Diese Einzelanlage von 1959 hat es in sich: Sie stammt vom Seilbahnpionier Theo Brunner, den wir im Zusammenhang mit La Corbatière schon einmal vorgestellt haben. Aus Brunners Liftunternehmen „Tebru“ wurde später nach vielen persönlichen Wirren und Gerichtsfällen die Walter Städeli Lift AG Oetwil am See, die bis zu deren Übernahme durch Garaventa 1992 zahllose Anlagen rund um die Welt baute.

Der Skilift Grenchenberg liegt im Kanton Solothurn, gleich an der Sprach- und Kantonsgrenze, in einer kleinen Senke des Kettenjuras.

Allein schon der Ausblick vom Untergrenchenberg (feine Crèmeschnitten im Restaurant!) auf die Alpenkette und den Jura bis weit in den Süden (Gegend Genfersee) ist atemberaubend.

Städeli-Fans finden hier aber auch eine ausgezeichnet gepflegte, antike WSO-Anlage mit den guten alten SL7-Gehängen, wo alles noch aussieht und tönt wie vor Jahrzehnten.

Von Bern aus bin ich in einer Stunde über Haupt- und Nebenstrassen angefahren, man durchquert dabei einige malerische Orte und begegnet beim Flugplatz Grenchen sogar einer Lockheed F-104 Starfighter.

Die Strasse vom Städtchen Grenchen auf den Hausberg ist teils mit zeitlich begrenzten Fahrverboten belegt (siehe auch Lift- Website), aber in gutem Zustand. Es gibt auch einen regulären Busbetrieb der lokalen Transportgesellschaft zum unteren Grenchenberg.

Der rund 600m lange Lift Skilift wurde 1981 umgebaut, seither überwiegen Städeli-Elemente aus den 1970er-Jahren. Laut einem Angestellten wurde das seltene Tebru-Firmenschild gestohlen. Hand aufs Herz, wer von euch hat es?

Der ursprüngliche Skilift – mit Benzinmotor – wurde bereits 1959 eröffnet, wie auf der Geschichtstabelle der Betreiber nachzulesen ist. Es besteht eine Paten- und Partnerschaft mit Adelboden-Lenk; die Gemeinde Grenchen beteiligt sich an den Betriebskosten und ist Hauptaktionärin. Seit einigen Jahren wird auch Nachtskifahren angeboten. An einem flachen Hang zwischen WSO-Lift und Restaurant Untergrenchenberg ist ein Borer-Babylift aufgestellt. Am Mittwoch und Freitag wird Nachtskifahren angeboten.

Die Sicht war an meinem Besuchstag (27. Januar 2016) nicht der Hammer, das Licht meist diffus. Auf dem Grat blies ein starker, milder Wind – die Schneelage am nordwestexponierten Hand ist aber meistens OK. Stand heute (21. Januar 2017) wird von einer „teils nur fahrbaren“ Piste wegen Schneeverwehungen berichtet.

Vom Parkplatz und Buswendeplatz beim Restaurant fährt man über einen Waldweg ins untere Drittel des relativ steilen Skilift- und Pistenhangs.

Da gibt es schöne alte Kartontickets (und einen Bienenstock im unter dem Holz der charmanten kleinen Talstation – die bereits ausfliegenden Bienen machten dem Personal das Leben etwas schwer).

Mit dem WSO-Lift geht’s dann von 1240m auf 1350m. Das Abbügeln findet mittels Bügelabwurf rund 50m vor der Umlenkstation statt, die auf dem Juragrat thront:

Bei der Heimfahrt kann man dann nochmals die Alpenkette geniessen.

Und natürlich habe ich auch noch einen kleinen Film gedreht.

Mehr Bilder gibt es in diesem Album auf meiner Website skiliftfotos.ch.

Ein weiteres Video vom wandelnden Seilbahnlexikon Michael Meier ist hier abrufbar, ebenso gibt es hier seine Bilder. Es existiert auf Youtube auch ein Drohnenvideo vom Sommer. Das SRF-Regionaljournal hat die Anlage 2014 porträtiert.

Fazit: Auch wenn der Lift etwas länger sein könnte… ein schöner Hang, eine tolle WSO-Anlage mit familiärer Atmosphäre, nette Beiz, sensationelle Aussicht. Ich komme gerne wieder!

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Chuderhüsi und Linden

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Der Bisensturm mit der eisigen Kälte derzeit zeigt uns anno 2017 endlich wieder einmal, wie sich viele unserer Teenager-Winter anfühlten.

Ein Blick in die erste 1987er-Ausgabe unserer Schülerzeitung „FGOI“ (PDF, 4 MB) zeigt: Was wir jetzt erleben, ist Nasenwasser. Der Januar vor 30 Jahren war noch viel heftiger. Im Baselbiet zeigte das Thermometer am Morgen des 12. Januars 1987 sage und schreibe -24 Grad. Solche Temperaturen erreichen heutzutage Samedan oder La Brévine kaum noch.

Schnee lag auch – nur war er wegen der miserablen Luft grau gefärbt, und mein Schneeschmelzexperiment zeigte: Der Rückstand war voller Russ und anderer wohl nicht ganz gesunder Partikel. Der aufmüpfige Jungreporter schrieb auf Seite 13 seines Blattes: „Aber die faulen Schweizer finden es ja viel zu anstrengend, mit dem Zug zur Arbeit zu gehen [sic]. Dafür ist es anscheinend schöner, zu ersticken.“

In meiner damaligen Heimat Itingen (BL) erstellte Schulabwart Christian Oberer flugs eine Natureisbahn auf dem Sportplatz – während einiger Tage DER Treffpunkt der Dorfjugend. Ein Video dieser Bahn ist hier abrufbar. Diese Aufnahmen entstanden genau heute vor 30 Jahren, am 19. Januar 1987 – sie zeigen nicht nur Teenager beim Abendvergnügen auf dem Dorfe, sondern auch die lokale Damenriege in Action im typischen 80er-Look. Damals störte sich noch niemand daran, dass hier ein Schüler kess in die Turnhalle rein filmte. Das Video wurde 2017 digital neu aufbereitet und steht in einer besseren Fassung als bisher zur Verfügung:

Das erste Sek-Skilager in Eischoll (VS) verlief aus Sicht des Verfassers ausgeglichen: Das Lagerskirennen gewann er zwar, doch seine Herzensdame zeigte ihm die kalte Schulter. Die interessierte sich nur für Lokalmatador Pirmin… welches Modi interessiert sich heute für Carlo Janka? Eben: da war auch die Skiwelt noch in Ordnung. Gut, immerhin rettete sie mich aus dem Tobel, in das ich wegen eines Bindungsdefektes in voller Fahrt gestürzt war. Diesen Abflug fand sie glaub recht cool. Mehr dazu im PDF der Schülerzeitung.

