Ich suche Kandidierende und Parteien, die…

  • sich für das Velofahren einsetzen: sichere, effiziente Velowege, viel mehr Veloparkplätze mit Anbindemöglichkeit, Rechtsabbiegen für Velos bei Rot, veloorientierte Ampelsteuerungen und tadellose Velostreifen (breit, keine Schlaglöcher, keine schlecht versenkten Dolendeckel, im Winter rasch schneefrei), subventionierte Velostations-Abos, alle Einbahn-Fahrverbote für Velos aufheben, alle „allgemeinen Fahrverbote“ umwandeln in „Velos und eBikes im Schritttempo OK“
  • sich dafür einsetzen, dass der motorisierte Privatverkehr (sprich: vor allem Autos) möglichst aus der Stadt zurückgedrängt wird und/oder sich für e-Mobilität stark machen, wo individueller Privatverkehr sinnvoll ist
  • sich für mehr Platz für FussgängerInnen einsetzen
  • sich für flächendeckende Temporeduktionen auf Stadtgebiet einsetzen (maximal 30, möglichst viel 20)
  • sich für einen idealen öV einsetzen (gut ausgebaut, moderne Fahrzeuge, möglichst früher/langer Betrieb, weiterer Ausbau)
  • sich klar von Gewalt und Sachbeschädigung distanzieren
  • sich für eine Verfolgung von gewalttätigen (auch „gegen Sachen“) Schwarzblöcklern, 031ern, unkreativen Tagsprayern und Konsorten einsetzen (schöne, kreative Graffitis z.B. an sonst grässlich grauen Mauern kann man ruhig stehen lassen), aber gleichzeitig z.B. eine Ombudsstelle unterstützt, die mögliche / vermutete Polizeigewalt neutral untersucht und für die Sanktionierung fehlbarer PolizistInnen sorgt
  • Videoüberwachung nicht verteufeln, sondern punktuell an neuralgischen Punkten einsetzen wollen (z.B. um im letzten Punkt genannte Menschen schneller zu schnappen oder auch Übergriffe seitens Polizei beweisen zu können)
  • sich für eine kinderfreundliche, familienfreundliche, Stadt mit viel Grün einsetzen
  • sich für die Gleichstellung und Gleichbehandlung von Frau und Mann einsetzen, aber nicht spitzfindig überall, wo es nur geht, „Sexismus, Sexismus“ schreien
  • sich für erneuerbare Energien, gegen Atom- und Kohlestrom einsetzen und dafür sorgen, dass sauberer Strom für alle möglichst erschwinglich verfügbar ist
  • sich für die möglichst baldige Abschaltung des AKW Mühleberg und aller anderen Kernkraftwerke einsetzen
  • sich für ein Fernwärmenetz einsetzen
  • sich für eine bessere Subventionierung und vereinfachte Bewilligungspraxis privater Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass verfolgte MigrantInnen sich hier möglichst wohl und sicher fühlen können
  • sich dafür einsetzen, dass fremdenfeindliche und rechtsextreme Parolen möglichst streng bestraft werden
  • Privateigentum nicht verdammen, sondern schützen
  • keinen Bezug zu „christlichen“ oder sonstwie religiösen und anderen märchenhaften Einstellungen haben und keine Listenverbindungen mit solchen C- und E-Parteien haben
  • keinen Bezug zu marxistischen, kommunistischen oder sonstwie vorgestriger Linksaussenanliegen haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • keinen Bezug zu rechten Parteien wie der FDP oder Rechtsaussenparteien wie der SVP usw. haben und keine Listenverbindungen mit solchen Parteien haben
  • für eine strikte Trennung von Staat und Kirche sind (z.B. kein Steuereinzug für Kirchen durch den Staat)
  • sich für eine vollständige Liberalisierung aller Öffnungszeiten einsetzen, dabei aber durch flankierende Massnahmen das Wohl der ArbeiterInnen im Auge behalten
  • Leute unterstützen, die beim Zurückdrängen grosser Multis Mut und Eigeninitiative zeigen und nicht einfach unnachhaltige, birnenweiche Demos gegen Ladenketten organisieren, bei denen auch noch Gewalt ausgeübt wird
  • den politischen Dialog mit einer gewissen Bescheidenheit und Realitätsbezogenheit führen und nicht möglichst schrill und laut herumpoltern
  • sich für coole Rahmenbedingungen für Kleinstbetriebe und/oder KMU einsetzen
  • sich dafür einsetzen, dass für SteuerzahlerInnen der Stadt möglichst viele Dienstleistungen der öffentlichen Hand gratis sind
  • keine Wahlwerbung in private Briefkästen werfen oder an Velos anbringen
  • vor Wahlen und Abstimmungen keine Telefonanrufe tätigen (bzw. nur dann, wenn die Angerufenen dem explizit zugestimmt haben – und eine Liste jener führen, die nicht angerufen werden wollen)
  • sich dafür einsetzen, dass die Stadt auch für jene lebenswert bleibt, die es gerne etwas ruhiger haben, ohne Kultur und Nachtleben komplett zurückzubinden
  • dafür sind, dass sozial Benachteiligte möglichst ideal unterstützt, aber auch zur Eigenverantwortung angehalten werden
  • sich dafür einsetzen, dass bewilligte wie auch unbewilligte Demos so gelenkt werden, dass sie den öV und den Alltag der hier lebenden und arbeitenden Menschen nicht nachteilig beeinflussen
  • jegliche GewalttäterInnen (egal, ob rechts- oder linksextrem oder apolitisch) oder Sportveranstaltungs-Vermöbelpöbel möglichst aus der Stadt fernhalten oder entfernen (sprich: dem Gericht zuführen und eine Weile einbuchten) wollen und nicht unter dem Vorwand der „Grundrechte“ idiotisches Verhalten rechtfertigen
  • Andersdenkende oder „besondere“ Lebensformen Lebende (HausbesetzerInnen, Fahrende, Waldmenschen…) möglichst tolerieren, aber ein Fehlverhalten derselben klar sanktionieren (z.B. wenn es andere bei einer angenehmen Lebensführung stört)

