serie “Vintage-Skifahren” geht weiter! Übers Wochenende sind drei weitere Destinationen dazu gekommen. Und die Bise wird dafür sorgen, dass diese womöglich noch bis weit in den März hinen offen haben…

Die weiteren Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen

Heute gehen in Vancouver die 21. Olympischen Winterspiele zu Ende. Unsere Edelmetall-Heldinnen und -Helden heissen Didier Défago, Carlo Janka, Silvan Zurbriggen, Simon Ammann, Dario Cologna, Olivia Nobs und Mike Schmid - nicht zu vergessen natürlich Markus Eggler und seine Curler.

Auch 1988 fanden die Spiele in Kanada statt: Nummer 15 ging in Calgary über die Bühne. Heute vor 22 Jahren war ebenfalls die Schlussfeier.

Wir hatten extra einen kleinen portablen Fernseher gekauft, um in der rudimentär eingerichteten Ferienwohnung im Engadin die Spiele mitzuerleben. Noch heute weiss ich, dass der “Alpinrennen-Verschiebungswind” Chinook heisst - wir harrten im Februar 1988 mitten in der Nacht oft stundenlang aus, um Vreni Schneider, Pirmin Zurbriggen & Co. im Bett aneinandergekuschelt auf dem Mini-Monitor mit mediokrer Bildqualität (Schneesturm à la Analogfernsehen halt) zu sehen.

Vreni, Pirmin und….? - Anfang März 1988 führte ich für das Baselbieter Lokalradio Raurach eine Strassenumfrage durch. Ich fragte Passanten und Schülerinnen im Sissacher Dorfzentrum, woran sie sich am besten erinnern, wenn sie an die Spiele denken:

Go get Adobe Flash Player!
(Lieber in eigenem Player hören - MP3, 3.6 MB)

Dass ich die Statements im im Analogzeitalter (es standen zwei Tonbandmaschinen, ein Cassettengerät und eine Sonifex-Cartmaschine zur Verfügung) einigermassen sauber in die Beats von David Fosters Olympia-Instrumental rein pferchte, macht mich doch grad ein bisschen stolz…

Weniger glücklich bin ich über meine debilen eingestreuten Kommentare - und noch ein Schmankerl: Ich überlegte mir damals ernsthaft, ob ich wohl das Zitat “dr Alberto Tomba, dasch natürli e geile Athlet” wirklich verwenden dürfe. Auch drei Jahre nach Bruce & Bongo war das ein gar heikles Wort…

Skifahren mit Meerblick waren eigentlich angesagt im Februar - das Wetter und die Gesundheit machten mir einen dicken Strich durch die Rechnung.

Stattdessen gabs am Donnerstag Skifahren mit Seesicht.

Skilift Faltschen, 25. Februar 2010

Endlich gings also diese Woche wieder zurück in den Schnee. Eingangs Kandertal (zwischen Speiz und Frutigen) liegen drei altehrwürdige Habegger-Skilifte mit wunderschöner Aussicht auf Niesen und Thunersee.

Hier soll zuerst von der Einzelanlage die Rede sein, die aus dem Reichenbacher Weiler Faltschen den Berg hoch führt und einige recht anspruchsvolle, schöne Pisten erschliesst. Für Familien mit kleinen Kindern steht zudem ein kleiner Ponylift am Hügel. Demenstprechend ist auch das Publikum an diesem Mittag mit Föhnstimmung: Familien und Einheimische, die ein paar Runden drehen. 20 Leute vielleicht. Man kennt sich. Von der Kantonsstrasse aus erreicht man den gut beschilderten Lift in rund zehn Minuten.

Der Schlepper wurde 1969 erbaut und figuriert auch in einem Habegger-Prospekt aus den 1970ern, u.a. mit der Überschrift “Im Landschaftsbild nicht auffallende Skiliftanlage”…

Skilift Faltschen, Habegger-Prospekt aus den 1970ern

Bis vor kurzem Standen hier noch die Originalgehänge mit Holzbügeln im Einsatz! Leider hab ich das verpasst - aber dank Jakob Schuler, der dem engagierten und freundlichen Skiliftteam bei der Umrüstung half, hängt nun so ein Teil zu Hause, das jedes Ski-Nostalgieherz höher schlagen lässt.

Die alten Metallbüchsen machen ganz schön Krach, wenn sie einen Masten passieren - so muss das sein!

Video: Skilifte und Pisten in Faltschen, 25. Februar 2010 - mehr Fotos hier

Allein schon die Aussicht auf Thunersee und Niesen macht den spontanen Donnerstags-Ausflug zum Skilift Faltschen zum Highlight. Der Schnee schmilzt leider langsam weg - aber der Sulz war wunderbar. Auf den Facebook-Seiten des Liftes (hier und hier) hats bei Bedarf einige Pulverschneefotos.

