Es ist wieder einmal Zeit für einen Rant rund um das gedankenlose Teilen von Unsinn im Internet, vor allem auf Facebook.

Zumal nun auch schon Kolleginnen und Kollegen aus der Medienbranche den Blödsinn mit „25 Freunde im Feed“ zu teilen beginnen (die doch an sich den angeborenen Riecher für „da ist was faul“ haben müssten), habe ich das unbändige Bedürfnis, Klartext zu sprechen. Bislang dachte ich: „Ach, das Internet ist mein Job, sei doch etwas tolerant mit Leuten, denen das alles nicht so geläufig ist wie dir.“

Nein: Inzwischen finde ich, dass es genug Quellen gibt, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu checken; manchmal genügt sogar eine einfache Google-Suche. Ich und andere finden es nicht toll, wenn unsere Newsfeeds massenhaft mit dem ewiggleichen Bullshit wie diesem vollgestopft werden:

 

Nehmt es mir nicht übel, werte Fake-News-Poster. Aber es sei euch im Vertrauen zugeflüstert: all diese kettenbrief-artigen Meldungen sind eine Art gross angelegter Intelligenz- und Gutgläubigkeitstest. Wer zuerst sucht, dann denkt, und erst dann klickt, handelt richtig.

Allen anderen sollte man als Strafe den Internetzugang für ein paar Tage entziehen. Punkt.

Dass man aufgrund eines solchen Teilverhaltens tatsächlich zum Ziel „sozialer Betrugsversuche“ werden könnte, da sich ein Bösewicht denkt „Yeah, den oder die bekomme ich leicht dran, er/sie glaubt echt jeden Seich“ – das kann man sich vor dem Einschlafen durchaus kurz überlegen.

Nein, ich werde nicht wie viele meiner Freunde alle sofort „entfreunden“, die diesen 100m gegen den Wind als unwahr erkennbaren Mist weiter verbreiten. Dafür mag ich viele von euch zu gut. Aber es ist schon erstaunlich, wie fleissig solcher Quark nach wie vor geteilt wird. Was genau denkt ihr euch dabei? Es interessiert mich wirklich; lasst es mich wissen!

Es soll übrigens auch Leute geben, die den Fake-Beitrag auch dann stehen lassen, wenn man sie aktiv drauf aufmerksam macht… nein, meine Lieben, „nützt‘s nüt so schadt‘s nüt“ ist eben zu kurz gedacht. Oder warum ihr auch immer wieder besseres Wissen Ihr tragt aktiv dazu bei, das Netz mit sinnloser Hühnerkacke zu bekleckern. Wollt ihr das wirklich?

Und ja, letztlich landen wir bei der Fake-News-Problematik oder bei Verschwörungstheorien, die sich ähnlich verbreiten – da man sich schlicht zu wenig überlegt vor dem schnellen Klick.

Sagt es den Leuten, die das mit den 25 Freunden im Feed (und ähnlichen Schrott) teilen, trotzdem, dass sie einen birnenweichen Kettenbrief verbreiten und das Netz mit sinnlosen Unwahrheiten fluten, die niemandem was bringen und reine Zeitstehler sind. Oder teilt diesen Beitrag hier.

Oder versucht doch gleich, den Leichtgläubigen mit einer Fake-Mailadresse bei einem Gratisanbieter ein paar Hunderter anzuknöpfen über irgend eine Masche, die sie euch vermutlich auch glauben werden. Spendet das Geld nachher an eine gemeinnützige Organisation. Manchmal funktioniert es scheinbar nur übers Portemonnaie!

Auch wenn langsam sogar Durchschnittsusern hinlänglich bekannt sein sollte, dass praktisch alles Fake ist, auf dem steht, man solle es unbedingt teilen (vor allem dann, wenn viele Ausrufezeichen stehen und die Sprache holprig wirkt): vor dem Teilen z.B. auf mimikama.at schauen, ob die Meldung schon als Hoax gelistet ist, schadet nie. (Pssst, Geheimtipp: die Geschichte oder der vermeintlich gute Tipp, mit dem ihr euren Freundeskreis soeben beglücken wolltet, wird dort meistens schon stehen.)

Und wenn ihr meine persönliche Meinung hören und mich danach entfreunden wollt: ich halte es für eine Respektlosigkeit sondergleichen, dass man seine Freundinnen und Freunde auf sozialen Medien gedankenlos mit Unwahrheiten zumüllt, ohne vorher geklärt zu haben, ob etwas wirklich stimmt. Es gibt heute genug Quellen, Sachverhalte zu prüfen, wenn einen das eigene Gefühl für Falschmeldungen einmal im Stich lässt.

Und es gibt z.B. für Facebook genug Anleitungen, wie man seinen Newsfeed tatsächlich seinen Bedürfnissen anpassen kann. Aber es wäre ja zu anstrengend, nach solchen Dingen zu suchen. Hinweise finden sich z.B. in diesem und diesem Artikel.

Wie erkenne ich Falschmeldungen (Hoaxes, unwahre Kettennachrichten, Fake News usw.)?

  • Die Sprache ist holprig, der Stil „seltsam“, der Text enthält Grammatikfehler oder komische Formatierungen
  • Viele Ausrufezeichen und sensationell tönende Mitteilungen (Beispiele: „Es funktioniert!!“ oder „Herrlich!!!!“)
  • Es hat am Schluss technisch tönende Anleitungen, wie man es genau teilen muss
  • Wenn ihr etwas schon massenhaft gesehen habt, dann ist es erstens kaum sinnvoll, es nochmals zu teilen – und zweitens ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das es ein Fake ist
  • Kopiert einen kurzen Teil des Textes und googelt danach – Beispiel hier
  • Weitere Hinweise hier

Im Zweifel also lieber einmal etwas weniger teilen. Oder einfach mehr eigene Inhalte posten (schöne Bilder, coole Stories) statt immer nur „Fremd-Inhalte“ teilen. Vor allem nicht solchen Scheiss wie Hoaxes.

Danke. Habe fertig.

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Ziemlich genau jetzt vor 30 Jahren war ich mächtig stolz auf etwas, das mir heute Schamesröte ins Gesicht treibt und alle anderen vermutlich zum Fremdschämen animiert.

Am 29. Juni 1988 um 14 Uhr durfte ich meine allerersten Radionachrichten live lesen. Radio Raurach, das Baselbieter Lokalradio (quasi der Vor-Vor-Vorgänger des heutigen Energy Basel) sendete aus dem Übertragungs-Wagen live von der „Tour de Sol“ in Liestal.

Jeweils mittwochs betreute ich als damals 16-Jähriger die Kinder- und Jugendsendungen. Zum ersten Mal „draussen vor Publikum“ zu senden, war für einen Teenager natürlich so etwas wie der Jackpot.

