Die Aussage eines Lobbyisten, ich solle doch “einfach die Krankenkasse wechseln”, wenn ich unzufrieden sei, machte mich wütend – gerade für chronisch Kranke ist diese Aussage höchst zynisch. Die meisten haben mit ihrer Krankheit schon genug zu tun, zahlen ohnehin den gesamten Selbstbehalt und brauchen nicht noch ständig administrativen Aufwand und Wechsel ins Ungewisse. In einem staatlich weitgehend regulierten Bereich wie der Grundversicherung braucht es keinen Wettbewerb. Darum ein klares Ja zu einer (vom Gesetzgeber möglichst konsumentenfreundlich auszugestaltetenden) öffentlichen Krankenkasse am 28. September.

Heute hatte ich auf Twitter ein kleines Rencontre mit Felix Schneuwly von Comparis. Zumal 140 Zeichen einer sinnvollen Diskussion nicht immer zuträglich sind, hier eine etwas ausführlichere Fassung meiner Argumentation.

Es geht um die Einheitskasse, über die das Volk hierzulande Ende September abstimmt.

Zur weiteren Ausgangslage:

– Ich habe seit meinen späten Teenagerjahren Morbus Bechterew, eine rheumatische Erkrankung, die mir das Leben eine zeitlang ziemlich mühsam gestaltet hat. Dank neuer Medikamente bin ich seit 2002 zwar nicht beschwerdefrei, kann aber meistens ein normales Leben führen. Wer es nicht weiss, merkt es nicht. Heute bekomme ich alle 10 Wochen eine Infusion; andere Medis benötige ich kaum noch. Natürlich habe ich die Minimalfranchise von 300 Franken und bezahle diese – wie auch den gesetzlich vorgeschriebenen Selbstbehalt von 700 Franken – jährlich voll.

Felix Schneuwly wechselte 2011 vom Krankenkassenverband Santésuisse als Head of Public Affairs zum Internet-Vergleichsdienst Comparis.

Dass Herr Schneuwly in einer reichlich theoretischen Welt leben muss, zeigen seine beispielsweise auf Twitter gemachten Aussagen zu Werbeanrufen – auch so ein Lieblingsthema von mir. Kein Gesetz hält notorische Random Dialer und viele andere schwarze Schafe davon ab, mich gegen meinen Willen telefonisch zu belästigen – und ich habe weder Lust noch Zeit, solche Leute anzuzeigen.

Natürlich ist Felix Schneuwly in Sachen “öffentliche Krankenkasse” Partei: Sein Vergleichsdienst würde mit der Einführung einer Einheitskasse zumindest teilweise überflüssig. So ist es ihm eigentlich nicht zu verübeln, dass er – das ist sein Job als oberster Kommunikator – vollen Einsatz gibt.

Damit sind wir aber auch bei einer fast schon philosophischen Frage, die uns schon bei in der Diskussion mit Mitarbeitenden von Telefonmarketern umtrieb: Ist es ein redlicher Job, Dinge zu tun, die andere nerven (Werbeanruf-Ausführende) oder chronisch Kranken solche Dinge an den Kopf zu werfen (Schneuwly)?

Wechseln Sie zu einer besseren, wenn Ihre Krankenkasse Fehler macht. Sind Monopolisten unfehlbar?

Hat der Mann gar kein schlechtes Gewissen dabei, sich zunächst über den Ärger von Spam-Anruf-Geplagten mit Floskeln und Theorie fernab jeglicher Realität hinweg zu setzen – und mir dann auch noch nonchalant einen Kassenwechsel zu empfehlen?

Offenbar nicht!

Felix Schneuwly weiss wohl nicht, wie es sich anfühlt, eine Rechnung von 9000 Franken zu bekommen mit dem Text “wird Ende Monat Ihrem Konto belastet” – nota bene sind da aber nur 3000 drauf. Tja, da hat meine ach so tolle Versicherung wieder mal einen Fehler gemacht. Oder doch nicht? “Dieses Medikament kann gemäss Blablabla unserer Bedingungen nicht vergütet werden.” – Natürlich weiss ich inzwischen, dass das immer ein Fehler ist. Dummerweise kommt er aber öfters vor (honni soit… versuchen es die Kassen nicht einfach manchmal und gucken mal, ob man’s merkt?) – und hat jedesmal einen administrativen Aufwand zur Folge.

Wechseln soll ich dann also laut Herrn Schneuwly. Aha.

Er hat offensichtlich auch keinen blassen Schimmer davon, wie es ist, als dringendst auf pünktliche Überweisungen Angewiesener ständig zu Zweifeln bei einem Kassenwechsel: “Machen die das wirklich besser? Die Kritiken sind gut, aber… ach, ich bleibe doch lieber da wo ich weiss, was ich habe. Ich habe doch auch die Zusatzversicherung da, vielleicht geben sie sich dann mehr Mühe…” – An sich müssen per Gesetz ja ohnehin alle genau das gleiche tun.

Genau: Wettbewerb in einem weitestgehend regulierten Bereich ist sowas von überflüssig.

Die Erfahrungen von mir und meinem Umfeld: Konkurrenz hin oder her – Kassen zahlen langsam, machen viele Fehler, bürden den Kunden viel Arbeit auf (“Neu müssen Sie für Rückforderungen dieses Formular ausfüllen”), versenden dafür aber gern dümmliche Hochglanzprospekte oder “Kundenmagazine” mit Reisetipps und irgendwelchen Erfolgsstrories von “Fallmanagern”.

Und genau darum wurde ich Ihnen, Herr Schneuwly, gegenüber etwas deutlicher:

Auf genau diesen Wettbewerb sch… ich als chronisch Kranker, der einfach jeweils schnell Geld braucht (…) Sie haben Nerven, echt! Gebe Ihnen gern ein Stückli Rheuma ab – mal schauen, wie gross Ihre Lust ist, sich noch mit diesem Admin-Kram zu beschäftigen. Schämen Sie sich für Ihre Aussage!”