Weitere Highlights: Vor 30 Jahren machte der Blöker zusammen mit Weggefährte Tanner seine erste Radiosendung, genannt „Schülerblabla“ – die gab es fortan alle zwei Wochen auf dem Lokalsender Radio Raurach (der heute „Energy Basel“ heisst).

Natürlich war das Skilager Hauptthema der ersten Sendung, die hier als MP3 abrufbar ist:

Teil 1  

– Lieber in eigenem Player hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 1 (MP3, 1.9 MB)

Teil 2  

– Lieber in eigenem Player hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 2 (MP3, 1.2 MB)

Das Manuskript der ersten Radiosendung, Januar 1987 (klicken für grosse Fassung)Das Manuskript von damals existriert natürlich auch noch (klicken für grössere Fassung); brav schrieb der frischgebackene Radiomann dazu „immer schauen, ob O-Ton vorhanden ist zur Auflockerung“ – und „Jingle (Trailer) aufnehmen für Werbung“.

Ja, mit 15 war die Welt noch in Ordnung – die „Schweizer Woche“ (Nachfolgemagazin des legendären „Gelben Heftes“) brachte einen Artikel über Jugendpresse, Hauptärgernis war wie immer Lehrer „X“, der ständig Stunk machte; wir lästerten über die rauchenden LehrerInnen („Rücksichtnehmen scheint also nicht ‚in‘ zu sein – Beispielstehen für Schüler auch nicht… Pädagogik????“) und holten Autogramme von Peter Reber, hörten aber in Tat und Wahrheit die wirklichen Hits von damals: „Showing Out“ von Mel&Kim, „The Final Countdown“ von Europe, „Catch The Fox“ von Den Harrow.

Neu in der Hitparade damals: „Keine Sterne in Athen“ von Stephan Remmler, „Open Your Heart“ von Madonna, „Living on a Prayer“ von Bon Jovi, „Land of Confusion“ von Genesis (mit Ronnie und Maggie à la „Spitting Image“) sowie „Lady of Ice“ von Fancy – passend zum Wetter.

Find‘ ich gut. (Eine weitere Person findet diesen Beitrag auch gut.)

Die schönen Tage des Jahres beginnen: Endlich sind auch die Kleinst-Skigebiete im Mittelland, in den Voralpen und im Jura offen. Damit geht es auch weiter mit der Serie „Vintage-Skifahren“, die demnächst Teil 30 feiern kann. Zunächst vier Gebiete, die ich in den letzten zwei Wintern besucht habe und desen Lifte nun auch endlich wieder surren.

Den Anfang macht heute der Skilift Chuderhüsi, den ich am 20. Januar 2015 besucht habe. Stand heute – 14. Januar 2017 – läuft der Lift!  Telefon 034 491 27 33 informiert jeweils über den Skiliftbetrieb. Die Skilift-Website hat keine aktuellen Infos, sondern vor allem allgemeine. Tipp: Hier wird auch Nachtskifahren und Schlitteln angeboten.

Nach einer Schneefront versuchte ich, an jenem Dienstagnachmittag vor zwei Jahren ein wenig Sonne zu suchen. Vergeblich… die versprochenen Aufhellungen fanden nur in den Alpen statt. Aber immerhin entdeckte ich einen neuen Hang.

Auf dem Weg von Bern nach Linden und in Linden selbst gefiel mir das Wetter nicht so recht…

… wie sich dann aber herausstellen sollte, war das so ziemlich die beste Sicht des Tages. Ich fuhr von Linden also weiter nach Norden und bog in Röthenbach links ab…

… bis es auf der Anhöhe Gauchern („Gouchärä“) rechts zum Lift runter geht:

Das wandelnde Seilbahnlexikon Michael Meier hat diese kurze Habegger-Anlage von 1968 vor vier Jahren schon bestens und bei besserer Sicht dokumentiert.

Der Hang gibt nicht wirklich viel her, das ganze ist mehr eine coole Freizeitbeschäftigung für einheimische Familien und Kids, die auch heute zahlreich über die arg dünne Schneedecke rasten. Mehr Fotos der Anlage hat es in diesem Album auf meiner Website skiliftfotos.ch.

Ein engagiertes Team sorgt für den Skilift, die Pisten und ein Pistenstübli. Mini-Skigebietsidylle pur! Erinnerte mich sehr an den Zweien-Hang in meinem Kindheitswohnort Itingen (BL), leider liftfrei, den wir jeweils stampfend selbst präparierten. Das sah dann auch so ähnlich aus wie hier:

Natürlich habe ich auch einen kurzen Film gemacht, auf dem man die wunderbaren alten Habegger-Skiliftbügel röhren hört. Genau so muss ein Skilift tönen!

Nachdem die 10er-Karte durchgefahren war und ich von Bügelgeber Sämu alles über Hagelkanonen erfahren hatte, ging es für zwei Fahrten durch den Nebel doch noch nach Linden zurück. Ich meine, wenn man schon hier ist…

Die Piste war aber eine mittlere Katastrophe (10cm nasser Neuschnee, unpräpariert, auf eine sehr dünne harte Altschneedecke), und man sah kaum etwas. Immerhin, die altehrwürdige Anlage (Bericht von Michael mir mehr Infos hier) ist für Liftfreunde ein Leckerbissen: Seit 1965 wird hier geliftelt; die GMD-Anlage ist eine Occasion aus Sörenberg. 1969 kam eine parallel verlaufende und längere Anlage dazu (Baco, mit Kurve).

Die Müller-Anlage (original von 1950!) ist im Schweizer Seilbahninventar eingetragen: „Vom innovativen, auf Umlaufkabinenbahnen spezialisierten Seilbahnhersteller Gerhard Müller sind nur noch sehr wenige Skilifte aus der Zeit der Firmengründung (1947) in Betrieb. Der in Linden am Schindelberg (…) zählt zu diesen äusserst seltenen Exemplaren und ist zudem in einem beeindruckenden Masse original erhalten.“

Interessant sind die verschiedenen GMD-Stützenformen. Nebst den bekannten Portalmasten mit den runden Ecken (wie Untere Wanne Langenbruck von 1952) sind auch die ganz alten noch zu bestaunen:

Nach diesen beiden Nostalgie-Fahrten gab es auch noch einen warmen Drink aus eines Nostalgie-Tasse:

Mehr Fotos der Skilifte in Linden in diesem Album.

