An sich hätte ich diesen Beitrag schon vor Jahren schreiben sollen und nicht erst einen Monat vor dem grossen Lichterlöschen. Désolé!

Im Lötschental – genauer gesagt auf der Lauchernalp – stehen zwei wichtige Zeugnisse schweizerischer Seilbahngeschichte. Allerdings nur noch bis zum 23. April 2017 – dann ist Saisonschluss. Die beiden Anlagen werden abgerissen und durch eine – was sonst – kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt, wie es sie in den Alpen zu Hunderten gibt.

Doch was sind das für Anlagen?

Der Skilift rechts ist 53 Jahre alt. Er wurde von Theo Brunner erbaut, dessen Produkte unter dem Namen „Tebru“ bekannt sind.

Wie inzwischen bekannt ist, basiert die gesamte Skilifttechnik der Zürcher Oberländer Städeli Lift AG (Oetwil am See) auf Theo Brunners Erfindungen – Brunner verliess um 1960 Walter Städelis Maschinenfabrik im Streit. Städeli baute die Tebru-Konstruktionen unter eigenem Namen weiter.

Derweil war die Lauchernalp zu Beginn der 1960er noch unerschlossen.Es gab allerdings Anlagen ab Kippel via Haispiel nach Hockenalp, die hier diskutiert wurden und die auch in diesem Buch erwähnt sind. Auf bergbahnen.org sind Baujahre um 1960 vermerkt.

Dauerhaft Erfolg hatte dann aber erst die Erschliessung der Lauchernalp via Wiler. Erste Offerten für den Skilift Lauchernalp sind von 1962 erhalten. Brunner arbeitete damals für die Zürcher Firma „Skima“ eines gewissen Herrn von Arx (mehr zu Skima-Projekten u.a. hier).

Im April 1963 offerierte Skima gar zwei Lifte auf der Lauchern:

Doch auch mit von Arx kam es zum Zerwürfnis. So sind jene Offerten, die dann tatsächlich zum Bau des Lauchernalp-Liftes führten, wiederum mit jenem Namen überschrieben, den er schon in den 1950ern verwendete: „Tebru“.

Mitte 1964 waren die Walliser dann offenbar so weit; Brunner schickte nochmals eine konkrete Offerte (mit dem seltsamen Argument, dass sie „nur“ 7% höher läge als bei diejenigen, die er noch bei Skima gemacht hatte)…

… und berechnete – nach einer mutmasslichen Rückfrage, ob es nicht etwas günstiger ginge – die Anlage im September 1964 neu.

 

Auf der Karte von ca. 1964 hatte Brunner feinsäuberlich seine Ideen für Skilifte auf der Alp eingezeichnet. Sichtbar sind darauf links auch die bestehenden Anlagen ab Kippel:

Mehr Tebru-Dokumente befinden sich in diesem Album.

Alsbald wurde der Schlepplift gebaut, er ging wohl 1965 in Betrieb, und bis 1982 (als die parallele Sesselbahn erstellt wurde) sah es auf der Lauchernalp so aus (Postkarte aus dem Archiv von Jakob Schuler):

Mit Städeli wie auch mit Skima lieferte sich Brunner übrigens einen jahrelangen Rechtsstreit um Konstruktionspläne und Geld. Zuguterletzt betrieb er eine Velowerkstatt in Illnau-Effretikon, war aber weiterhin als Berater im Seilbahnbereich tätig, u.a. auch im Bereich Pistenmaschinen. Zudem erfand er einen Glace-Portionierer.

So schwierig seine Persönlichkeit gewesen sein mag – er muss ein hochinteressanter Kerl und Tüftler gewesen sein, die Schweizer Seilbahnbranche verdankt Brunner viel. Schade, dass er heute weitgehend unbekannt ist. Brunners Sohn Peter hat Jakob Schuler und mir vor einigen Jahren freundlicherweise diverses Material aus dem Tebru-Nachlass vermacht. Darunter waren auch die hier abgebildeten Dokumente und viele Briefe, von denen einige in diesem PDF erhalten sind (es geht hier primär um das Verhältnis zu Städelis Firma) – zwischen den Zeilen spürt man trotz aller Verbitterung einen grossen Schalk.

Eine etwas leichtere Tebru-Anlage bleibt übrigens in La Corbatière NE weiterhin in Betrieb.

Die Sesselbahn des Steffisburger Herstellers Küpfer – dessen Skilift Homberg wir im Januar besucht haben – stammt aus dem Jahre 1982. Sie ist ein klassischer langsamer 2er-Sesselilift mit gelben Plastik-Querbalken-Sitzen. In Eischoll steht dasselbe Modell – und auch diese Bahn wird heuer abgerissen.

Küpfer wurde – wie 1990 übrigens auch die Städeli Lift AG – anno 1987 von Garaventa übernommen. Die Innerschweizer Firma fusionierte ihrerseits mit Doppelmayr zum grössten Seilbahnhersteller der Welt.

In der Schweiz baut aber auch die Flumser Bartholet AG recht viele Bahnen; der Seniorchef kennt Theo Brunner noch aus der gemeinsamen Zeit bei Walter Städeli. Man kann also sagen, dass in fast allen hierzulande aufgestellten Bahnen noch ein wenig Tebru drin steckt.

Ohnehin ist die Erschliessung der Lauchernalp eine spannende Geschichte. Nachdem die Anlagen von Kippel her abgerissen wurden, fanden 1970 (bis Märwig) und 1973 (Gandegg) Erweiterungen bis 2700m statt (Habegger-Lifte). 1972 wurde (laut dem Lötschentaler Museum „mit englischem Kapital“) die erste Pendelbahn Wiler-Lauchernalp erstellt. 1986 wurde die Anlage Stafel-Märwig durch eine heute nur noch selten vorhandene kuppelbare 3er-Sesselbahn ersetzt und bis Gandegg hinauf gezogen.

2003 war der Milibachgletscher dann so weit zurückgegangen, dass man für die letzte Gebietserweiterung auf den eisfrei gewordenen Felsen die Masten einer Gondelbahn auf den Hockenhorngrat (3111m) setzen konnte. Das macht die Lauchernalp zum siebthöchsten Skigebiet der Schweiz (nach Zermatt, Saas-Fee, Verbier, St. Moritz, Saas-Grund und der Belalp).