Auf seine naive Frage, warum er sich schämen soll (spielt er das bloss oder merkt er es wirklich nicht?), antwortete ich:

Weil Sie null Verständnis für chronisch Kranke haben und den Nerv, mir den üblichen Lobbyistenbullshit an den Kopf zu werfen. Ihr Blabla hilft niemandem, weder Gesunden noch Kranken. (…) Dann setzen Sie sich da ein statt ihre wirtschaftlichen Pfründe auf unserem Buckel zu verteidigen.

(Mit “da” meinte ich, dass er sich lieber dafür einsetzen sollte, dass es eine gute, kundenfreundliche Einheitskasse gibt, als seinen Vergleichsdienst zu retten, was er durchschaubarerweise gerne möchte.)

Es ist grenzenloser Zynismus, Herr Schneuwly, uns chronisch Kranken zu empfehlen, die Kasse zu wechseln. Darum griff ich zu zweifellos nicht wahnsinnig sorgfältig gewählten Worten. Aber ich stehe dazu und wiederhole sie hier darum gerne noch einmal. Ich hätte ein schlechtes Gewissen dabei, Menschen, die – viele andere weitaus mehr als ich – an ihrer Krankheit beissen, zu empfehlen, die Kasse zu wechseln.

Natürlich haben Sie nachgeschoben, dass ich Sie nicht beleidigen solle. Ich entgegnete, dass Sie mich wütend gemacht hätten – ich sei eben nicht einer, der im Büro hocken, faseln und für seinen Dienst lobbyieren kann, sondern ein Direktbetroffener. Einer, der überhaupt keine Lust hat, an Kassenwechsel (und den damit verbundenen Administrativkram) zu denken, sondern einfach froh ist, wenn die Gesetze eingehalten werden – sprich: Die Medikamente “auf der Liste” anstandslos schnell bezahlt werden.

Denn, genau: wechseln ist ja soooo einfach. Nur dumm, dass man das erst in einem halben Jahr wieder darf (und das auch nur mit der Minimalfranchise), wenn man gemerkt hat, bei einer Schrottkasse gelandet zu sein, und dann 26 Wochen durch die Hölle muss. Bei etwas, das für unsereiner existenziell ist. Tauschen wir mal ein paar Wochen?

Logisch heilt keine Einheitskasse unsere Bräschten. Aber wenigstens muss ich nicht ausgerechnet der Firma, die mir soeben einen überflüssigen Vierfarbendruckprospekt geschickt hat, zig mal anrufen und melden, dass sie wieder mal etwas falsch gemacht hätten. Und bibbernd hoffen, dass ich diese horrenden Rechnungen nicht wirklich selbst blechen muss.

Was denken Sie denn, Herr Schneuwly: Dass unsereiner nicht die Galle hochkommt angesichts “hey, wechseln Sie doch einfach die Kasse”? Sie wollen Ihren Job bei Comparis retten, gewissermassen auf unserem Buckel? No way, Sir – das ist für mich spätestens seit dieser Episode kein “decent Job” mehr. Ich bitte Sie, ein wenig mehr Mensch zu sein als Head of Weissnichtwas. Ich mag Ihnen und allen anderen eine gute Arbeitsstelle sehr gönnen. Aber seien wir ehrlich: Es braucht keinen Wettbewerb in der Grundversicherung. Und ob Comparis dabei drauf geht, spielt angesichts der gesellschaftlichen Gesamtzusammenhänge keine Rolle. (Ralf, einer meiner Comparis-Helden, möge mir verzeihen und kurz beide Augen zudrücken.)

Was aber bei einer Einheitskasse ganz klar sein muss: Bei einer so zentralen Institution müssen Fehler – die überall passieren, da haben Sie Recht – so minim wie möglich gehalten werden. Klar definierte Fristen, ein gutes Controlling und eine Art “Publikumsrat” wären bei einer Einheitskasse zwingend. Abgerechnet werden muss zu 100% “hintendurch”, ohne dass ich zuerst die Rechnungen bekomme und “Bank spielen” muss.

Ich bin als Kleinstunternehmer durchaus ein Freund des Wettbewerbs und des Marktes. Bei einer obligatorischen Grundversicherung ist Wettbewerb aber nur die zweitbeste Variante. Die einzig vernünftige Lösung – schlank und ohne Auswüchse – ist eine (durch flankierende Massnahmen möglichst konsumentenfreundlich getrimmte) Einheitskasse.

Wenn wir gerade dabei sind: Noch ein paar Randspalten (die nun mit Herrn Schneuwly nichts mehr zu tun haben).

Für chronisch Kranke (ich hasse die Bezeichnung und lasse mich ungern darauf reduzieren, aber es heisst nun halt einmal so) erscheinen auch andere Dinge in unserem Gesundheitswesen ungerecht: Dass ausgerechnet jene, denen es am schlechtesten geht, in einem so genannt solidarischen System überdurschnittlich viel beitragen (durch die automatische jährliche Zahlung des gesamten Selbstbehaltes und den Verzicht auf Prämienrabatte), ist stossend. Ausserdem ist nicht einsehbar, warum mein Wohnort einen Einfluss auf meine Prämie haben sollte: Würde ich meine Schriften in meinen Heimatort Sedrun verlegen, würde ich automatisch weniger Prämien zahlen, wäre aber genau gleich krank wie vorher. Im Zeitalter des Pendelns und der Mobilität ist nicht einsehbar, warum es Prämienregionen gibt. Es sollen alle gleich viel zahlen (könnte man bei den Steuern übrigens auch gleich einführen).

Abgesehen davon ist auch im Privatversicherungswesen, diesem miefenden Sumpf von Ungerechtigkeit und Unsympathie, Verbesserungspotenzial drin.

Die Lust, den Versicherungen generell das Handwerk zu legen und alles am besten zu verstaatlichen, steigen immens, wenn man als einfacher Rheumatiker (der vermutlich nie bleibende Schäden haben wird) von Agentur zu Agentur wandert, jedesmal diese demütigenden Gesundheitsfragebogen ausfüllt: Bechterew, eine Tibiakopffraktur, einmal Nierensteine, and… you name it – schon während der Stift ansetzt, weiss man, dass dir diese Arschgesichter in den Glaspalästen mit ihren fetten Offroadern keine Chance geben. Oder so ähnlich.