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was es alles nicht gäbe oder wie sich Bern anfühlen würde, wenn Bern ein rechts stehendes Parlament hätte und einen FDP-/SVP-dominierten Gemeinderat. Bern als linke Stadt passt mir grundsätzlich sehr.

Ich wähle normalerweise Frauen aus dem Links- bis Mitte-Links-Spektrum, meistens Sozialdemokratinnen. Gerade die Velo-Offensive wäre für mich als seit Jahren kritischer Velofahrer ein sehr guter Grund, SP zu wählen. Leider macht es einem die Stadtberner SP derzeit nicht einfach, mit gutem Gewissen SozialdemokratInnen zu wählen.

Nachdem ich in den letzten Jahren kurz vor den Wahlen doch immer wieder schwach geworden bin, wähle ich diesmal ausschliesslich grün. Das fällt mir schwer. Ich kenne viele engagierte SP-Leute persönlich und finde, dass die Partei eigentlich vieles genau richtig macht. Die Velooffensive von Ursula Wyss und anderen SP-Leuten schiene mir z.B. äusserst unterstützenswert. Ich kann mich vermutlich mit 90% der Ansichten der SP nach wie vor solidarisieren.

Da waren aber in den letzten Monaten zu viele Dinge, bei denen ich primär die Nase rümpfe. Als Anti-Spam-Aktivist der ersten Stunde kann ich amimässige „Mobilisierungsaktionen“ wie die Telefonanrufe bei SympathisantInnen keinesfalls gutheissen. Mag sein, dass viele SP-WählerInnen so etwas mögen. Ich tue es nicht, was ich seit Jahren über verschiedenste Kanäle kundtue. Es bringt nichts. Es kommen immer wieder Anrufe, auch dieses Jahr. Es konnte oder wollte mir niemand einen offiziellen Kanal nennen, über den Adressdaten dauerhaft für solchen Unfug gesperrt werden könnten. Eine Partei, die sich für Datenschutzanliegen einsetzt, aber nicht nicht einmal Opt-Out (geschweige denn Opt-In) kennt und ihre Datensammlung nicht im Griff hat? Schade. Ich habe nichts dagegen, wenn die SP diese Methode bei jenen praktiziert, die das schätzen und den Anrufen explizit zugestimmt haben (Opt-In). Aber wenn man zig mal kund getan hat, dass man das nicht will, und immer noch angerufen wird, kommen einem gewisse Zweifel an der Professionalität so einer Partei.