Die Tour de Sol war ein Autorennen für Solarfahrzeuge, das in den 1980er- und 1990-er-Jahren stattfand. Von der Ausgabe 1988 gibt es ein Dok-Video auf Youtube (Einfahrt in Liestal bei Minute 13:45):

Auf dem Screenshot sieht man sogar den Radio-Raurach-Bus – „Full HD“ war damals leider noch nicht verfügbar:

Natürlich war ich höllisch nervös – unschwer zu überhören – und die News waren voller Schachtelsätze, wie damals üblich. Inhaltlich interessant sind aus nostalgischer Sicht natürlich auch die DRS-Nachrichten, die viele Lokalsender damals zur vollen Stunde übernehmen durften.

Hier geht es um den Absturz eines Airbus an einer Flugshow im Elsass, die Berner Finanzaffäre, eine seltsame Posse um Falschparkierer an einem Zürcher Fussballspiel, der Gründung des BUWAL (dem Vorgänger des BAFU), der Bewilligung der Zürcher Westumfahrung und sowjetische U-Boote, die auf Gorbatschows Wunsch nicht mehr in schwedischen Gewässern operieren.

In den Regionalnachrichten ist unter anderem von der Schaffung der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Mann und Frau zu hören, welche die SVP 2008 vergeblich per Initiative abschaffen wollte. Aber auch das besetzte Areal der Stadtgärtnerei Basel ist ein Thema.

Heute mutet es bizarr an, was damals am Radio alles möglich war (und wie es umgesetzt wurde). Alles egal: Wir fühlten uns  – vor allem an diesen Aussenmoderationen – wie kleine Helden. Es war eine schöne Zeit; man konnte sich kreativ relativ frei entfalten.

Das Handwerk des Radiomachens mit analoger Technik (Bänder, Vinylplatten, Sonifex-Cartridges) verlangte einiges an Konzentration und Multitasking, lange bevor man das so nannte. Auch wenn wir beim Anhören der Tapes heute heilfroh sind, dass das alles Jahrzehnte her ist: Lokalradiomachen in den 1980ern war eine ausgezeichnete Lebensschule.

Besonders denke ich aber an Daniel Fornaro zurück, der mich an diesem 29. Juni vor 30 Jahren seelisch unterstützte und die Technik betreute (er weilt seit 1992 nicht mehr unter uns). Von ihm lernte ich, auch in stressigsten Situationen ruhig zu bleiben – Dani war es, der mir im Sommer 1988 so manchen wichtigen Live-Radio-Trick zeigte. Seine Stimme hört man kurz am Ende von Teil 2 (bei 41:55).

In den Audiodateien habe ich die Musikstücke aus Urheberrechtsgründen rausgeschnitten. Viel Spass bei diesem kleinen Stück Medien-Nostalgie.

Tipp: Rein historisch betrachtet ist Teil 2 wesentlich spannender. Einige Voten meiner Baselbieter SchulkollegInnen zur Sonnenenergie sind rückblickend betrachtet höchst interessant.

Teil 1, 14-15 Uhr

Lokalnachrichten, Kindersendung, ganz am Ende sind integral erhaltene DRS-Nachrichten und nochmals Regionalnachrichten. Die Stunde von 15-16 Uhr wurde von Susanne Hänggi moderiert und ist im Archiv leider nicht erhalten.

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 36 MB)

Teil 2, 16-17 Uhr

Schülersendung: Diskussion von 16- bis 18-Jährigen zum Thema Solarenergie (gemäss der Anmoderation regnete es allerdings).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 40 MB)

Bilder sind von diesem Event leider keine erhalten – aber so sahen wir ein paar Monate zuvor beim Sekundarschulabschluss aus (bzw. ein Jahr später im Studio), und so gestalteten wir anno 1988 unsere Party-Flyer:

 

Ein anderes spannendes Stück Nordwestschweizer Lokalradiogeschichte wird übrigens hier abgehandelt – so mancher spätere „offizielle“ Radiomitarbeiter begann nämlich beim Piratensender „Radio One“ gleich ennet der Grenze.

Diese Ski-Geschichte beginnt in Südfrankreich, am Übergang von der Provence zur Côte d’Azur.  Wer gleich zur ausführlicheren Fassung mit grossen Fotos will: Hier entlang!

Nach zwei Wochen Familienhausarbeiten in Seillans (Pays de Fayence) begann es plötzlich heftig zu schneien. Das war zwar angekündigt – aber an einem Ort, wo es Olivenbäume und Palmen hat, erwartet man nicht unbedingt 15cm Neuschnee in zwei Stunden.

An diesem Montag (26. Februar 2018) fiel aber plötzlich extrem viel Schnee… und wir wussten: Aus terminlichen Gründen müssen wir heute hier weg. Oder wir sagen alles ab und bleiben bis Freitag – denn erst auf diesen Tag sollte die „episode neigeuse 2018“ enden. Schneeräumung ist natürlich nicht die Stärke der Südfranzosen. Sprich: Die Nebenstrassen – und wir wohnen an so einer – werden weder gepflügt noch gesalzen.

Schlussendlich wurde es knapp: Wir mussten noch ein paar Pflanzen für eine neue Hecke in der Gärtnerei holen – Oleander im Schneesturm verladen hat schon etwas leicht Bizarres. Nach dem Ausladen wussten wir: Nun müssen wir weg! Also, Gepäck rein, los geht’s.

Die Fahrt zur A8 durch das Pays de Fayence und entlang dem Lac de St-Cassien war heikel – die meisten hatten wohl Winterreifen, der Schnee begann auf der Strasse zu haften, auch auf der Autobahn gen Westen war es nicht besser. Strassenschilder, die an Sommerferien erinnern, verschneit zu sehen – mal was anderes!

Es gibt hier unten zwar rund alle 10-15 Jahre einmal einen rechten Haufen Schnee, bislang hatte ich das aber nicht live erlebt. Trotz allem: Cool!

Bei Trets (etwa am Übergang zum Département 13) wechselte das Wetter innert weniger Kilometer bzw. Fahrminuten von „Schneesturm“ zu „wolkenlos“ – die Störungszone war wie mit dem Messer abgeschnitten zu Ende.

Von einer Tankstelle aus konnte man einen Blick zurück auf die Wolken werfen, die das Chaos an der gesamten Côte d’Azur und deren Hinterland angerichtet haben:

So fuhren wir an diesem 26. Februar noch zum gemütlichen Städtchen Die (Drôme) mit seinem Öko-Chic und dem wunderbaren Sekt „Clairette de Die“, die an Moscato d’Asti erinnert (was heisst: man kann sehr schnell sehr viel davon zu sich nehmen, wenn’s sein muss).