Ich wollte, als ich mich selbständig machte, eine saubere Vorsorgelösung, und wäre gerne bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen (was vor 65 soviel heisst wie “viel bezahlen”). Keine Chance – bei allen Produkten abgeblitzt. Morbus Bechterew, machen wir nicht, peng, aus. Bleibt also die dritte Säule – und wohl Ergänzungsleistungen. Ich falle also der Gesellschaft zur Last, obschon ich selbst Verantwortung tragen wollte.

Darum zeige ich im Geiste allen Versicherern den Mittelfinger, auch wenn es leider nicht ganz ohne sie geht. Am 28. September haben wir die Gelegenheit, zumindest einige Korrekturen vorzunehmen.

Und nun schmerzen leider meine Finger und meine Schulter zu sehr von der ganzen Tipperei – ich werfe nun mal 75mg Diclofenac und ein Gramm Paracetamol ein. Auf dass bald einmal eine öffentliche Krankenkasse meine Lebenselixiere pünktlich bezahle.

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Nachdem gestern und heute auch die Konsum-Sendung “Espresso” über “Travel Cash” berichtet hat, ist klar, dass es noch viel schlimmer ist, als ich im Winter geschrieben habe.

Hier die Links zu den Audio-Beiträgen:

Böse Ferien-Überraschung mit Travel Cash (5. August 2014)

Travel Cash: Unerwartete Gebühren ärgern Kunden (6. August 2014)

Nebst den – erst seit kurzem auf der Website der Kartenherausgeberin “Swiss Bankers” ausgewiesenen – Zusatzgebühren des Geldautomatenbesitzers (in den USA bis zu 8 Dollar zusätzlich zu den 5 Dollar, die Swiss Bankers korrekt angibt) fallen offenbar auch Gebühren an für die Rückbuchung der Restbeträge auf der Karte. Zudem werden trotz des Slogans “Keine Jahresgebühr!” (er wird hoffentlich bald von der Website verschwinden) nach Ablauf – je nach Restbetrag – dennoch zusätzliche Gebühren abgebucht.

So eine Frechheit hätte ich nicht für möglich gehalten. Unsere lieben Schweizer Banker wieder einmal! Es ist wirklich eine unendliche Geschichte.

Werter Thomas Beck, Geschäftsführer von Swiss Bankers: Sie wehren sich vehement gegen meinen im Espresso-Beitrag geäusserten Vorwurf der Abzockerei. Ja, aus Ihrer Warte mag das stimmen, denn entgegen der Positionierung Ihres Produktes hat die Karte mit “Cash” überhaupt nichts zu tun.

Es ist eine stinknormale Prepaid-Kreditkarte, wie sie zahlreiche Institute herausgeben. Von “Cash” keine Spur!

Es ist klar, dass Sie dafür die entsprechenden Gebühren bezahlen müssen. Und wir auch.

Nur: Herr Beck, dann haben Sie doch immerhin die Grösse, einzugestehen, dass Sie einen Kommunikationsfehler gemacht haben, und verstecken Sie sich nicht hinter Phrasen. Wir Kundinnen und Kunden haben ehrliche Menschen meist lieber als solche, die herumdrucksen, selbst wenn sie argumentativ längst in die Ecke gedrängt sind. Auch dass Sie die Fremdautomaten- und andere Gebühren so lange wie möglich weit hinten oder ganz versteckt hielten, und von Fall zu Fall (trotz des Slogans “keine Jahresgebühr”) “Bearbeitungsgebühren” verlangen, spricht Bände.

Sie haben durch die Positionierung von “Travel Cash” als Nachfolgeprodukt der beliebten “Traveler’s Cheques” eine kommunikativ unterirdische Leistung vollbracht.

Gut – aus Ihrer Sicht als Gebührenabschöpfer war es natürlich ein brillanter Schachzug. “Cash” hätte aber ehrlicherweise in Ihrem Komm-Konzept überhaupt nichts verloren gehabt. Sie hätten einfach sagen müssen: “Wir haben die Traveler’s Cheques abgeschafft. Ein gleichwertiges Nachfolgeprodukt existiert nicht.” Ein Gebührenvergleich steht in meinem Beitrag vom Januar – im Travel Cash: zu hohe GebührenAusland gibt es diese Cheques interessanterweise noch. Honni soit…

Die Schweizer Banker sagten sich vermutlich: “Hey, this is Switzerland [mit arrogantem Zürcher Bankerdialekt aussprechen], da lässt sich das Volk einfacher melken, die haben’s ja! Lass uns doch einen Pseudo-Nachfolger lancieren, bei dem wir möglichst bei jeder Transaktion etwas abschöpfen können, und unsere lieben Bankenfreunde im Ausland auch gleich. Die Marke Swiss Bankers hat einen guten Ruf. Die Leute merken doch das nicht! Wir dürfen einfach keinesfalls das Wording ‘Prepaid-Kreditkarte’ oder so verwenden, denn da wissen viele schon, dass hohe Gebühren anfallen.”

Welche Agentur Sie auch immer auf diese Fährte gelockt hat: sie hat sich für diese – mit Verlaub – Verarschung der Konsumentinnen und Konsumenten sicher gut bezahlen lassen. Vielleicht mit den horrenden Gebühren, die “Travel Cash” verursacht.

Herr Beck: Sie haben mit dieser Taktik meine wohlverdienten Ferien – und die vieler anderer – ein kleines bisschen mühsamer gemacht.

Sie haben auch das Geschenk meiner Eltern zu meinem 40. Geburtstag (Reisegeld auf einer Travel-Cash-Karte) mit Ihrer Taktik von 1000 auf 900 Dollar zusammenschmelzen lassen, ohne dass die Schenkenden etwas davon geahnt hätten – sie hatten die Karte in gutem Glauben bei ihrer lokalen Bank bezogen.

Schämen Sie sich dafür.

Eine öffentliche Entschuldigung, eine Überarbeitung der Kommunikationsstrategie von Travel Cash und ein sofortiger Stopp ungerechtfertigter Gebühren für alle (Kontoführung nach Ablauf, Überweisung Restbeträge) wären womöglich vertrauensbildende Massnahmen.