Auch die Skilifte in Linden sind derzeit (14.1.2017) geöffnet. Die Website gibt dazu bestens Auskunft. Auch hier kann man Nachtskifahren; Teil 5 dieser Serie im Jahre 2009 behandelte einen Nachtskifahrabend in Linden, samt Video:


Fazit: Liebevoll gepflegte Anlagen mit höchstem Nostalgiewert, die bei besserem Wetter sicher mehr Spass gemacht hätten. Gerade der Hang in Linden gibt etwas mehr her.

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll-Unterbäch / Le Pâquier-Crêt du Puy

Ich suche Kandidierende und Parteien, die…

  • sich für das Velofahren einsetzen: sichere, effiziente Velowege, viel mehr Veloparkplätze mit Anbindemöglichkeit, Rechtsabbiegen für Velos bei Rot, veloorientierte Ampelsteuerungen und tadellose Velostreifen (breit, keine Schlaglöcher, keine schlecht versenkten Dolendeckel, im Winter rasch schneefrei), subventionierte Velostations-Abos, alle Einbahn-Fahrverbote für Velos aufheben, alle „allgemeinen Fahrverbote“ umwandeln in „Velos und eBikes im Schritttempo OK“
  • sich dafür einsetzen, dass der motorisierte Privatverkehr (sprich: vor allem Autos) möglichst aus der Stadt zurückgedrängt wird und/oder sich für e-Mobilität stark machen, wo individueller Privatverkehr sinnvoll ist
  • sich für mehr Platz für FussgängerInnen einsetzen
  • sich für flächendeckende Temporeduktionen auf Stadtgebiet einsetzen (maximal 30, möglichst viel 20)
  • sich für einen idealen öV einsetzen (gut ausgebaut, moderne Fahrzeuge, möglichst früher/langer Betrieb, weiterer Ausbau)
  • sich klar von Gewalt und Sachbeschädigung distanzieren
  • sich für eine Verfolgung von gewalttätigen (auch „gegen Sachen“) Schwarzblöcklern, 031ern, unkreativen Tagsprayern und Konsorten einsetzen (schöne, kreative Graffitis z.B. an sonst grässlich grauen Mauern kann man ruhig stehen lassen), aber gleichzeitig z.B. eine Ombudsstelle unterstützt, die mögliche / vermutete Polizeigewalt neutral untersucht und für die Sanktionierung fehlbarer PolizistInnen sorgt
  • Videoüberwachung nicht verteufeln, sondern punktuell an neuralgischen Punkten einsetzen wollen (z.B. um im letzten Punkt genannte Menschen schneller zu schnappen oder auch Übergriffe seitens Polizei beweisen zu können)
  • sich für eine kinderfreundliche, familienfreundliche, Stadt mit viel Grün einsetzen
  • sich für die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann einsetzen, aber nicht spitzfindig überall, wo es nur geht, „Sexismus, Sexismus“ schreien
  • sich für erneuerbare Energien, gegen Atom- und Kohlestrom einsetzen und dafür sorgen, dass sauberer Strom für alle möglichst erschwinglich verfügbar ist
  • sich für die möglichst baldige Abschaltung des AKW Mühleberg und aller anderen Kernkraftwerke einsetzen
  • sich für ein Fernwärmenetz einsetzen
  • sich für eine bessere Subventionierung und vereinfachte Bewilligungspraxis privater Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass verfolgte MigrantInnen sich hier möglichst wohl und sicher fühlen können
  • sich dafür einsetzen, dass fremdenfeindliche und rechtsextreme Parolen möglichst streng bestraft werden
  • Privateigentum nicht verdammen, sondern schützen
  • keinen Bezug zu „christlichen“ oder sonstwie religiösen und anderen märchenhaften Einstellungen haben und keine Listenverbindungen mit solchen C- und E-Parteien haben
  • keinen Bezug zu marxistischen, kommunistischen oder sonstwie vorgestriger Linksaussenanliegen haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • keinen Bezug zu rechten Parteien wie der FDP oder Rechtsaussenparteien wie der SVP usw. haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • für eine strikte Trennung von Staat und Kirche sind (z.B. kein Steuereinzug für Kirchen durch den Staat)
  • sich für eine vollständige Liberalisierung aller Öffnungszeiten einsetzen, dabei aber durch flankierende Massnahmen das Wohl der ArbeiterInnen im Auge behalten
  • Leute unterstützen, die beim Zurückdrängen grosser Multis Mut und Eigeninitiative zeigen und nicht einfach unnachhaltige, birnenweiche Demos gegen Ladenketten organisieren, bei denen auch noch Gewalt ausgeübt wird
  • den politischen Dialog mit einer gewissen Bescheidenheit und Realitätsbezogenheit führen und nicht möglichst schrill und laut herumpoltern
  • sich für coole Rahmenbedingungen für Kleinstbetriebe und/oder KMU einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass für SteuerzahlerInnen der Stadt möglichst viele Dienstleistungen der öffentlichen Hand gratis sind
  • keine Wahlwerbung in private Briefkästen werfen oder an Velos anbringen
  • vor Wahlen und Abstimmungen keine Telefonanrufe tätigen (bzw. nur dann, wenn die Angerufenen dem explizit zugestimmt haben – und eine Liste jener führen, die nicht angerufen werden wollen)
  • sich dafür einsetzen, dass die Stadt auch für jene lebenswert bleibt, die es gerne etwas ruhiger haben, ohne Kultur und Nachtleben komplett zurückzubinden
  • dafür sind, dass sozial Benachteiligte möglichst ideal unterstützt, aber auch zur Eigenverantwortung angehalten werden
  • sich dafür einsetzen, dass bewilligte wie auch unbewilligte Demos so gelenkt werden, dass sie den öV und den Alltag der hier lebenden und arbeitenden Menschen nicht nachteilig beeinflussen
  • jegliche GewalttäterInnen (egal, ob rechts- oder linksextrem oder apolitisch) oder Sportveranstaltungs-Vermöbelpöbel möglichst aus der Stadt fernhalten oder entfernen (sprich: dem Gericht zuführen und eine Weile einbuchten) wollen und nicht unter dem Vorwand der „Grundrechte“ idiotisches Verhalten rechtfertigen
  • Andersdenkende oder „besondere“ Lebensformen Lebende (HausbesetzerInnen, Fahrende, Waldmenschen…) möglichst tolerieren, aber ein Fehlverhalten derselben klar sanktionieren (z.B. wenn es andere bei einer angenehmen Lebensführung stört)

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es alles nicht gäbe oder wie sich Bern anfühlen würde, wenn Bern ein rechts stehendes Parlament hätte und einen FDP-/SVP-dominierten Gemeinderat. Bern als linke Stadt passt mir grundsätzlich sehr.