Dass die SP auf Kritik bisweilen betupft statt cool reagiert, ist ihr gutes Recht. Dass sie ihre langjährige Gemeinderätin als Stadtpräsidentin gesetzt sah, und aufgrund der Tatsache, dass dann doch noch zwei andere den Anspruch anmeldeten, fast das RGM-Bündnis zerbrochen ist, kann man als stärkste Stadtratsfraktion womöglich schon so durchzuziehen versuchen. Ob man damit Sympathiepunkte sammelt, steht auf einem anderen Blatt.

Hauptsächlich gestört hat mich aber der Umgang mit den Warmbächli-Areal-Ausschreitungen und die fehlende Distanz zur JUSO, die inzwischen radikal links politisiert und mir mit ihrer fordernden, lauten und arroganten Art unsympathisch ist. Mit konstruktiver linker Politik hat der schrille JUSO-Stil nichts mehr zu tun. Wenn nach einer Krawallnacht die JUSO den üblichen Quatsch von Polizeigewalt und Freiräumen verzapft, von mir aus. Dass aber gar ein SP-Parteisekretär zunächst einmal Begeisterung zeigt statt entweder gar nichts zu twittern oder Illegalität, Lärm und Gewalt zu verurteilen, und sich die SP dann zu keiner klaren Distanzierung von den Ereignissen oder ihrer Jungpartei durchringen kann, bedeutet, dass man es gar nicht so übel findet, was passiert ist. Mag sein, dass Jungparteien eine lange Leine brauchen. Mich als langjährigen SP-Wähler stösst es aber ab, wenn sich die „Erwachsenenabteilung“ nicht nur nicht von der Jungpartei distanziert, sondern die Unerstützungsbildli und Lob-Slogans gestandener SP-ler auf der Facebookseite der JUSO Stadt Bern stehen lässt. Man könnte auch mal sagen: „Leute, ihr seid zu weit gegangen. Nehmt mein Bild von eurer Seite.“

Auch die Distanzierung der SP von der JUSO betreffend des Streichens von Alec von Graffenried auf der Gemeinderatsliste erscheint halbherzig, wenn SP-Mitglieder von Graffenried auf Twitter laufend fröhlich anschwärzen und für die JungsozialistInnen „fanen“ – Teilen der SP scheint es im RGM-Bündnis tatsächlich äusserst unwohl zu sein. Das goutiere ich als Freund konsensorientierter Politik nicht unbedingt. Anstatt auf Facebook zu schreiben „Die JUSO Stadt Bern ist eine eigenständige Organisation und unterstützt (wie auch die JA!) nur einzelne Kandidierende der RGM-Liste“, könnte man auch die internen Kontakte spielen lassen die JUSO bitten, die Aufforderung von ihrer Facebookseite zu nehmen. Aber man lässt JUSO nicht nur gewähren: Auf der Facebook-Seite der JUSO Stadt Bern brüsten sich nach wie vor zahllose SP-Mitglieder damit, wie toll sie die junge Amoktruppe finden. Einige von ihnen retweetet auch fröhlich „“Dy Stapi“ ist nicht mein Stapi“. Und hey, da ist auch er ja wieder, unser Gewaltverharmloser vom Warmbächli!

Mit Verlaub, werte SP, das passt mir ebensowenig wie vorgestrige Begriffe wie „Klassenkampf“ oder „Überwindung des Kapitalismus“, die nun wieder en vogue sein sollen – man kann solche surrealen Träume gerne träumen; ich habe z.B. die 1:12-Initiative beherzt angenommen und bin beileibe kein Gegner von Umverteilung. Aber man muss auch genug realistisch sein und erkennen, dass im Zeitalter von Alpträumen wie Trump, Le Pen, Wilders & Co. radikale Parolen mit einem Wording aus dem Kalten Krieg kaum die Lösung sein können bzw. von weiten Teilen der WählerInnen relativ fassungslos aufgenommen oder gar als lächerlich angesehen werden.

Ich zweifle allerdings daran, dass die SP in der Stadt Bern Verluste erleiden wird.

Das Folgende hat nun weniger direkt mit der SP zu direkt tun als mit einem Problem der Stadtberner Politik an sich.