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Auf Seite 11 in der Gripen-Zeitung: Ein Text zur Mindestlohninitiative, der einem BZ-Artikel verblüffend ähneltDass das unsägliche Gripen-Pamphlet im Zeitungsformat (gleich wie die ebenso unsäglichen SVP-Blättli) trotz Stopp-Kleber im Briefkasten lag, haben wir schon zur Genüge diskutiert. Und dass auf Seite 11 noch ein themenfremder Verriss der Mindestlohninitiative zu lesen ist, war angesichts der Herausgeberschaft auch fast zu erwarten.

Dass aber ebendieser Text in weiten Teilen einem Artikel im redaktionellen Teil der “Berner Zeitung” gleicht, wirft Fragen auf.

Am 5. April schrieb der frühere BZ-Chefredaktor Michael Hug unter anderem diese Sätze:

40 bis 80 Mitarbeitende zählt der Betrieb – rund 25 verdienen weniger, als von der Mindestlohninitiative gefordert wird. Manche ungelernten Angestellten kommen bloss, um in einer Saison Geld zu verdienen und wieder in die Heimat zurückzukehren. Für solche Leute, oft ohne Fach- und Sprachkenntnisse, seien 3400 Franken nach ihren Massstäben angemessen, sagt Gisela Heller. Die Ambitionierteren würden sich rasch um Weiterbildung bemühen, und ihnen biete der Betrieb auch entsprechende Möglichkeiten. Schon mit einer Anlehre, im Gastgewerbe wird sie «Progresso-Ausbildung» genannt, steigt der branchenverbindliche Mindestlohn auf 3600 Franken.

In der Gripen-Zeitung ist der Abschnitt leicht gekürzt und modifiziert zu finden:

Im “Hotel Eiger” und im Partnerbetrieb “Mountain Hostel” sind je nach Saison 40 bis 80 Mitarbeitende tätig. Rund 25 verdienen weniger als der von den Gewerkschaften geforderte Mindestlohn von 4000 Franken. Zu wenig? Für ungelernte Saisonangestellte ohne Fach- und Sprachkenntnisse seien 3400 Franken angemessen, findet Gisela Heller aufgrund ihrer Erfahrungen. Schon mit einer Anlehre im Gastgewerbe steige der Mindestlohn auf 3600 Franken.

Im BZ-Text steht:

Die Kaderlöhne im Selfness Eiger Hotel bewegen sich zwischen 5000 und 8400 Franken. Gerade mal zusammen 15’000 Franken zahlen die Eheleute Heller sich selbst als Monatslohn aus. Nicht gerade eine fürstliche Entschädigung dafür, dass sie das unternehmerische Risiko tragen und ein Pensum von deutlich über 45 Stunden pro Woche arbeiten.

In der Kampfjet-Werbung lautet der Text:

Im “Eiger” liegen die Kaderlöhne zwischen 5000 und 8400 Franken. Zusammen zahlt sich das Besitzerpaar Heller 15’000 Franken als Monatslohn aus, für das hohe unternehmerische Risiko und ein Arbeitspensum von weit mehr als 45 Stunden pro Woche!”

Die geneigte Leserin, der geneigte Leser denken sich: Verblüffende Übereinstimmungen, momou.

Und ich denke mir: Ein Grund mehr, den Mindestlohn anzunehmen (und als KMU-Mensch und Hochpreisinsel-Gegner habe ich mir den Kopf sehr lange darüber zerborochen) sowie die Pilotenspielzeuge aus Schweden bachab zu schicken.

(Wie ich darauf gekommen bin? – Ich wollte wissen, ob es die “ungelernte Serviceangestellte Carmen Aeberhard” wirklich gibt, die im Abstimmungs-Blatt ein Statement samt Foto abgibt. Ja, offenbar ist sie kein Stock-Image-Konstrukt einer PR-Agentur, wie ich zuerst vermutet hatte. Google findet aber sehr schnell auch den Text aus der “Berner Zeitung” zu diesem Thema – wo sie ebenfalls abgebildet ist und zitiert wird. Wer hat da wem abgeschrieben und wer hiess das allenfalls gut?)

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Zusammenfassung: Anspruchsvolle Anwenderinnen und Anwender, die täglich mehrere Stunden am Bildschirm verbringen, finden derzeit kaum brauchbare Notebooks. Fast jedes Gerät weist in mindestens einem zentralen Punkt Usabilitymängel auf, die das Gesamtbild zu “unbrauchbar” abwerten: Mal eine zu kleine Festplatte, mal eine zu hohe Auflösung usw. Schliesslich habe ich mir ein HP-Businessnotebook zusammenstellen lassen – das auch nicht perfekt ist, aber dem Idealfall recht nahe kommt.

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Der Support für Windows XP ist endgültig Geschichte – Microsoft zwingt hunderttausende unbescholtene User, bestens funktionierende Hardware entweder zu Elektroschrott werden zu lassen oder zu stundenlangem Um-/Neukonfigurieren.

So musste ich kürzlich auch mein noch bestens laufendes fünfeinhalb Jahre altes Notebook in Zwangspension schicken. Klar: Gewissen Macken werde ich nicht nachtrauern. Die Auflösung von 1366×768 Pixeln ist heute an der unteren Grenze, der Systemstart dauerte eine kleine Ewigkeit, der Bildschirm hatte die von Sony-Vaio-Geräten bekannten Flecken, der Lüfter war laut, die vereinzelten WLAN-Abstürze (aufgrund der Tatsache, dass Windows XP nur halboffiziell lief – das Auslieferungs-OS wäre damals Vista gewesen) nervten.

Dennoch hatte das kleine, leichte Gerät alles, was ich brauchte. Vor allem aber verkommt ein Neukauf momentan zu einer Tortur:

Windows 8? Würg! Mag ich nicht. Jedesmal, wenn ich auf einem 8er-Rechner ohne “Classic Shell” hocke, habe ich inzwischen nach wenigen Minuten einen Tobsuchtsanfall.