Hier war es zwar sternenklar, aber ebenfalls bitterkalt – es war die Fortsetzung dessen, was die Grossbuchstabenmedien als „Russenpeitsche“ bezeichneten in diesen Tagen, einfach nun auch im Süden. Wir fanden eine gemütliche Kneipe und assen nach diesen hektischen Tag was Feines.

Am nächsten Morgen kamen Erinnerungen an 2014 auf, als ich den 2013er-Tipp „Col de Rousset“ des Ski-Weltreisenden Forumsschreibers „Starli“ schon einmal ausprobieren wollte. Damals landeten wir in Villard-de-Lans, da am Col de Rousset dichter Nebel herrschte. Wenn nämlich der Ostwind die Wolken bzw. den Hochnebel nach Südwesten drückt, bleibt er genau im Kessel hängen, bevor’s steil in die Provence runter geht – schön in jener Senke des Vercors-Massivs, in dem das Skigebiet Col de Rousset liegt. Am Grat oben sah man jedenfalls den Hochnebel schon winken:

Die Webcams sagten allerdings aus, dass es diesmal klappen könnte – wechselhaftes Wetter mit Nebelfetzen, aber auch viel Blau. So nahmen wir in einem Café einen Crème, mampften ein Croissant, warfen noch einen Blick auf die malerische Stadt…

… und fuhren dann los. Eilig hatten wir es nicht – laut der Website war es oben auf dem Berg -13 Grad (mit Windchill -28). Auch wenn wir in den 1980ern im Engadin ständig bei -30 herumfuhren – I’m getting too old for that shit!

Langsam schlängelten wir uns fast 1000 Höhenmeter zum Col de Rousset hinauf, die Landschaft wird nun deutlich gebirgiger. Nach etwa 25 Minuten waren wir auf dem höchsten Punkt – gleich hinter einem kurzen Scheiteltunnel ist die Talstation. Von hier aus sieht man schön ins Diois runter, wie die Gegend um Die genannt wird:

Und… ja, wie MINDESTENS minus 30 Grad fühlte sich das dann auch an, als ich auf dem Parkplatz ausstieg und in die Skischuhe wechselte. In Bern würden wir sagen „mir hei e tüchtigi Bise“. Wie sollte ich so vernünftig fotografieren? Nun gut, immerhin das Wetter stimmte diesmal. Und die 16.50 Euro für die Morgenkarte fand ich auch OK.

Der Col de Rousset und seine Berggräte sind nicht nur klimatisch und geographisch wichtige Trennlinien. Hier befindet sich gewissermassen auch die emotionale Grenze zwischen „Gefühl Nord“ und „Gefühl Süd“. Kommt man von Norden her, meist aus Grenoble, und durchquert das faszinierende Kalkgebirge des Vercors, so fühlt man sich auf der Nordseite des kurzen Scheiteltunnels noch fast wie in der Schweiz, jedenfalls dominiert die Gemütslage „Nord“. Kaum ist man aber auf der anderen Seite, blickt man in die Provence, die Lavendelfelder beginnen, im Sommer zirpen die Grillen, und kaum ist man in Die unten, kommt Urlaubsstimmung auf: Hier ist man definitiv im Süden angelangt.

Ich kann eine Reise durch diese Gegend also nur wämstens empfehlen; zu jeder Jahreszeit.

Zurück in den Winter 2018: Skifahren auf dieser geographischen, aber eben für mich auch gefühlsmässig „magischen Grenze“ hat mir viel bedeutet – es war wohl DER Skimoment dieses Winters. Die Übergänge vom Lebensgefühl zu Hause im Norden hin zum unbeschwerten Süden – und wieder zurück – begleiten mich seit frühester Kindheit. Die zahllosen Reisen nach Südfrankreich (zuerst mit den Grosseltern, ganz zu Beginn noch mit der Urgrossmutter) sind fest im Gedächtnis eingeprägt.

Genau auf dem Grat zwischen diesen beiden Welten mein liebstes Hobby auszuüben (Skifahren, und das erst noch auf antiken Schleppern) und diese Grenze auch noch wie heute durch knirschenden Pulverschnee und den Kontrast zum braungrünen Süden symbolisiert bekommen – sehr, sehr schön.

Das Skigebiet Col de Rousset, auf dem Gemeindegebiet von Saint-Agnan gelegen, wurde wie so viele in Frankreich mit staatlicher Hilfe aufgebaut. In diesem PDF ist nachzulesen, dass der erste Schlepplift anno 1952 erbaut wurde. Schon 1938 gab es ein Rope Tow mit Benzinmotor. Interessant ist, dass der letzte Schlepper (Econdus, der „hinterste“ und attraktivste) erst 1999 aufgestellt wurde. Die teuerste Erweiterung war zweifellos der Bau einer kuppelbaren Virersesselbahn im Jahr 1991:

Die Poma-Sesselbahn wird auch im Forum „Remontées mécaniques“ ausführlich vorgestellt. Sie ersetze eine Zweiersesselbahn von Montaz Mautino (1964) mit fliegender Umlenkscheibe, die im Bericht bildlich dokumentiert ist. Weitere Fotos dieser Anlage hat es auf dieser Seite.

Im Bereich des „Front de neige“ auf 1254m liegen auch ein paar klassische Retorten-Apartmenthäuser aus den frühen 1980ern (hier schön beschrieben als “ immeubles sans vie aux appartements toujours fermés, dominant la place de leur tristesse infinie“) und der verschlossene Eingang des früheren Scheiteltunnels (erbaut 1866). Der aktuell befahrene Tunnel stammt von 1979. Bilder aus vergangenen Zeiten hat es hier.

 

Mit der Sesselbahn geht’s also zum Hochplateau, auf dem sich einige „Franzosen-Tellerlifte“ befinden. Und JA; es war wirklich schweinekalt! (Fanden auch meine Vintage-Stöcke aus dem Jahre 1991.)

 

Die Sesselbahn bietet auch die einzigen wirklich schweren Abfahrten des Gebietes, allerdings leider schlecht oder nicht präpariert.

Leider war es nun Zeit für eine Leichenschau.

Ich dachte: Whow, ein schönes Hochplateau. Doch da warteten extrem brutale, tragische Anblicke. Denn ich freute mich schon tierisch auf die zweitälteste noch in Betrieb stehende Anlage im Gebiet, den Tellerschlepper But Sapiau (Montaz Mautino, 1964).

Doch, o Schreck, von ihm lag da nur noch eine verwesende Leiche – sein Körper war bereits von Aasgeiern ausgeweidet worden, viele Rollen und das Seil fehlten, dazu die obere Umlenkscheibe.

