Im dritten Teil dieser Serie (zu Teil 1 geht es hier, zu Teil 2 hier) konzentrieren wir uns auf die Swisscom und die Unterschiede zu Sunrise.
(Wie erwähnt schreibe ich in JacoBlök ausschliesslich von eigenen Erfahrungen – da ich mit Orange nie eine Kundenbeziehung hatte, ist der dritte Schweizer Anbieter nirgends erwähnt.)
Damit das hier nicht zum reinen Sunrisebashing verkommt: Natürlich kenne ich auch zufriedene Sunrisekunden. Mit Festnetz und ADSL hatte ich selbst jüngst auch keine Probleme. Wenn ich diesen Bereich auch zu Swisscom zurück gewechselt habe, dann nur aus einem generellen Frust aufgrund meiner Kundendienst- und Mobile-Erfahrungen mit Sunrise.
Ist also jemand, der im Bereich “Mobile” mittlere, aber sicher nicht riesige Ansprüche ans Mobilfunknetz stellt, niemals umzieht oder niemals Support braucht, mit Sunrise gut bedient?
Leider nur bedingt: Kunden mit geringen bis durchschnittlichen Ansprüchen haben bei Sunrise Mobile in der Regel keine grossen Probleme, so lange alles funktioniert. Wer hingegen intensiv mobil im Web surft und mailt und alle paar Wochen ins Ausland reist, sollte die Finger von Sunrise lassen – und fährt sogar preislich womöglich besser bei Swisscom.
Um es vorweg zu nehmen:
1. Wer mit Sunrise im heutigen Zustand zufrieden ist, kann natürlich problemlos bleiben und beten, dass nie ein spezielleres Problem auftritt oder im dümmsten Moment das Netz ausfällt.
2. Swisscom-Kunden sollten keinesfalls zu Sunrise wechseln, sie werden vom Netz und vom Service enttäuscht sein.
3. Wer will, dass einfach risikofrei alles gut klappt, geht von vornherein zu Swisscom.
Auf den ersten Blick ist diese Bewertung für bestehende Sunrise-Kunden vielleicht nicht nachvollziehbar: Wenn das Netz funktioniert, erscheint es vor allem in Grossagglomerationen als durchaus brauchbar, und ohne besseres Wissen hat man Verständnis, wenn in Gebäuden, den Berner Lauben oder in einem am Bahnhof stehenden Bahnwagen fast immer “E” statt “3G” im Display leuchtet oder in einer Busfahrt durch die Stadt das Netz ständig zwischen GSM und UMTS wechselt. “Es war schon immer so und das wird wohl einfach so sein”, denkt man sich womöglich.
Einige Wochen auf dem Swisscom-Netz öffnen einem allerdings gehörig die Augen: “Aha, so hätte es schon immer sein können!” – Plötzlich hatte ich an Orten Empfang, wo mit Sunrise Fehlanzeige war. Das EDGE-Netz scheint etwas weniger belastet zu sein als bei Sunrise. Das 3G-Netz ist praktisch flächendeckend, die Latenzzeiten tiefer. Die Downloadgeschwindigkeiten im UMTS-Netz sind spürbar höher.
Ich habe am Ende meiner Sunrise-Kundenbeziehung und zu Beginn meiner Swisscom-Zeit immer wieder Geschwindigkeitstests durchgeführt, und fast immer kamen sie so oder ähnlich heraus:

Über 4 Mbit/s hatte ich bei Sunrise nie, der Schnitt der Messungen lag etwa bei 2 Mbit/s (in einem Abo ohne Speed-Restriktionen). Bei Swisscom sind es fast immer 5-6 Mbit/s, bei einer Beschränkung auf 7.2 Mbit/s in meinem Abo. Das kann kein Zufall sein; zudem berichten auch zahllose verärgerte Kunden unter anderem auf der Facebookseite dasselbe (“Aktuelle Beiträge anderer Nutzer anzeigen” wählen).