Ich wähle normalerweise Frauen aus dem Links- bis Mitte-Links-Spektrum, meistens Sozialdemokratinnen. Gerade die Velo-Offensive wäre für mich als seit Jahren kritischer Velofahrer ein sehr guter Grund, SP zu wählen. Leider macht es einem die Stadtberner SP derzeit nicht einfach, mit gutem Gewissen SozialdemokratInnen zu wählen.

Nachdem ich in den letzten Jahren kurz vor den Wahlen doch immer wieder schwach geworden bin, wähle ich diesmal ausschliesslich grün. Das fällt mir schwer. Ich kenne viele engagierte SP-Leute persönlich und finde, dass die Partei eigentlich vieles genau richtig macht. Die Velooffensive von Ursula Wyss und anderen SP-Leuten schiene mir z.B. äusserst unterstützenswert. Ich kann mich vermutlich mit 90% der Ansichten der SP nach wie vor solidarisieren.

Da waren aber in den letzten Monaten zu viele Dinge, bei denen ich primär die Nase rümpfe. Als Anti-Spam-Aktivist der ersten Stunde kann ich amimässige „Mobilisierungsaktionen“ wie die Telefonanrufe bei SympathisantInnen keinesfalls gutheissen. Mag sein, dass viele SP-WählerInnen so etwas mögen. Ich tue es nicht, was ich seit Jahren über verschiedenste Kanäle kundtue. Es bringt nichts. Es kommen immer wieder Anrufe, auch dieses Jahr. Es konnte oder wollte mir niemand einen offiziellen Kanal nennen, über den Adressdaten dauerhaft für solchen Unfug gesperrt werden könnten. Eine Partei, die sich für Datenschutzanliegen einsetzt, aber nicht nicht einmal Opt-Out (geschweige denn Opt-In) kennt und ihre Datensammlung nicht im Griff hat? Schade. Ich habe nichts dagegen, wenn die SP diese Methode bei jenen praktiziert, die das schätzen und den Anrufen explizit zugestimmt haben (Opt-In). Aber wenn man zig mal kund getan hat, dass man das nicht will, und immer noch angerufen wird, kommen einem gewisse Zweifel an der Professionalität so einer Partei.

Dass die SP auf Kritik bisweilen betupft statt cool reagiert, ist ihr gutes Recht. Dass sie ihre langjährige Gemeinderätin als Stadtpräsidentin gesetzt sah, und aufgrund der Tatsache, dass dann doch noch zwei andere den Anspruch anmeldeten, fast das RGM-Bündnis zerbrochen ist, kann man als stärkste Stadtratsfraktion womöglich schon so durchzuziehen versuchen. Ob man damit Sympathiepunkte sammelt, steht auf einem anderen Blatt.

Hauptsächlich gestört hat mich aber der Umgang mit den Warmbächli-Areal-Ausschreitungen und die fehlende Distanz zur JUSO, die inzwischen radikal links politisiert und mir mit ihrer fordernden, lauten und arroganten Art unsympathisch ist. Mit konstruktiver linker Politik hat der schrille JUSO-Stil nichts mehr zu tun. Wenn nach einer Krawallnacht die JUSO den üblichen Quatsch von Polizeigewalt und Freiräumen verzapft, von mir aus. Dass aber gar ein SP-Parteisekretär zunächst einmal Begeisterung zeigt statt entweder gar nichts zu twittern oder Illegalität, Lärm und Gewalt zu verurteilen, und sich die SP dann zu keiner klaren Distanzierung von den Ereignissen oder ihrer Jungpartei durchringen kann, bedeutet, dass man es gar nicht so übel findet, was passiert ist. Mag sein, dass Jungparteien eine lange Leine brauchen. Mich als langjährigen SP-Wähler stösst es aber ab, wenn sich die „Erwachsenenabteilung“ nicht nur nicht von der Jungpartei distanziert, sondern die Unerstützungsbildli und Lob-Slogans gestandener SP-ler auf der Facebookseite der JUSO Stadt Bern stehen lässt. Man könnte auch mal sagen: „Leute, ihr seid zu weit gegangen. Nehmt mein Bild von eurer Seite.“

Auch die Distanzierung der SP von der JUSO betreffend des Streichens von Alec von Graffenried auf der Gemeinderatsliste erscheint halbherzig, wenn SP-Mitglieder von Graffenried auf Twitter laufend fröhlich anschwärzen und für die JungsozialistInnen „fanen“ – Teilen der SP scheint es im RGM-Bündnis tatsächlich äusserst unwohl zu sein. Das goutiere ich als Freund konsensorientierter Politik nicht unbedingt. Anstatt auf Facebook zu schreiben „Die JUSO Stadt Bern ist eine eigenständige Organisation und unterstützt (wie auch die JA!) nur einzelne Kandidierende der RGM-Liste“, könnte man auch die internen Kontakte spielen lassen die JUSO bitten, die Aufforderung von ihrer Facebookseite zu nehmen. Aber man lässt JUSO nicht nur gewähren: Auf der Facebook-Seite der JUSO Stadt Bern brüsten sich nach wie vor zahllose SP-Mitglieder damit, wie toll sie die junge Amoktruppe finden. Einige von ihnen retweetet auch fröhlich „“Dy Stapi“ ist nicht mein Stapi“. Und hey, da ist auch er ja wieder, unser Gewaltverharmloser vom Warmbächli!

Mit Verlaub, werte SP, das passt mir ebensowenig wie vorgestrige Begriffe wie „Klassenkampf“ oder „Überwindung des Kapitalismus“, die nun wieder en vogue sein sollen – man kann solche surrealen Träume gerne träumen; ich habe z.B. die 1:12-Initiative beherzt angenommen und bin beileibe kein Gegner von Umverteilung. Aber man muss auch genug realistisch sein und erkennen, dass im Zeitalter von Alpträumen wie Trump, Le Pen, Wilders & Co. radikale Parolen mit einem Wording aus dem Kalten Krieg kaum die Lösung sein können bzw. von weiten Teilen der WählerInnen relativ fassungslos aufgenommen oder gar als lächerlich angesehen werden.

Ich zweifle allerdings daran, dass die SP in der Stadt Bern Verluste erleiden wird.

Das Folgende hat nun weniger direkt mit der SP zu direkt tun als mit einem Problem der Stadtberner Politik an sich.

