Heute vor 10 Jahren startete dieses Ding hier: JacoBlök.

Das Projekt und der Name waren eine spontane Idee an einem lauen Berner Frühlingsabend in der Bürogemeinschaft. “Versuch doch mal dieses WordPress”, sagte der Sultan. Gesagt – getan.

Der erste Beitrag vom 19. April 2005 war ein Rant auf die damals ausgestrahlte Sendung “Traumjob”, der erste Kommentar ein Test des besagten Sultans. Nummer zwei handelte von der Wahl Ratzingers zum Papst. In Nummer drei ging es dann bereits um etwas, das in diesem Blog programmatisch werden sollte: Nostalgiefotos (Autor mit Grossvater und Kuh anno 1972).

Wenig später tauchten die ersten – damals noch undeutlichen – Handyfotos (gemacht mit einem Nokia 6230) in JacoBlök auf: Dem Völkl Racetiger bin ich bis heute treu geblieben. Der Musik auch – und dem öffentlichen Zelebrieren von Dingen, die ich gerne tue, ebenfalls.

Auch wenn sich JacoBlök inzwischen fast gänzlich auf Twitter verlagert hat: Zum Zehnjährigen ein grosser Dank an WordPress, die nach wie vor unglaublich gute und zuverlässige Open-Source-Software, die seit Beginn an kaum je Probleme machte und die im Gegensatz zu anderen CMS jedes Update schadlos überstanden hat.

Der seit Monaten geplante Relaunch wird sich weiter verzögern: Viel Arbeit und viel unterwegs. Derzeit auf Cape Cod, zuvor in Washington, Philly und Boston, später New York. Täglich mehr dazu auf Twitter – unter anderem mit spektakulären Bildern vom Whale Watching gestern:

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Zum Jubiläum schwinge ich keine grossen Worte mehr, sondern mache einmal mehr einen auf Nostalgie- und Vergleichsfotos sowie thematisches Chrüsimüsi (wo gibt es schon Meeressäuger und Vintage-Skibilder auf der gleichen Seite?).

Denn in diesen Tagen ist es auch genau 40 Jahre her, dass ich in Sedrun zum ersten Mal auf den Skis stand:

Erster Skitag, Frühling 1975

Im Frühling 1975 zog ich auf dem “Idiotenhügel” in Valtgeva meine ersten Schwünge in den Schnee. Etwas, das ich später als Erwachsener während 30-60 Tagen pro Winter tun würde. Vermutlich habe ich inzwischen total rund zwei Jahre des Lebens auf der Piste verbracht.

Auf diesem Video sieht man am Schluss den ersten Skitag auf Super-8-Film gebannt (ab 8:24):

Natürlich haben mein Vater und ich “40 Jahre danach” unsere erste gemeinsame auf Film festgehaltene Skiszene diesen Winter möglichst adäquat nachgestellt:

Erster Skitag, Frühling 1975

Aber jetzt lassen wir die Bilder aus dem Familienfotoalbum 1975 für sich sprechen.

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Offenbar hatte da jemand Spass an diesem Dings mit dem Schnee und dem Gleiten darauf und machte seine Sache gut – das Schrie nach einer Belohnung in einem Bereich, der auch 40 Jahre und etliche Kilos danach noch einen zentralen Bereich im Leben einnimmt: Fein Essen.

Sedrun, Frühling 1975

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Diese Woche vor genau 30 Jahren machte ich in den Frühlingsferien in Sedrun eine stattliche Anzahl Dias.

Ich ahnte 1985 zwar noch nicht, dass “Vergleichsfotos X Jahre später” eine meiner grossen Leidenschaften sein würde. Aber zumindest ahnte ich, dass ich diesen alten Skililftbügel vom Schrotthaufen retten musste – ganz zum Leidwesen meines Vaters, der sich vermutlich dachte, was er da für einen Komplett-Irren auf die Welt gestellt hatte (was natürlich irgendwie schon stimmt):

Stolzer 13-Jähriger mit seinem ersten kompletten Skiliftbügel in der Sammlung

Dass das edle Teil dereinst dekorativ an meinem eigenen Haus in Bern hängen und zu einer kleinen Spaziergänger-Attraktion werden sollte, wäre vor 30 Jahren ebenso ein wirres Hirngespinst gewesen wie die Tatsache, dass es noch mehr Seilbahnnostalgiker und Sammelwütige in diesem Land gibt.

Der einzige gerettete Sedruner Bügel aus den Anfangszeiten in Bern

Immerhin handelt es sich bei diesem skilifthistorischen Sammlerstück um eine wichtige Episode der Sedruner Skigebietsgeschichte.

Das Doppelmayr-Gehänge hing ab 1961 am ersten Skilift des Dorfes in Valtgeva, den Battesta Soliva aufstellte (und der – leicht modifiziert – heute noch am “Idiotenhügel” steht). Die Geschichte dieser Anlage ist hier mit Originaldokumenten nachgezeichnet. Später wurden diese Bügel an den VW-Motor-Skilift in Surrein verlegt, an dem ich ab 1975 ebenfalls oft fuhr. Damals wiesen sie noch Griffe und Sitze aus Holz auf, wie in dieser Werbung:

Skiliftbügel-Werbung aus den 1960ern

Doch damit zu den Vergleichsbildern! Die Bilder von 2015 stammen aus der letzten Woche.

