Nach dem tragischen Unglück bei Fiesch behauptet Hans-Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB), unablässig, der MGB-Fahrplan sei eng, aber fahrbar – die Fahrpläne seien seit der NEAT-Eröffnung enger geworden, aber 2008 optimiert und geprüft worden. Sie liefen seither “einwandfrei”. (Quellen: 1815.ch, Bericht im 10vor10, Tages-Anzeiger)

Feriengäste und Einheimische entlang der MGB-Strecken wissen aber nicht erst seit diesem und diesem Beitrag: Das ist Quatsch!

Moosers Aussagen müssen sich für die Angehörigen der vom Unglück Betroffenen wie ein Hohn anhören.

Der derzeitige Fahrplan ist bestenfalls in der Nebensaison knapp einzuhalten. Vor allem in der Winter-Hochsaison ist das aber praktisch unmöglich.

Ich reise im Winter regelmässig nach Sedrun – und war letzten Winter fast nie pünktlich unterwegs. Verspätungen von 10-20 Minuten sind auf der MGB-Strecke zwischen Brig und Disentis die Regel, selbst bei schönstem Wetter und mässigem Andrang.

Erlebnisse wie Anfang Jahr, als man aus Eile in Hospental eine Passagierin nicht aussteigen liess (obwohl Mann und Kind bereits auf dem Perron standen), passen leider bestens ins Bild eines mit diesem Fahrplan völlig überforderten Unternehmens. In einem Brief gesteht die MGB sogar ein, dass die Infrastruktur im Winter mehr als am Anschlag sei und oft nur noch auf das Verständnis der Passagiere zählen müsse.

Tote können leider nicht wieder lebendig gemacht werden.

Aber es würde von Respekt gegenüber den Angehörigen des Opfers und den Verletzten zeugen, wenigstens endlich einzugestehen, dass dieser Fahrplan mit dem heutigen Netz eine Fehlkonstruktion ist und schleunigst überarbeitet werden muss.

Das heisst vor allem: Weniger Glacier-Express-Züge fahren lassen (siehe z.B. Artikel von Blick Online mit dem Titel “Der Glacier-Express ist ein Fahrplan-Killer”) – und fahrplanmässig erst wieder ein Scheit auflegen, wenn mehr Kreuzungsstellen vorhanden sind, was Jahre dauern dürfte.

Ich bin auch gern schnell von Bern in Sedrun (es ginge übrigens viel schneller via Zürich/Luzern-Göschenen-Andermatt und umgekehrt, wenn man seit einigen Jahren nicht in Göschenen oder Andermatt rund 20 Minuten Wartezeit hätte, liebe MGB…) – aber ich komme ehrlich gesagt standardmässig lieber etwas langsamer und pünktlich an anstatt verspätet oder gar verletzt.

Nicht genannt sein wollende interne Quellen sagen mir immer wieder, wenn ich frage, wieso die Züge so spät und die Kommunikation so mies sei: “Du musst die vielen Probleme, die wir haben, unbedingt nach Brig berichten. Geschehen wird zwar eh nichts, aber wenigstens hören sie es dann immer wieder.”

Nicht erst jetzt bekomme ich von der MGB aber einen immer unfähigeren Eindruck. Unablässig schrieb man mir auf Mails, der Glacier Express sein ein wichtiges Zugferd, auf das man nicht Verzichten wolle, man kenne das Problem der Verspätungen und weise z.B. das Personal darauf hin, den Reisenden gerade in Spitzenzeiten aktiv mitzuteilen, schneller ein- und auszusteigen.

Nur – wieso stehen denn die Zugbegleiter Monate nach diesen Mails immer noch passiv herum anstatt etwas zu tun, wenn der Zug 15 Minuten zu spät eintrifft und der x-te Anschlussbruch droht?

Auch MGB-Chef Mooser scheint stur zu sein und sagt dem “Blick”: “Die Priorität hat bei uns der Regionalverkehr. Wir wollen pünktlich abfahren und pünktlich ankommen.” – Da kann man leider wirklich nur noch lachen. Die Kommentare unter dem Text decken sich leider 1:1 mit meinen Erfahrungen.

Nun muss endlich etwas geschehen. Auf das normale Volk schien die MGB leider nicht zu hören. Der Mensch ist leider so – es muss immer zuerst ein Unglück passieren.