Radikale Positionen scheinen immer salonfähiger zu werden. Das Kokettieren mit der Coolheit von Militanz, Gewalt oder Illegalität ist in der Stadt Bern bis weit in etablierte Parteien hinein verbreitet. Mir macht es Mühe, wenn ich als Pazifist, GSoA-Mitglied und Sympathisant von Organisationen wie „Public Eye“ oder der Anti-AKW-Bewegung linke PolitikerInnen und AktivistInnen (deren Gesichter ich sonst in Publikationen sehe, die nur Unterstützenswertes enthalten) immer wieder Dinge schreiben sehe und sagen höre, die mit einem friedlichen Umgang miteinander und einer für alle lebenswerten Stadt so wenig zu tun haben. Wenn ich in der Facebook-Gruppe „Mühleberg stilllegen“ ständig Beiträge eines Reithallen-Radikalinskis sehe, der mit der geltenden Rechtsordnung gelinde gesagt nicht viel anfangen kann, dann verlasse ich halt diese Gruppe eher als dass ich mich dort engagiere. Ich habe mit 14, 15 auch radikales Zeug en masse von mir gegeben und war ein kleiner Marxist. Aber irgendwann so ab 20 sollte man spätestens gecheckt haben, dass das Träumen utopischer Ideologien auf diesem real existierenden Planeten nicht besonders zielführend ist.

Unter dem Deckmänteli einer so wichtigen Errungenschaft wie der Grundrechte „so blöd wie möglich“ zu tun oder selbsternannte AntifaschistInnen zu verteidigen, die grösstenteils selbst faschistoide Ansichten haben, ist nicht meine Vorstellung konstruktiver Politik und sinnvoller Meinungsäusserung. Und sicher nicht der Weg, grauenhafte rechtsnationale, fremdenfeindliche und populistische Tendenzen zu bekämpfen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn PolitikerInnen auf Social-Media-Plattformen – ohne mit der Wimper zu zucken – Inhalte von Gruppen geteilt werden, die in der Illegalität oder in Grauzonen operieren. Gibt es einen Namen für das Phänomen, dass man zwar in einem Parlament sitzt, aber bei unkonstruktiven, extremen, bisweilen Gewalt verharmlosenden oder gar anwendenden Kräften möglichst viele Augen zudrückt? Ich verstehe eine solche Haltung nicht. Radikalismus und Polarisierung sind gerade in der aktuellen Zeit, in der so viel bachab zu gehen scheint, ein Teil des Problems und nicht der Lösung.

Natürlich: Wenn ich die Wahl hätte zwischen fünf JUSO-Leuten und einem einzigen SVP-Menschen, würde ich mich ohne mit der Wimper zu zucken für die fünf Sozis entscheiden. Aber zur pointiert links auftretenden, wild herumtelefonierenden Stadtberner SP und ihrer radikalen JUSO-Truppe gibt es ja auch Alternativen, die mir momentan näher stehen.

Having said that: Wenn die JUSO ungestraft dazu aufrufen kann, von Graffenried zu streichen und so RGM zu gefährden, finde ich es legitim, dazu aufzurufen, dieses Jahr andere Parteien des linken Spektrums zu wählen als die SP.

SP-Mitglieder, die sich von Stil und Haltung der JUSO ebenso abgestossen fühlen, die die Telefonaktion in der heutigen Form doof finden und klar hinter der ganzen RGM-Liste stehen, können sich gerne per privater Nachricht melden – es bleibt garantiert unter uns. Ich weiss es, euch gibt es. Eure Namen schreibe ich gerne auf die noch leeren Zeilen meiner Stadtratsliste.

Natürlich sind auch eine GFL und das GB mit der JUSO listenverbunden, und auch die JA! tritt mit Parolen auf, die ich teils ebenso fragwürdig finde wie Aussagen der SVP. Das heisst wohl: Wenn ich in Bern links wählen will, kann ich das nur tun, wenn ich damit auch amoklaufende Jungparteien unterstütze (oder extrem links wähle, was die Welt auch nicht wirklich weiter bringt).

Nun gut: Die sind mir dann halt insgesamt doch näher als die CVP oder EVP, die ich via Listenverbindungen indirekt unterstützen würde, wenn ich die GLP wählen würde, was sich wegen dieser Verbandelung von vornherein ausschliesst. Bürgerlich zu wählen, käme für mich niemals in Frage.

Aber wir haben nun mal die heutigen Parteien und Listenverbindungen, und wie eingangs erwähnt ist mir eine grundsätzlich linke Politik wichtig. Politikmenschen mit einem Hang zur Linksradikalität sind unter dem Strich dann doch das kleinere Übel als Bürgerliche. Aber ich bin eher an Konsens und Ausgleich interessiert als an Utopie und Maximallösungen. Letzteres hilft weder gegen Trumpoide noch gegen SVP und Konsorten. Ich wähle darum dieses Jahr Mittelinks.

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Meine Listenstimme beim Stadtrat gehört dieses Jahr der GFL. Darauf stehen aber nebst den Bisherigen und ein paar neuen auch noch alle Bisherigen und alle neu kandidierenden Frauen des GB.

Beim Gemeinderat wähle ich 2x Franziska Teuscher und 2x Alec von Graffenried – da ich bei der SP aber die Hoffnung trotz allem noch nicht ganz aufgegeben habe und da sie sich stark für die VelofahrerInnen einsetzt, bekommt auch die ohnehin sicher wiedergewählte Ursula Wyss eine Stimme. Als Stadtpräsidentin wähle ich im ersten Wahlgang Franziska Teuscher. Womöglich steht mir Alec von Graffenried politisch etwas näher. Aber ich möchte gerne eine Frau als Stadtoberhaupt, und Franziska ist mir nicht nur aus gemeinsamen Projekten, sondern auch von ihrer Biografie her sehr sympathisch.

Die Atomausstiegsinitiative nehme ich selbstverständlich an.

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Extrablatt der Basler Zeitung zum Brand in Schweizerhalle, verteilt am 1.11.1986 - klicken für grössere FassungNach Challenger und Tschernobyl auch das noch: In der Nacht des 1. Novembers 1986 brach in einer Sandoz-Lagerhalle bei Schweizerhalle ein Grossbrand aus. Ich war damals 14, wohnte in der Region Basel und war nicht der einzige, der bei den ersten Tönen aus dem Radiowecker Hühnerhaut bekam.

Wir haben im Archiv gewühlt und einiges gefunden – hier zum Beispiel eine der ersten Durchsagen auf Radio Raurach (später „Radio Edelweiss“, dann „Radio Basel One“, dann „Radio Basel“, heute „Energy Basel“): Morgenmoderator Rolf Wirz verkündet um etwa 6.15 Uhr in der Früh den aktuellen Stand.

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Für Bewohnerinnen und Bewohner der Region Basel ist Schweizerhalle punkto SonntagsBlick vom 2. November 1986 - klicken für grössere FassungErinnerungsstärke sowas wie 9/11 im Kleinformat – alle wissen noch, wo sie am 1. November waren. Eine meiner ersten Erinnerungen ist ein klassischer Reflex, der an jenem Morgen fatal hätte sein können: In unserem Badezimmer hatte es einen Ventilator, der ansprang, wenn man das Licht anschaltete. Meine Mutter hatte mir gesagt, ich solle vorsichtshalber den Lichtschalter nicht drücken. Man wisse noch nicht, was für Stoffe in der Luft seien. Verpennt, wie ich war, tat ich es natürlich dennoch – und schloss panikartig die Tür, nicht wissend, ob ich nun ersticken würde.