1985 gab es noch keine einzige Sesselbahn im Hauptskigebiet Dieni-Milez und damit auch keine Verbindung via Val Val zum Oberalppass. Man kam zwar auf den Pass und (ab 1980) mit einem sausteilen Lift (der heute im Emmental steht) wieder nach Cuolm Val, aber nicht wieder zurück auf den Pass – ausser natürlich mit der damaligen Furka-Oberalp-Bahn FO.

Die beiden langen Hauptlifte von 1962 (deren Geschichte hier erzählt wird) sind hier schön sichtbar. Heute hingegen stehen dort eine Sesselbahn von 1994 und eine von 2006:

Sedrun 1985-2015 / Klicken für grosse Fassung

Auffällig: Vor 30 Jahren führten noch etliche Stromleitungen mit ungepolsterten Masten quer über die Pisten.

Der Blick vom Sedruner Elternhaus aus in Richtung Süden (Val Nalps, Cuolm Cavorgia, Surrein, Piz Vatgira) zeigt vor allem grosse Veränderungen bei der Bewaldung. Zudem wurde in den 1990er-Jahren eine neue Zufahrtsstrasse nach Surrein erstellt, und der Skilift steht seit 2003 nicht mehr.

Sedrun 1985-2015 / Klicken für grosse Fassung

Dass es 30 Jahre später eine Livekamera geben würde, die jederzeit über ein “Internet” Einblicke in diese Richtung erlaubt, hätte man sich 1985 nicht im Traum vorstellen können.

Seit 1985 sind noch ein paar Häuschen dazu gekommen (das Bild von 1985 wurde einen Stock tiefer als das von letzter Woche aufgenommen):

Sedrun 1985-2015 / Klicken für grosse Fassung

Zum Abschluss noch der Ausblick aus dem Haus meiner Tatta: 1985 kam gerade Norman die Via Gionda herunter spaziert, 2005 sieht man auch hier vor allem, dass die Bäume tüchtig in die Höhe geschossen sind.

Sedrun 1985-2015 / Klicken für grosse Fassung

Der Wald am Bostg im Hintergrund fiel 1990 grösstenteils dem Sturm “Vivian” zum Opfer. Inzwischen ist doch ein beträchtliches Stück nachgewachsen.

Das Originalbild von 1985 kann in voller Grösser hier heruntergeladen werden (JPG, 7.1 MB). Womöglich erkennt sich ja noch jemand in diesem Ausschnitt?

Sedrun 1985

(Der Herr mit Schnauz ist eben Norman Rawcliffe, der im Dorf nicht ganz unbekannte Kunstmaler englischer Provenienz; er ist leider schon 2005 verstorben.)

Wenn wir gerade dabei sind, noch ein kleiner Ausflug ins Unterengadin.

Aus dem selben Winter stammt das folgende Video des Skigebietes Scuol / Motta Naluns. Seither sind fast alle Skilifte durch Sesselbahnen ersetzt worden. In diesem Filmchen sieht man die Skimode aus der Mitte der 1980er-Jahre noch etwas ausführlicher.

Und diese Scuoler Bilder schliesslich stammen zwar aus dem Jahre 1980 – aber ein Leckerbissen für Nostalgiker sind sie alleweil:

Skigebiet Scuol-Motta Naluns, 1980

Skigebiet Scuol-Motta Naluns, 1980

Skigebiet Scuol-Motta Naluns, 1980

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Der Sedruner SoFi-Skitag begann früh mit perfekten Pulver- und Sulzpisten:

Sedruner Skigebiet

Sedruner Skigebiet

Nach einigen sensationellen Abfahrten ging dann auch am Himmel ein wunderbares Schauspiel los. Natürlich hatten wir eine Ersatzsonnenbrille und ein Stück unbelichteten, entwickelten Film (nota bene von 1983) mitgenommen. Durch dieses Equipment fotografiert sah die Sonne nach halb zehn bereits leicht angefressen aus:

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Immer mehr Leute schauten gen Himmel…

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

… und etwa um halb elf war dann auch schon der Zeitpunkt der grössten Bedeckung erreicht. Das Licht wurde etwas fahler, aber natürlich weit entfernt von der Stimmung im Sommer 1999, als ich extra ins Elsass gepilgert war.

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

So langsam dachten wir wieder ans Skifahren – und schossen unterwegs noch ein paar Sonnenfinsternisfotos.

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Nach so viel Finsternis musste dringend eine kulinarische Aufheiterung her.

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 aus dem Sedruner Skigebiet

Das gibt es nicht alle Tage: Wunderbare Pisten, ein fast wolkenloser Himmel für den perfekten Sonnenfinsternisgenuss, zwei Sudada-Schnitzel. Ein Hoch auf diesen 20. März 2015!

Mehr Bilder von heute in diesem Album sowie in diesem Forum.