Skilift Faltschen, 25. Februar 2010

Skilift Faltschen, 25. Februar 2010

Die weiteren Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin

Martin Doriot vom Verein Berner Fasnacht schreibt heute im “Bund” unter dem Titel “Bern ist eine Fasnachtsstadt” eine bizarre Lobeshymne auf eine Veranstaltung, die für viele ein einziges Ärgernis ist.

Zur Vorgeschichte: Ich bin inmitten der altehrwürdigen nordwestschweizerischen Fasnachtstradition gross geworden, aber mit Ausnahme der Kindergarten- und Primarschulfasnacht stets passiv geblieben. Der Fasnacht stehe ich zunächst einmal gleichgültig gegenüber - alle sollen nach ihrer Façon glücklich werden.

Ich nerve mich aber stets über Leute, die das Gefühl haben, den öffentlichen Raum auf Kosten anderer beanspruchen zu müssen und die offenbar denken, alle finden ihr Dings auch extrem toll.

Vor allem, wenn ihr Verhalten masslos und dazu geeignet ist, einem - pardon - extrem auf den Sack zu gehen, weil man nicht mehr schlafen kann, weil man Umwege machen muss, weil die Veranstaltung jährlich wiederkehrend und mehrtägig ist, weil sie von der öffentlichen Hand (sprich von uns allen) indirekt subventioniert wird und erwachsene Leute dahinter stehen bzw. teilnehmen, von denen man eigentlich einen gewissen Anstand und einen Sinn für Rücksichtnahme erwarten könnte.

Dass sich aus diesem Grunde mein Verhältnis zur Fasnacht von “reserviert” zu “ablehnend” gewandelt hat, ist unter anderem hier und hier nachzulesen.

Insbesondere Guggenmusiken halte ich (nebst Musicals, nur damit das auch wieder mal gesagt ist…) für einen der schlimmsten Verstösse gegen den guten Geschmack. Zudem machen sie einen Höllenkrach. Im Geiste warf ich - als friedliebender Mensch - in den Nächten Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag zig virtuelle Bomben zum Kornhausplatz, von wo aus eine Lärmmaschinerie sondergleichen jeglichen Schlaf bis in die frühen Morgenstunden verhinderte (bei geschlossenen, neuen Doppelverglasungsfenstern).

Einige Zitate aus der Gastkolumne im “Bund”:

Für die Organisation ist der Verein Berner Fasnacht (VBF) verantwortlich, der gemeinsam mit den Behörden, der Polizei und Bern Mobil die Rahmenbedingungen steckt.

Das sind ja tolle Rahmenbedingungen: Die halbe Altstadt (und zahlreiche durch irr gewordene Besoffene oder sonstwie fehlgeleitete Fasnächtler geplagte Leute in den Quartieren) findet kaum Schlaf und wird am normalen Vorankommen gehindert. Das einzige Wort für den Guggenmist ist “Lärmbelästigung” - und wird von der Polizei dennoch schlicht nicht geahndet.

Liebe Polizei: Mach deinen Job auch an der Fasnacht und stelle den Lärm ab. Von mir aus halt erst um Mitternacht, wenns denn unbedingt sein muss.

Lieber VBF: Strassenumzüge und Kostümierte finde ich persönlich zwar doof, aber damit kann und soll die Allgemeinheit einen (!) Tag im Jahr gut Leben, auch wenn die öV-Umleitungen obermühsam sind (wir waren mit einem Kinderwagen in der Stadt unterwegs - einfach nur Horror, das Gschtungg, selbst wenn wir versucht haben, einen grossen Bogen um den ganzen Mist zu machen). Etliche Kinder scheinen Freude am Treiben zu haben - schön für sie, lassen wir ihnen die Freude.

Aber macht doch den lärmigen Nacht-Teil mit Geschrei, Guggenbummbumm und Besäufnis ab 2011 irgendwo in einer gut isolierten Halle weit draussen. Warum “dä huere Mais” mitten in der Altstadt stattfinden muss, ist mir schleierhaft. Wir leben hier!

Bern ist eine Fasnachtsstadt

Quatsch: Die Fasnacht in Bern ist künstlich. Sie wurde in den frühen 1980ern von ein paar Freaks eingeführt. Und nur schon die Qualität der Schnitzelbänke - so ziemlich das einzig Lustige an einer Fasnacht - spricht im Vergleich zu Basel Bände.

Während der ganzen Zeit präsentiert sich Bern von seiner schönsten Seite.

Das ist dann wohl Geschmackssache, ehrlicherweise, n’est-ce pas? Meinen Geschmack und den vieler anderer trefft ihr garantiert nicht, werte Fasnächtler. Ich mag euch euer tun gönnen - aber etwas weniger aufdringlich und raumeinnehmend wirds doch wohl schon gehen?