Bei uns im Oberbaselbiet roch man aber wegen dem Ostwind nichts – so drückte ich wieder die Aufnahmetaste an diesem Radiorecorder; um halb sieben kamen die ersten Stimmen einer improvisierten Medienkonferenz auf den Sender:

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Improvisiert war ohnehin so ziemlich alles – die Durchsagen für die ausländische Wohnbevölkerung tönten reichlich handgestrickt:

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Im Nachhinein betrachtet gar locker wirkt der folgende Radio-O-Ton. Andrea Müller, damals Basler Korrespondent von Radio DRS, verkündete in den DRS-Nachrichten um 7 Uhr euphorisch das Ende des Alarms:

„Man kann sich wieder frei bewegen, es wird zwar noch einen Moment weiterstinken. Was einen Riesentrubel brachte, hat sich in Minne aufgelöst.“

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In diesem Artikel der bz basel sind die O-Töne von Radio Basilisk abrufbar, wo Cathy Flaviano, Urs Hobi und mein späterer Live-Radio-Lehrmeister Dani Fornaro den Nachtdienst und die Live-Repos bestritten.

Auf Radio Raurach fassten Peter Rusch und Regula Nebiker am Mittag die Ereignisse zusammen; die Statements der Pressekonferenz erinnern an die frühen Kindheitsjahre der Informationspolitik – die Verantwortlichen und Politiker waren noch alles andere als mediengewandt:

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 3 MB)

Im DRS-Mittagsjournal war erstmals davon die Rede, dass giftiges Löschwasser in den Rhein gelangt sein könnte:

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Der Journalist Peter Kleiber war einer der ersten Augenzeugen; in einem Gespräch mit Peter Rusch von Radio Raurach schildert er am Samstagmittag seine Eindrücke.

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 1.8 MB)

Die Information der Öffentlichkeit war gelinde gesagt nicht besonders glücklich – es hiess, die Schulen seien geschlossen, dennoch waren aber etliche Schulen geöffnet. Auch meine, die Sekundarschule Sissach: Wie wir den 1.11.1986 erlebten und am Nachmittag mit zitternden Knien nach Basel an die Messe fuhren, was die Leute im Tram sprachen, wie wir noch am Nachmittag den Gestank wahrgenommen haben – das alles steht in einem grossen Bericht in der Ausgabe 38 unserer Schülerzeitung „FGOI“ ab Seite 6 (Original vom November 1986 als PDF, 4 MB).

19861101-schweizerhalle-bericht

In der DRS-Tagesschau-Hauptausgabe vom 1.11.1986 – präsentiert von einem jungen Charles Clerc – ist der rot verfärbte Rhein sichtbar. Erste tote Fische künden vom Unheil, das bald zu Tage treten sollte:

Am Montag war das Ausmass des Fischsterbens immer noch unklar; es finden erste Schuldzuweisungen statt. Der Baselbieter Regierungspräsident sinnierte ernsthaft darüber nach, der Bevölkerung nun Gasmasken zu verteilen (Regionalnachrichten von Radio Raurach vom 3. November 1986, 7 Uhr, mit Rolf Wirz).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 1.8 MB)

Die Idee mit den Schweizer Illustrierte vom 3. November 1986 - klicken für grössere FassungGasmasken hatten auch findige Abzocker – Inserate wie hier im Schülerzeitungsbericht gab es zuhauf. Erinnert an die ach so nützlichen Fallschirme für Hochhaus-Büroarbeiter im 21. Jahrhundert, die nach dem 11. September 2001 angeboten wurden.

Später wurde die Diskussion teils gehässig geführt – an Podien flogen Farbbeutel, während die Sandoz weiter verharmloste. Am 10. November 1986 rief auf Radio Raurach Peter Rusch in einem Kommentar beide Seiten dazu auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen bzw. keine sinnlosen Gewaltakte zu begehen (man beachte, damals brachten Lokalradios noch Kommentare; anmoderiert ist der Beitrag von Harry Heusser, der heute TV-Produzent ist).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 890 KB)

Noch mehr Erinnerungen an den 1.11.86 in der „Tageswoche“ (Artikel von 2011) und in diesem Film des Schweizer Fernsehens (2003).

Vor 20 Jahren ging meine erste Website online – diejenige des Instituts für Medienwissenschaft der Universität Bern (das heutige ikmb), wo ich von 1996-2001 mein Unwesen trieb.

Roger Blum und Erwin Koch in einem Seminar 1996Chef Roger Blum (rechts im Bild anno 1996 mit Erwin Koch) sagte dem 24-jährigen Hilfsassistenten mit den grauenvollen Think-Pink-Hemden im August 1996, er solle „mal so eine Houmpeitsch“ machen. Meine Antwort: „Was ist das genau?“

Den Grundstein gelegt hatten zuvor einige netzophile Studierende – ich verdanke meinen heutigen Job quasi Frank Lenggenhager. Ich verfeinerte (aus heutiger Sicht: verschlimmbesserte) den von ihm und einem Freund entworfenen Auftritt mit „GNN Press„, einem der ersten Web-Editoren (entwickelt 1993) – und staunte, als wenig später unter der Adresse http://ubeclu.unibe.ch/imw nach dem Hochladen mittels eines rätselhaften Tools namens „FTP“ tatsächlich eine Website erschien. (Auf „ubeclu“ lagen damals die meisten Uniwebsites.)

Zu Beginn des Wintersemesters 1996/97 – genau in dieser Woche vor 20 Jahren – war es soweit: Die Ur-Fassung hab ich zwar nicht mehr, aber dafür eine sanft renovierte Fassung von 1997. Ein Freund feedbackte am 24. Oktober 1996: „Gute Sache im Internet. Mach weiter so!!“ Die Icons – heute würde man wohl „Kacheln“ sagen, also ein wenig revolutionär war das schon – bestanden übrigens mangels Software (oder Wissen) aus in Word geschriebenen, ausgedruckten und eingescannten „Schildern“.

Der Blogger und seine Halbbrüder anno 1997Damals waren Internetseiten und E-Mail eine mittlere Sensation, und Teammitglieder frotzelten laufend „der Jacomet hat ja eh immer das Mailprogramm offen, unglaublich, da machts dann grad ‚pling‘ wenn so ein Mail kommt – öhm, kostet das eigentlich was, ein Mail zu verschicken?“

Ich (rechts im Bild 1996 mit meinen Brüdern, die 20 Jahre nach dem Bild soeben ihren Bachelor gemacht haben) bekam Panik, denn so sicher war ich mich auch nicht, ob ein Mail denn nun – wie damals ein Telefongespräch – kostet oder nicht.