Find’ ich gut.

Im Juni berichtete der “Bund” über die “Sommertage, die Bern erschütterten”.

Ich war damals achtäjhrig und erfreut, dass man einem kleinen Jungen bereits ein “Andi-Jacomet-Zentrum” (AJZ) stiftet.

Meine Faszination galt im Sommer 1980 aber hauptsächlich Radio 24, das – davon war in diesem Blog schon mehrmals die Rede – seit Herbst 1979 als Piratensender aus Italien sendete. In Sedrun in den Ferien konnten wir Roschee & Co. immer hören, er setzte mir damals den Medienfloh ins Ohr. Radiomachen, das musste es sein.

Hier einige zufällig mitgeschnittene Originalaufnahmen aus der Zeit vor genau 30 Jahren, die vermutlich sonst kein Mensch mehr hat – im Juli 1980 tönte Radio 24 so, samt Werbespots für Clarion-Autoradios und die brandneue ELO-Single “Xanadu” und den News mit Alex Hodel vom 7. Juli 1980.

An heutige Diskussionen erinnern die neuen islamischen Kleidervorschriften im Iran Khomeinis. Der schiitische Aufstand in Pakistan ist ebenfalls ein Thema (beim Namen “Zia ul-Haq” denke ich lustigerweise vor allem an Paul Spahn, der diesen seltsamen Namen oft aussprach), und eben auch die “Ausschreitungen” in Bern:

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Perlen wie “Him” von Rupert Holmes tauchen auf diesen Tapes auf, “Charlene” von Wallenstein, “It’s a Real Good Feeling” von Peter Kent – aber auch “Gone Gone Gone” von Johnny Mathis, Jackson Brownes “After The Deluge” in der Fassung von Joan Baez, “Over You” von Roxy Music, “Tired of Toein’ The Line” von Rocky Burnette, diverse Eagles-Songs, “Lovemachine” von Supermax, “Highdown Fair” von Angelo Branduardi, “One Love” von Sniff’n'the Tears, “I Love The Nightlife” von Alicia Bridges – Radio 24 übernahm quasi meine popmusikalische Frühesterziehung.

Die riesige Antenne, die damals mein Zeichnungsheft mehr als einmal zierte, steht vermutlich heute noch auf dem Pizzo Groppera (hier Bilder eines Fans von 2003).

Jammerschade, dass ich auf diesen Tapes vor allem die Musik aufnahm und die Wortanteile herausschnitt oder – noch schlimmer – nachträglich löschte. Offenbar sprachen aber auch Kostengründe gegen exzessive Aufnahmen – mein Satz “entschuldigung, ich muss Cassette sparen, es geht später weiter” gefällt mir am besten…

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(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 900 KB)

Auf den Websites von Radio 24 und Peter Walt finden sich weitere Trouvaillen.

Und für die Hardcore-Nostalgiker hier noch einige Ausschnitte aus meinem persönlichen Tagebuch der Sommerferien 1980. Schon damals der alte Besserwisser! Und Ungarisch konnte ich sehr viel besser als heute. Faszinierend.

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(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 6.7 MB)

Dazu ist natürlich auch noch – wie könnte es auch anders sein – ein Teil des Originalmanuskriptes erhalten:

Klein Andis Tagebuch der Sommerferien 1980

Und auch der “schräge Mast” der damaligen Nur-Kraftwerk-Seilbahn auf die Alp Tgom faszinierte mich bereits – dieses Kunstwerk zeugt davon:

Kunstwerk anno 1980: Stütze 1 der Seilbahn Tgom, Sedrun

Wer hätte gedacht, dass ich 28 Jahre später sogar die Website für das Tgom-Café erstellen würde…?

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Nachdem ich mich studien- und auchsonstinteressenshalber mit Paul Senn (und Peter Surava) auseinandergesetzt habe, wars natürlich ein Muss, auch die Bilder von Margrit und Ernst Baumann anzuschauen.

Ihr Werk fällt zeitlich teils mit Senn zusammen, spielt aber grösstenteils nach seinem Tod 1953 und geht bis in die 1990er-Jahre. Paul Senn, Gotthard Schuh oder Hans Staub spielen zwar eindeutig in einer eigenen Liga, aber auch das Werk von Baumanns ist mehr als sehenswert.