Die Warterei durch die vielen Wechsel von GSM- auf UMTS-Netz fällt bei Swisscom zudem fast ganz weg, weil schlicht fast überall UMTS vorhanden ist. Von Netzplanung scheint Swisscom mehr zu verstehen.
An vielen hochfrequentierten Orten wie Bahnhöfen kann ich mit meinem Infinity-Abo die mobilen WLAN-Hotspots der Swisscom (Mobile EAPSIM) kostenlos mitbenutzen, was für einen Telekom-Junkie immens wertvoll ist.
Natürlich sucht man auch ein LTE-Netz bei Sunrise noch vergeblich.
Und wie ich bereits dargelegt habe, ist der Spass bei Swisscom nicht mal unbedingt teurer: Mit Swisscom Infinity M für 99 Franken pro Monat ist zwar der Speed auf 7.2 Mbit/s begrenzt, das reicht aber im Alltag bei weitem – in der freien Wildbahn komme ich bei vollem Empfang selbst in einer menschenleeren Zelle nicht auf diesen Wert.
Sunrise Sunflat 4 kostet 75 Franken monatlich ohne subventioniertes Handy und 90 Franken “mit”.
Mit der für mich zwingenden Ausland-Option für 5 Franken monatlich kostet also das am ehesten mit “Swisscom Infinity M” vergleichbare Sunrise-Abo 960 Franken pro Jahr, das von Swisscom 1188 Franken.
Die Differenz beträgt also scheinbar 228 Franken pro Jahr zugunsten von Sunrise. Aber:
- Wie ich nun weiss, bietet Swisscom das viel bessere Netz. Ich hätte nach dem 2012 forcierten Ausbau bei Sunrise nicht gedacht, dass der Unterschied derart spürbar ist.
- Die kostenlose Mitbenutzung aller Swisscom-WLAN-Hotspots ist inbegriffen.
- Es bestehen je nach Infinity-Abo reichhaltige Inklusivleistungen für Telefonie, Daten und SMS im Ausland, danach gibts recht gute Pakete, die man einfach hinzufügen kann.
- Es besteht je nach Swisscom-Abo eine Inklusivleistung für Anrufe von der Schweiz ins Ausland.
- Bei Sunrise klappte bei mir punkto Support fast nie etwas.
Unter dem Strich bezahle ich mit Swisscom mit meinem wohl recht verbreiteten Nutzungsverhalten (viel Daten, viel Telefonie, ab und zu ein Anruf ins Ausland, alle paar Wochen einige Tage im Ausland) weniger als bei Sunrise.
Swisscom ist bisher auch sonst eine einzige Wohltat: Alles klappt, bei Fragen helfen nach wenigen Sekunden kompetente Supporter auf der Hotline, die einen auch zurückrufen. Eine Supportcommunity hält gute Antworten parat.
Vor allem das Gefühl, im Fall der Fälle stets von kompetenten Supportern begleitet zu werden und das Nicht-mehr-Angst-haben-Müssen, dass das Netz im dümmsten Moment ausfällt (Beispiel Sedrun) oder gar nicht vorhanden ist (wie im Diemtigtal), ist für einen Vielnutzer angenehm.
Und selbst wenn ich am Ende 288 Franken mehr pro Jahr zahle – angesichts der Nervenschonung und Zuverlässigkeit gebe ich das Geld sehr gerne aus. Pro Tag für 3.25 Franken unlimitiert Surfen, Telefonieren und SMSlen können, selbst ennet der Grenze eine Weile – das ist ein guter Deal.
Bei Swisscom wurde ich mit offenen Armen empfangen und ungefragt mit zahllosen Angeboten eingedeckt, die mir im ersten Jahr sehr viel Geld sparen – z.B. einer monatlichen Gutschrift “einfach so”.
Ich konnte sogar zwei Tage nach der Bestellung eine der Optionen in eine andere umwandeln, die mir noch mehr Ersparnis eingebracht hat – alles klappte völlig problemlos. Ich wette, dass das bei Sunrise in einem riesigen Chaos geendet hätte.