Dumm war nur, dass mein 486er mit Windows 3.11 ständig abstürzte, wenn jemand ein Attachment über 500 KB schickte. Zudem hatte ich nur einen 640×480-Monitor – dennoch stand auf der Startseite „Best viewed with Netscape/Explorer 2.0 or higher, 800 x 600 high resolution“. Irgendwann konnte dann unser mausarmes Insti neue Compis beschaffen (Pentium mit 2×500 MB Harddisk, boah!), und das Problem war gelöst.

IMW-Website anno 1996 (Klicken für Ausflug in die Netzvergangenheit)Links auf andere Websites setzen war ein unglaublich gutes Gefühl – dass am Bildschirm plötzlich Seiten aus einer ganz anderen Welt erschienen, war in der Webpublishing-Pionierzeit schier unfassbar. Ich war unheimlich stolz, unter einem Bild von sich die Zähne putzenden Studis einen Link zur „Colorado Dentist Association“ gemacht zu haben.

Surfen daheim war noch alles andere als einfach – die Uni bot ab 1997 für Studierende einen Dialup-Access mit 14’400 bps an, der aber ständig besetzt war. Surfen konnte man damit aber zunächst nur auf uniinternen Sites… auf web.archive.org ist archiviert, wie ein neuer, unbeschränkter Dienst angekündigt wird. Hier begegnen wir auch wieder alten Bekannten wie melkor.unibe.ch und sehen, dass die Informatikdienste (ID) empfehlen, Eudora statt Simeon als Mailprogramm zu benutzen. Dazu gibt es Software für Windows 3.x und 95.

Natürlich waren die 1990-er auch die Pionierzeit der Internetpornos, was die Uni Bern vor Probleme stellte – das Netz wurde zusehends langsam, da… lassen wir das. Jedenfalls sperrten die ID – wohl eher im Rahmen einer Sensibilisierungsaktion – jeglichen Webtraffic mit der Zeichenfolge „sex“. Was zur Folge hatte, dass Seiten mit „Gasexplosion“ oder „Essex“ plötzlich nur noch Fehler lieferten.

Ein anderer Freund schrieb im Oktober 1996: „Das Thema Internet gewinnt immer mehr an Aktualitat. Vor einigen Jahren waren ausgesuchte Informatiker und Informatikerinnen stolz auf ihre Visitenkarten, auf welchen das magische Zeichen @ (deutsch: Affenschwanz, englich: at) vorhanden war. Damals prahlte Mann und Frau mit einer eigenen E-Mail Adresse um elektronische Botschaften zu erhalten. Die Zeiten andern sich rasant – und wer heutzutage nicht uber eine sogenannte Homepage im World Wide Web (WWW) verfugt, betreibt eh kein ernstzunehmendes Business. Unterdessen surfen in der Schweiz 700’000 aktive und weniger aktive Leute im Internet herum; eine stolze Zahl – weltweit sollen es bereits uber 50 Millionen sein.“

Er schickte auch gleich die erste URL des Berner Alternativradios „RaBe“ mit: http://ourworld.compuserve.com/homepages/radio_rabe

Genau: Compuserve, HotMetal Pro, HotDog, Suchen mit Hotbot und Altavista (OK, manchmal auch Astalavista, zugegeben)… und dazu eine kurze, handliche Mailadresse andreas.jacomet.1@sm-philhist.unibe.ch – das waren noch Zeiten! Auf Radio RaBe hatten wir als „Fachschaft Medienwissenschaft“ eine eigene Sendung und verlasen auch die aktuellen Internet-Tipps  – hier einige Beispiele aus der Web-Urzeit, als vieles heute Selbstverständliche noch wahnsinnig neu war:

– Was zum Henker ist das „3W“? – Frank erklärts – und erwähnt die „neue Website des ISC“. Zudem wimmelte es schon damals von „stinklangweiligen Seiten“ – immerhin, gottseidank gabs noch keine Blogs. Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 16. April 1996:

 

– Internettipps vom Juni 1997:

 

– Aus einer Zeit, als Windows 95 noch der letzte Schrei war und ich mich mit Windows 3.1 abmühte… Gewisse Angebote sind nur über Compuserve erreichbar, oder was war der URL-minder schon wieder? Und wieso muss man ächtscht Faxen oder schreiben, um mehr Infos zu den vorgestellten Websites zu bekommen? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 24. Mai 1996 (MP3, 2.5 MB):

 

– „Ich bin da nicht so der Web-Spezialist“ – Von wem könnte dieses Zitat stammen? Und wieso findet man die besten Medienseiten via „Bilanz“-Website? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 17. September 1996 (MP3, 2. MB) – In diesem Manuskript haben wir den SRG-Medien, die den Internetzug verpennt hatten, tüchtig eingezeizt.

 

Vor 20 Jahren hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages als Selbständiger mit solchen Dingen mein Geld verdienen könnte, egal von wo aus auf dem Planeten. Und dass das an der Uni aufgebaute Beziehungsnetz bis heute die Ur-Basis meiner Geschäfte ist – 100x mehr Wert als jedes Diplom.

Screenshot der IMW-Website von 1998 bis 2000Wenig später waren wir ab 1998 – mit neuer Website (erstes Bild rechts) – das erste Institut, das Prüfungsresultate online veröffentliche (Matrikelnummer und Note). Eines der Frühwerke von Michael Herrmann war ein Perl-basiertes System, das ab etwa 1999 Prüfungsanmeldung und Notenmitteilung samt Mailings zuverlässig automatisierte und uns Stunden an Arbeit sparte. Im Jahr 2000 gestaltete uns Bastiaan von nothing eine für damals äusserst moderne Website (zweites Bild), deren Design bis zur Übernahme des Uni-Designs Bestand hatte.

„Online first“ war aber Ende der 1990-er nicht jedermanns Sache. In einem Sitzungsprotokoll beklagte ich mich 1999 bitter: „Input fürs Web kommt ab und zu von X und Y, selten von anderen, ansonsten bringt auch mehrfaches Nachhaken praktisch nichts (z.B. Bitte um neue Projekttexte oder themenverwandte Links). Diese Situation ist bisweilen frustrierend. Gerade Fehler auf der IMW-Website werden so kScreenshot der IMW-Website von 2000 bis 2003aum entdeckt. Viren-Hoaxes werden wie in der Internet-Steinzeit weiterhin fröhlich weitergeleitet, obschon mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass solche Meldungen reiner Unfug sind. E-Mails werden ausgedruckt, obwohl das Verschieben in eine andere Mailbox reichen würde. Linkvorschläge werden manchmal auf Papier eingereicht. Aus der Situation lässt sich eine geringe Sensibilisierung für Online-Anliegen herauslesen.“

Gut, einiges hat sich bis heute nicht verändert…

Mich hatte inzwischen der Internet-Virus aber komplett gepackt – ich brach das Studium ab und entwickelte zusammen mit Role ab Mitte 2000 beim Kanton Bern die ersten Websites der Staatskanzlei, des Grossen Rates, der Gesetzessammlung Belex sowie für Wahlen und Abstimmungen. Auch diese Pionierjahre möchte ich trotz aller Kämpfe gegen eine gewisse Innovations-Lethargie der öffentlichen Verwaltung nicht missen.