SoFi-Erinnerungen in diesem Blog:

Die totale Finsternis 1999
“Wieder mal SoFi-Fieber” (2006)
“Sonnenfinsternis: Scheisswolken!” (2011)

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Bevor die kalte Jahreszeit definitiv vorbei ist: Wer erinnert sich ans Itinger Dorfskirennen im Januar 1985?

Vor 30 Jahren lag erstmals in meinem bewussten Leben so viel Schnee im Baselbieter Dorf, wie ich es sonst nur aus den Bergen kannte.

Der Turnverein stellte am Dreikönigstag kurzfristig ein Skirennen auf die Beine. Die Strecke lag hinten im Tal, kurz vor der Lehmgrube, und führte zwischen Hochstamm-Kirschbäumen durch. Gestoppt wurde von Hand mit Startzeichen per Funk. Je Älter man war, desto weiter musste man hochkraxeln (und dabei natürlich auch die Piste in den 20-30cm hohen Schnee stampfen). So wurde die Kante zwischen dem Waldweg und dem Steilhang zur Schlüsselstelle.

In der 26. Ausgabe unserer Schülerzeitung “FGOI” (PDF, 2 MB) berichteten wir Ende Januar mit Begeisterung und samt Pistenplan vom Dorfskiderby. Es war eine Zeit, in der es keine Carvingski gab und in der die ersten Snowboards erst gerade aufkamen.

Bericht zum Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Wer noch mehr Fotos von damals hat, soll sich doch melden.

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

Skirennen in Itingen BL am 6. Januar 1985

(Fotos: Stefanie Jacomet / Letzte 2 Fotos: Martina Lüthy)

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Im auslaufenden Jahr schrieb ich kaum Blogbeiträge, veröffentlichte aber über 1000 Tweets. Allein im 4. Quartal 2014 erreichten diese fast 50’000 Impressionen (während die Blog-Seitenaufrufe zwischen 4800 und 3000 pro Monat schwankten).

Hier ein kleiner Streifzug durch das Gezwitscher und prägende, fröhliche, traurige, denkwürdige oder einfach stinknormale Ereignisse des Jahres:

– 19.1.: Wie eine währschafte Landbeiz halt so sein muss – Weil es auch 2014 so manchen kulinarischen Höhepunkt gab.

– 29.1.: Die Ortlergruppe mit ordentlicher Föhnhaube – Weil ich zum ersten Mal in Österreich Ski gefahren bin und nun weiss, warum es da so viele Schweizer hat.

– 6.2.: Die Angriffswelle rollt – Weil… Pöftli!

– 7.2.: Falsch, Herr Schaeppi – ich wechsle bald weg, da Fix/DSL bei Ihnen zu teuer ist und ich TV nicht brauche – Weil die Swisscom punkto Mobilnetz unschlagbar ist, im Bereich DSL/Festnetz/TV aber tierisch nervt.

– 9.2.: Massenei…nschmelzung. Das haben wir soeben mit 50.3% der Schwiizerli gemacht. Stinkt jetzt etwas weniger im Lande – Weil man da ruhig ein paar Ja-Stimmen hätte verschwinden lassen können. So ganz unauffällig.

– 12.2.: Man nannte ihn “Brennender Zeh” – Weil diese Bergkette da hinten immer noch die schönste ist.

Badus bis Pazolastock

– 20.2.: Und dann zeigt sich der Monviso doch noch in voller Pracht / 21.2.: So muss das sein. Ein alter Graffer-Tellerlift in San Giacomo di Roburent, Piemonte / 22.2.: Ein wunderbarer Morgen beim Camp d’Argent war das: Ein alter Poma-Schlepper und Skifahren mit Meersicht / 23.2.: Viele Lebewesen im Süden waren heute äusserst produktiv / 24.2.: C’est chouette, le ski à la Côte d’Azur – links Alpen, rechts Mittelmeer / 24.2.: Welch angenehme Gegend: tagsüber Skifahren, abends Essen am Meer. Die Croisette ist im Winter deutlich unaufgeregter / 27.2.: Wäre natürlich famos, jetzt durch die Gorges du Loup runter an die Küste zu carven und gleich ins Meer einzutauchen – Weil Skifahren im Piemont und an der Côte d’Azur (mit Meerblick) wunderbar ist, und am selben Tag Skifahren und am Meer essen des Ausbund an Lebensqualität ist, wie diese “Tour de Ski avec Cousin E.H.” im Süden eindrücklich zeigte.

Col de Turini, Skifahren mit Meerblick

– 8.3.: Sophie macht den Götti stolz: vor 2 Wochen noch am Übungslift, heute schon wagemutig auf der schwarzen Piste von Eriz – weil diesen Winter der Knoten aufging und ein neues Skigschpändli geboren wurde.

– 9.3.: Heute skiliftfrei bzw. nur mit Feldstecher. Wein- und andere Berge im Lavaux – Weil solche Frühlingsausflüge mitten in der Skisaison auch cool sind.

– 28.3.: Coole Eisenkonstruktionen Barcelonas, Teil 5: Hivernacle, aus der Zeit des Eiffelturms – Weil die erste europäische Städtereise dieses Jahres genial war.