Das Video der beiden alten Lifte Lauchernalp-Stafel vom letzten Donnerstag:

Derzeit herrschen übrigens traumhafte Schneeverhältnisse – ein Ausflug auf die Lauchernalp sei nicht nur Seilbahnnostalgikern wärmstens empfohlen. Aber man darf ruhig noch einmal in die altehrwürdige Tebru-Talstation mit viel Holz und dem charakteristischen Geruch hineinschauen.

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden / Grencheberg / Ottenleuebad / Homberg

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Ich habe mich am Montag anlässlich des Göttimeitschi-Weihnachtsgeschenks für Homberg entschieden, da ich noch nie hier war und da ich Sophie an sich gerne langsam einmal alleine auf dem Bügel hinauffahren gesehen hätte (seit diesen Zeiten sind nun zum Glück doch ein paar Jährchen ins Land gezogen). Das kann man hier ideal lernen.

Und man kann hier die Kleinen auch mal eine Abfahrt alleine fahren lassen, ohne dass man sich aus den Augen verliert. Zum Beispiel, um das Gebiet zu dokumentieren. Hand aufs Herz: Kannten Sie den Skilift Homberg, in kürzester Reichweite von Thun, Bern und Umgebung?

Die selbe Idee hatten zum Wochenstart auch zahlreiche Mütter und Väter, die sich mit ihren Kids hier die Zeit vertrieben, dazu Senioren und Teenies aus der Gegend.

Die Hochnebelgrenze lag relativ tief, kurz vor Homberg kamen wir aus dem Nebel, der nur leicht ins Zulgtal hinein ragte.

Einen Hügelzug weiter – gleich gegenüber – wäre der Skilift Heimenschwand, der aber nach einigen Januar-Betriebstagen „auf mehr Schnee wartet“, wie es im Netz heisst. Und ganz hinten im Tal liegt das längst abgeklapperte Skigebiet Eriz.

Nun, die Schneelage ist derzeit auch im Weiler Dreiligass der Gemeinde Homberg – gleich oberhalb von Steffisburg bei Thun – nicht gerade berauschend, auch wenn der Lift erst auf der immerhin 1100m hohen Winteregg endet.

Aber man gibt sich alle Mühe und karrt den Schnee sogar mit einem Traktor aus dem nahegelegenen Schattenhang heran. Vorbildlich!

Dennoch empfehle ich momentan (Januar 2017) auch hier nicht, die neuesten Skis mitzunehmen. Die Erdknollen und stellenweise auch Steinchen sind keine gute Belagspflege. Nach zwei Abfahrten weiss man aber, wo es besonders prekär ist – und es gibt durchaus problemlose Varianten.

Ein wenig Grasnarbe und Scholle gehört aber auch zu so einem Ort. Und meine federgewichtige 9-jährige Begleitung entdeckte sogar etliche Off-Piste-Varianten für sich. Stolz nannte sie die rund 25-30cm weisse Pracht „Tiefschnee“.

Die 600m lange Küpfer-Anlage von 1969 – hergestellt gleich im Nachbarsort – ist genau der Lift, den ich als Kind immer besitzen und betreiben wollte. Nahe an den Häusern und Gärten, nicht weit oben in den Bergen, in einem Holzhaus beginnend, mit viel Enthusiasmus gehegt und gepflegt.

Leider wurden die beinahe schon Antiken Röhrs-Gehänge mit Stahleinzugsseilen auf diesen Winter hin durch Habegger-HA75 mit quer stehenden Langbügeln ersetzt. Schade für uns Liftnostalgiker.

Drei Röhrsgehänge, eines davon mit Holzbügel, sind noch in der Talstation als Erinnerung archiviert.

Der Lift fährt zügig, die Masten röhren so richtig deftig vor sich hin, die Rollenbatterien rattern wunderschön. Es gibt Nachtskifahren und eine kleine Beiz. Man fährt zwischen Obstbäumen durch, an Bauernhöfen und Schafen vorbei. So muss ein Skilift sein.

Die Lift-Website hat übrigens sogar eine Webcam. Am Mittwoch war die Anlage zum Beispiel gänzlich in Nebel gehüllt.

Das Video vom Montag:

Der Film von Michael Meier mit mehr Schnee und den alten Bügeln (2013) ist hier abrufbar. Als ich mit der Kamera auftauchte, fragte mich der freundliche Bügelgeber als erstes: „Kennst du den, der fast jedes Schweizer Skigebiet dokumentiert? Der war vor ein paar Jahren hier.“ – Ich antwortete lächelnd: „Ja, der ist meistens vor mir da, aber ich bin auch genau so einer.“

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Im Gantrischgebiet zwischen dem Berner und Freiburger Voralpen-Hinterland buhlten einst acht Skigebiete um Publikum: Selital, Rüschegg-Eywald, Schwefelbergbad, Gurnigelbad, Riffenmatt, Gantrisch-Gurnigel, Ottenleuebad und Schürguet-Almisried bei Riffenmatt. Wenn man Blumenstein unterhalb des Gantrischgebiets dazu zählt, sogar neun.

Heute sind deren sechs (oder eben sieben) übrig: Der Skilift Schürguet-Almisried wurde längst abgeräumt, der beim Schwefelbergbad läuft seit rund 5 Jahren nicht mehr (Skiliftkenner Michael Meier war 2009 noch dort). Schade, denn letzterer wäre DER Tophang im ganzen Gebiet.

Für ein Voralpengebiet ist das eine beträchtliche Menge auf so kleinem Raum. Inzwischen existiert ein gemeinsamer Saisonpass, der zudem zu 50% Rabatt in der Jungfrauregion und bei den Kaisereggbahnen in Schwarzsee (gleich um die Ecke) berechtigt. In der Vor- und Nachsaison gibt’s von Grindelwald/Wengen sogar eine Tageskarte für 15 Stutz.

Rüschegg-Eywald ist ein saumässig langer Lift, Selital und Gantrisch-Gurnigel bieten ebenfalls viele und ansehnliche Pisten. All diese Destinationen sind zudem recht gut und schnell ab Bern zu erreichen. Ottenleuebad liegt hingegen etwas weiter „im Chrutt dusse“; nicht viel weiter, aber doch so weit, dass ich das Gebiet bisher vernachlässigt habe.