Keine separaten Tasten neben dem Touchpad, sondern “alles in einem”? O welch beschissener Designschnickschnack! Ach, was für ein Usability-Müll, was für ein Haptik-Nuller! Hier tritt der Tobsuchtsanfall nach wenigen Sekunden ein, wenn ich unbeabsichtigt Ordner irgendwo hin verschoben habe, da gerade zwei Finger auf dem Pad waren und die schrottreife Software nicht erkannte, dass meine Fingerbewegung keine Geste bzw. Klick war.

Unbrauchbar: Touchpad ohne separate Maustasten

Glossy Monitor? Schön, aber ich will keine Spiegelbilder sehen, sondern den Content aus dem Rechner.

Ultrabook ohne Brenner? Nun gut. Da brauch ich aber einen externen Brenner. Viele Kunden wollen nach wie vor Backups auf physischen Datenträgern (ob das sinnvoll ist, lassen wir mal beiseite – es ist einfach so). Aber, OK, diese Anforderung habe ich inzwischen gestrichen.

Touchscreen? Wozu? Dafür habe ich ein Tablet und Smartphone. Da ist das sinnvoll. Aber auf meinem Notebookscreen will ich garantiert keine Fingerabdrücke – ieks, wie ich das hasse.

Riesen-Auflösung à la QHD+? – Hey, ich will ohne Lupe arbeiten können! Alles, was über 2000 Pixel in der Breite misst, ist für den täglichen Gebrauch bei meiner Wunschgrösse von 13-14 Zoll schlicht unbrauchbar. Manchmal frage ich mich schon, wer so einen Usability-Quatsch plant.

SSD statt konventionelle Harddisk? Super! Gerne! Nur… allein schon die 320er-Platte auf dem alten Notebook war randvoll. Die standardmässig verbauten 128GB und 256GB genügen also sicher nicht; Cloudspeicher interessieren mich nicht, ich brauche meine Daten jeweils umgehend, wenn ich sie abrufen will. Ein Notebook mit einer defaultmässigen Konfig von 1TB SSD existiert schlicht nicht.

Meine Wunschliste vor dem Neukauf war also klar: Windows 7 Pro 64bit, matter Bildschirm, 1TB SSD, min. 16GB RAM, max. 1920 Pixel Auflösung in der Breite, vom Touchpad abgetrennte Maustasten unterhalb des Pads, ein über 120° aufklappbarer Monitor wegen meines Notebookhalters (den ich aus gesundheitlichen / ergonomischen Gründen benötige), Gewicht unter 1500g, möglichst geringe Geräuschkulisse.

Fazit: Selbst in einem gut assortierten Laden gibt es kein Laptop, das diesen Ansprüchen genügt.

Auch wenn ich 2000+ Franken auf den Tisch zu blättern bereit wäre: There is no such device.

Ein Latitude von Dell vielleicht? Das hat immerhin noch separate Maustasten und bietet Windows 7. Aber: 4GB RAM und keine SSD (bei den grösseren Platten)? Nur ein i5-Prozi? Nein danke!

Ein zufällig abgemachtes Nachtessen mit zwei alten Studienkollegen brachte die Lösung: Thomas hatte sich genau die gleichen Gedanken wie ich gemacht und liess sich bei einer auf Geschäftskunden spezialisierten IT-Firma ein HP-Notebook custommässig zusammenstellen. Netterweise durfte ich sein Gerät ausprobieren und kam zum Schluss: Das ist das einzige, das derzeit in Frage kommt. Zudem sind netterweise Ende letztes Jahr 1-Terabyte-SSD auf den Markt gekommen.

Das HP Elite Book 9470m, das ich bei einem Kollegen netterweise testen konnte, erfüllt fast alle Kriterien.

HP Elite Book 9470m mit Dockingstation und der Verpackung der verbauten 1-Terabyte-SSD Samsung EVO 840

Nur hat es keinen besonders angenehmen Bildschirm; er ist zwar matt, aber mit einem augenfälligen Bildqualitäts-Unterschied, sobald man den Betrachtungswinkel auch nur minim ändert. Bei geringen Vibrationen sieht das aus wie ein Flackern. Zudem wirken einfarbige graue Flächen schnell einmal “regelmässig gefleckt” und flackern leicht – leider vor allem Scrollbalken, die man fast in jedem Fenster hat.

Grummel: Bildschirme sind nach wie vor die Achillesferse eines Notebooks. Die einen verbauen viel zu hohe Auflösungen und fast nur noch spiegelnde glossy Screens, Sony hat zwar seit Jahren sensationelle Bilder abgebende Monitore (die aber nach wenigen Wochen Flecken bekommen), und wenn man dann mal einen matten Moni findet, ist er von minderwertiger Qualität. Pff.

Und sonst? – Der Lüfter ist zwar auf Normallast nicht besonders laut, zischt aber ausgerechnet in einem unangenehmen Frequenzbereich. Finden übrigens auch andere: Link 1, Link 2.

Beides habe ich halbwegs umgangen: Ich habe eine Dockingstation und einen Monitor dazu gekauft – so ist das Notebook nicht unmittelbar vor dem Gesicht und der Lüfter kaum mehr hörbar, ausserdem ist auch gleich das Kabelchaos gelöst. Praktisch. Unterwegs kann ich mit dem minderwertigen Monitor leben.

Auch der Fingerabdrucksensor fürs Login ist eine nette Sache. Leicht störend ist der von IBM-Lenovo bekannte “Maus-Chnubel” (Trackpoint) in der Mitte – leider gibt’s das Gerät nicht ohne. Kann ich aber verschmerzen, da ich ohnehin meist eine externe Tastatur und Maus benutze. (Das interne Keyboard des HP ist allerdings toll; die Tastaturanschläge sind nur unmerklich hörbar).

Mühsam, aber zu überleben: Trackpoint mitten auf der Tastatur

HP bietet standardmässig maximal auch nur eine 256GB-SSD, aber Firma Business IT war äusserst zuvorkommend und baute mir die aktuelle 1TB-SSD von Samsung ein. Das Unternehmen kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Der Kontakt verlief ausgezeichnet.