Von Beginn an war die Kommunikation seitens Swisscom per SMS, E-Mail und Post absolut tadellos. Technisch klappte alles bestens. Man bekommt sofort das Gefühl, dass sich hier alle Mühe geben.
Besonders vorbildlich ist die Roaming-Kommunikation: Scheint Sunrise vor allem auf hohe Umsätze bedacht zu sein und die Leute mit Verweis auf AGBs und Tariflisten zuerst mal in den Hammer laufen zu lassen, kommen bei Swisscom sofort nette Warn-SMS, wenn man im Ausland ist und die Inklusivleistungen anbricht oder aufbraucht (kann man bei Sunrise aber auch einrichten).
Tagesreisen ins Ausland sind mit Swisscom Infinity ohnehin plötzlich telekommunikatorisch paradiesisch: 30MB, 30 SMS und 30 Minuten sind inklusive bei Infinity M, bei Infinity L/XL noch mehr.
Insgesamt ist es vor allem dies, was die durchschnittlichen Jahreskosten tiefer sein lässt als bei Sunrise.
Wer auch mal ohne oder mit einem langsamen Netz leben kann, wer keine Beratung benötigt – zweifellos auch ein häufiges Nutzerprofil – kann durchaus zu Sunrise gehen. Es ist mitnichten so, dass bei Sunrise überhaupt nichts klappt!
Der guten Ordnung halber sei erwähnt: Anspruchslose Vielnutzer ohne Auslandaufenthalte fahren mit “Sunrise24″ hierzulande am günstigsten. Dieser K-Tipp-Beitrag zu Sunrise24 ist aber dahingehend zu ergänzen, dass man auf den Sunrise-3G-Netz niemals auch nur annährend 21Mbit/s erreicht, sondern dass ich wie gesagt (sehr selten) auf maximal rund 4 Mbit/s kam. Die kostenpflichtige Hotline fällt nicht ins Gewicht; da dort einem ohnehin niemand hilft, hat es keinen Sinn, dort überhaupt anrufen. Sunrise24 ist also für anspruchslose Durchschnitts- bis Vielnutzer, die kaum ins Ausland reisen, preis-leistungs-mässig sicher das einzige zu empfehlende Sunrise-Abo (auch wegen der geringen Minimallaufzeit von drei Monaten).
Zurück zur Swisscom: Lücken im Netz kann ich Swisscom über die Supportcommunity oder direkt vor Ort über eine App melden. Angeblich werden diese Orte beim Ausbau dann forciert behandelt.
A propos Ausbau: Natürlich ist auch bei Swisscom nicht alles Gold, was glänzt.
- Sunrise hat in einigen Gebieten, wo der Ausbau 2012 forciert wurde, ein 3G-Netz, wo Swisscom erst EDGE hat (vor allem Orte im Oberwallis und der Surselva). Aber was nützt mir ein UMTS-Netz, wenn es lahm daherkommt?
- Telefonieren und Surfen in einem schnell fahrenden Zug ist mit allen Anbietern gleich mühsam.
- Ein klares Beispiel, wo Swisscom dringend nachbessern muss: Die Basisstation Schneehüenerstock (bedient Teile der Skigebiete Sedrun/Andermatt und den Oberalppass) ist bei grossem Andrang hoffnungslos überlastet. Hier sollte dringend UMTS implementiert werden. EDGE alleine ist hier eine Zumutung.
Dies ist allerdings die einzige grössere Enttäuschung, die ich erlebt habe. Etwas stossend ist, dass die Abdeckungskarte etwas gar schöngezeichnet ist.
Ansonsten ist das Swisscom-Mobilnetz schlicht an allen Orten, an denen ich mich oft aufhalte, besser als Sunrise.
Das heisst: Schnelleres 3G-Netz, kürzere Latenzzeiten, bessere 3G-Abdeckung. Ich bin in den letzten Wochen ganz schön auf die Welt gekommen und rate allen, die bei Swisscom Mobile sind, zu einem Wechsel zu Sunrise Mobile dringend ab – die Enttäuschung wird gross sein.