Am letzten Samstag war es endlich so weit: ich verbrachte drei coole Skistunden in Ottenleuebad.

Hinter dem Namen verbrigt sich primär eine Ferienhaus-Siedlung in einer sehr ruhigen Gegend, fernab jeglichen Trubels.

Sie ist nur über eine Nebenstrasse erreichbar, die von der Hauptstrasse abzweigt, die den Gurnigelpass überquert und über die man auch zu den Skiliften Gantrisch-Gurnigel kommt. Da oben nutzen Hobbyfotografen die massiven, grossen Panzerplatten, um tolle Sternenhimmel-Nachtaufnahmen zu machen, ohne dass das Licht von grossen Siedlungen sowie Erschütterungen stören.

Allein schon dies sagt aus, dass man hier wirklich erstaunlich nahe am A… der Welt ist. Erstaunlich, weil Bern und Thun nur rund 45 (kurvige) Autominuten weit weg liegen. Die Website – mit Cam! – wirbt wie folgt für das Gebiet:

Zu Ottenleue gehören das Hotel Ottenleuebad, die Ferienhaussiedlung, Bauernhöfe und Sennereien. Ottenleue liegt am Südhang der Gurnigelkette, inmitten einer herrlichen Alpennatur, in sehr geschützter und reizender Lage. Während es im Norden durch den Wald besetzten Bergrücken gegen Nordwind vollständig geschützt ist, steht dagegen die ganze Südseite der wundervollen Aussicht auf die Stockhornkette offen. Das Ottenleuebad ist ebenfalls ein guter Startplatz für das Langlaufnetz des Gantrischgebiets. Ausgerüstet mit Schneeschuhen erreichen Sie in ca. 30 Minuten den Horbühlpass oder die Pfyffe. Gefahrloses Schlittelvernügen ist möglich auf einem abgetrennten Teil des Skihangs oberhalb des Seelis in schönster Südlage.

Die Hinfahrt machte ich ab Bern via Schwarzenburg-Plaffeien-Sangernboden (man fährt quasi nach Schwarzsee und zweigt hinter Plaffeien links ab). Schon vor Schwarzenburg war ich aus dem Nebel draussen. In Sangernboden hat es ein Schild zum Lift; hier muss man links abbiegen:

Zurück ging’s am Abend über eine wunderbar malerische Strasse auf der Rückseite jenes Hügelzuges, an dem ich Ski fuhr, nach Riffenmatt – durch tief verschneite Wälder und mit einer tollen Aussicht auf Guggisberg (weltbekannt für das Vreneli und ihr Lied) und das Guggershörnli.

Da oben durfte ich für einen Kunden auch mal eine Webcam aufstellen, und derzeit arbeite ich an einer neuen Website für Guggisberg Tourismus.

Und dazwischen lagen eben drei Stunden am Skilift Ottenleue-Egg, einer Habegger-Anlage von 1968. Der Schlepper hat die für den Thuner Hersteller typischen N-förmigen Stützen in der leichten Ausführung. Kein Wunder; der Lift ist nur etwas über 700m lang und überwindet bis zur Bergstation auf 1630müM rund 200 Höhenmeter.

Hier ist alles sehr urchig und gemütlich: Der Bügelgeber hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, scherzt aber mit den lokalen Teenies,wie wenn er selbst einer wäre. Der Senior bei der Bergstation hat eine Pfeife im Mund und spricht bedächtig im lokalen Dialekt in das Funkgerät, wenn der Lift nach einem Stopp wieder anzufahren ist. Das Personal war auch schon in der Zeitung porträtiert.

Erinnert mich alles stark an meine Jugend an der Sekundarschule (Mathe- und Geo-Lehrer Emil Merkli sah etwa aus wie der Skiliftbügelgeber heute) oder an die Kindheit in Sedrun mit alten Haudegen wie Gion Benedetg im Kassenhäuschen – nur, das war eben etwa 1978…

Das Publikum: Ferienhausbesitzer, Familien aus der Stadt mit kleinen Kindern, einheimische Jugendliche. Der Schnee war eher „naja“ – momentan liegt er da oben nur spärlich, es war aber knapp genügend. Ist halt ein Südhang, und mit braunen Flecken und Grasbüscheln muss man derzeit rechnen. Ein Video mit etwas mehr Schnee hat es hier.

Aufgepasst – die Öffnungszeiten sind gelinde gesagt „selten“! Derzeit surrt der Lift nur am Wochenende; mehr ist auf dem Internetauftritt zu erfahren. Die Anfahrt bedingt ein gewisses Schneekönnen; ab Zollhaus bzw. Riffenmatt ist das Strässchen (Stand Januar 2017) meist schnee- oder matschbedeckt, die letzten Kilometer sind einspurig (mit Ausweichstellen).

Die Gegend ist meh als malerisch. Von der oberen Umlenkstation sieht man zwischen den Bäumen durch Gösgen aus dem Hochnebel dampfen, von der Piste aus die Jurahügel am Genfersee, von überall her die Gantrischkette und die Freiburger Berge in Richtung Jaunpass.

Alles in allem: Genau so mögen wir das. Stundentarife (3h = 20 CHF), Kartontickets, „Originale“, SKA-Aschenbecher neben TOKO-Wachsstücken, ein wunderbarer alter Lift. Es könnte genau so gut 1987 sein. Unterstützenswert hoch zehn!

Mehr Fotos gibt es in meinem Alpinforum-Bericht oder „die volle Dröhnung“ auf skiliftfotos.ch.

Das Video:

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Diese Einzelanlage von 1959 hat es in sich: Sie stammt vom Seilbahnpionier Theo Brunner, den wir im Zusammenhang mit La Corbatière schon einmal vorgestellt haben. Aus Brunners Liftunternehmen „Tebru“ wurde später nach vielen persönlichen Wirren und Gerichtsfällen die Walter Städeli Lift AG Oetwil am See, die bis zu deren Übernahme durch Garaventa 1992 zahllose Anlagen rund um die Welt baute.

Der Skilift Grenchenberg liegt im Kanton Solothurn, gleich an der Sprach- und Kantonsgrenze, in einer kleinen Senke des Kettenjuras.