Ich hätte es wissen müssen: Schon 2015 stand auf RM:

„de retour de la station du col de rousset ce week end, un des téléskis( téléski de but sapiau) était fermé, perches pas en place dans la gare de départ. Apres renseignements il n’a pas ouvert de la saison, et il semble qu’il va être démonté cet été. la raison serait une panne et un coup d’entretien trop élevé par rapport aux nombres de pistes desservies…(…) il semblerait que cet appareil ne serait pas remplacé par un autre en cas de démontage… ce serait un coup dur pour la station. (…) le tk de but sapiau a 52 ans et sa remise en état serait trop couteuse pour un appareil a bout de souffle (massifs béton a reprendre, pylônes a changer…). En ce qui concerne le TK de la But Sapiau, il va en effet être démonté et non remplacé en raison de son âge mais aussi du manque cruel de neige sur les pistes qu’il desservait.“

So begnügte ich mich also mit dem zweifelhaften Vergnügen, diesen tragischen Anblick eines zerfledderten Tellerliftes adäquat zu dokumentieren und mich als Tatortfotograf zu betätigen.

 

Nun gut, ich liess diesen Kadaver vor sich hin miefen und stellte fest: Sonst ist alles gemäss starlis Repo von vor fünf Jahren geblieben. Uff.

Nächstes Ziel: Die Aussicht in die Provence geniessen. Schauen, ob die Wächten halten.

Der Blick schweifte in die Ferne…

… und da war auch schon die erste Anlage für den Aufstieg ganz hoch: Der Skilift Abreuvoir, der im unteren Teil an ein paar markanten Kalkfelsen vorbei führt.

Das Ziel war schon in Sichtweite: Die Bergstation des Skiliftes Econdus (auf älteren Plänen auch als Escondus bezeichnet):

Unterwegs aber noch ein paar Bilder vom Berger-Lift (Montaz Mautino, 1982) schiessen:

Ich wollte aber eben rechts rauf mit dem Téléski de l’Abreuvoir (Montaz Mautino, 1982):

Was gäbe ich dafür, dieses Schild zu Hause aufstellen zu können…

Ich wollte jetzt aber schleunigst zum Grat hoch, nachdem ich das mit dem But Sapiau ja nicht mehr konnte. Hier wartet der Téléski de l’Econdus auf mich, eine mit 20 Jahren relativ junge Anlage. Sie sieht älter aus, besteht aber wohl teils aus Zweitverwertungen:

„Difficile“ ist vor allem der Katapultstart, der Rest ist Peanuts. Aber der Takeoff schlug mir beinahe in den Rücken wie der Skilift „Charbonnière“ von Audibergue – im Video weiter unten kommt das gar nicht so zur Geltung. Aber das reisst einem ganz schön hoch. Der Lift beseitzt führt durch einen Laubwald zu einen Zwischenausstieg, bevor es oben baumfrei und (endlich) etwas steiler wird:

 

Und hier oben steht man dann also ziemlich verlassen im eisig kalten Ostwind, wenn die Leute weg sind. Die Bergstation ist nicht besetzt, im Nordosten überblickt man die unendlichen Weiten der Vercors-Hochebenen…

… aber ich will ja nach vorne zur Wächte – und fühle ich bei diesem Anblick schon fast irgendwo am Nordpol.

Da vorne ist sie, diese Aussicht, auf die ich mich schon seit Tagen freue. Nein: Seit Jahren.

Was sich mir da oben auftat, war tatsächlich grandios. Starli hatte vor ein paar Jahren zwar definitiv die bessere Sicht (hier nochmals der Link zu seinen Fotos), aber ich war ganz zufrieden, mutterseelenalleine hier im eisigen Ostwind zu stehen, knirschenden Harsch unter den Füssen zu haben und nicht so recht zu wissen, wie weit man hier genau vor darf, bevor man… na ja.

Hinten erinnert nur noch die Umlenkstation des Econdus-Liftes an die Zivilisation. Davon hören tut man bei dem Wind nichts (vgl. Video ganz oben in diesem Thread).

Grasbüschel helfen zum Glück bei der Orientierung, wie weit man sich vorwagen darf:

Grandios, dieser Kontrast zwischen „Sibirien hier oben, Süden/Provence da unten“!

Der Wind peitscht unaufhörlich über den Grat, ich kann kaum die Kamera halten mit nackten Händen – umgehend fühlt es sich an wie „OK, das war’s, ich habe meine ersten Erfrierungen und man muss mir mindestens drei Finger amputieren“.

 

Bisweilen reizt es einen verdammt, einen auf „Schlussszene von Thelma & Louise“ zu machen.

Aber keine Sorge, angesichts der Lebensfreude in diesen Augenblicken bin ich von Suizidalität so weit weg wie derzeit von Tropenwetter:

 

So, ewig Zeit habe ich nicht, die Halbtageskartenuhr tickt. Ausserdem bin ich inzwischen Tiefkühlgut. Ich wende mich wieder dem Metall zu.

Immer wieder wundere ich mich, dass dieser altertümlich anmutende Lift nicht mal 20 Jahre alt sein soll. Aber das liegt wohl an unserer Mentalität bzw. der kaum veränderten Technik aus den 1930ern. Hier in Frankreich ist das schlicht normal.

Nach einem etwas steileren Teil hat es unten schöne flache Waldabfahrten… OK, etwas sehr flach:

Weiter unten findet man den Kurvenlift Echelette; hier befindet sich auch der „obere“ Parkplatz, der seit 1980 von einer breiten Zufahrt erschlossen wird, samt Anfänger-Areal (praktisch bei Schneemangel weiter unten) und einem kleinen Restaurant. Ich nehme nun aber zuerst l’Echelette und geniesse die Karstlandschaft bzw. was man halt im Winter vom Kalkfels so alles sieht. Und natürlich die Kurve.

 

Dem Téléski „Bergerie“ entlang und später auf einem doch recht malerischen Ziehweg geht es dann leicht versetzt und um den Hügel rum zurück zur Talstation beim Tunnel-Eingang:

 

Oh, fast vergessen! Die älteste Anlage im Gebiet!

Der Téléski du Vallon stammt wohl hauptsächlich aus den späten 1950ern und führt mich vom Front de Neige hoch zum zweiten Vertigo-Punkt dieses Tages. Wie es sich gehört für einen Stangenschlepper, muss immer was herumgemecht werden:

Das erinnert mich stark an den Skilift Mot da Ri in Scoul, den ich als Teenager dutzende Male gefahren bin – wenn er nicht gerade ganz kaputt war oder einen Techniker auf der Talstation oben hatte, der irgendwo herumschraubte. Was extrem oft der Fall war.

Weiter geht die Fahrt – links im Blickfekld immer auch die einzigen schwarzen Pisten des Gebietes. Wobei „noire“ in F eben leider auch meistens „non damée“ bedeutet, grummel.

 

So, da wären wir. Dieses Schild verstehen wir natürlich als Aufforderung, das Areal hinter dem Schild einer genaueren Untersuchung zu unterziehen:

Und das lohnt sich:

Die Vallon-Abfahrten haben mir persönlich am besten Gefallen in diesem Gebiet. Nicht zu eng, nicht zu breit, waldig, nicely damées, angenehme Neigung:

 

Ob die Aussicht ins Diois hinunter hier auch so spektakulär ist wie oben beim Econdus?