Radikale Positionen scheinen immer salonfähiger zu werden. Das Kokettieren mit der Coolheit von Militanz, Gewalt oder Illegalität ist in der Stadt Bern bis weit in etablierte Parteien hinein verbreitet. Mir macht es Mühe, wenn ich als Pazifist, GSoA-Mitglied und Sympathisant von Organisationen wie „Public Eye“ oder der Anti-AKW-Bewegung linke PolitikerInnen und AktivistInnen (deren Gesichter ich sonst in Publikationen sehe, die nur Unterstützenswertes enthalten) immer wieder Dinge schreiben sehe und sagen höre, die mit einem friedlichen Umgang miteinander und einer für alle lebenswerten Stadt so wenig zu tun haben. Wenn ich in der Facebook-Gruppe „Mühleberg stilllegen“ ständig Beiträge eines Reithallen-Radikalinskis sehe, der mit der geltenden Rechtsordnung gelinde gesagt nicht viel anfangen kann, dann verlasse ich halt diese Gruppe eher als dass ich mich dort engagiere. Ich habe mit 14, 15 auch radikales Zeug en masse von mir gegeben und war ein kleiner Marxist. Aber irgendwann so ab 20 sollte man spätestens gecheckt haben, dass das Träumen utopischer Ideologien auf diesem real existierenden Planeten nicht besonders zielführend ist.

Unter dem Deckmänteli einer so wichtigen Errungenschaft wie der Grundrechte „so blöd wie möglich“ zu tun oder selbsternannte AntifaschistInnen zu verteidigen, die grösstenteils selbst faschistoide Ansichten haben, ist nicht meine Vorstellung konstruktiver Politik und sinnvoller Meinungsäusserung. Und sicher nicht der Weg, grauenhafte rechtsnationale, fremdenfeindliche und populistische Tendenzen zu bekämpfen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn PolitikerInnen auf Social-Media-Plattformen – ohne mit der Wimper zu zucken – Inhalte von Gruppen geteilt werden, die in der Illegalität oder in Grauzonen operieren. Gibt es einen Namen für das Phänomen, dass man zwar in einem Parlament sitzt, aber bei unkonstruktiven, extremen, bisweilen Gewalt verharmlosenden oder gar anwendenden Kräften möglichst viele Augen zudrückt? Ich verstehe eine solche Haltung nicht. Radikalismus und Polarisierung sind gerade in der aktuellen Zeit, in der so viel bachab zu gehen scheint, ein Teil des Problems und nicht der Lösung.

Natürlich: Wenn ich die Wahl hätte zwischen fünf JUSO-Leuten und einem einzigen SVP-Menschen, würde ich mich ohne mit der Wimper zu zucken für die fünf Sozis entscheiden. Aber zur pointiert links auftretenden, wild herumtelefonierenden Stadtberner SP und ihrer radikalen JUSO-Truppe gibt es ja auch Alternativen, die mir momentan näher stehen.

Having said that: Wenn die JUSO ungestraft dazu aufrufen kann, von Graffenried zu streichen und so RGM zu gefährden, finde ich es legitim, dazu aufzurufen, dieses Jahr andere Parteien des linken Spektrums zu wählen als die SP.

SP-Mitglieder, die sich von Stil und Haltung der JUSO ebenso abgestossen fühlen, die die Telefonaktion in der heutigen Form doof finden und klar hinter der ganzen RGM-Liste stehen, können sich gerne per privater Nachricht melden – es bleibt garantiert unter uns. Ich weiss es, euch gibt es. Eure Namen schreibe ich gerne auf die noch leeren Zeilen meiner Stadtratsliste.

Natürlich sind auch eine GFL und das GB mit der JUSO listenverbunden, und auch die JA! tritt mit Parolen auf, die ich teils ebenso fragwürdig finde wie Aussagen der SVP. Das heisst wohl: Wenn ich in Bern links wählen will, kann ich das nur tun, wenn ich damit auch amoklaufende Jungparteien unterstütze (oder extrem links wähle, was die Welt auch nicht wirklich weiter bringt).

Nun gut: Die sind mir dann halt insgesamt doch näher als die CVP oder EVP, die ich via Listenverbindungen indirekt unterstützen würde, wenn ich die GLP wählen würde, was sich wegen dieser Verbandelung von vornherein ausschliesst. Bürgerlich zu wählen, käme für mich niemals in Frage.

Aber wir haben nun mal die heutigen Parteien und Listenverbindungen, und wie eingangs erwähnt ist mir eine grundsätzlich linke Politik wichtig. Politikmenschen mit einem Hang zur Linksradikalität sind unter dem Strich dann doch das kleinere Übel als Bürgerliche. Aber ich bin eher an Konsens und Ausgleich interessiert als an Utopie und Maximallösungen. Letzteres hilft weder gegen Trumpoide noch gegen SVP und Konsorten. Ich wähle darum dieses Jahr Mittelinks.