– 5.4.: Eine 20 Jahre währende wunderbare Freundschaft am adäquaten Ort mittels Sechsgänger begehen: Posta Rueras – weil gute Freundinnen und Freunde das Wertvollste im Leben sind.

– 8.4.: Windows XP ade – Weil mein wichtigstes Arbeitsgerät rundum erneuert wurde.

– 15.4.: Lachstranche mit Paniermehl-Kräuter-Olivenöl-Knoblauch-Kruste und gebratenen Grünspargeln an Honig und Balsamicoessig – weil…. naja, slurp.

-20.4.: Laufentalostersonntagswanderung – Weil Ostern zum Skifahren fast zu spät war.

– 24.4.: Hier vor genau 9 Jahren skeptisch getestet, seither begeistert treu geblieben: Völkl Racetiger – Weil mein wichtigstes Freizeitvergnügen seit Jahren vom Renntiger positiv unterstützt wird.

– 26.4.: Baseltor Solothurn, Mitglied von @swiss_historic – sehr zu empfehlen – Weil man gute Städtereisen auch in allernächster Umgebung machen kann.

– 2.5.: Valle Onsernone. Am Mittag spontane Einladung angenommen – weil gute Freundinnen und Freunde… siehe oben.

– 11.5.: Das sind noch echte Kuhbuben. (Itingen BL, mit dem Nachwuchs beim Abschreiten unserer Jugendfilmdrehorte der 1980er.) – weil gute Freundinnen und Freunde… siehe oben. (Und deren Kinder natürlich auch.)

– 24.5.: Mal woanders: Pfäffikersee – weil die Schweiz noch so manche bisher unentdeckte schöne Ecke hat.

– 1.6.: PfirsicheWeichselnXbeerenHoldrChrosleÖpfuChütteneTrübeli – weil die Selbstversorgung heuer rekordverdächtige Ausmasse annahm.

– 7.6.: Und auf der Südseite des Col du Rousset riecht es plötzlich nach Süden. Im Tal wartet ein Glas Clairette de Die / 11.6.: La peite école: Beiz in früherem Schulhaus mit allem, was dazu gehört – sogar mit den ausrollbaren Grosskarten. / 28.6.: In & um Valensole. Das Paradies für jemanden, der seit Kindesbeinen an Lavendel in allen Variationen liebte / 29.6.: Zurück im heute vor 3 Wo entdeckten Café Brochier, St-Julien en Vercors. Wie erwartet auch zum pfusen & essen génial – weil die grossen Ferien des Jahres unheimlich erholsam waren (und die einzigen Hochsommertage des Jahres brachten).

Col du Rousset

– 1.7.: Kaya verpennt das Unglück zum Glück – weil Göttimeitschi #3 super ist und ja auch noch die WM in Brasilien stattfand dieses Jahr.

– 10.7.: Heute wären meine Grosseltern 84 und 85 geworden. Wir haben dankbar auf sie angestossen. Köszönjük, Anyu és Apu – weil ich über sechs Wochen des Jahres in Südfrankreich gelebt und gearbeitet habe.

– 29.7.: Kurze Vater-Sohn-Ausfahrt mit dem Aebi à la früher – weil nebst guten Freundinnen und Freunden, siehe oben, auch die Familie sehr wichtig ist.

– 1.8.: Von ZWs Gere Stäuble (heute im Sennekuttli, der Ärmste) der Nordwand entlang geflogen werden: Nicht übel! – weil etwas Dekadenz zwischendurch unbedingt nötig ist.

– 5.8.: Vielleicht sollte man einfach nicht auf ein Waveboard steigen, wenn man seine kapitale Rechte nicht gefährden will? – weil das zum Glück eine der wenigen Schmerzphasen dieses Jahres war.

– 10.8.: Zischtigsclub à la Wipkingen – weil man auch in Zürich sehr schöne Ferien machen kann.

– 21.8.: Sollte hier einen Text schreiben. Das Pan Bagnat möge für Inspiration sorgen, trotz Fleischmeer am Kindheitsstrand – weil mir der Text, den ich hier verfasste, sehr am Herzen lag.

– 29.8.: Nachdenken in Flüelen über dieses und jenes – weil der Text (siehe 21.8.) ein Rückblick auf schöne Zeiten mit Barbara war und wir an diesem Tag für immer von ihr Abschied nahmen. (Und trotzdem wird sie für den Rest meines Lebens in der Gemsstockbahn lachend neben mir stehen.)

Am Urnersee

– 14.9.: OK, nehmen wir! – weil auch Braunwald bisher ein unentdecktes Pflaster war.

– 17.9.: Wegen dieses irren Pseudowettbewerbs versucht mich meine Kasse auch immer wieder loszuwerden. Ja zur #einheitskasse – weil dies das zweite birnenweiche Abstimmungsergebnis des Jahres war.

– 19.9.: Wieder mal heimwerken: 40cm durch die Wand für neuen Glasfaseranschluss. – weil wir die Swisscom zu Hause erfolgreich los geworden sind und nun für die Hälfte des Preises doppelt so schnell surfen.

– 23.9.: Hallo – weil ich diesen “Sommer” nur genau einmal in der Aare war.