Allein schon der Ausblick vom Untergrenchenberg (feine Crèmeschnitten im Restaurant!) auf die Alpenkette und den Jura bis weit in den Süden (Gegend Genfersee) ist atemberaubend.

Städeli-Fans finden hier aber auch eine ausgezeichnet gepflegte, antike WSO-Anlage mit den guten alten SL7-Gehängen, wo alles noch aussieht und tönt wie vor Jahrzehnten.

Von Bern aus bin ich in einer Stunde über Haupt- und Nebenstrassen angefahren, man durchquert dabei einige malerische Orte und begegnet beim Flugplatz Grenchen sogar einer Lockheed F-104 Starfighter.

Die Strasse vom Städtchen Grenchen auf den Hausberg ist teils mit zeitlich begrenzten Fahrverboten belegt (siehe auch Lift- Website), aber in gutem Zustand. Es gibt auch einen regulären Busbetrieb der lokalen Transportgesellschaft zum unteren Grenchenberg.

Der rund 600m lange Lift Skilift wurde 1981 umgebaut, seither überwiegen Städeli-Elemente aus den 1970er-Jahren. Laut einem Angestellten wurde das seltene Tebru-Firmenschild gestohlen. Hand aufs Herz, wer von euch hat es?

Der ursprüngliche Skilift – mit Benzinmotor – wurde bereits 1959 eröffnet, wie auf der Geschichtstabelle der Betreiber nachzulesen ist. Es besteht eine Paten- und Partnerschaft mit Adelboden-Lenk; die Gemeinde Grenchen beteiligt sich an den Betriebskosten und ist Hauptaktionärin. Seit einigen Jahren wird auch Nachtskifahren angeboten. An einem flachen Hang zwischen WSO-Lift und Restaurant Untergrenchenberg ist ein Borer-Babylift aufgestellt. Am Mittwoch und Freitag wird Nachtskifahren angeboten.

Die Sicht war an meinem Besuchstag (27. Januar 2016) nicht der Hammer, das Licht meist diffus. Auf dem Grat blies ein starker, milder Wind – die Schneelage am nordwestexponierten Hand ist aber meistens OK. Stand heute (21. Januar 2017) wird von einer „teils nur fahrbaren“ Piste wegen Schneeverwehungen berichtet.

Vom Parkplatz und Buswendeplatz beim Restaurant fährt man über einen Waldweg ins untere Drittel des relativ steilen Skilift- und Pistenhangs.

Da gibt es schöne alte Kartontickets (und einen Bienenstock im unter dem Holz der charmanten kleinen Talstation – die bereits ausfliegenden Bienen machten dem Personal das Leben etwas schwer).

Mit dem WSO-Lift geht’s dann von 1240m auf 1350m. Das Abbügeln findet mittels Bügelabwurf rund 50m vor der Umlenkstation statt, die auf dem Juragrat thront:

Bei der Heimfahrt kann man dann nochmals die Alpenkette geniessen.

Und natürlich habe ich auch noch einen kleinen Film gedreht.

Mehr Bilder gibt es in diesem Album auf meiner Website skiliftfotos.ch.

Ein weiteres Video vom wandelnden Seilbahnlexikon Michael Meier ist hier abrufbar, ebenso gibt es hier seine Bilder. Es existiert auf Youtube auch ein Drohnenvideo vom Sommer. Das SRF-Regionaljournal hat die Anlage 2014 porträtiert.

Fazit: Auch wenn der Lift etwas länger sein könnte… ein schöner Hang, eine tolle WSO-Anlage mit familiärer Atmosphäre, nette Beiz, sensationelle Aussicht. Ich komme gerne wieder!

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Der Bisensturm mit der eisigen Kälte derzeit zeigt uns anno 2017 endlich wieder einmal, wie sich viele unserer Teenager-Winter anfühlten.

Ein Blick in die erste 1987er-Ausgabe unserer Schülerzeitung „FGOI“ (PDF, 4 MB) zeigt: Was wir jetzt erleben, ist Nasenwasser. Der Januar vor 30 Jahren war noch viel heftiger. Im Baselbiet zeigte das Thermometer am Morgen des 12. Januars 1987 sage und schreibe -24 Grad. Solche Temperaturen erreichen heutzutage Samedan oder La Brévine kaum noch.

Schnee lag auch – nur war er wegen der miserablen Luft grau gefärbt, und mein Schneeschmelzexperiment zeigte: Der Rückstand war voller Russ und anderer wohl nicht ganz gesunder Partikel. Der aufmüpfige Jungreporter schrieb auf Seite 13 seines Blattes: „Aber die faulen Schweizer finden es ja viel zu anstrengend, mit dem Zug zur Arbeit zu gehen [sic]. Dafür ist es anscheinend schöner, zu ersticken.“

In meiner damaligen Heimat Itingen (BL) erstellte Schulabwart Christian Oberer flugs eine Natureisbahn auf dem Sportplatz – während einiger Tage DER Treffpunkt der Dorfjugend. Ein Video dieser Bahn ist hier abrufbar. Diese Aufnahmen entstanden genau heute vor 30 Jahren, am 19. Januar 1987 – sie zeigen nicht nur Teenager beim Abendvergnügen auf dem Dorfe, sondern auch die lokale Damenriege in Action im typischen 80er-Look. Damals störte sich noch niemand daran, dass hier ein Schüler kess in die Turnhalle rein filmte. Das Video wurde 2017 digital neu aufbereitet und steht in einer besseren Fassung als bisher zur Verfügung:

Das erste Sek-Skilager in Eischoll (VS) verlief aus Sicht des Verfassers ausgeglichen: Das Lagerskirennen gewann er zwar, doch seine Herzensdame zeigte ihm die kalte Schulter. Die interessierte sich nur für Lokalmatador Pirmin… welches Modi interessiert sich heute für Carlo Janka? Eben: da war auch die Skiwelt noch in Ordnung. Gut, immerhin rettete sie mich aus dem Tobel, in das ich wegen eines Bindungsdefektes in voller Fahrt gestürzt war. Diesen Abflug fand sie glaub recht cool. Mehr dazu im PDF der Schülerzeitung.

Weitere Highlights: Vor 30 Jahren machte der Blöker zusammen mit Weggefährte Tanner seine erste Radiosendung, genannt „Schülerblabla“ – die gab es fortan alle zwei Wochen auf dem Lokalsender Radio Raurach (der heute „Energy Basel“ heisst).