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Meine Listenstimme beim Stadtrat gehört dieses Jahr der GFL. Darauf stehen aber nebst den Bisherigen und ein paar neuen auch noch alle Bisherigen und alle neu kandidierenden Frauen des GB.

Beim Gemeinderat wähle ich 2x Franziska Teuscher und 2x Alec von Graffenried – da ich bei der SP aber die Hoffnung trotz allem noch nicht ganz aufgegeben habe und da sie sich stark für die VelofahrerInnen einsetzt, bekommt auch die ohnehin sicher wiedergewählte Ursula Wyss eine Stimme. Als Stadtpräsidentin wähle ich im ersten Wahlgang Franziska Teuscher. Womöglich steht mir Alec von Graffenried politisch etwas näher. Aber ich möchte gerne eine Frau als Stadtoberhaupt, und Franziska ist mir nicht nur aus gemeinsamen Projekten, sondern auch von ihrer Biografie her sehr sympathisch.

Die Atomausstiegsinitiative nehme ich selbstverständlich an.

Find‘ ich gut. (5 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Extrablatt der Basler Zeitung zum Brand in Schweizerhalle, verteilt am 1.11.1986 - klicken für grössere FassungNach Challenger und Tschernobyl auch das noch: In der Nacht des 1. Novembers 1986 brach in einer Sandoz-Lagerhalle bei Schweizerhalle ein Grossbrand aus. Ich war damals 14, wohnte in der Region Basel und war nicht der einzige, der bei den ersten Tönen aus dem Radiowecker Hühnerhaut bekam.

Wir haben im Archiv gewühlt und einiges gefunden – hier zum Beispiel eine der ersten Durchsagen auf Radio Raurach (später „Radio Edelweiss“, dann „Radio Basel One“, dann „Radio Basel“, heute „Energy Basel“): Morgenmoderator Rolf Wirz verkündet um etwa 6.15 Uhr in der Früh den aktuellen Stand.

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Für Bewohnerinnen und Bewohner der Region Basel ist Schweizerhalle punkto SonntagsBlick vom 2. November 1986 - klicken für grössere FassungErinnerungsstärke sowas wie 9/11 im Kleinformat – alle wissen noch, wo sie am 1. November waren. Eine meiner ersten Erinnerungen ist ein klassischer Reflex, der an jenem Morgen fatal hätte sein können: In unserem Badezimmer hatte es einen Ventilator, der ansprang, wenn man das Licht anschaltete. Meine Mutter hatte mir gesagt, ich solle vorsichtshalber den Lichtschalter nicht drücken. Man wisse noch nicht, was für Stoffe in der Luft seien. Verpennt, wie ich war, tat ich es natürlich dennoch – und schloss panikartig die Tür, nicht wissend, ob ich nun ersticken würde.

Bei uns im Oberbaselbiet roch man aber wegen dem Ostwind nichts – so drückte ich wieder die Aufnahmetaste an diesem Radiorecorder; um halb sieben kamen die ersten Stimmen einer improvisierten Medienkonferenz auf den Sender:

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Improvisiert war ohnehin so ziemlich alles – die Durchsagen für die ausländische Wohnbevölkerung tönten reichlich handgestrickt:

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 230 KB)

Im Nachhinein betrachtet gar locker wirkt der folgende Radio-O-Ton. Andrea Müller, damals Basler Korrespondent von Radio DRS, verkündete in den DRS-Nachrichten um 7 Uhr euphorisch das Ende des Alarms:

„Man kann sich wieder frei bewegen, es wird zwar noch einen Moment weiterstinken. Was einen Riesentrubel brachte, hat sich in Minne aufgelöst.“

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 290 KB)

In diesem Artikel der bz basel sind die O-Töne von Radio Basilisk abrufbar, wo Cathy Flaviano, Urs Hobi und mein späterer Live-Radio-Lehrmeister Dani Fornaro den Nachtdienst und die Live-Repos bestritten.