– 29.9.: Auch wenn’s öppedie nicht einfach ist: mich selbständig machen als beste Entscheidung des Lebens – weil das seit bald acht Jahren so ist und ich sehr dankbar bin dafür, dass es gut läuft.

– 12.10.: Im Spättau zu Berge – weil gute Freundinnen und Freunde… siehe oben.

– 19.10.: Rigi – Gantrisch mit viel dazwischen – weil wenigstens der Herbst 2014 in weiten Teilen wunderschön war.

– 25.10.: Weisser vom Hügel hintendran und Truffes in allen Variationen so weit das Auge reicht. (Bonvillars, Waadt) – weil das auch so ein kleiner, feiner Sponti-Ausflug in unbekannte CH-Gefilde war.

– 29.10.: La Chaux d’Abel. Aufwachen im Jura – weil es in der Schweiz noch so viele unentd… siehe oben.

– 2.11.: Sommeridyll am Luzerner Stadtrand, November oder was? – weil wir nach dem August glücklich waren, uns unter fröhlicheren Umständen zu begegnen und mit Kind und Kegel noch einen Sommertag erlebten.

– 8.11.: Fleissiger Samstag: nächstes Jahr bequeme Gemüseernte dank Hochbeet – weil das eine kleine, aber feine Anschaffung war und wir nun endlich mehr Zeit zum Gärtnern haben, nachdem die alte Hütte langsam gut im Schuss ist.

– 12.11.: Remember Giotto’s blurry Halley pictures in 1986? Hoping for better stuff today. Good luck @Philae2014 #CometLanding – weil so Weltraumzeugs immer schon faszinierend war und immer sein wird.

– 20.11.: Kein Nebelmeer, kein blauer Himmel. Trotzdem gut. (Felsenegg, Adliswil) – weil es in der Schweiz noch so viele unentd… siehe oben.

– 23.11.: Doch doch, ein relativ ordentlicher Tag, dieser 23.11.2014 – weil die Erkältung rechtzeitig zum Skisaisonstart beendet war.

– 3.12.: Oliven 2014 in Seillans: gärend-fauler Geruch. Dasselbe Bild wie fast überall im Süden – weil die Olivenernte nicht nur bei uns komplett ins Wasser fiel.

– 9.12.: Leberle mit Brägele, Grosser Meyerhof, Freiburg, mit grosser Begleitung – weil gute Freundinnen und Freunde… siehe oben.

– 19.12.: Firenze kurz vor Weihnachten 2014, fast ein wenig frühlingshaft – weil die zweite europäische Städtereise des Jahres ebenso von kulinarischen und kulturellen Höhepunkten geprägt war wie die erste.

Firenze

– 21.12.: Servicetweet für alle in Sedrun und der @SkiArenaUR_GR – der Nebel war um 11 Uhr hoch, aber er löst sich langsam auf – weil über die Heimat fliegen einfach immer wieder faszinierend ist.

– 23.12.: Ein schöner Tag in der coolen Stadt der fremden Richter – Weihnachtsmärkte locker links liegen gelassen. #Strasbourg – weil der Kurztrip ins Elsass sich sehr gelohnt hat.

– 28.12.: Das mag der Doppelmayr, der alte Haudegen – weil Bern schon viel zu lange keinen richtigen Wintertag erlebt hat.

– 30.12.: Nicht der Haufen, aber schön und still und vor allem eeeendlich. – weil wir uns dieses Jahr über ausnahmsweise saisongerechtes Wetter stets doppel freuten.

Und wer gern alle Bilder des Jahres sieht, klickt nun einfach hier. Einen guten Rutsch ins 2015.

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Noch weiter zurück in der Zeit:

Der Rückblick 2013
Der Rückblick 2012
Der Rückblick 2011
Der Rückblick 2010
Der Rückblick 2009
Der Rückblick 2008
Der Rückblick 2007
Der Rückblick 2006

Da hat doch tatsächlich jemand eines meiner Hobbys zur Kunstform erkoren.

Eine kurze Rückblende: Zeitreisen haben mich schon immer fasziniert – kein Wunder, wurde ich doch filmisch u.a. mit “Die Zeitmaschine” (in George Pals Version von 1960), Star Trek und Captain Future sozialisiert. Die Veränderung von bestimmten Orten im Laufe der Jahre finde ich spannend, so unspektakulär sie auch vonstatten gehen. Städte wie (Ost-)Berlin sind darum für mich besondere Kraftorte.

In den Nullerjahren habe ich damit begonnen, unsystematisch Fotos aus dem Familienfundus zu kramen und die gleichen Orte möglichst winkelgetreu nachzustellen. Bei Gletschern drängt sich das natürlich geradezu auf, aber auch Reisebilder – wie hier Seattle 1996/2008 – bieten eine interessante Zeitreisekulisse.

Irgendwann kamen dann auch Menschen mit aufs Bild – und die Idee, sich möglichst genau so anzustellen wie anno dazumal:

Nach 20 Jahren nachgestelltes Foto mit der ersten Liebe

1988 / 2008

Nach 29 Jahren nachgestelltes Foto (Gorges du Verdon)

1980 / 2009

Nach 20 Jahren nachgestelltes Foto

1988 / 2008

Nach 15 Jahren nachgestelltes Foto

1994 / 2009

(Mehr Fotos aus diesen Serien hier , hier und hier.)