Der Verein Berner Fasnacht hat sich zum Ziel gesetzt, weitere Bernerinnen und Berner für die Fasnacht zu gewinnen.

Nein danke - der Anlass hat offensichtlich schon vor Jahren seine kritische Grösse überschritten. Wie gesagt, gegen einen ruhigen Umzug oder die Kinderfasnacht kann niemand was sagen. Da drücken wir gerne beide Augen zu. Aber die Fasnacht ist für viele einfach nur Anlass, so saublöd wie nur möglich zu tun. Das verantworten Sie vom VBF mit! Und tun aus meiner Sicht zu wenig dagegen.

Die Fasnacht ist keine Insel, sondern unterliegt den gleichen Gesetzmässigkeiten wie andere Gross­anlässe in und rund um Bern.

Wenigstens konnte sich Martin Doriot auf wenigen Zeilen zu einem Mü Selbstkritik überwinden. Mehr als ein gleichgültiges Schulterzucken ist es allerdings kaum: “Gehört halt einfach dazu. Wir organisieren das zwar, aber für die unangenehmen Folgen können wir dann also gaaar nix, gell.” Der Pauschal-Disclaimer gerät aber zum Rohrkrepierer: Man könnte viel mehr dafür tun, die Immissionen auf die Bevölkerung gering zu halten. Allein der nächtliche Lärm und der Dreck sprechen Bände.

Nochmals: Raus aus der Innenstadt mit den Guggen!

Merke: Auch wenn eine Veranstaltung zehntausende Menschen anzieht, heisst das noch lange nicht, dass sie alle hier Sesshaften supercool finden. Es gibt genügend Veranstaltungen, unter denen die Allgemeinheit zu leiden hat. Eine Fussball-EM findet wenigstens nur einmal alle 200 Jahre statt - und ich bin weiss Gott kein Griesgram, ich habe den Grossanlass in Bern sehr genossen (verstehe aber, dass auch ihn viele zum Teufel wünschen). Leider denken aber immer mehr Menschen, sie könnten den öffentlichen Raum für irgendwelche Partikularinteressen besetzen.

Das Hohelied Doriots auf die Berner Fasnacht (die eben leider alljährlich stattfindet) ist aus Sicht eines Anwohners, der dem ganzen Treiben nichts abgewinnen kann (und heuer nur aus zwingenden Termingründen nicht aus der Stadt fliehen konnte), ein Affront.

Wir haben schon genug Veranstaltungen, die anderen das Leben schwer machen. Der apostolische Eifer, der aus dem Text strahlt (”…weitere Bernerinnen und Berner für die Fasnacht zu gewinnen…”) ist angesichts des am eigenen Leibe Erlebten einfach nur zynisch.

Das Gegenteil ist der Fall: Es reicht, Herr Doriot! Und das schon seit längerem.

Ich bin sicher, dass in einer allfälligen Entgegnung (wie auch schon) stehen wird, dass es in meinem Fall vielleicht besser sei, aus der Stadt zu flüchten. Keine Sorge, wenn auch immer möglich, tue ich das ab dem nächsten Jahr wieder. So weit sind wir schon gekommen - selbsternannte Narren bestimmen über den Terminkalender. Nett.

Versichert Doriots Arbeitgeberin (zufällig meine Versicherung, ojemine) auch Schlaflosigkeit infolge Fasnachtslärm? Kaum - da wären nämlich jährlich hunderte Franken für erlittene Unbill fällig.

23.02.2010

Sessel statt Krokus

Erste Frühlingsvorboten zeigen sich selbstbewusst in Bern…

Ein scheuer Krokus bahnt sich den Weg durchs Laub (Bern, 21. Februar 2010)

… das ist natürlich viel zu früh - bis Anfang Mai ist Skifahren angesagt. Drum setzen wir einen kleinen Kontrapunkt und bauen Bergbahnen im Altenberg. Oder so.

Sedruner am Werk: Vater und Bruder helfen bei der Sesselmonatge in Bern. Rechts: Der neue Berner Skilift Altenberg

Genau: Der 1956er-Müller-Sessel von der Sedruner Ex-Sesselbahn Cungieri hat (samt Originalseil) endlich einen würdigen Open-Air-Platz als Schaukelstuhl gefunden. Und der Doppelmayr-Bügel aus den frühen 1960ern (u.a. am Skilift Surrein gehangen) begleitet ihn in seinen ersten Tagen am neuen Ort.

Da hoffen wir doch, dass die Tartiflette ihre volle Wirkung entfaltet und der Kahn heil wieder runter kommt.

In Tartiflette we trust (Nice, 19. Februar 2010)

Übrigens: Hier ist die Auflösung dieses schrägen Slogans.