Das waren noch Zeiten - ohne PC und Backspace: Manuskripte von Margrit und Ernst Baumann (Kornhaus Bern, Juli 2010)

Die Ausstellung (Eintritt frei) im Berner Kornhausforum läuft nur noch bis Samstag – so hurry up! Nebst den Fotos finden sich für Nostalgiker traumhafte “Reliquien” wie alte Pässe, Manuskripte und Originalzeitschriften mit den Reportagen.

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Letzte Woche feierte mein Nokia 6233 seinen vierten Geburtstag.

Das gute alte Gerät steht wie ein Monument für Altbewährtes, das es so heute nicht mehr gibt.

Was jammerschade ist.
Und nervt.

Das beginnt so: Bei Sunrise kann man online kein Abo mehr lösen, ohne dass die einem gleich ein Handy nachwerfen wollen (und natürlich mehr Monatsgebühren einziehen). Das “SIM-only”-Abo muss man extra am Telefon bestellen, wenn man sein Mobiltelefon behalten will.

Der antike Knochen wird immer wertvoller – denn einen valablen Ersatz mit der einfachen Series40-Software hat Nokia bisher nicht bereitstellen können. Alles, was ich will, ist ein Nokia-Monoblockhandy mit UMTS, auf dem Opera Mini läuft und dass ich via Bluetooth als Notebookmodem nutzen kann. Ich brauche kein Navi und keinen weiteren Schnickschnack, der bloss die Software verkompliziert.

Heute gibts null gleichwertige Alternativen: Das 6700 hat eine unsägliche Tastatur und eine zu grosse Menuschrift, das 6720 ist und das C5 wird mit der unsäglichen Series60-Weichware ausgestattet, das 6730… öhm… “Der Flashplayer ist abgestürzt. Problem an Adobe senden?” – Himmelherrgott, wieso muss man eine Handyübersicht mit Flash machen?!

So habe ich mir beinahe panisch auf Ricardo ein Occasion-6233 gekauft – für mehr Geld als ein neues aktuelles Handy gekostet hätte. Sollte mein Gerät den Geist aufgeben, habe ich zumindest für einige Jahre Ersatz. Phuuh. *Stirnabwisch*

Das iPhone? Faszinierend, schön. Würde ich sofort kaufen, wenn es kleiner wäre und einen auswechselbaren Akku hätte. Wie stellt sich Apple das genau vor: Man ist als Freelancer auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen, auf der Wanderung ist der Akku leer, Strom gibts erst in 2 Tagen wieder – hä?

Nicht nur die arrogante Reaktion des Konzerns im Zuge der Antennenproblematik zeigt: Apple ist das klassische Beispiel einer Firma, deren Image von “cool” auf “uncool” gewechselt hat. Früher war Gates’ Welt doof, heute ist Jobs’ Zeugs genau so Mainstream, sprich nicht ganz koscher.

Ist man plötzlich wieder cool, wenn man gern bastelt (zum Beispiel um das Autostartmenu zu tunen) und drum Windows benützt? – Zugegeben, die ganz Coolen sind eh Linux-User.

Aber wenn ichs mir recht überlege: Andere Smartphones? Ach, Hans was Heiri – ich kann mit diesen Touchscreens ohnehin wenig anfangen. Als Vielschreiber mit Dutzenden SMS täglich habe ich mich ans T9-System gewöhnt und bin damit viel schneller als auf diesen dummen Bildschirmtastaturen, bei denen man sich ständig vertippt und wo die Haptik nahe am Nullpunkt angesiedelt ist.

So läufts fast überall. Wer mit dem Bewährten zufrieden ist, wird von einem völlig überflüssigen Rasant-”Fortschritt” überrumpelt. Alles muss immer innert weniger Wochen neu sein. Mal etwas flicken? Nee, lieber wegwerfen und ersetzen. Da fühlt man sich als gerne-mal-Bastler wie Tom Hanks auf der Südsee-Insel. “Wiiilsoooooonnn!”

Dabei ist “neu” meistens “schlechter”.

Klar, die Smartphones mögen für viele eine willkommene Ergänzung sein. Das iPad ist zweifellos ein nettes Spielzeug, aber ich lese lieber auf Papier, surfe oft auf Seiten mit Flash – und wenn ich was schreiben will, möchte ich Tasten spüren und keine Geräte anschliessen müssen.