Ja, fast! Man ist zwar hier etwas tiefer, aber der Blick durch diese verschneite Kalkspalte, durch die der Sturm immer wieder Schnee bläst, hat es auch in sich.

Auch hier kann es einem etwas schwindlig werden:

 

Danach endlich die abgefrorenen Finger in der Buvette auf dem Plateau de Beure oben wärmen, mit einer trashigen Günstigportion Ravioles (kein Scherz, Ravioles – nicht „Ravioli“ – sind eine lokale Spezialität im Dauphiné) klappt das bestens!

Dann beginnt die lange Fahrt nach Bern. An sich wollten wir in St-Julien noch…

… im wunderbaren kleinen Beizli „Café Brochier“ einkehren, dieses hatte heute aber leider Ruhetag. Es hat auch einige Hotelzimmer – und sei hiermit gefl. empfohlen.

Weiter nach Norden durch den Vercors, insbesondere die Gorges de la Bourne mit ihren sensationellen Eiszapfen.

 

Damit die den Autofahrern nicht auf den Kopf fallen, werden sie übrigens bisweilen abgeschossen (ja, tatsächlich) – und man muss ein paar Minuten warten.

Was ich gern auch einmal versuchen würde, wäre das Skigebiet von Lans:

Die grossen Schneisen unten sind übrigens Überbleibsel des abgeräumten Gebietes „L’Aigle“, das hier seit den 1950ern bestand. Heute hat es nur noch einen Übungslift, und die Schneisen wachsen langsam zu. Auf „Remontées mécaniques“ finden sich ein paar schöne alte Bilder dazu! Für Frankreich sehr untypisch hatte es hier gar einen Lift mit den uns bekannteren Schleppgehängen („enrouleurs“).

Vom „Vertige des cimes“ aus muss man einen grandiosen Ausblick nach Grenoble runter haben. Bei schönem Wetter hat man den auch per Webcam.

Wir tuckerten gemütlich nach Grenboble runter, und dann weiter auf den Autobahnen via Genf nach Bern.

Übrigens: es war gut, dass wir am Vortag rechtzeitig aus Seillans weggekommen sind – dort lagen inzwischen beim Haus rund 30cm Schnee. Das gab’s letztmals 2011 (in diesem Video ab 2:36). Unsere Nachbarn konnten tatsächlich tagelang nicht wegfahren und lebten von Vorräten. Hier ein Webcamfoto vom 1. März, als der Schnee bereits etwas zusammengefallen war:

Fazit vom Col de Rousset: Ein Nostalgie-Skigebiet mit sehr flachen Hängen – unbedingt bei schönem Wetter kommen und die Aussicht in den Süden geniessen.

Wer alle 409 Bilder von heute anschauen will: Sie sind in diesem Album auf skiliftfotos.ch zu finden.

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden / Grencheberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp / Rastello-Turra (Piemont)

Sommer 2017: Schöne, heisse Tage im Monregalese, wie die Gegend rund um die piemontesische Stadt Mondovì heisst (nach dem römischen Namen „Mons Regalis“). Niemand denkt ans Skifahren.

Nur die Doppelmayr-Standseilbahn vom der Unter- in die Oberstadt erinnert doch sehr an Szenen, die man eher aus den Bergen kennt:

Die Anlage aus dem Jahre 1886 (!) wurde 1975 stillgelegt und rostete lange Jahre vor sich hin, bis sie 2006 komplett neu gebaut wurde. Herausragend ist vor allem die Integration in die alten Gebäude:

Vom Aussichtspunkt im kleinen Park am höchsten Punkt der Stadt sieht man schön in die ersten Alpenhügel mit den Skigebieten des Monregalese hoch:

Schon da war mir klar: Ich muss unbedingt wieder einmal im Winter in die Provincia di Cuneo kommen.

Die Skigebiete in den ligurischen Alpen bieten wunderbare Abfahrten von mächtigen Hügeln durch Laubwälder – die Szenerie erinnert ein wenig an die vielen Bilder aus Südkorea, die in diesen Tagen über unsere Monitore geflimmert sind.

Aber auch an die Kindheitstage mit Skitagen auf der Wasserfallen oder Langenbruck im Baselbiet. Und die erste Winter-Piemont-Reise anno 2014 war leider geprägt von schlechtem Wetter.

Doch letzte Woche war es endlich so weit: Der Wetterbericht war prächtig; es stand ohnehin eine Housekeeping-Reise nach Südfrankreich an – ideal!

Als Zwischenstopp etwa in der Mitte zwischen Bern und Seillans hatten wir uns ein Hotel in einer alten Keramikfabrik in Villanova Mondovì ausgesucht – gleich am Fuss der Berge. Selbstverständlich gab es im Ort auch eine gemütliche Beiz, die gepflegte Piemonteser Hausmannskost anbot. In dieser Gegend sein heisst immer auch: Schöne Dörfer Geniessen, am Abend fein essen.

Wie komme ich aber auf „Rastello“ und „Turra“?

Es gibt viele Foren von Ski- und vor allem Skiliftbegeisterten. Im deutschsprachigen Raum sind das vor allem das Alpinforum, bergbahnen.org und für die ganz grossen Freaks sommerschi.com. Manchmal werden einfach nur Skibilder gepostet, oftmals wird über Seilbahntechnik diskutiert, und vor allem im letztgenannten Forum haben verrückte Reisen eingefleischter Skiliftfreunde ihren festen Platz, die nebst der Erkundung schöner Hänge auch industriearchäologisch unterwegs sind und eindrucksvolle Bilder von Seilbahnruinen schiessen. Oder die besten Gebiete mit Blick aufs Mittelmeer finden.

User „Starli“ fährt mit dem Forumsgründer „Trincerone“ gut und gerne schon einmal 6000km (ein Weg!) mit dem eigenen Auto durch Russland, um einen verrosteten „Tellerfluglift“ in Zentralasien zu dokumentieren oder Habegger- und Bühler-Lifte in Kirgistan zu finden, die der Davoser Hans-Peter Pleisch hierher exportiert hat und die einst im Unterengadin oder Berner Oberland ihre Runden drehten.

Diese Berichte lesen sich dann wie spannende Romane und lassen natürlich uns Ferrophilen das Herz höher schlagen. Ebenfalls zur Lektüre empfohlen: Russland 2016 und Südosteuropa 2013!