Achtung: Das Nachfolgegerät von HP weist bereits das unbrauchbare “Alles-in-einem”-Touchpad ohne separate Tasten auf! Das HP Elite Book 9470m, das auch Old-School-Typen wie mich fast gänzlich zu überzeugen vermag, gibt es vermutlich nur bis Ende Mai 2014 – so hurry up! Ich vermittle bei Bedarf gerne eine direkte Ansprechperson, PM genügt.

Meine Konfiguration kostete etwas über 3000 Franken (wer “nur” die Standardkonfig ohne Extras nimmt, bezahlt natürlich deutlich weniger): i7-3687U-CPU, 16GB RAM, 1TB-SSD, Win7 Pro 64, 4-Zellen-Akku 52 Whr, Dockingstation, Fingerprint-Reader, 4 Jahre Next-Day-OnSite-Garantie, Assemblierung (Harddisktausch / betriebsbereiter OS-install).

Ein sehr stolzer Preis; dieses Jahr wird es also keine grossen Ferien geben.

Dafür gebe ich gerne zu, dass ich inzwischen meinem antiken VAIO keine Träne mehr nachweine. Auch den Look von Windows 7 konnte ich mit Classic Shell (das ich auch für Win7, nicht nur 8, wärmstens empfehlen kann) sehr nahe an das gewohnte “klassische” Aussehen von Windows 2000 / XP heran führen. Die Umgewöhnung punkto OS hält sich also in Grenzen. Die Konfiguriererei dauerte aber natürlich Stunden bis Tage. Nun, sei’s drum. (Wenn wir noch fertignörgeln wollen: Silber statt schwarz? Unschön, aber eine reine Äusserlichkeit.)

Der Systemstart kommt dank SSD zeitlich fast an Win8 heran, der i7 und eine Menge RAM sorgen für äusserst flüssiges Arbeiten, die Dockingstation ist praktisch. Fast sämtliche in den Jahren liebgewonnene Software ausser Office 97 habe ich auf Win7 zum Laufen gebracht. LibreOffice tut’s aber auch. Und die Neukonfig war eine willkommene Motivation, den Dinosaurier Eudora durch Mozilla Thunderbird zu ersetzen.

Das alte Sony Z11-MN und das neue HP Elite Book 9470m

Insgesamt bereue ich keine investierten Franken und Stunden. Das neue System ist wirklich eine flotte Sache.

Dass ein gewöhnlicher Bildschirmarbeiter im IT-Garten des Herrn aber im normalen Handel schlicht kein brauchbares Notebook findet (und dass auch Windows 8.1 mit Bordmitteln nicht auf die in 20 Jahre lang eingewöhnte Oberfläche zurückgestellt werden kann), ist ein Armutszeugnis für die Industrie.

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Im Hinterland zwischen Thunersee und Emmental liegen zahlreiche Kleinstskigebiete, von deren Existenz nur Einheimische und Skiliftfreaks etwas wissen. Oder – Hand aufs Herz – waren Ihnen die Anlagen in Heimenschwand oder Wilerallmi ein Begriff?

Bekannter sind hingegen die Skilifte Eriz, neudeutsch “Snowpark Innereriz” genannt. Seit Mitte der 1960er-Jahre surren hier am Fuss der Sieben Hengste ein kurzer Teller- und ein langer Bügellift.

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

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Gerade Familien finden im hinteren Zulgtal ein kleines Skiparadies vor: Im gut assortierten Schneechutzli-Park können sich die Kleinsten bestens vergnügen, etwas Fortgeschrittenere haben Freude am 300m langen Tellerlift Schwändli – und auch gute FahrerInnen kommen am 1400 Meter langen Skilift Obersohl auf ihre Kosten.

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

Der 1965 von Küpfer Steffisburg gebaute Lift erschliesst zahlreiche Pistenvarianten. Die schwarze Piste ginge zwar in einem grossen Skigebiet nicht als schwarz durch.

Göttimeitschi Sophie (7), die heute ihren allerersten Skitag des Lebens auf “grossen” Pisten hatte, war aber sichtlich stolz, bereits den höchsten Schwierigkeitsgrad gemeistert zu haben – es scheint, dass am Samstag ein grosses Talent entdeckt wurde und ich um eine coole Pistenbegleitung reicher bin:

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

Der Skilift Obersohl wurde leider 1986 von Garaventa seines ursprünglichen Bildes beraubt; das interssiert aber primär Skiliftfreaks, die immerhin heute noch den seltenen Steffisburger Portalstützentyp bestaunen können (auch wenn hundsgewöhnliche Garaventa-Rollenbatterien dran hängen).

Das gemeine Volk erfreut sich hingegen daran, dass der Skilift damals auch um 140m verlängert wurde und um eine lange blaue Pistenvariante “hintenrum” reicher. Das Gelände ist ohnehin ideal, abwechslungsreich und coupiert – mit Passagen durch Tannenwälder und freie Flächen mit einzelnen alten, knorrigen Laubbäumen.

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

Skifahren in Innereriz, März 2014 - klicken für mehr Fotos

Die Innererizer Lifte laufen in der laufenden Saison 2013/14 noch bis und mit Sonntag. Prädikat: Sehr zu empfehlen.

Video des Skitages in Innereriz am 8. März 2014. Mehr Bilder hier; Forums-Bericht von 2013 hier.

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Valée de Joux / Elsigenalp

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Früher nahm ich auf Reisen in die USA nebst einem kleinen Grundstock Bargeld stets American Express Travelers Cheques mit. Beim Kauf wurde eine Kommission für die Versicherung berechnet – und das war’s dann auch schon mit Gebühren. Wären die Checks einmal geklaut worden, hätte sie Amex laut Eigenwerbung innert 24 Stunden ersetzt.

An der Tankstelle konnte man dann einen Fünfziger kommissionsfrei wie Bargeld abgeben und bekam das Wechselgeld von rund 30 Dollar in bar – so hatte man dann für Kleinsteinkäufe wieder genug Cash.

Leider gibt es in der Schweiz diese Checks nicht mehr. Swiss Bankers wirbt mit dem Satz: “Mit der Travel Cash Karte bieten wir Kunden, die bisher mit Travelers Cheques gereist sind, eine hervorragende Alternative an.”