Ein neues Notebook wäre auch fällig. Aber die gibts nur noch mit Windows 7 – und aus genau diesem Grund warte ich, solange es nur geht. Downgradeoption? Pustekuchen! Nur schon auf meinem VAIO Windows XP zu installieren vor zwei Jahren war eine Tortur von manuellen Eingriffen und verworrenen Downloads.

(Sony schafft es nebenbei gesagt immer noch nicht, in die teuren, leichten Edelteils der Z-Serie Monitore einzubauen, die keine weissen Flecken bekommen. Etwas dicker, aber dafür fleckenfrei, wäre uns lieber! Und unterdessen sind bei diesem Typ auch keine vernünftigen Monitorauflösungen wie 1366×768 erhältlich.)

Ja, Win7 mag schneller starten, aber auch hier nervt die UAC, auch hier muss ich mich im Vergleich zu den Windowsjahrzehnten davor zunächst mal neu orientieren, da vieles anders aussieht; der “Design”-Schnickschnack mit diesen grässlichen Durchschimmerungseffekten nervt tierisch, das Startmenu ist ärgerlich, die Kantenglättung grauenhaft – und eine Rücksetzung auf den guten alten Windows-2000-Look (was ich bei jedem neuen Rechner zuerst mache) ist nur noch bedingt möglich.

Nur: Der ganze neue Scheiss wird einem von den Herstellern geradezu aufgezwungen. Ich habe meinen Heimrechner, den ich vor allem für Digitalisierungen und Videoschnitt benütze, kürzlich aufrüsten wollen. Der Händler ist auf der Suche nach XP-Treibern für die aktuelle Hardware fast verzweifelt. Da dachte ich: Naja, mein Rechner von 2002 war zwar vergleichsweise langsam, aber eigentlich hätte ich auch gut und gerne den behalten können.

Das kanns doch nicht sein.

Klar, nun rufen alle “Sicherheit! Sicherheit!” – Von mir aus. Aber dann sollte jedes Betriebssystem und jedes Programm eine Möglichkeit beinhalten, es gefühlsmässig auf jenen angehemen Stand zurückzusetzen, den man sich gewöhnt ist.

Ich möchte mir die im Schlaf beherrschten Arbeitsschritte nicht durch Hersteller umdiktieren lassen. Schliesslich kommt auch nicht plötzlich unser Hausbesitzer und streicht die Wäde rot oder stellt die Küche komplett um, weil “das jetzt einfach so neu und in” ist. Er kann aber – das ist willkommen – im Keller eine neue Heizung einbauen und das Haus besser isolieren. Da ändert sich aber mein Feeling in der Wohnung nicht dabei – das ist der Punkt.

Office 2007 und 2010? Pah – Finger weg!

Da es Winzigweich versäumt hat, einen “Konservativmodus” einzuführen, der die bewährten Menus (Datei, Bearbeiten…) wieder zum Vorschein bringt, interessieren mich diese Programme nicht. Diese Ribbons sind doch Teufelszeug. Das kostenlose Open Office öffnet mir immerhin die unsäglichen .docx- und .xlsx-Dateien mit ein paar Formatierungsverlusten, wenn Kunden meinen, mir ohne Rückfrage die neuen Formate senden zu müssen.

Ich arbeite seit 13 Jahren mit Office 97 und brauche schlicht nichts anderes. Sicherheitsprobleme gibts kaum, da das Internet damals noch kaum verbreitet war. Und eben – wenn nötig, gibts eine Gratisalternative.

Digital-Fernsehen? Nein danke – bestenfalls ab einer eigenen Sat-Schüssel, aber sicher nicht über irgendwelche Kabel-Anbieter, die mich mit irren Schranken nerven. Analog-TV kann ich problemlos aufnehmen und wiedergeben, wann ich will. Das ist mir mehr wert als alles andere.

LCD- und LED-Fernseher? Sorry, aber ausser Plasmas hat mich noch kein Gerät überzeugt (selbst das allerneuste superdünne Samsung-3D-LED-Riesenviech nicht). Jede Trinitronröhre hat die schnellere Reaktionszeit, den besseren Betrachtungswinkel und das natürlichere Bild. Was nützt mir ein fesches Möbel, wenn die Bildqualität nicht stimmt?