Derweil hindern einen zurück in Bern die selbsternannten Narren wieder am Schlafen (ich schreibe diese Zeilen morgens um zwei) - kann jemand dieses verdammte Guggennscheissbummbumm abschalten bitte? Genau: Schafft die Fasnacht ab. Hatten wir doch schon mal. Blöde irre Deppen.

Nachdem ich zum ersten Mal seit 2002 nicht mehr für die offizielle Resultate-Übermittlung des Kantons Bern mitverantwortlich bin, fliesst vor den Wahlen 2010 etwas weniger Adrenalin in den Adern.

Ich erinnere mich, jetzt kann ichs ja sagen, mit Wonne an den Augenblick zurück, als wir am 9. April 2006 gegen Ende des Nachmittags die Publikation der Zwischenresultate ins Internet stoppten, da ein Fehler im System vorliegen musste - Bern war drauf und dran, eine rotgrüne Regierung zu wählen, das konnte nicht stimmen, da musste das System gecheckt werden.

Als uns der kantonale Wahlverantwortliche die Endergebnisse zur Publikation im Internet und zur Projektion in der Rathaushalle übergab, trauten wir unseren Augen nicht: Das war wohl das heisseste A4-Blatt der Schweiz, das wir da in den Händen hielten - dieser “Systemfehler” entsprach tatsächlich dem WählerInnenwillen. Die Sensation war perfekt. Beim Aufblenden der Namen zitterten meine Hände:

Rückblende: Offizielle Bekanntgabe der Regierungsratswahlen am 9. April 2006 in der Berner Rathaushalle

So ist also die Ausgangslage heuer spannend - kann Rotgrün die Mehrheit in der Exekutive verteidigen? Was passiert mit dem zerstrittenen bürgerlichen Lager, wieviele Sitze holt die BDP?

Das Wahlbistro ist derzeit sicher eine der heissesten Seiten im Portfolio meiner kleinen Internetbude; gemeinsam mit einem meiner Bürogenossen haben wir die klassische Blogsoftware “Wordpress” unter der Haube ziemlich um- und ausgebaut, und wahlkampfblog.ch-Betreiber Mark Balsiger hat mit Michael Hermann einen inzwischen schweizbekannten Politprofi ins Wahlbistro-Stübli geholt.

Mark und sein Team verifizieren jede Anmeldung manuell und betreiben so im Sinne einer guten Diskussionskultur einen immensen Aufwand - das übliche anonyme Gebrabbel mit dümmlichen Beschimpfungen und doofen Pseudonymen gibts hier garantiert nicht.

Wahlbistro: Jetzt anmelden und mitmachen!

Also, liebe Kandidierende und Politikinteressierte: Sofort fürs Wahlbistro anmelden und mitdiskutieren! Das Berner Wahlbistro schenkt ab sofort hier aus, für die Zürcher Wahlen gehts hierlang. Gratis und werbefrei.

Bis morgens um halb drei Curling schauen? Verrückt!

Aber seltsamerweise scheint es an Olympischen Spielen keine bessere Nachtunterhaltung zu geben als Double Takeouts, Freezes, Guards, gestohlene Steine, soft peels und promotions - der Krimi zwischen der Schweiz und den USA letzte Nacht war genial. Seit die Spieler Mikrofone tragen, sind die Übertragungen umso spannender. Und viel friedlicher als die brutale, knallharte Frauen-Abfahrt Stunden zuvor.

17.02.2010

Provence im Winter

Nach dem kurzen Schnee-Schock liegt das Pays de Fayence wieder im üblichen Winterschlaf, nur wenige Schneeflecken deuten auf die fast 30cm der weissen Pracht hin, die hier vor einer Woche noch lagen - was etwa alle 40 Jahre vorkommt.

Seillans (Var), Februar 2010

Seillans (Var), Februar 2010

An sich wäre dieser Ausflug in den Süden zu ungewohnter Jahreszeit dazu da gewesen, die Serie “Vintage-Skifahren” ans Meer zu tragen und die beiden mediterransten Skigebiete zu testen, die am nächsten an der Küste liegen, wo man an klaren Tagen bis nach Korsika sieht (immerhin gibts hier Bilder von einem anderen Retro-Skifreak).

Anstelle von Poma-Tellerlift-Fahrten zwischen Pinien in Gréolières und Audibergue mit Sicht auf Cannes und St-Tropez ist aber das Worst-Case-Szenario eingetreten: Zuerst unklare Schneelage in der Gegend (Winterausrüstungen kennt man hier unten nicht), dann miserables Wetter, zudem ein nicht auskurierter grippaler Infekt, Nebenhöhlenetzündung, Kopfschmerzen, Arztbesuch… von Skifahren noch weniger als keine Spur. Solche Reisen darf man offenbar niemals weit im Voraus planen.

Also: Stattdessen drinnen rekonvalieren, rumliegen, Vancouver gucken und Altpendenzen abbauen. Pourquoi pas.

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