Leider ist diese Alternative alles andere als hervorragend, wie ich auf der Reise im letzten Herbst (Westen, New York, New England) feststellen musste.

Travel Cash: zu hohe GebührenDie Travel-Cash-Karte ist im Prinzip nichts anderes als eine Prepay-Debitkarte von MasterCard, die wie eine Kreditkarte benutzt werden kann. Nach den Erfahrungen muss ich das Produkt aber klar in die Kategorie “vereinte Bankenabzockerei” einordnen und kann sie leider nicht empfehlen. (Update August 2014: Gemäss diesem Beitrag von SRF ist Travel Cash inzwischen eine Kreditkarte.)

Wieso? – Schön der Reihe nach.

Auch bei TravelCash (in der gewünschten Währung – z.B. US$ – ausgestellt) bezahlt man für die Grundaufladung ein Prozent Kommission, die den Betrag automatisch gegen Verlust versichert. Im Gegensatz zu den Cheques, die in der Regel keine Einlösegebühren mehr verursachten, kommen bei TravelCash zur Grundkommission noch teils horrende Automatengebühren dazu, die jede Bank selbst festlegt. Ich habe in den USA zwischen 3 und 7 Dollar alles erlebt, dazu kommen noch 5 Dollar Gebühr von TravelCash selbst.

Das läuft dann drauf hinaus, dass man von Bank zu Bank springt und diejenige mit den tiefsten Gebühren sucht – keine nette Ferienbeschäftigung.

Sobald der geneigte Reisende das System mit den hohen “ATM fees” begriffen hat, beginnt er natürlich damit, mehr Cash zu ziehen, um die Pro-Bezug-Kommissionen zu vermeiden – was dann wiederum die Gefahr erhöht, dass man bei einem Diebstahl viel Geld abschreiben kann, da ja nur der Betrag auf der Karte versichert ist.

Damit ist der einzige wirkliche Vorteil der Karte dahin. Zudem beschränken einige Banken jeden Bezug auf 200 Dollar, und in den meisten Mini-Automaten in Geschäften funktionierte die Karte gar nicht erst.

Was kostet das nun konkret? Viel! – Rechnen wir einmal mit 1000 Dollar Aufladung. Die Karte wird mit dem vollen Betrag geladen; das CH-Bankkonto wird in CHF zum Tageskurs (und inklusive Kommission) belastet.

Ich beziehe in den USA sodann 10mal 100US$ an Automaten und bezahle dafür im Extremfall je 10 Dollar Gebühren. Am Ende kann ich also statt 1000$ nur 900$ frei benutzen, der Rest waren Bankgebühren und Kommissionen. (Das ist zwar eine Maximalrechnung, meistens bezahlte ich pro Bargeldbezug allerdings nur ein kleines bisschen weniger: 8 Dollar.)

Screenshot aus der Travel-Cash-App eines typischen Bancomatbezugs in den USA: 140 Dollar bezogen, 8 Dollar Gebühr bezahltAm Ende drücke ich also 70-100 Dollar nur für Gebühren ab. Für dieses Geld gehe ich lieber ein paar Steaks essen oder zahle einen Jahrespass für Nationalparks als dass ich sie gierigen Bankinstituten in den Schlund stopfe.

Praktisch an TravelCash sind allenfalls die Übersicht über das Konto via Web oder Smartphone-App sowie die Möglichkeit des berührungsfreien Zahlens (PayPass, sofern die Stamm-Kreditkarte dies nicht schon unterstützt) aber auch hier wird mit einem Dollar pro Einkauf – im Verhältnis zu den meist kleinen Beträgen – viel zu viel Kommission abgezwackt.

Zudem bleibt auf der Karte nach der Reise oft ein minimaler Restbetrag (bei mir z.B. 2.89$), um den sich vermutlich nur die wenigsten noch bemühen (laut Swiss Bankers kann man sich diese Beträge aber zurück überweisen lassen, natürlich wieder mit einem Kursverlust).

Für jede Aufladung der Karte musste ich zudem stets meine Bank kontaktieren. Das ist kompliziert und müsste heutzutage über eine Überweisung oder online möglich sein.

Im Vergleich zu Cheques, die man (nach einer einzigen Kommission beim Kauf) wie Bargeld benützen konnte, ist TravelCash somit punkto Handling und Gebühren ein klarer Rückschritt. Die Karte ist nur etwas für Menschen, die zu viel Geld haben und nicht auf die Ausgaben achten müssen.

Angesichts der Tatsache, dass man auf Reisen ohnehin meist nicht ausgeraubt wird, werde ich das nächste Mal genügend Dollar in Cash mitnehmen und notfalls halt am Automaten mit der EC-Karte Geld zupfen (Automat auf Skimming-Geräte prüfen und Code verdeckt eingeben) – so fallen zwar die erwähnten Bezugsgebühren auch an, aber ohne Kommission und in geringerem Ausmass. Selbst zwei Diebstähle von ein paar hundert Dollars im Leben sind unter dem Strich günstiger als die horrenden Travel-Cash-Gebühren.

Es ist also wie bei der Haftungsreduktion, die einem Autovermieter stets andrehen wollen: Über ein Leben gesehen sind selbst mehrere Unfälle mit dem höheren Selbstbehalt immer noch günstiger als die viele unnütz an Versicherungen überwiesene Kohle.

Ich bin allerdings vollkommen selbstverschuldet in die Travel-Cash-Falle getappt. Schon 2008 schrieb ein User bei BloggingTom: “Wer es als Besitzer einer solchen Karte noch nicht gemerkt hat, dass er nach Strich und Faden beschissen wird, ist selber schuld.” Wie recht er hat.

Wie die HandelZeitung in einem bisweilen nach PR duftenden Artikel schreibt, sind solche Karten vor allem ein Geschäft mit der Angst der Kundinnen und Kunden.

Travel Cash kann man also getrost abschreiben. Die Variante “Kreditkarte als Basis; genug Bargeld für Kleinstbeträge; EC-Karte/Postcard für Notfall-Cashbezüge” ist – über Jahre gerechnet – mit Abstand am günstigsten.