Auch wenn diese Idee sicher schon Tausende vor mir hatten, traute ich meinen Augen nicht, als “10vor10″ vor einem Monat über eine argentinische Fotokünstlerin berichtete, die mein kleines Freizeitvergnügen zur absoluten Perfektion gebracht hat:

Die Ausstellung im Zürcher Westflügel wurde wegen des grossen Erfolges bis zum 29. November 2014 verlängert. Wer Spass an den oben abgebildeten Situationen hat, wird unter den Zürcher Viaduktbögen vollends begeistert sein: Irina Werning (geboren in Buenos Aires) wurde dank ihres “Foto-Nachstell-Projektes” Back to the Future weltweit bekannt. Es ist beeindruckend, wie sie ihre Modelle dazu bringt, teils sogar genau den selben Blick wie vor Jahrzehnten aufzusetzen und selbst Farbstich und Körnung des damaligen analogen Filmmaterials hinzubekommen.

Der Besuch ist ideal kombinierbar mit Gaumenfreuden und Shopping in der nahen Markthalle.

Auch wenn ich vor Irina Wernings Akribie – in ihren Fotos stimmt oftmals alles bis aufs letzte Detail – natürlich nur den Hut ziehen und still von dannen kriechen kann, bleibt mir eine klitzekleine Freude: Laut einer im Westflügel anwesenden Keystone-Vertreterin entstanden meine Zeitreise-Fotos vor Wernings ersten publik gemachten Bildern. Ha!

Im Ernst: Irina, if you happen to read this, your work is just wonderful. I adore your perfectionism. Unfortunately I stopped my own little “Back to the future series” soon after having started it in 2008. Maybe also due to some reactions from friends who found the idea somewhat awkward or were afraid of the images being publicly released. Now I know I should have continued! And at least now I can show your work to the rather anxious friends and prove that it is truly art, not just a stupid idea.

Your books were very inspiring – looking forward to more time travelling.

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Die Aussage eines Lobbyisten, ich solle doch “einfach die Krankenkasse wechseln”, wenn ich unzufrieden sei, machte mich wütend – gerade für chronisch Kranke ist diese Aussage höchst zynisch. Die meisten haben mit ihrer Krankheit schon genug zu tun, zahlen ohnehin den gesamten Selbstbehalt und brauchen nicht noch ständig administrativen Aufwand und Wechsel ins Ungewisse. In einem staatlich weitgehend regulierten Bereich wie der Grundversicherung braucht es keinen Wettbewerb. Darum ein klares Ja zu einer (vom Gesetzgeber möglichst konsumentenfreundlich auszugestaltetenden) öffentlichen Krankenkasse am 28. September.

Heute hatte ich auf Twitter ein kleines Rencontre mit Felix Schneuwly von Comparis. Zumal 140 Zeichen einer sinnvollen Diskussion nicht immer zuträglich sind, hier eine etwas ausführlichere Fassung meiner Argumentation.

Es geht um die Einheitskasse, über die das Volk hierzulande Ende September abstimmt.

Zur weiteren Ausgangslage:

– Ich habe seit meinen späten Teenagerjahren Morbus Bechterew, eine rheumatische Erkrankung, die mir das Leben eine zeitlang ziemlich mühsam gestaltet hat. Dank neuer Medikamente bin ich seit 2002 zwar nicht beschwerdefrei, kann aber meistens ein normales Leben führen. Wer es nicht weiss, merkt es nicht. Heute bekomme ich alle 10 Wochen eine Infusion; andere Medis benötige ich kaum noch. Natürlich habe ich die Minimalfranchise von 300 Franken und bezahle diese – wie auch den gesetzlich vorgeschriebenen Selbstbehalt von 700 Franken – jährlich voll.

Felix Schneuwly wechselte 2011 vom Krankenkassenverband Santésuisse als Head of Public Affairs zum Internet-Vergleichsdienst Comparis.

Dass Herr Schneuwly in einer reichlich theoretischen Welt leben muss, zeigen seine beispielsweise auf Twitter gemachten Aussagen zu Werbeanrufen – auch so ein Lieblingsthema von mir. Kein Gesetz hält notorische Random Dialer und viele andere schwarze Schafe davon ab, mich gegen meinen Willen telefonisch zu belästigen – und ich habe weder Lust noch Zeit, solche Leute anzuzeigen.

Natürlich ist Felix Schneuwly in Sachen “öffentliche Krankenkasse” Partei: Sein Vergleichsdienst würde mit der Einführung einer Einheitskasse zumindest teilweise überflüssig. So ist es ihm eigentlich nicht zu verübeln, dass er – das ist sein Job als oberster Kommunikator – vollen Einsatz gibt.

Damit sind wir aber auch bei einer fast schon philosophischen Frage, die uns schon bei in der Diskussion mit Mitarbeitenden von Telefonmarketern umtrieb: Ist es ein redlicher Job, Dinge zu tun, die andere nerven (Werbeanruf-Ausführende) oder chronisch Kranken solche Dinge an den Kopf zu werfen (Schneuwly)?