Natürlich war das Skilager Hauptthema der ersten Sendung, die hier als MP3 abrufbar ist:

Teil 1  

– Lieber in eigenem Player hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 1 (MP3, 1.9 MB)

Teil 2  

– Lieber in eigenem Player hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 2 (MP3, 1.2 MB)

Das Manuskript der ersten Radiosendung, Januar 1987 (klicken für grosse Fassung)Das Manuskript von damals existriert natürlich auch noch (klicken für grössere Fassung); brav schrieb der frischgebackene Radiomann dazu „immer schauen, ob O-Ton vorhanden ist zur Auflockerung“ – und „Jingle (Trailer) aufnehmen für Werbung“.

Ja, mit 15 war die Welt noch in Ordnung – die „Schweizer Woche“ (Nachfolgemagazin des legendären „Gelben Heftes“) brachte einen Artikel über Jugendpresse, Hauptärgernis war wie immer Lehrer „X“, der ständig Stunk machte; wir lästerten über die rauchenden LehrerInnen („Rücksichtnehmen scheint also nicht ‚in‘ zu sein – Beispielstehen für Schüler auch nicht… Pädagogik????“) und holten Autogramme von Peter Reber, hörten aber in Tat und Wahrheit die wirklichen Hits von damals: „Showing Out“ von Mel&Kim, „The Final Countdown“ von Europe, „Catch The Fox“ von Den Harrow.

Neu in der Hitparade damals: „Keine Sterne in Athen“ von Stephan Remmler, „Open Your Heart“ von Madonna, „Living on a Prayer“ von Bon Jovi, „Land of Confusion“ von Genesis (mit Ronnie und Maggie à la „Spitting Image“) sowie „Lady of Ice“ von Fancy – passend zum Wetter.

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Die schönen Tage des Jahres beginnen: Endlich sind auch die Kleinst-Skigebiete im Mittelland, in den Voralpen und im Jura offen. Damit geht es auch weiter mit der Serie „Vintage-Skifahren“, die demnächst Teil 30 feiern kann. Zunächst vier Gebiete, die ich in den letzten zwei Wintern besucht habe und desen Lifte nun auch endlich wieder surren.

Den Anfang macht heute der Skilift Chuderhüsi, den ich am 20. Januar 2015 besucht habe. Stand heute – 14. Januar 2017 – läuft der Lift!  Telefon 034 491 27 33 informiert jeweils über den Skiliftbetrieb. Die Skilift-Website hat keine aktuellen Infos, sondern vor allem allgemeine. Tipp: Hier wird auch Nachtskifahren und Schlitteln angeboten.

Nach einer Schneefront versuchte ich, an jenem Dienstagnachmittag vor zwei Jahren ein wenig Sonne zu suchen. Vergeblich… die versprochenen Aufhellungen fanden nur in den Alpen statt. Aber immerhin entdeckte ich einen neuen Hang.

Auf dem Weg von Bern nach Linden und in Linden selbst gefiel mir das Wetter nicht so recht…

… wie sich dann aber herausstellen sollte, war das so ziemlich die beste Sicht des Tages. Ich fuhr von Linden also weiter nach Norden und bog in Röthenbach links ab…

… bis es auf der Anhöhe Gauchern („Gouchärä“) rechts zum Lift runter geht:

Das wandelnde Seilbahnlexikon Michael Meier hat diese kurze Habegger-Anlage von 1968 vor vier Jahren schon bestens und bei besserer Sicht dokumentiert.

Der Hang gibt nicht wirklich viel her, das ganze ist mehr eine coole Freizeitbeschäftigung für einheimische Familien und Kids, die auch heute zahlreich über die arg dünne Schneedecke rasten. Mehr Fotos der Anlage hat es in diesem Album auf meiner Website skiliftfotos.ch.

Ein engagiertes Team sorgt für den Skilift, die Pisten und ein Pistenstübli. Mini-Skigebietsidylle pur! Erinnerte mich sehr an den Zweien-Hang in meinem Kindheitswohnort Itingen (BL), leider liftfrei, den wir jeweils stampfend selbst präparierten. Das sah dann auch so ähnlich aus wie hier:

Natürlich habe ich auch einen kurzen Film gemacht, auf dem man die wunderbaren alten Habegger-Skiliftbügel röhren hört. Genau so muss ein Skilift tönen!

Nachdem die 10er-Karte durchgefahren war und ich von Bügelgeber Sämu alles über Hagelkanonen erfahren hatte, ging es für zwei Fahrten durch den Nebel doch noch nach Linden zurück. Ich meine, wenn man schon hier ist…

Die Piste war aber eine mittlere Katastrophe (10cm nasser Neuschnee, unpräpariert, auf eine sehr dünne harte Altschneedecke), und man sah kaum etwas. Immerhin, die altehrwürdige Anlage (Bericht von Michael mir mehr Infos hier) ist für Liftfreunde ein Leckerbissen: Seit 1965 wird hier geliftelt; die GMD-Anlage ist eine Occasion aus Sörenberg. 1969 kam eine parallel verlaufende und längere Anlage dazu (Baco, mit Kurve).

Die Müller-Anlage (original von 1950!) ist im Schweizer Seilbahninventar eingetragen: „Vom innovativen, auf Umlaufkabinenbahnen spezialisierten Seilbahnhersteller Gerhard Müller sind nur noch sehr wenige Skilifte aus der Zeit der Firmengründung (1947) in Betrieb. Der in Linden am Schindelberg (…) zählt zu diesen äusserst seltenen Exemplaren und ist zudem in einem beeindruckenden Masse original erhalten.“

Interessant sind die verschiedenen GMD-Stützenformen. Nebst den bekannten Portalmasten mit den runden Ecken (wie Untere Wanne Langenbruck von 1952) sind auch die ganz alten noch zu bestaunen:

Nach diesen beiden Nostalgie-Fahrten gab es auch noch einen warmen Drink aus eines Nostalgie-Tasse:

Mehr Fotos der Skilifte in Linden in diesem Album.