Nun, 6000 Kilometer muss ich wegen eines Skiliftes bei 10cm grasigem Schnee nicht am Steuer sitzen. Aber wenn ich die Gelegenheit habe, ausgefallene Ski-Erlebnisse wenige Stunden von zu Hause zu erleben, dann nehme ich das gerne: Dazu gehören auch Ausflüge mit User „ATV“ nach Grandval im Jura. Oder eben die Suche nach kultigen Orten im Piemont, wie sie „Starli“ vor ein paar Wochen entdeckt hat.

Zurück nach Norditalien, wo am Südrand der Pianura Padana (bei uns als Poebene bekannt) zahllose den meisten Schweizerinnen und Schweizern unbekannte Skigebiete warten. Zum Beispiel „Mondolèski“, ein Tarifverbund aus den drei Sektoren von Frabosa, Prato Nevoso und Artesina, allesamt Skigebiete mit einer jahrzehntelangen Geschichte, die zum Beispiel „Simolimo“ aufgezeichnet hat.

Aus dem Gebiet hat man von fast überall her eine wunderbare Aussicht auf den Alpenbogen hinter der Pianura – und natürlich den guten alten Monte Viso. Weiter hinten würde man aber auch Matterhorn, Monte Rosa und viele andere bekannte Berge erkennen.

Die Highlights von Mondolèski befinden sich an den beiden Rändern des Gebietes. Die Einersesselbahn von Frabosa Soprana wird im nächsten Teil dieser Serie vorgestellt. Hier soll es zunächst um die Anlagen und Pisten zwischen Rastello und Rocche Giradina gehen.

Zwar wimmelt es im Skigebiet von lahmen Sesselbahnen, die nur selten echten Nostalgiewert besitzen. Dafür kostet auch in der Hochsaison die Tageskarte für 120km Pistenspass nur 34 Euro. Zu viele alte Skilifte wurden für unseren Geschmack schon ersetzt oder verrosten am Pistenrand. Am rechten Rand auf dem Pistenplan  findet man aber unter anderem:

  • Die Abfahrt nach Rastello
  • Den Doppeltellerlift Turra
  • Den Tellerlift Rocche Giardina

In medias res!

Dieser Montag, 12. Februar 2018, begann wettertechnisch schon einmal wunderbar:

Der Einstieg ins Skigebiet ist an fünf Orten möglich. Dummerweise hatten wir uns für Prato Nevoso entschieden, einem Retorten-Ort, der aber einen grossen Parkplatz hat. Vielleicht sollte man doch nicht allzu sehr auf das Hotelpersonal hören.

Von hier oben sieht man gen Mittelmeer…

… aber auch in die Ebene im Norden hinunter.

Um an den Zielort Rastello zu gelangen, muss man per Ski zunächst in den architektonisch ebenfalls an einen fremden Planeten erinnernden Ort Artesina hinunter fahren, dann wieder hoch nach Turra:

Damit also zur urchigen Abfahrt ins Valle Ellero. Die Erschliessung des Skigebietes aus dem Weiler Rastello wurde erst 2006 gebaut – warum auch immer, sie drängte sich keineswegs auf. Es gab ja schon vier Zugänge.

Wohl ein Italo-Klassiker à la „hm, wir haben wir irgendwo ein nicht aufgebrauchtes Restbudget gefunden, was tun wir bloss damit?“

Die Abfahrt aus dem Artesina-Sektor ist traumhaft. Zumal (zum Glück) kein Mensch auf die Idee kommt, hier runter zu fahren – die Piste wird wohl mehr als Talabfahrt für ganz am Schluss angesehen (und die Anlage wird nur einmal, als Einstieg, genommen). Um die Piste zu finden, muss man wissen, dass man beim schwarzen Pfeil rechts abzweigen muss und dann durch das Tal rechts im Bild (weisser Pfeil) zur Sesselbahn wedelt, die beim blauen Gebäude ankommt:

Nach dem Ziehweg geht’s dann links runter durch einen Laubwald. So hat man das gerne, genau so! (Natürlich könnte man auch eine der zahllosen Off-Piste-Variante wählen, klar.)

Die Piste hier runter wurde schon eine Weile nicht mehr maschinell präpariert. Und da keine Menschenseele weit und breit zu finden war, konnte ich ungestört den Moment in diesem abgelegenen Tobel geniessen.

Ein rauschender Bach, ein schöner Wald mit knorrigen Eichen, Kastanienbäumen, Birken, Buchen. Ein paar zerfallende alte Häuser, Sonne, viel Schnee. Keine Sekunde hat man das Gefühl, in einem der grössten Skigebiete der Region unterwegs zu sein. Was will man mehr!

Damit ist man am Talboden des Valle Ellero angekommen, bei der Talstation der Sesselbahn Rastello, mit einer kleinen Bar. Vom Trubel drüben beim Retorten-Ort Prato Nevoso merkt man gar nichts. Der Motor der Bahn ist oben, hier unten unterbricht nur das Rattern der Rollenbatterien die Ruhe.

Auf der gemächlichen Sesselbahnfahrt durch den Wald kommt man an diversen Ruinen vorbei:

Oben angekommen liegt eine kleine Pistenbeiz, die ein wahnsinniges Buffet und – natürlich – frische Pasta „halb gratis“ anbietet. Kein Vergleich zu überteuerten, kulinarisch fragwürdigen Schweizer Pistenbeizen. Die plärrende Lokalradiomusik nervt, aber eben: Willkommen in Italien.

Danach folgt eine weitere Sesselbahnfahrt nach Turra, wo ein altehrwürdiger doppelter Leitner-Tellerlift aus den 1980ern beginnt.

Was die Italiener genau mit diesen Tellerliften haben? Wäre wohl ein Fall für eine Masterarbeit. Hätte man zwei „normale“ Bügellifte gebaut, hätte man etwa die doppelte Kapazität. Was natürlich für jeden Tellerlift gilt. Nun… es ist halt einfach typisch italienisch, also nehmen wir es gerne!

In der Ferne taucht bereits das nächste Vintage-Ziel auf: Der Skilift Rocche Giardina!

Und am Horizont thronen natürlich nach wie vor die Meeralpen und der Monviso.

Nach einer kleinen Abfahrt Richtung Artesina kommt man an einer Skiliftruine all’italiana vorbei – das Land ist ein Paradies für Industriearchäologen, hier lässt man einfach alles mal stehen. Das religiöse Brimborium am Rande der Piste gehört natürlich auch zu Italien…

… erinnert uns Rost-Fans aber daran, dass eher solche Dinge unsere Altare und Götzen sind:

Ein paar Meter weiter beginnt die Anlage, die gemäss den Ausbauplänen schon längst durch eine Sesselbahn hätte ersetzt werden sollen: Der Skilift Rocche Giardina, der durch eine wunderbare Geländekammer führt. Hier oben fühlt man sich nicht mehr in den Piemonteser Hügeln, hier beginnt das hochalpine look and feel.