Navigationsgeräte? – Wozu gibts eigentlich Landkarten? Die brauchen erst noch keinen Strom. Manchmal halte ich mich für den einzigen, der noch fähig ist, eine 1:25 000-Karte zu deuten.

Liebe Industrie: Ich bin beleibe kein Totalverweigerer. Ich liebe Gadgets. Ich würde sehr ungerne ohne Handy und Internet leben – vieles hat das Leben praktischer gemacht. Ich gucke gerne mal einen Film in HD mit geilem Ton. Ich spiele liebend gerne mit Smartphones, Navis und iWeissnichtwas rum.

Aber es gibt auch einen Alltag, wo man einfach wie bisher effizient und schnell mit Handy und Compi arbeiten will!

Ich wette, dass die Masse der Menschen zunehmen wird, die sich all den unnützen Umstellungen und Zwangsumgewöhnungen widersetzen werden und die Hersteller dazu zwingen, wieder zum Altbewährten zurückzukehren.

Das heisst: Die früheren Benutzerführungen wieder einführen. Handys machen, die – ausgerüstet mit der neusten Technik – genau so gute Tastaturen wie vor Jahren haben. Fernseher herstellen, auf denen der Ball bei einem schnellen Pass nicht wie ein Strich aussieht. Eine Mediendistribution einführen, bei der die Konsumenten und nicht die Anbieter im Vorteil sind.

Das System, mit dem ich hier gerade arbeite – die Blogsoftware Wordpress – ist ein klassisches Beispiel dafür, wie man es besser machen kann. Klar ändert dann und wann der Standort einiger Buttons. Aber ich schreibe hier grosso modo genau so wie vor fünf Jahren. Unter der Motorhaube hat sich aber einiges getan: Updates des Cores und der Plugins gehen nun vollautomatisch – vorbei sind die guten alten download-entzipp-ftp-upload-run-install-Zeiten.

Die Bedienung, das Look and Feel, ist weitgehend gleich geblieben. So muss das sein.

Kürzlich wollte ich meinen Hosting-Kundinnen und -Kunden ein neues Webmail schmackhaft machen – widerwillig, aber (Sie ahnen es) das alte hat bald mal “end of life”.

Natürlich ist das neue Dings voller Schnickschnack, benötigt eine Zusatzregistrierung jeder einzelnen Adresse und braucht etwa viermal so lang zum laden. Die Reaktionen reichten denn auch von “überladenes Interface” über “langsam” bis “viel zu viele Funktionen und drum unübersichtlich”.

Diese Kundin – eine nicht ganz unbekannte Berner Künstlerin, alles andere als unaufgeschlossen – sprach mir und vielen anderen aus der Seele: “Bitte bitte nichts Neues, sonst dauerts wieder ein Jahr zum Umgewöhnen – ich hab mich ja noch kaum als Alte gewöhnt!”

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Facebook bringt einen etliche Male unfreiwillig zum Schmunzeln, wenn solche Meldungen nacheinander kommen:

Gegensätze ziehen sich an - zwei Städte in direkter Facebook-Konkurrenz

Wie nahe Freud und Leid in Fatzebock zusammen liegen...

Und was lernen wir einmal mehr draus? Den Beziehungsstatus lassen wir für alle Fälle mal schön brav leer. Nur schon, weil wir all den armen Freundinnen und Freunden die Entscheidung ersparen wollen, wie adäquat auf “ist Single” zu reagieren ist.

“Gefällt mir” gefällt mir eigentlich beinahe am besten.

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Was tut man, wenn eine Server-Festplatte den Geist aufgibt und einen geschlagenen Tag lang das Onlineleben praktisch tot ist?

Man sinniert nach, dass man Pleite wäre, wenn man jedem Kunden auch nur zehn Stutz als Wiedergutmachung schenken würde. Dass das eigentlich nicht gut ist. Da man ein extrem schlechtes Gewissen diesen Leuten gegenüber hat. Obwohl jede Harddisk mal crashen kann. Schliesslich.