Auch die Skilifte in Linden sind derzeit (14.1.2017) geöffnet. Die Website gibt dazu bestens Auskunft. Auch hier kann man Nachtskifahren; Teil 5 dieser Serie im Jahre 2009 behandelte einen Nachtskifahrabend in Linden, samt Video:


Fazit: Liebevoll gepflegte Anlagen mit höchstem Nostalgiewert, die bei besserem Wetter sicher mehr Spass gemacht hätten. Gerade der Hang in Linden gibt etwas mehr her.

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier-Crêt du Puy

Ich suche Kandidierende und Parteien, die…

  • sich für das Velofahren einsetzen: sichere, effiziente Velowege, viel mehr Veloparkplätze mit Anbindemöglichkeit, Rechtsabbiegen für Velos bei Rot, veloorientierte Ampelsteuerungen und tadellose Velostreifen (breit, keine Schlaglöcher, keine schlecht versenkten Dolendeckel, im Winter rasch schneefrei), subventionierte Velostations-Abos, alle Einbahn-Fahrverbote für Velos aufheben, alle „allgemeinen Fahrverbote“ umwandeln in „Velos und eBikes im Schritttempo OK“
  • sich dafür einsetzen, dass der motorisierte Privatverkehr (sprich: vor allem Autos) möglichst aus der Stadt zurückgedrängt wird und/oder sich für e-Mobilität stark machen, wo individueller Privatverkehr sinnvoll ist
  • sich für mehr Platz für FussgängerInnen einsetzen
  • sich für flächendeckende Temporeduktionen auf Stadtgebiet einsetzen (maximal 30, möglichst viel 20)
  • sich für einen idealen öV einsetzen (gut ausgebaut, moderne Fahrzeuge, möglichst früher/langer Betrieb, weiterer Ausbau)
  • sich klar von Gewalt und Sachbeschädigung distanzieren
  • sich für eine Verfolgung von gewalttätigen (auch „gegen Sachen“) Schwarzblöcklern, 031ern, unkreativen Tagsprayern und Konsorten einsetzen (schöne, kreative Graffitis z.B. an sonst grässlich grauen Mauern kann man ruhig stehen lassen), aber gleichzeitig z.B. eine Ombudsstelle unterstützt, die mögliche / vermutete Polizeigewalt neutral untersucht und für die Sanktionierung fehlbarer PolizistInnen sorgt
  • Videoüberwachung nicht verteufeln, sondern punktuell an neuralgischen Punkten einsetzen wollen (z.B. um im letzten Punkt genannte Menschen schneller zu schnappen oder auch Übergriffe seitens Polizei beweisen zu können)
  • sich für eine kinderfreundliche, familienfreundliche, Stadt mit viel Grün einsetzen
  • sich für die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann einsetzen, aber nicht spitzfindig überall, wo es nur geht, „Sexismus, Sexismus“ schreien
  • sich für erneuerbare Energien, gegen Atom- und Kohlestrom einsetzen und dafür sorgen, dass sauberer Strom für alle möglichst erschwinglich verfügbar ist
  • sich für die möglichst baldige Abschaltung des AKW Mühleberg und aller anderen Kernkraftwerke einsetzen
  • sich für ein Fernwärmenetz einsetzen
  • sich für eine bessere Subventionierung und vereinfachte Bewilligungspraxis privater Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass verfolgte MigrantInnen sich hier möglichst wohl und sicher fühlen können
  • sich dafür einsetzen, dass fremdenfeindliche und rechtsextreme Parolen möglichst streng bestraft werden
  • Privateigentum nicht verdammen, sondern schützen
  • keinen Bezug zu „christlichen“ oder sonstwie religiösen und anderen märchenhaften Einstellungen haben und keine Listenverbindungen mit solchen C- und E-Parteien haben
  • keinen Bezug zu marxistischen, kommunistischen oder sonstwie vorgestriger Linksaussenanliegen haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • keinen Bezug zu rechten Parteien wie der FDP oder Rechtsaussenparteien wie der SVP usw. haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • für eine strikte Trennung von Staat und Kirche sind (z.B. kein Steuereinzug für Kirchen durch den Staat)
  • sich für eine vollständige Liberalisierung aller Öffnungszeiten einsetzen, dabei aber durch flankierende Massnahmen das Wohl der ArbeiterInnen im Auge behalten
  • Leute unterstützen, die beim Zurückdrängen grosser Multis Mut und Eigeninitiative zeigen und nicht einfach unnachhaltige, birnenweiche Demos gegen Ladenketten organisieren, bei denen auch noch Gewalt ausgeübt wird
  • den politischen Dialog mit einer gewissen Bescheidenheit und Realitätsbezogenheit führen und nicht möglichst schrill und laut herumpoltern
  • sich für coole Rahmenbedingungen für Kleinstbetriebe und/oder KMU einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass für SteuerzahlerInnen der Stadt möglichst viele Dienstleistungen der öffentlichen Hand gratis sind
  • keine Wahlwerbung in private Briefkästen werfen oder an Velos anbringen
  • vor Wahlen und Abstimmungen keine Telefonanrufe tätigen (bzw. nur dann, wenn die Angerufenen dem explizit zugestimmt haben – und eine Liste jener führen, die nicht angerufen werden wollen)
  • sich dafür einsetzen, dass die Stadt auch für jene lebenswert bleibt, die es gerne etwas ruhiger haben, ohne Kultur und Nachtleben komplett zurückzubinden
  • dafür sind, dass sozial Benachteiligte möglichst ideal unterstützt, aber auch zur Eigenverantwortung angehalten werden
  • sich dafür einsetzen, dass bewilligte wie auch unbewilligte Demos so gelenkt werden, dass sie den öV und den Alltag der hier lebenden und arbeitenden Menschen nicht nachteilig beeinflussen
  • jegliche GewalttäterInnen (egal, ob rechts- oder linksextrem oder apolitisch) oder Sportveranstaltungs-Vermöbelpöbel möglichst aus der Stadt fernhalten oder entfernen (sprich: dem Gericht zuführen und eine Weile einbuchten) wollen und nicht unter dem Vorwand der „Grundrechte“ idiotisches Verhalten rechtfertigen
  • Andersdenkende oder „besondere“ Lebensformen Lebende (HausbesetzerInnen, Fahrende, Waldmenschen…) möglichst tolerieren, aber ein Fehlverhalten derselben klar sanktionieren (z.B. wenn es andere bei einer angenehmen Lebensführung stört)

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es alles nicht gäbe oder wie sich Bern anfühlen würde, wenn Bern ein rechts stehendes Parlament hätte und einen FDP-/SVP-dominierten Gemeinderat. Bern als linke Stadt passt mir grundsätzlich sehr.