Auf Radio Raurach fassten Peter Rusch und Regula Nebiker am Mittag die Ereignisse zusammen; die Statements der Pressekonferenz erinnern an die frühen Kindheitsjahre der Informationspolitik – die Verantwortlichen und Politiker waren noch alles andere als mediengewandt:

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 3 MB)

Im DRS-Mittagsjournal war erstmals davon die Rede, dass giftiges Löschwasser in den Rhein gelangt sein könnte:

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 270 KB)

Der Journalist Peter Kleiber war einer der ersten Augenzeugen; in einem Gespräch mit Peter Rusch von Radio Raurach schildert er am Samstagmittag seine Eindrücke.

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 1.8 MB)

Die Information der Öffentlichkeit war gelinde gesagt nicht besonders glücklich – es hiess, die Schulen seien geschlossen, dennoch waren aber etliche Schulen geöffnet. Auch meine, die Sekundarschule Sissach: Wie wir den 1.11.1986 erlebten und am Nachmittag mit zitternden Knien nach Basel an die Messe fuhren, was die Leute im Tram sprachen, wie wir noch am Nachmittag den Gestank wahrgenommen haben – das alles steht in einem grossen Bericht in der Ausgabe 38 unserer Schülerzeitung „FGOI“ ab Seite 6 (Original vom November 1986 als PDF, 4 MB).

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In der DRS-Tagesschau-Hauptausgabe vom 1.11.1986 – präsentiert von einem jungen Charles Clerc – ist der rot verfärbte Rhein sichtbar. Erste tote Fische künden vom Unheil, das bald zu Tage treten sollte:

Am Montag war das Ausmass des Fischsterbens immer noch unklar; es finden erste Schuldzuweisungen statt. Der Baselbieter Regierungspräsident sinnierte ernsthaft darüber nach, der Bevölkerung nun Gasmasken zu verteilen (Regionalnachrichten von Radio Raurach vom 3. November 1986, 7 Uhr, mit Rolf Wirz).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 1.8 MB)

Die Idee mit den Schweizer Illustrierte vom 3. November 1986 - klicken für grössere FassungGasmasken hatten auch findige Abzocker – Inserate wie hier im Schülerzeitungsbericht gab es zuhauf. Erinnert an die ach so nützlichen Fallschirme für Hochhaus-Büroarbeiter im 21. Jahrhundert, die nach dem 11. September 2001 angeboten wurden.

Später wurde die Diskussion teils gehässig geführt – an Podien flogen Farbbeutel, während die Sandoz weiter verharmloste. Am 10. November 1986 rief auf Radio Raurach Peter Rusch in einem Kommentar beide Seiten dazu auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen bzw. keine sinnlosen Gewaltakte zu begehen (man beachte, damals brachten Lokalradios noch Kommentare; anmoderiert ist der Beitrag von Harry Heusser, der heute TV-Produzent ist).

(Lieber in eigenem Player hören – MP3, 890 KB)

Noch mehr Erinnerungen an den 1.11.86 in der „Tageswoche“ (Artikel von 2011) und in diesem Film des Schweizer Fernsehens (2003).

Vor 20 Jahren ging meine erste Website online – diejenige des Instituts für Medienwissenschaft der Universität Bern (das heutige ikmb), wo ich von 1996-2001 mein Unwesen trieb.

Roger Blum und Erwin Koch in einem Seminar 1996Chef Roger Blum (rechts im Bild anno 1996 mit Erwin Koch) sagte dem 24-jährigen Hilfsassistenten mit den grauenvollen Think-Pink-Hemden im August 1996, er solle „mal so eine Houmpeitsch“ machen. Meine Antwort: „Was ist das genau?“

Den Grundstein gelegt hatten zuvor einige netzophile Studierende – ich verdanke meinen heutigen Job quasi Frank Lenggenhager. Ich verfeinerte (aus heutiger Sicht: verschlimmbesserte) den von ihm und einem Freund entworfenen Auftritt mit „GNN Press„, einem der ersten Web-Editoren (entwickelt 1993) – und staunte, als wenig später unter der Adresse http://ubeclu.unibe.ch/imw nach dem Hochladen mittels eines rätselhaften Tools namens „FTP“ tatsächlich eine Website erschien. (Auf „ubeclu“ lagen damals die meisten Uniwebsites.)

Zu Beginn des Wintersemesters 1996/97 – genau in dieser Woche vor 20 Jahren – war es soweit: Die Ur-Fassung hab ich zwar nicht mehr, aber dafür eine sanft renovierte Fassung von 1997. Ein Freund feedbackte am 24. Oktober 1996: „Gute Sache im Internet. Mach weiter so!!“ Die Icons – heute würde man wohl „Kacheln“ sagen, also ein wenig revolutionär war das schon – bestanden übrigens mangels Software (oder Wissen) aus in Word geschriebenen, ausgedruckten und eingescannten „Schildern“.