Über ADSL und Festnetz bei Sunrise kann ich wie gesagt aus den letzten zwei Jahre nichts Negatives berichten. Sunrise TV hatte ich nie; die auf Facebook sichtbaren Probleme von Kunden verderben einem allerdings die Lust darauf, und wenn kein kompetenter Support helfen kann, bringen die besten Angebote nichts. Vermutlich gilt aber auch hier: Wenn’s funktioniert, hat man einfach Glück gehabt – wenn nicht, dann gute Nacht.
Ich hoffe, dass sich Sunrise – wo ich lange Zeit nicht nur treuer Kunde, sondern auch Vermittler war – eines Tages Phoenix-Asche-mässig wieder erhebt. Von Sunrise zu Swisscom zurück zu wechseln war für mich ein wenig wie von einem Familienmitglied verstossen werden, das man eigentlich mag, aber merkt, dass die Gegenseite weder die Sympathie erwidert noch sich Mühe gibt, die Beziehung am Leben zu erhalten.
Bei Sunrise wird man allein schon aus den öffentlich sichtbaren Kundenerfahrungen (und den sich wiederholenden schiefgehenden einfachsten Vorgängen) den Eindruck nicht los, dass hier vieles im Argen liegt und man der Misere mit einer nett gemeinten, aber ineffizienten Pflästerlipolitik entgegen zu wirken versucht. Wie auf albtraum-sunrise.com nachzulesen ist, scheint es vielen Mitarbeitenden dabei auch nicht sonderlich wohl zu sein. Verständlich.
Dabei hätte man bei Cablecom abgucken können, wie man es nicht macht – UPC Cablecom brauchte Jahre, sich vom Image “miesester Kundendienst des Landes” zu lösen. Sunrise hat also einen langen, beschwerlichen Weg vor sich.
Ich danke schliesslich den namentlich nicht genannt sein wollenden internen guten Geistern bei Sunrise herzlich für den halbwegs stilvollen Abgang, den sie mir ermöglichten. Über die Modalitäten haben wir Stillschweigen vereinbart. Ich bin inzwischen nur noch heilfroh, dass ich von diesem Laden weg bin, den ich so lange verteidigt hatte. Ich habe die “Strafgebühr” fast schon frohlockend bezahlt.
(Selbstverständlich wurden mir am Schluss – trotz der engen Begleitung – versprochene Gutschriften in der Endabrechnung “aus unerklärlichen Gründen” nicht gemacht, was zu einer erneuten Reklamation und einer erneuten Korrekturrechnung führte. Honi soit qui mal y pense!)
Mir wird Angst und Bange, wenn ich dran denke, wie viele ehemalige Kunden von ungerechtfertigten Rechnungen nach Vertragsablauf und von anschliessenden Inkasso-Hai-Belästigungen höre. Mögen die Telekom-Göttinen mir gnädig sein und solcherlei verhindern.
Ich sage heute nicht, dass alles Quatsch war, was ich je über Swisscom geschrieben habe. Im Kontext der Zeit war das sicher richtig.
Swisscom hat allerdings nicht nur die Hausaufgaben gemacht, sondern offensichtlich auch von den Mitbewerbern gelernt: Gutes wurde abgekupfert, und was die Konkurrenz mittelmässig macht, macht Swisscom gut. Preislich ist man – angesichts des Gebotenen – bei den Leuten. Zudem fühlt man sich als Kunde bei Swisscom auf Anhieb wohl, vor allem nach den Frustrationen bei Sunrise, wo kaum etwas klappte.
Und wie gesagt: Ich will nicht einfach sinnlos aus Rache auf Sunrise eindreschen. Falls bei Swisscom einmal etwas nicht passt, wird das hier ebenso mitgeteilt. Bisher habe ich null Grund dazu.
Aus den in dieser Serie dargelegten Fakten gilt für mich: Ich kann Swisscom fast bedingungslos empfehlen und muss aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen leider dringend davon abraten, mit Sunrise Mobilfunk-Verträge abzuschliessen.
Find’ ich gut. (14 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)