Man beginnt – nachdem man das Weekend im Emmental vorzeitig abbrechen musste – sinnfreie Blogbeiträge plötzlich in Word statt Wordpress zu tippen, nachdem das grosse Entschuldigungsmail für die Nacht vorbereitet ist und die Kunden informiert sind.

Ein SMS aus der Technik: “Das Restore ist bei 85%.” Shit, da hätte es laut den ersten Hochrechnungen um 16 Uhr sein sollen, nicht um 21 Uhr.

“Es ist zum Haaröl seichen”, würde mein Vater sagen.
Ist es, und wie.
Seit Stunden.

Man hofft alle paar Sekunden, dass all die Kurznachrichten (gottseidank kann ich bei Sunrise ein Jahr lang unendlich SMS und MMS verschicken…) und die Mails an die alternativen Adressen durchgekommen sind. Man stellt sich vor, wie die einen nun verfluchen. Oder nicht? Weil sie im Süden hocken und gar nix merken?

Man guckt sich die betrüblichen Serverstatistiken an. Letzter Zugriff morgens um fünf. Danach einfach Leere, ein Minibalken für diesen unglücksseligen 24. Juli, der mit zwei SMS im Bett begonnen hatte: “Dein Server scheint weg zu sein.” Eine Rückfrage bei der Technik: “Ich bin schon im Rechenzentrum. Die Harddisk ist tot. Zuckt nicht mal mehr. Ich muss eine neue reintun und das letzte Backup einspielen. Das dauert leider ein paar Stunden.”

Ojemine. Der Super-GAU. Verflucht!

Passiert fast nie, aber wenn, dann meistens an einem busy monday morning. Immerhin da war Herr Mörfi gnädig mit mir. An einem Julisamstag ist wenig los.

Und wenn man nur noch Däumchen- und durchdrehen kann?

Dann nützt man das derzeit sonst leere Haus aus und lässt volle (vollste!) Lautstärke “Hey Jude” von den Beatles laufen, nur um zu merken, dass man immer noch nur falsch singt. Legt dann den Soundtrack von “Boogie Nights” nach, groovt zu ELO, den Commodores und Night Ranger durchs Wohnzimmer.

Blättert die Zeitung durch und sagt sich nach der Lektüre der Todesanzeigen: “Es gibt Wichtigeres im Leben als einen toten Server. Schon.”

Man nimmt die frischen, noch knackigen Sonnenblumen vom Bärenplatzmärit etwas genauer unter die Lupe, die in der Weinflasche aus Santorini stehen. Und realisiert, dass man ihnen einen grauenvollen, langsamen Tod beschert.

Dass die Blätter jetzt nur noch gelber und die Blüten nur noch hängender werden. Und fragt sich, ob man deswegen ein schlechteres Gewissen haben muss als den Kunden gegenüber, die grad nicht ans Sterben denken, sondern Mails abrufen wollen.

Michèle Roten schliesslich holt einen aus dem Todeskampf. Wie Recht doch Frau Weltall hat, wie Recht, WIE RECHT. Selbst wenn sie vermutlich auch Haaröl über das Faktum seicht, dass Petrus das Wetter am Veröffentlichungstag dergestalt versifft hat. So föcking wahr. Sag ich als erklärter Winterfreak. Also 60-Tage-pro-Saison-Skieur. Mann, bringt die es auf den PUNKT, verdammt. Wieder mal. Wieso kann ich das nicht?

Halt – “Get Back“. Und dann “Don’t Let me Down“. Da muss ich jetzt wieder mitsingen. Adjö.

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Leider erst 41 Jahre nach der Mondlandung in einem verwandtschaftlichen Schrank entdeckt – die “Solothurner Nachrichten” vom Montag, 21. Juli 1969!

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Nebst der Frontseite (einfach auf alle Ausschnitte klicken für die kompletten Fassungen) stechen noch andere Dinge in dieser Ausgabe ins Auge, zum Beispiel der Besuch in der Oltner Ring-Garage von Jo Siffert, der 1969 noch etwas mehr als zwei Jahre zu leben hatte:

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Den Gotthard-Strassentunnel sollte es noch ganze elf Jahre lang nicht geben – das allsommerliche Chaos in der Schöllenenschlucht schien diesmal besonders gross gewesen zu sein (bereits überholende Wagen wurden ihrerseits überholt – wie schmal waren Autos damals eigentlich?). Im Hinblick auf die kommende Sanierung der Röhre sei darauf hingewiesen, dass es damals nebst der Passstrasse einen problemlos funktionierenden Autoverlad gegeben hat…