Find’ ich gut. (23 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Ich habe 2013 genau so wenig über mein 20-Jahre-Jubiläum in Bern geschrieben (weil man das auch nach 25 Jahren noch tun kann, sofern man das dann noch für nötig hält), noch meine geplante Serie zu einer Reise vor 20 Jahren fortgesetzt, noch habe ich eines meiner Lieblingsnostalgiethemen zum Jubiläum “30 Jahre Lokalradios” vertieft.

Mickrige 27 Blogbeiträge sind dieses Jahr erschienen. Neuer Minusrekord. (Umso schöner dafür, dass noch nie so viele Leute auf JacoBlök waren wie 2013 – die Details stehen weiter unten.)

Dafür habe ich fast 1000 Tweets abgesetzt, die meisten mit Bildern – darum ist die klassische “Fotowand” eine Collage aus sämtlichen Twitterfotos des Jahres.

Die Originale sind ohne jegliche Anmeldung wunderschön sortiert hier frei verfügbar. Tipp: Immer weiter runter scrollen, auch wenn’s scheinbar nicht mehr geht, aktiviert den Download noch älterer Bilder.

Das war 2013 - die vertwitterten Bilder des Jahres als bunt gemischte Collage

Auch mich hat also der Paradigmenwechsel voll erfasst, den in den letzten Jahren schon so manchen Blogger ereilt hat: Kurzfutter und das schöne Foto von unterwegs auf Twitter, ausführlichere Gedanken bei Bedarf weiterhin im Blog. Twitter ist ebenso öffentlich wie dieser Blog, darum verstehe ich viele Banausen-Kommentare wie “ich will aber kein Twitter, blogge doch wieder mehr” nicht – man “braucht” nichts, man schaut einfach, genau wie eine Blog-Website.

Dass trotzdem noch hunderte Zugriffe wöchentlich auf JacoBlök erfolgen, ist schön – und dass nach “Tanz dich frei” an einem einzigen Tag 4672 Leute vorbeischauten (und im ganzen Mai über 10’000), freut mich. Das sind alles neue Rekorde.

Traurig hingegen: Murrli brachte das Jahr 13 kein Glück. In diesem Sommer starb meine Sedruner Lieblingskatze den fiesestmöglichen Unfalltod. Das war mein Tiefpunkt des Jahres – er war ein ganz besonderer Kater.

Aber sonst stand im Rahmen der Möglichkeiten möglichst extensiver Lebensgenuss an möglichst schönen Orten im Vordergrund: 2013 besuchte ich erstmals Oslo und verliebte mich in Kanelbollen, unsere Haussanierung ging endlich glücklich zu Ende (soweit sowas je zu Ende ist), ich kehrte nach 5 langen Jahren Pause endlich nach San Francisco und östlich davon zurück, reiste nach einer Woche Brooklyn in den erholsamsten Wochen seit langem durch Neuengland und in den entlegensten Chrachen der Provinz Québec, wir ernteten in Handarbeit eine Vierteltonne Oliven im geliebten Südfrankreich, das Geschäft lief einigermassen OK, einen historischen Buchbeitrag habe ich endlich auch wieder mal verfasst, an Heiligabend wurde ich zum dritten Mal Götti. Und was man jedes Jahr behaupten kann, behaupte ich auch heuer – ich ass vermutlich genussvoller und besser denn je, hatte schönere Skitage denn je und war mehr erkältet denn je.

Und zum Schluss das traditionelle “Best Of JacoBlök 2013″ – der Rückblick auf die aus persönlicher Warte wichtigsten Blogbeiträge des Jahres:

Von Sunrise zu Swisscom, Teil 1: Der schleichende Niedergang von Sunrise – weil ich es im Nachhinein kaum fasse, wie ich den Fehler begehen konnte, einer Bastlerfirma wie Sunrise so lange zu vertrauen – die Telekommunikation funktioniert seit dem Wechsel zu Swisscom schlicht tadellos und ärgerfrei, während Sunrise immer noch täglich massive Schelte in Massenmedien und Social Media bekommt. Geschieht ihnen Recht.

Der grosse Stadtbrand – weil es dieser zufällige iPhone-Pano-Schnappschuss in den Meteotest-Kalender 2014 schaffte.

Vintage-Skifahren, Teil 22: Heiligkreuz-First im Entlebuch – weil dies der schönste alte Skilift des Winters mit dem gesprächigsten und urchigsten Personal war.

Die JacoBlök-Extension auf Twitter – weil ich dieses Jahr nur 37 Blogbeiträge, aber beinahe 1000 Tweets abgesetzt habe und hier eindeutig ein schleichender Wechsel stattfindet.

Grenzenlos naiv – weil es mich masslos ärgert, wenn selbst an sich vernünftige Menschen irgendwelchen pubertären Bullshit sowie Gewaltanwendung verteidigen.

Windows XP: Microsoft, bitte Support verlängern! – weil es eine Unverschämtheit ist, dass Microsoft ohne valable Alternative ein wunderbares Betriebssystem beerdigt, das nebst mir noch Hunderttausende andere Menschen problemlos verwenden.

Faule Ferien – weil mir auf den Reisen dieses Jahres die Erholung wichtiger war als die Berichterstattung, was eigentlich eine beruhigende Entwicklung ist.

Zu den nackten Zahlen: Trotz meiner Blogabstinenz hat sich die Anzahl Besuche massiv erhöht, von rund 162’000 anno 2012 auf über 245’000 dieses Jahr, so viele wie noch nie. Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser (im Durchschnitt ca. 285 pro Tag, soweit die Technik das auseinander halten kann).

Blog-Abrufstatistik 2013

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Noch weiter zurück in der Zeit:

Der Rückblick 2012
Der Rückblick 2011
Der Rückblick 2010
Der Rückblick 2009
Der Rückblick 2008
Der Rückblick 2007
Der Rückblick 2006

Ach ja, fast vergessen: Peanut Butter. Crunchy, chunky. Und nur von Skippy. Happy new year to all you guys.

Find’ ich gut. (6 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

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