Wechseln Sie zu einer besseren, wenn Ihre Krankenkasse Fehler macht. Sind Monopolisten unfehlbar?

Hat der Mann gar kein schlechtes Gewissen dabei, sich zunächst über den Ärger von Spam-Anruf-Geplagten mit Floskeln und Theorie fernab jeglicher Realität hinweg zu setzen – und mir dann auch noch nonchalant einen Kassenwechsel zu empfehlen?

Offenbar nicht!

Felix Schneuwly weiss wohl nicht, wie es sich anfühlt, eine Rechnung von 9000 Franken zu bekommen mit dem Text “wird Ende Monat Ihrem Konto belastet” – nota bene sind da aber nur 3000 drauf. Tja, da hat meine ach so tolle Versicherung wieder mal einen Fehler gemacht. Oder doch nicht? “Dieses Medikament kann gemäss Blablabla unserer Bedingungen nicht vergütet werden.” – Natürlich weiss ich inzwischen, dass das immer ein Fehler ist. Dummerweise kommt er aber öfters vor (honni soit… versuchen es die Kassen nicht einfach manchmal und gucken mal, ob man’s merkt?) – und hat jedesmal einen administrativen Aufwand zur Folge.

Wechseln soll ich dann also laut Herrn Schneuwly. Aha.

Er hat offensichtlich auch keinen blassen Schimmer davon, wie es ist, als dringendst auf pünktliche Überweisungen Angewiesener ständig zu Zweifeln bei einem Kassenwechsel: “Machen die das wirklich besser? Die Kritiken sind gut, aber… ach, ich bleibe doch lieber da wo ich weiss, was ich habe. Ich habe doch auch die Zusatzversicherung da, vielleicht geben sie sich dann mehr Mühe…” – An sich müssen per Gesetz ja ohnehin alle genau das gleiche tun.

Genau: Wettbewerb in einem weitestgehend regulierten Bereich ist sowas von überflüssig.

Die Erfahrungen von mir und meinem Umfeld: Konkurrenz hin oder her – Kassen zahlen langsam, machen viele Fehler, bürden den Kunden viel Arbeit auf (“Neu müssen Sie für Rückforderungen dieses Formular ausfüllen”), versenden dafür aber gern dümmliche Hochglanzprospekte oder “Kundenmagazine” mit Reisetipps und irgendwelchen Erfolgsstrories von “Fallmanagern”.

Und genau darum wurde ich Ihnen, Herr Schneuwly, gegenüber etwas deutlicher:

Auf genau diesen Wettbewerb sch… ich als chronisch Kranker, der einfach jeweils schnell Geld braucht (…) Sie haben Nerven, echt! Gebe Ihnen gern ein Stückli Rheuma ab – mal schauen, wie gross Ihre Lust ist, sich noch mit diesem Admin-Kram zu beschäftigen. Schämen Sie sich für Ihre Aussage!”

Auf seine naive Frage, warum er sich schämen soll (spielt er das bloss oder merkt er es wirklich nicht?), antwortete ich:

Weil Sie null Verständnis für chronisch Kranke haben und den Nerv, mir den üblichen Lobbyistenbullshit an den Kopf zu werfen. Ihr Blabla hilft niemandem, weder Gesunden noch Kranken. (…) Dann setzen Sie sich da ein statt ihre wirtschaftlichen Pfründe auf unserem Buckel zu verteidigen.

(Mit “da” meinte ich, dass er sich lieber dafür einsetzen sollte, dass es eine gute, kundenfreundliche Einheitskasse gibt, als seinen Vergleichsdienst zu retten, was er durchschaubarerweise gerne möchte.)

Es ist grenzenloser Zynismus, Herr Schneuwly, uns chronisch Kranken zu empfehlen, die Kasse zu wechseln. Darum griff ich zu zweifellos nicht wahnsinnig sorgfältig gewählten Worten. Aber ich stehe dazu und wiederhole sie hier darum gerne noch einmal. Ich hätte ein schlechtes Gewissen dabei, Menschen, die – viele andere weitaus mehr als ich – an ihrer Krankheit beissen, zu empfehlen, die Kasse zu wechseln.

Natürlich haben Sie nachgeschoben, dass ich Sie nicht beleidigen solle. Ich entgegnete, dass Sie mich wütend gemacht hätten – ich sei eben nicht einer, der im Büro hocken, faseln und für seinen Dienst lobbyieren kann, sondern ein Direktbetroffener. Einer, der überhaupt keine Lust hat, an Kassenwechsel (und den damit verbundenen Administrativkram) zu denken, sondern einfach froh ist, wenn die Gesetze eingehalten werden – sprich: Die Medikamente “auf der Liste” anstandslos schnell bezahlt werden.

Denn, genau: wechseln ist ja soooo einfach. Nur dumm, dass man das erst in einem halben Jahr wieder darf (und das auch nur mit der Minimalfranchise), wenn man gemerkt hat, bei einer Schrottkasse gelandet zu sein, und dann 26 Wochen durch die Hölle muss. Bei etwas, das für unsereiner existenziell ist. Tauschen wir mal ein paar Wochen?