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Auch Stelleninserate aus vergangenen Tagen lassen einen immer wieder staunen. Die Migros brüstete sich mit sage und schreibe drei Wochen Ferien und – boah! – zur Verfügung gestellter Arbeitskleidung:

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Im folgenden Inserat wird “eine kaufmännische Mitarbeiterin oder ein kaufmännischer Mitarbeiter” gesucht (oho, Doppelform!) – die Haupttätigkeit, das Maschinenschreiben, ist aber nicht Voraussetzung; dafür bietet doch die Firma Heer extra einen “Gratiskurs” an!

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Ernst gehts in der Kolumne “Was uns Frauen betrifft” zu und her: “Sexy-Qualität und Schönheit, vor allem aber ein Minimum an Textilien, bürgen für guten Absatz. Andere Qualitäten sind nicht gefragt.” – Auch wenn uns die Sprache sonderbar antiquiert erscheint – inhaltlich trifft vieles heute noch zu (klicken für komplette Fassung):

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969 - aufs Bild klicken für grössere Fassung

Zuguterletzt: Ein Unfall, der in Erinnerung geblieben ist – und… gewusst, dass Ruedi Walter auch Sex-Filme gedreht hat? Tja – 1969 war scheinbar alles möglich.

Solothurner Nachrichten vom 21. Juli 1969

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Nachdem ich Schweizer Radio DRS gestern – diesmal dem Regibern, zusammen mit Joe Bürgi von aaremarzili.info – wieder einmal etwas rund um die Aare ins Mikro hauchen durfte, musste ich natürlich umgehend neuen, nützlichen Content für die Hunderttausenden Besucherinnen und Besucher meiner kleinen Aare-Hommage-Page kreieren.

Das Ergebnis: Nach Fotos und Unterwasserklängen gibts nun auch zwei Videos von Aareschwümmen zwischen Altenberg und Lorraine sowie Schönausteg und Marzili, mit Aufnahmen von über und unter dem Wasser.

Die Kamera im SchwimmsackMeine kleine, uralte, kompakte Lumix filmte dabei durch einen durchsichtigen Portemonnaie-Schwimmsack.

Die Unterwasseraufnahmen jagte ich durch einen Farbfilter und unterlegte sie teils mit den Aarekiesel-Sounds von 2004, um das klassische Aareschwummfeeling aufleben zu lassen. Dabei achtete ich darauf, dass der Aufnahmeort der selbe ist (die Kieselgeräusche aus der Gegend der Monbijoubrücke sind somit zwar älter, stammen aber vom gleichen Ort).

Video: Aareschwumm im Altenberg am Sonntag, 18. Juli 2010
Video: Schwimmen vom Schönausteg bis ins Marzilibad am Montag, 19. Juli 2010
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19.07.2010

In den Tee gepisst

Hand aufs Herz: Haben Sie sich bei dieser Kampagne nicht auch schon gedacht “welcher Frechdachs schifft dem armen Drachen da in den Tee?”

Armer Drache: Urinprobe im Tee

Aber keine Sorge – das ist keine fehlgeleitete Urinprobe, sondern flüssiger Zucker, in der Schweiz seit 2009 unter dem Markennamen “Sucrisse” erhältlich. Zumal der Blöker ein (sehr) süsser ist und einer grossen Tasse Milchkaffee mindestens zwei Löffel Zucker beigibt, musste er das selbstverständlich ausprobieren.

Der Blick auf die Inhaltsangabe lässt ihn stutzen: “Invertzucker”? 73% Trockenmasse? – Immerhin, das steht auch “keine Konservierungsstoffe”. Invertzucker scheint aber eine interessante Sache zu sein – nicht der Zucker ist verdreht, sondern er dreht selbst – “die Ebene polarisierten Lichtes”, und zwar “in entgegengesetzter (invertierter) Richtung zu der einer Saccharoselösung”, Wikipedia sei Dank.