Bei so vielen schönen Schleppliften sind die Pisten fast Nebensache – zumal die meisten hier Mitlesenden aber wohl des Skifahrens und der Aussicht wegen nach Artesina reisen, hier zum Schluss doch noch ein paar entsprechende Fotos.

Das heutige Video beginnt im Talkessel vor dem Valle Ellero:

Fortsetzung folgt demnächst – wer das Video bis zum Ende geschaut hat, kennt sie schon: Die legendäre lange Einersesselbahn Monto Moro.

Mehr gefällig?

Wer die Geschichte mit grösseren und vor allem mehr Bildern und Erzählungen lesen will, schaut sich die Fassung im sommerschi-Forum an. Wer nur (viel) mehr Bilder aus dem ganzen Gebiet „Mondolèski“ will, kann sich diese beiden Alben ansehen:

Die bisherigen Teile dieser Serie

Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden / Grencheberg / Ottenleuebad / Homberg / Lauchernalp

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Am letzten Samstag strahlte SRF die Schweizerische Filmwochenschau vom 23. Oktober 1970 aus. Und wen sah da Familie Jacomet völlig überraschend? Unseren Vater bzw. Grossvater väterlicherseits, den ich leider nur gerade zwei Jahre kennen durfte und den meine Halbbrüder leider nie kannten.

Ab Minute 2:08 stellt die Wochenschau „seltene Berufe“ vor. Auftritt Gion Giusep Jacomet, im Film germanisiert „Josef“ genannt: unser „Tat“ (mit hellem, kurzem „A“) war Ofenbauer. Den Stein für seine Tavetscheröfen baute er selbst ab – in einem inzwischen fast wieder zugewachsenen Steinbruch zwischen Dieni und Tschamut:

Zumal es von ihm kaum bewegte Bilder gibt, waren wir hocherfreut, 44 Jahre nach seinem Tod bislang unentdeckte Filmaufnahmen von ihm zu sehen.

La Magnucca SedrunWas aber hat das alles mit dem neuen Sedruner Fonduelokal „La Magnucca“ zu tun, das diesen Winter neu eröffnet hat?

Wer hier im Blog seit 13 Jahren fleissig mitliest, weiss es: Über den Kiosk von Grossvater Jacomet habe ich schon einmal berichtet. Und genau in diesem Hüttchen befindet sie die Magnucca. Da gibt es aber noch andere Verbindungen – schauen wir weit zurück ins 20. Jahrhundert…

Gion Giusep betrieb neben seinem Specksteinofenbaugeschäft einen Kiosk. Gegenüber des Tujetscher Gemeindehauses verkaufte er Postkarten, Sonnenbrillen, Eis, Zigis, allerlei einheimischem Ramsch für Touristen.

Ein Bild aus der familiären Diasammlung aus dem Sommer 1970:

Der Schreibende (im Schrzweissfoto unten links mit der damals noch blonden Mähne) liebte all den Ramsch heiss – vor allem aber die „Polar“-Täfeli mit dem Eisbärenlogo, kühelnd und süss zugleich, damals natürlich noch mit echtem Zucker, die er ab und zu geschenkt bekam:

Ich trug auch gern Grossvaters Rucksack:

Nach Gion Giuseps unvermitteltem Unfalltod im Sommer 1974 wurde der Kiosk dichtgemacht und diente seither als Lagerraum und Vitrine. Grossvaters legendäre Tavetscher Specksteinöfen (das Geschäft wurde von der heute noch aktiven Giger SA übernommen) stehen heute noch in so mancher Schweizer Stube.

Seine Frau – meine Grossmutter – lebte noch bis 1994 in ihrem Haus neben dem Kiosk. Über Antonia Jacomet, geborene Cavegn, bin ich mit den alteingesessenen Sedruner Beizerfamilien Soliva und Brugger verwandt – die heutigen Betreiber der Hotels Soliva und Krüzli haben den selben Urgrossvater wie ich: Den umtriebigen Florentin Cavegn.

Wenn die Cavegn’sche Erbteilung (per Los!) etwas anders gelaufen wäre, wäre ich heute womöglich auch Beizer in Sedrun oder auf dem Oberalppass, wo Antonia in den 1920er- und 1930-er Jahren beim wirten half:

 

Oberalp-Passhöhe, vermutlich Ende 1920er- / Anfang 1930er-Jahre: Des Schreibenden Tatta bzw. Grossmutter (rechts) als fesche Bündner Ski-Lady

Oberalp-Passhöhe, vermutlich Ende 1920er- / Anfang 1930er-Jahre: Des Schreibenden Tatta (rechts) als fesche Bündner Ski-Lady

Tatta Antonia (links aussen) bewirtet im Restaurant Passhöhe aif dem Oberalppass Einheimische und Gäste - auf der Speisekarte: Flaschenbier, Limonaden, Sirupe, Thee, Caffee, Diverse Liköre, Echt Enzian

Am gleichen Ort: Tatta Antonia (links aussen) bewirtet Einheimische und Gäste – auf der Speisekarte: „Flaschenbier, Limonaden, Sirupe, Thee, Caffee, Diverse Liköre, Echt Enzian“

Vermutlich im Zweiten Weltkrieg (Tatta ist die zweite von rechts)

Vermutlich im Zweiten Weltkrieg (Tatta ist die zweite von rechts): Von den harten Wintern auf dem Alpsu wusste sie noch in den 1990er-Jahren kurz vor ihrem Tod lebhaft zu berichten, als sie selbst Verwandte nicht mehr erkannte. Schade, dass die Beiz nicht mehr in Familienbesitz ist – aber Regula macht das heute auch ganz gut.

Der mit „FC“ beschriftete Specksteinofen neben dem Stammtisch in der Ustria Alpsu erinnert heute noch an Urgrossvater Florentin Cavegn.

Aber was hat Antonia mit der Magnucca zu tun?

Ihr „Grosscousin“ – oder wie der Enkel ihres Cousins auch immer korrekt heisst – betreibt die Käsestube heute: Curdin Brugger. Er macht das zusammen mit Riccardo Monn von der Schneesportschule „Monntains„, dem Nachfolgegeschäft von Otmar Candinas, der über viele Jahre im Haus meiner Grossmutter sein Sportgeschäft im Untergeschoss betrieb.

Curdin und Riccardo haben zusammen mit meinem Vater den Kiosk wunderschön umgebaut: Das Holz bekam einen Bürstenschliff, Objekte von früher (wie das beleuchtete Kioskschild oder der Postkartenständer, den man weiter oben anno 1970 sieht) wurden wiederbelebt.

Anfang Januar durften die Kioskvermieter und ihr Nachwuchs Curdins Gastfreundschaft geniessen und wissen seither: Dieses neue Sedruner Gastro-Angebot ist uneingeschränkt zu empfehlen! Macht euch einen gemütlichen Abend und besucht die Magnucca im alten Kiosk zwischen dem Monntains und dem Krüzli.