Ich wähle normalerweise Frauen aus dem Links- bis Mitte-Links-Spektrum, meistens Sozialdemokratinnen. Gerade die Velo-Offensive wäre für mich als seit Jahren kritischer Velofahrer ein sehr guter Grund, SP zu wählen. Leider macht es einem die Stadtberner SP derzeit nicht einfach, mit gutem Gewissen SozialdemokratInnen zu wählen.

Nachdem ich in den letzten Jahren kurz vor den Wahlen doch immer wieder schwach geworden bin, wähle ich diesmal ausschliesslich grün. Das fällt mir schwer. Ich kenne viele engagierte SP-Leute persönlich und finde, dass die Partei eigentlich vieles genau richtig macht. Die Velooffensive von Ursula Wyss und anderen SP-Leuten schiene mir z.B. äusserst unterstützenswert. Ich kann mich vermutlich mit 90% der Ansichten der SP nach wie vor solidarisieren.

Da waren aber in den letzten Monaten zu viele Dinge, bei denen ich primär die Nase rümpfe. Als Anti-Spam-Aktivist der ersten Stunde kann ich amimässige „Mobilisierungsaktionen“ wie die Telefonanrufe bei SympathisantInnen keinesfalls gutheissen. Mag sein, dass viele SP-WählerInnen so etwas mögen. Ich tue es nicht, was ich seit Jahren über verschiedenste Kanäle kundtue. Es bringt nichts. Es kommen immer wieder Anrufe, auch dieses Jahr. Es konnte oder wollte mir niemand einen offiziellen Kanal nennen, über den Adressdaten dauerhaft für solchen Unfug gesperrt werden könnten. Eine Partei, die sich für Datenschutzanliegen einsetzt, aber nicht nicht einmal Opt-Out (geschweige denn Opt-In) kennt und ihre Datensammlung nicht im Griff hat? Schade. Ich habe nichts dagegen, wenn die SP diese Methode bei jenen praktiziert, die das schätzen und den Anrufen explizit zugestimmt haben (Opt-In). Aber wenn man zig mal kund getan hat, dass man das nicht will, und immer noch angerufen wird, kommen einem gewisse Zweifel an der Professionalität so einer Partei.

Dass die SP auf Kritik bisweilen betupft statt cool reagiert, ist ihr gutes Recht. Dass sie ihre langjährige Gemeinderätin als Stadtpräsidentin gesetzt sah, und aufgrund der Tatsache, dass dann doch noch zwei andere den Anspruch anmeldeten, fast das RGM-Bündnis zerbrochen ist, kann man als stärkste Stadtratsfraktion womöglich schon so durchzuziehen versuchen. Ob man damit Sympathiepunkte sammelt, steht auf einem anderen Blatt.

Hauptsächlich gestört hat mich aber der Umgang mit den Warmbächli-Areal-Ausschreitungen und die fehlende Distanz zur JUSO, die inzwischen radikal links politisiert und mir mit ihrer fordernden, lauten und arroganten Art unsympathisch ist. Mit konstruktiver linker Politik hat der schrille JUSO-Stil nichts mehr zu tun. Wenn nach einer Krawallnacht die JUSO den üblichen Quatsch von Polizeigewalt und Freiräumen verzapft, von mir aus. Dass aber gar ein SP-Parteisekretär zunächst einmal Begeisterung zeigt statt entweder gar nichts zu twittern oder Illegalität, Lärm und Gewalt zu verurteilen, und sich die SP dann zu keiner klaren Distanzierung von den Ereignissen oder ihrer Jungpartei durchringen kann, bedeutet, dass man es gar nicht so übel findet, was passiert ist. Mag sein, dass Jungparteien eine lange Leine brauchen. Mich als langjährigen SP-Wähler stösst es aber ab, wenn sich die „Erwachsenenabteilung“ nicht nur nicht von der Jungpartei distanziert, sondern die Unerstützungsbildli und Lob-Slogans gestandener SP-ler auf der Facebookseite der JUSO Stadt Bern stehen lässt. Man könnte auch mal sagen: „Leute, ihr seid zu weit gegangen. Nehmt mein Bild von eurer Seite.“

Auch die Distanzierung der SP von der JUSO betreffend des Streichens von Alec von Graffenried auf der Gemeinderatsliste erscheint halbherzig, wenn SP-Mitglieder von Graffenried auf Twitter laufend fröhlich anschwärzen und für die JungsozialistInnen „fanen“ – Teilen der SP scheint es im RGM-Bündnis tatsächlich äusserst unwohl zu sein. Das goutiere ich als Freund konsensorientierter Politik nicht unbedingt. Anstatt auf Facebook zu schreiben „Die JUSO Stadt Bern ist eine eigenständige Organisation und unterstützt (wie auch die JA!) nur einzelne Kandidierende der RGM-Liste“, könnte man auch die internen Kontakte spielen lassen die JUSO bitten, die Aufforderung von ihrer Facebookseite zu nehmen. Aber man lässt JUSO nicht nur gewähren: Auf der Facebook-Seite der JUSO Stadt Bern brüsten sich nach wie vor zahllose SP-Mitglieder damit, wie toll sie die junge Amoktruppe finden. Einige von ihnen retweetet auch fröhlich „“Dy Stapi“ ist nicht mein Stapi“. Und hey, da ist auch er ja wieder, unser Gewaltverharmloser vom Warmbächli!

Mit Verlaub, werte SP, das passt mir ebensowenig wie vorgestrige Begriffe wie „Klassenkampf“ oder „Überwindung des Kapitalismus“, die nun wieder en vogue sein sollen – man kann solche surrealen Träume gerne träumen; ich habe z.B. die 1:12-Initiative beherzt angenommen und bin beileibe kein Gegner von Umverteilung. Aber man muss auch genug realistisch sein und erkennen, dass im Zeitalter von Alpträumen wie Trump, Le Pen, Wilders & Co. radikale Parolen mit einem Wording aus dem Kalten Krieg kaum die Lösung sein können bzw. von weiten Teilen der WählerInnen relativ fassungslos aufgenommen oder gar als lächerlich angesehen werden.