Sucrisse: Flüssiger Zucker

Lassen wir aber die Physik und kommen zum Geschmack. Die flüssige Sucrisse-Variante ist weit weg von einer Eigenurintherapie. Ein Unterschied zu normalem Zucker ist kaum feststellbar, der Tester wird aber das Gefühl nicht los, dass die Durchmischung bei “normalen” Zuckerkörnern nach ausgiebigem Umrühren besser ist – gerade kalte Getränke mit Sucrisse sollten immer wieder kurz geschüttelt werden, ansonsten bildet sich ein allzu süsser letzter Schluck zuunterst im Glas.

Hier liegt auch der grosse Vorteil des an sich überflüssigen Flüssigzuckers: Für heisse Getränke oder in der warmen Küche genügt natürlich der konventionelle Zucker. Um aber einem eiskalten Smoothie oder einen Caffè freddo zu süssen, ohne für ein “körniges Gefühl” zwischen den Zähnen zu sorgen, ist der Flüssigzucker ideal.

Sucrisse gibts auch mit Vanillegeschmack – doch da schwört der Blöker z.B. für seine Smoothies weiterhin auf das Mark einer Vanilleschote. Vanillearoma ohne schwarze Tüpfli ist einfach nicht das Wahre.

Find’ ich gut.

Der Abend am Bielersee – ganz ohne Motorboote – war eh schön. Aber die Chlepfer-Kirschen vom Bauernhof zwischen der BTI-Station und der Wiese am See waren das Tüpfli auf dem i.

So muss das sein: Kirschen vom Bauern in Sutz, Juli 2010

Kirschen vom Bauern in Sutz, Juli 2010

Bei Sutz am Bielersee, 15. Juli 2010

Doch das Leben in der Stadt hat auch seine schönen Facetten. Der Regenbogen am gestrigen verhältnismässig kühlen Samstagabend wollte nicht so richtig. Dafür gab das Abendrot an den Altstadtkirchtürmen tüchtig Gas.

Berner Altstadt mit schwachem Regenbogen, 17. Juli 2010

Münster und Kirche, St. Peter und Paul, Bern, 17. Juli 2010

Find’ ich gut.
16.07.2010

Leuchtender Gurten

Bricht der Gurtenvulkan aus? Nein, dafür wirkt der ungewohnte Lichtkegel hinter der Altstadt zu künstlich. Das Hämmern und Wummern, das dieser Tage über Bern liegt, würde aber zu einem Naturschauspiel passen.

Der Gurten leuchtet hinter der Berner Altstadt (15. Juli 2010)

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Als Unter-anderem-Konsumblogger freue ich mich, dass Simonetta Sommaruga womögich bald Bundesrätin wird – auch wenn ich sie lieber weiterhin an Stellen gesehen hätte, an denen man sich pointierter äussern kann als in der Exekutive.

Die Hitze scheint derweil einigen SP-Mitgliedern nicht besonders zu bekommen. Nationalrätin Margret Kiener-Nellen, von Patrick Feuz im heutigen Bund als “Hinterbänklerin” beschrieben, kritisierte in der Sonntagspresse Sommaruga wegen des Gurtenmanifests. Dieses habe der SP geschadet und zu Wahlverlusten geführt.

So ein Unsinn.

Wer für Realo- statt Fundipolitik einsteht, erweist einer Partei, die stetig Anteile verliert, sicher einen guten Dienst.

Jemandem Schaden zufügen tun vor allem MieterInnenverbands-Präsidentinnen, welche die Ideale ihres Verbandes als Vermieterinnen mit Füssen treten. Es ist der schnellen Quasi-Suspendierung Kiener Nellens zu verdanken, dass ich noch Mitglied im MV bin. Und mehr SP-Leute habe ich nach dieser Geschichte sicher auch nicht auf meine Wahlzettel geschrieben.

(Pardon, Frau Kiener Nellen, aber wenn Sie – aus Gram über Ihre 149:61-Niederlage bei der SP-Ständeratskandidatur-Ausmarchung im April 2003? – eine zehn Jahre alte Geschichte ausgraben, dann erinnere ich gerne nochmals an Ihren aus meiner bescheidenen Sicht weitaus grösseren Fauxpas, auch wenn selbstverständlich kein Mensch ohne Fehl und Tadel ist und auch wenn Sie sich entschuldigt haben.)

Tu es, Simonetta! Bonne chance. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Konsumwüste Schweiz zählen auf Dich.

Find’ ich gut.

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