Find‘ ich gut. (8 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Jeden Herbst, wenn die Verlängerung des Generalabonnementes ansteht, der gleiche Ärger: Die SBB verlangt für das Partner-GA eine Wohnsitzbestätigung. Diese kostet in Bern 20 Franken. Faktisch bezahle ich für mein GA also mehr als andere in der gleichen Lebenssituation.

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Nun kann man einwenden: Wenn ich mir ein GA leisten kann, sollten auch die 20 Franken zusätzlich kein Problem darstellen.

Das ist aber zu kurz gedacht, denn das Stossende an der Sache ist nicht der geringe Mehrpreis des Fahrausweises, sondern dass die SBB Konkubinatspaare schlechter stellt als Verheiratete oder eingetragene Partnerschaften. Letztere kommen leicht um die „Strafgebühr für Unverheiratete“ herum.

Mit der geltenden Regelung habe ich keine Chance, das Zusammenleben mit meiner Partnerin anders nachzuweisen als mit einem Dokument, das ich bei der Gemeinde gegen Gebühr beschaffen muss.

Zu den 20 Franken, welche die Stadt Bern verlangt (was einem Stundensatz von rund 2400 Franken entspricht), kommt der Zeitaufwand. Wir alle haben Sinnvolleres zu tun als jedes Jahr – trotz unveränderter Situation – die gleichen Formulare auszufüllen oder persönlich bei der Einwohnerkontrolle anzutraben. Vor allem, wenn andere in der gleichen Lage eben dies nicht tun müssen.

Verheiratete oder in einer eingetragenen Partnerschaft Lebende können gemäss der heutigen Regelung einfach ihr Familienbüchlein (oder den Parterschafts- oder Familienausweis) kopieren und sind fein raus. Kopien dieser Dokumente sind nota bene leicht zu fälschen, denn auf einer Beglaubigung beharrt die SBB seltsamerweise nicht.

Gemäss dieser Seite ist die Bedingung für den Bezug eines vergünstigten Partner-GA das „Leben im gemeinsamen Haushalt“. Aber:

  • Dass Verheiratete nicht immer unter dem selben Dach leben, ist der SBB offenbar egal.
  • Dass Paare manchmal noch Jahre nach einer Trennung auf dem Papier verheiratet sind, ignoriert die SBB.
  • Dass das Partner-GA problemlos auch für Nicht-Paare „erschleichbar“ ist, wird toleriert (die Wohnsitzbescheinigung gibt es auch für Wohngemeinschaften).

Fazit: Ein „GA-Partner-Bschiss“ wäre vielen Menschen problemlos möglich. Konkubinatspaare müssen aber in jedem Fall – ob sie ehrlich sind oder nicht – jedes Jahr die Bescheinigung bezahlen.

Haus- oder Wohnungsbesitzerinnen und -besitzer könnten, werte Bundesbahnen, übrigens auch einen Grundbuchauszug einreichen – dieser ist bezüglich „Wert“ bzw. Betrugsmöglichkeiten mit dem Familienbüchlein oder der Wohnsitzbestätigung vergleichbar. Dort steht immerhin, dass meine Partnerin und ich das Haus an unserer Postanschrift zu je 50% besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch als Paar beide dort wohnen, ist ebenso gross wie bei Verheirateten mit gleicher Adresse. (Und mit gewissen Beziehungen kommt man immerhin gratis zu einem Grundbuchauszug.)

Auch die Kopie einer Begünstigungsklausel in der beruflichen Vorsorge mit dem Stichwort „Konkubinat“ würde ich punkto Offizialität und Fälschungssicherheit den oben genannten „SBB-konformen“ Dokumenten gleichsetzen.

Was wären Lösungen, die gerechter sind als die heutige? Ein paar Ideen:

  • Wenn der SBB eine Gleichbehandlung ihrer Kundinnen und Kunden wichtig wäre, müsste sie auch von Verheirateten alljährlich die Wohnsitzbescheinigung verlangen. Oder beglaubigte Kopien anderer Dokumente. Dies wäre aber kaum kundenfreundlich.
  • Darum wäre eine grundlegende Änderung des GA-Rabatt-Modus die bessere Lösung: Egal, ob Paar oder nicht – den Rabatt gibt es, wenn zwei oder mehr Generalabos für zwei oder mehr Personen mit der selben Postadresse zusammen bestellt und bezahlt werden.
  • An einem anderen Ort angesetzt: Die Gemeinden sollten die Gebühren senken. Warum ich meiner Gemeinde als Steuerzahler für eine nicht anspruchsvolle Kurzdienstleistung von fünf Minuten 20 Franken bezahlen muss, ist mir schleierhaft.
  • Den hier beschriebenen Ärger gäbe es nicht, wenn ich bei der Gemeinde online einen Auftrag erstellen könnte, im Sinn von: „Bis Widerruf jedes Jahr Wohnsitzbestätigung am 1.11. per Post senden.“ Mit einer Gebühr von 3-5 Franken pro Jahr könnte ich sogar noch leben.

Und wenn die SBB weiterhin auf der Bescheinigung beharrt?

  • Die SBB könnte andere Dokumente als Wohnsitzbestätigungen oder Familienbüchlein akzeptieren, z.B. einen aktuellen Grundbuchauszug oder eine Bestätigung der Begünstigung in der beruflichen Vorsorge.
  • Die SBB könnte den Betroffenen Gutscheine in der Höhe einer durchschnittlichen Wohnsitzbescheinigung verschicken, die man für internationale Tickets oder Mitfahr-GAs verwenden bzw. verschenken kann.
  • Etwas Vertrauen in Stammkunden wäre schön: Die SBB könnte die Bescheinigungen – wenn sie darauf beharrt – nach mehrjährigem Bezug eines Partner-GA nur noch alle 2-3 Jahre verlangen. Immerhin habe ich seit über einem Vierteljahrhundert unterbruchsfrei ein Generalabo. Und seit über zehn Jahren die gleiche Partnerin.
Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

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