Ich zweifle allerdings daran, dass die SP in der Stadt Bern Verluste erleiden wird.

Das Folgende hat nun weniger direkt mit der SP zu direkt tun als mit einem Problem der Stadtberner Politik an sich.

Radikale Positionen scheinen immer salonfähiger zu werden. Das Kokettieren mit der Coolheit von Militanz, Gewalt oder Illegalität ist in der Stadt Bern bis weit in etablierte Parteien hinein verbreitet. Mir macht es Mühe, wenn ich als Pazifist, GSoA-Mitglied und Sympathisant von Organisationen wie „Public Eye“ oder der Anti-AKW-Bewegung linke PolitikerInnen und AktivistInnen (deren Gesichter ich sonst in Publikationen sehe, die nur Unterstützenswertes enthalten) immer wieder Dinge schreiben sehe und sagen höre, die mit einem friedlichen Umgang miteinander und einer für alle lebenswerten Stadt so wenig zu tun haben. Wenn ich in der Facebook-Gruppe „Mühleberg stilllegen“ ständig Beiträge eines Reithallen-Radikalinskis sehe, der mit der geltenden Rechtsordnung gelinde gesagt nicht viel anfangen kann, dann verlasse ich halt diese Gruppe eher als dass ich mich dort engagiere. Ich habe mit 14, 15 auch radikales Zeug en masse von mir gegeben und war ein kleiner Marxist. Aber irgendwann so ab 20 sollte man spätestens gecheckt haben, dass das Träumen utopischer Ideologien auf diesem real existierenden Planeten nicht besonders zielführend ist.

Unter dem Deckmänteli einer so wichtigen Errungenschaft wie der Grundrechte „so blöd wie möglich“ zu tun oder selbsternannte AntifaschistInnen zu verteidigen, die grösstenteils selbst faschistoide Ansichten haben, ist nicht meine Vorstellung konstruktiver Politik und sinnvoller Meinungsäusserung. Und sicher nicht der Weg, grauenhafte rechtsnationale, fremdenfeindliche und populistische Tendenzen zu bekämpfen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn PolitikerInnen auf Social-Media-Plattformen – ohne mit der Wimper zu zucken – Inhalte von Gruppen geteilt werden, die in der Illegalität oder in Grauzonen operieren. Gibt es einen Namen für das Phänomen, dass man zwar in einem Parlament sitzt, aber bei unkonstruktiven, extremen, bisweilen Gewalt verharmlosenden oder gar anwendenden Kräften möglichst viele Augen zudrückt? Ich verstehe eine solche Haltung nicht. Radikalismus und Polarisierung sind gerade in der aktuellen Zeit, in der so viel bachab zu gehen scheint, ein Teil des Problems und nicht der Lösung.

Natürlich: Wenn ich die Wahl hätte zwischen fünf JUSO-Leuten und einem einzigen SVP-Menschen, würde ich mich ohne mit der Wimper zu zucken für die fünf Sozis entscheiden. Aber zur pointiert links auftretenden, wild herumtelefonierenden Stadtberner SP und ihrer radikalen JUSO-Truppe gibt es ja auch Alternativen, die mir momentan näher stehen.

Having said that: Wenn die JUSO ungestraft dazu aufrufen kann, von Graffenried zu streichen und so RGM zu gefährden, finde ich es legitim, dazu aufzurufen, dieses Jahr andere Parteien des linken Spektrums zu wählen als die SP.

SP-Mitglieder, die sich von Stil und Haltung der JUSO ebenso abgestossen fühlen, die die Telefonaktion in der heutigen Form doof finden und klar hinter der ganzen RGM-Liste stehen, können sich gerne per privater Nachricht melden – es bleibt garantiert unter uns. Ich weiss es, euch gibt es. Eure Namen schreibe ich gerne auf die noch leeren Zeilen meiner Stadtratsliste.

Natürlich sind auch eine GFL und das GB mit der JUSO listenverbunden, und auch die JA! tritt mit Parolen auf, die ich teils ebenso fragwürdig finde wie Aussagen der SVP. Das heisst wohl: Wenn ich in Bern links wählen will, kann ich das nur tun, wenn ich damit auch amoklaufende Jungparteien unterstütze (oder extrem links wähle, was die Welt auch nicht wirklich weiter bringt).

Nun gut: Die sind mir dann halt insgesamt doch näher als die CVP oder EVP, die ich via Listenverbindungen indirekt unterstützen würde, wenn ich die GLP wählen würde, was sich wegen dieser Verbandelung von vornherein ausschliesst. Bürgerlich zu wählen, käme für mich niemals in Frage.

Aber wir haben nun mal die heutigen Parteien und Listenverbindungen, und wie eingangs erwähnt ist mir eine grundsätzlich linke Politik wichtig. Politikmenschen mit einem Hang zur Linksradikalität sind unter dem Strich dann doch das kleinere Übel als Bürgerliche. Aber ich bin eher an Konsens und Ausgleich interessiert als an Utopie und Maximallösungen. Letzteres hilft weder gegen Trumpoide noch gegen SVP und Konsorten. Ich wähle darum dieses Jahr Mittelinks.

20161120-wahlliste-stadt-bern

Meine Listenstimme beim Stadtrat gehört dieses Jahr der GFL. Darauf stehen aber nebst den Bisherigen und ein paar neuen auch noch alle Bisherigen und alle neu kandidierenden Frauen des GB.

Beim Gemeinderat wähle ich 2x Franziska Teuscher und 2x Alec von Graffenried – da ich bei der SP aber die Hoffnung trotz allem noch nicht ganz aufgegeben habe und da sie sich stark für die VelofahrerInnen einsetzt, bekommt auch die ohnehin sicher wiedergewählte Ursula Wyss eine Stimme. Als Stadtpräsidentin wähle ich im ersten Wahlgang Franziska Teuscher. Womöglich steht mir Alec von Graffenried politisch etwas näher. Aber ich möchte gerne eine Frau als Stadtoberhaupt, und Franziska ist mir nicht nur aus gemeinsamen Projekten, sondern auch von ihrer Biografie her sehr sympathisch.

Die Atomausstiegsinitiative nehme ich selbstverständlich an.

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