Logisch heilt keine Einheitskasse unsere Bräschten. Aber wenigstens muss ich nicht ausgerechnet der Firma, die mir soeben einen überflüssigen Vierfarbendruckprospekt geschickt hat, zig mal anrufen und melden, dass sie wieder mal etwas falsch gemacht hätten. Und bibbernd hoffen, dass ich diese horrenden Rechnungen nicht wirklich selbst blechen muss.

Was denken Sie denn, Herr Schneuwly: Dass unsereiner nicht die Galle hochkommt angesichts “hey, wechseln Sie doch einfach die Kasse”? Sie wollen Ihren Job bei Comparis retten, gewissermassen auf unserem Buckel? No way, Sir – das ist für mich spätestens seit dieser Episode kein “decent Job” mehr. Ich bitte Sie, ein wenig mehr Mensch zu sein als Head of Weissnichtwas. Ich mag Ihnen und allen anderen eine gute Arbeitsstelle sehr gönnen. Aber seien wir ehrlich: Es braucht keinen Wettbewerb in der Grundversicherung. Und ob Comparis dabei drauf geht, spielt angesichts der gesellschaftlichen Gesamtzusammenhänge keine Rolle. (Ralf, einer meiner Comparis-Helden, möge mir verzeihen und kurz beide Augen zudrücken.)

Was aber bei einer Einheitskasse ganz klar sein muss: Bei einer so zentralen Institution müssen Fehler – die überall passieren, da haben Sie Recht – so minim wie möglich gehalten werden. Klar definierte Fristen, ein gutes Controlling und eine Art “Publikumsrat” wären bei einer Einheitskasse zwingend. Abgerechnet werden muss zu 100% “hintendurch”, ohne dass ich zuerst die Rechnungen bekomme und “Bank spielen” muss.

Ich bin als Kleinstunternehmer durchaus ein Freund des Wettbewerbs und des Marktes. Bei einer obligatorischen Grundversicherung ist Wettbewerb aber nur die zweitbeste Variante. Die einzig vernünftige Lösung – schlank und ohne Auswüchse – ist eine (durch flankierende Massnahmen möglichst konsumentenfreundlich getrimmte) Einheitskasse.

Wenn wir gerade dabei sind: Noch ein paar Randspalten (die nun mit Herrn Schneuwly nichts mehr zu tun haben).

Für chronisch Kranke (ich hasse die Bezeichnung und lasse mich ungern darauf reduzieren, aber es heisst nun halt einmal so) erscheinen auch andere Dinge in unserem Gesundheitswesen ungerecht: Dass ausgerechnet jene, denen es am schlechtesten geht, in einem so genannt solidarischen System überdurschnittlich viel beitragen (durch die automatische jährliche Zahlung des gesamten Selbstbehaltes und den Verzicht auf Prämienrabatte), ist stossend. Ausserdem ist nicht einsehbar, warum mein Wohnort einen Einfluss auf meine Prämie haben sollte: Würde ich meine Schriften in meinen Heimatort Sedrun verlegen, würde ich automatisch weniger Prämien zahlen, wäre aber genau gleich krank wie vorher. Im Zeitalter des Pendelns und der Mobilität ist nicht einsehbar, warum es Prämienregionen gibt. Es sollen alle gleich viel zahlen (könnte man bei den Steuern übrigens auch gleich einführen).

Abgesehen davon ist auch im Privatversicherungswesen, diesem miefenden Sumpf von Ungerechtigkeit und Unsympathie, Verbesserungspotenzial drin.

Die Lust, den Versicherungen generell das Handwerk zu legen und alles am besten zu verstaatlichen, steigen immens, wenn man als einfacher Rheumatiker (der vermutlich nie bleibende Schäden haben wird) von Agentur zu Agentur wandert, jedesmal diese demütigenden Gesundheitsfragebogen ausfüllt: Bechterew, eine Tibiakopffraktur, einmal Nierensteine, and… you name it – schon während der Stift ansetzt, weiss man, dass dir diese Arschgesichter in den Glaspalästen mit ihren fetten Offroadern keine Chance geben. Oder so ähnlich.

Ich wollte, als ich mich selbständig machte, eine saubere Vorsorgelösung, und wäre gerne bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen (was vor 65 soviel heisst wie “viel bezahlen”). Keine Chance – bei allen Produkten abgeblitzt. Morbus Bechterew, machen wir nicht, peng, aus. Bleibt also die dritte Säule – und wohl Ergänzungsleistungen. Ich falle also der Gesellschaft zur Last, obschon ich selbst Verantwortung tragen wollte.

Darum zeige ich im Geiste allen Versicherern den Mittelfinger, auch wenn es leider nicht ganz ohne sie geht. Am 28. September haben wir die Gelegenheit, zumindest einige Korrekturen vorzunehmen.

Und nun schmerzen leider meine Finger und meine Schulter zu sehr von der ganzen Tipperei – ich werfe nun mal 75mg Diclofenac und ein Gramm Paracetamol ein. Auf dass bald einmal eine öffentliche Krankenkasse meine Lebenselixiere pünktlich bezahle.

Find’ ich gut. (17 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

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