Grazia fetg Curdin und Riccardo für eure Initiative – genau solche Projekte braucht das Tal!

Ein Rätsel bleibt noch…

In der Filmwochenschau von 1970 war auch diese Szene enthalten.

Weiss jemand, in wessen (vermutlich Sedruner) Stube das aufgenommen worden sein könnte?

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Noch nie (seit Messbeginn 1968) lag an einem 22. Januar so viel Schnee in Sedrun wie heute. Am Morgen mass Nina Levy, die seit 1976 die Schneehöhe für das SLF Davos manuell misst, 155cm. Und noch nie hatten wir auf unserer Webcam-Seite sedruncam.ch so viele Besucherinnen und Besucher wie heute (über 2200 mit 4500 Seitenaufrufen). Der Schnee bewegt!

Hier eines unserer Webcamfotos vom Montagmorgen mit einer so mächtigen Schneedecke auf dem Nachbarsdach, wie sie diese Cam noch nie aufgenommen hat:

Auf Dumeni Cavegns Wetter-Website wetter-sedrun.ch kann man sich mit wenigen Klicks die Schneekurven der letzten 40 Winter anzeigen lassen und vergleichensehr interessant, wenn man dazu die jeweiligen Maximalwerte einblendet.

So sieht man zum Beispiel, dass Mitte Januar 1968, 1981 und 2012 ähnlich viel Schnee lag wie momentan. 1981 war mit 133cm der bisherige Rekordhalter für den 22. Januar:

Verglichen mit dem legendären Winter 1998/99 – man erinnere sich auch an das Berner Aare-Hochwasser vom Mai 1999 – stehen wir derzeit deutlich über den damaligen Tujetscher Januar-Schneewerten:

Wenn es allerdings kommt wie 1981, muss man sich keine Sorgen machen: Nach dem 6. März gab es vor 37 Jahren kaum mehr Schnee, der gute Meter war innert eines Monates bis Anfang April komplett geschmolzen.

Auch der dem aktuellen Winter bislang nicht unähnlich verlaufende 2011/12 – verglichen hier mit dem statistischen Mittelwert – endete ziemlich durchschnittlich:

Jeder Winter spicht seine eigene Sprache: Mal kommt der Schnee extrem spät, dafür in rauhen Mengen. Mal liegt konstant viel oder wenig Schnee. Mal hat es im Oktober viel von der weissen Pracht und danach kaum mehr was. Mal kommt der grosse Schnee erst im April.

Auch interessant sind die absoluten Minimalwerte: Es gab tatsächlich schon 22. Januare mit Null Zentimetern Schnee! Normalerweise liegt aber zwischen dem 3. Januar und 15. März fast immer mindestens 1cm:

Bemerkenswert ist der Winter 1974/75, als ab Ende November fast durchgehend über ein Meter Schnee lag. Am 19. März 1975 gab es nochmals einen halben Meter Neuschnee. Das war aber noch gar nichts: Der absolute Rekord wurde erst nach Ostern erreicht. Am 7. April hatte es 2.7 Meter Schnee in Sedrun. Innerhalb von vier Tagen fielen damals wiederum zwei Meter. Einheimische erinnern sich noch an die Lawinenkatastrophe von Acla (Medel) mit drei Toten am 6. April 1975. Noch am 30. April hatte es in Sedrun fast einen Meter Schnee, ab 1. Mai fehlen aber offenbar die Werte:

(Quellen aller Grafiken: wetter-sedrun.ch)

Und noch ein aktueller Hinweis vom 22. Januar 2018: Eine Lawine hat in den letzten Tagen die MGB-Fahrleitung am Oberalppass zerstört – die Züge werden wohl leider einige Zeit nicht mehr über den Pass fahren.

Das wiederum erinnert an die von Sturm Vivian umgewehten Züge 1990 oder die Schnemassen von 1999, als man den Skilift Alpsu regelrecht ausgraben musste. Gemäss dem aktuellen Webcambild von der Ustria Alpsu werden aber Regula und ihr Team auch heuer tüchtig schaufeln müssen, sobald sie hoch können.

Hier ein paar Erinnerungen an 1990 und 1999:

(Bilder von skiliftfotos.ch / Archiv Baseli)

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Wieder einmal habe ich das VHS-Archiv nach Perlen durchwühlt. Dabei fand ich auch Videoaufnahmen vom 21. und 24. Dezember 1987 aus dem Oberbaselbieter Dorf Itingen, in dem ich aufgewachsen bin. Vieles sieht heute noch so aus wie damals, andere Ecken zeigen sich völlig verändert. Frau Schafroth haben wir jedenfalls schon sehr, sehr lange nicht mehr hinter dem Tresen der Metzgerei in der Dorfstrasse gesehen.

Brandneu waren damals zum Beispiel das IKEA-Lager und die Kantonsstrasse nach Lausen (diese war in den 1960ern nach dem Bau der Schnellstrasse, die damals T10 hiess, samt Bahnübergang stillgelegt worden):

Die Originaltonspur ist leider verloren. Die wäre vor allem beim Besuch mit Kumpel Tanner in unserem Schülerzeitungs-Druckkeller interessant gewesen. Oder bei seiner Lektüre der ersten STOP-AIDS-Kampagnenprospekte (uns als damals 15-jährige Pubertierende faszinierte wohl vor allem das Gummi-O).

Vermutlich habe ich die ungeschnittenen Originale samt Ton noch irgendwo, aber bis ich die gefunden habe…

Am Radio liefen vor in diesen Tagen 30 Jahren z.B. „Wonderful Life“ von Black, „Turn Back the Clock“ von Johnny Hates Jazz – und kurz zuvor waren legendäre LPs wie Suzanne Vegas „Solitude Standing“, U2s „Joshua Tree“ oder „Bad“ von Michael Jackson erschienen. Auch Rick Astley begann anno dazumal seine stockaitkenwatermanisierte Karriere mit „Never Gonna Give You Up“, und T’Pau betörten uns Teenies mit „China In Your Hand“. George Michaels „Father Figure“ wurde wenig später zu unserem Skilager-Hit. Und hey: Fleetwood Macs „Little Lies“ back to back mit dem ganz neuen Sound von MARSS („Pump up The Volume“) in den Charts!

Zum ersten Mal konnte ich in meinem Kinderzimmer ab Weihnachten 1987 selbst CDs hören: Ich bekam den zu meiner kleinen Anlage (am Schluss des Videos sichtbar) passenden CD-Player CDP-17F geschenkt:

Wenn wir gerade so schön nostalgisch sind: Hier noch ein paar Dias aus Itingen, die wenige Monate zuvor entstanden sind (ca. September 1987):

Zum Glück war ich damals so ein Nerd und zog alle paar Wochen mit der Videokamera oder der Minolta durchs Dorf.

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