Der Blogger und seine Halbbrüder anno 1997Damals waren Internetseiten und E-Mail eine mittlere Sensation, und Teammitglieder frotzelten laufend „der Jacomet hat ja eh immer das Mailprogramm offen, unglaublich, da machts dann grad ‚pling‘ wenn so ein Mail kommt – öhm, kostet das eigentlich was, ein Mail zu verschicken?“

Ich (rechts im Bild 1996 mit meinen Brüdern, die 20 Jahre nach dem Bild soeben ihren Bachelor gemacht haben) bekam Panik, denn so sicher war ich mich auch nicht, ob ein Mail denn nun – wie damals ein Telefongespräch – kostet oder nicht.

Dumm war nur, dass mein 486er mit Windows 3.11 ständig abstürzte, wenn jemand ein Attachment über 500 KB schickte. Zudem hatte ich nur einen 640×480-Monitor – dennoch stand auf der Startseite „Best viewed with Netscape/Explorer 2.0 or higher, 800 x 600 high resolution“. Irgendwann konnte dann unser mausarmes Insti neue Compis beschaffen (Pentium mit 2×500 MB Harddisk, boah!), und das Problem war gelöst.

IMW-Website anno 1996 (Klicken für Ausflug in die Netzvergangenheit)Links auf andere Websites setzen war ein unglaublich gutes Gefühl – dass am Bildschirm plötzlich Seiten aus einer ganz anderen Welt erschienen, war in der Webpublishing-Pionierzeit schier unfassbar. Ich war unheimlich stolz, unter einem Bild von sich die Zähne putzenden Studis einen Link zur „Colorado Dentist Association“ gemacht zu haben.

Surfen daheim war noch alles andere als einfach – die Uni bot ab 1997 für Studierende einen Dialup-Access mit 14’400 bps an, der aber ständig besetzt war. Surfen konnte man damit aber zunächst nur auf uniinternen Sites… auf web.archive.org ist archiviert, wie ein neuer, unbeschränkter Dienst angekündigt wird. Hier begegnen wir auch wieder alten Bekannten wie melkor.unibe.ch und sehen, dass die Informatikdienste (ID) empfehlen, Eudora statt Simeon als Mailprogramm zu benutzen. Dazu gibt es Software für Windows 3.x und 95.

Natürlich waren die 1990-er auch die Pionierzeit der Internetpornos, was die Uni Bern vor Probleme stellte – das Netz wurde zusehends langsam, da… lassen wir das. Jedenfalls sperrten die ID – wohl eher im Rahmen einer Sensibilisierungsaktion – jeglichen Webtraffic mit der Zeichenfolge „sex“. Was zur Folge hatte, dass Seiten mit „Gasexplosion“ oder „Essex“ plötzlich nur noch Fehler lieferten.

Ein anderer Freund schrieb im Oktober 1996: „Das Thema Internet gewinnt immer mehr an Aktualitat. Vor einigen Jahren waren ausgesuchte Informatiker und Informatikerinnen stolz auf ihre Visitenkarten, auf welchen das magische Zeichen @ (deutsch: Affenschwanz, englich: at) vorhanden war. Damals prahlte Mann und Frau mit einer eigenen E-Mail Adresse um elektronische Botschaften zu erhalten. Die Zeiten andern sich rasant – und wer heutzutage nicht uber eine sogenannte Homepage im World Wide Web (WWW) verfugt, betreibt eh kein ernstzunehmendes Business. Unterdessen surfen in der Schweiz 700’000 aktive und weniger aktive Leute im Internet herum; eine stolze Zahl – weltweit sollen es bereits uber 50 Millionen sein.“

Er schickte auch gleich die erste URL des Berner Alternativradios „RaBe“ mit: http://ourworld.compuserve.com/homepages/radio_rabe

Genau: Compuserve, HotMetal Pro, HotDog, Suchen mit Hotbot und Altavista (OK, manchmal auch Astalavista, zugegeben)… und dazu eine kurze, handliche Mailadresse andreas.jacomet.1@sm-philhist.unibe.ch – das waren noch Zeiten! Auf Radio RaBe hatten wir als „Fachschaft Medienwissenschaft“ eine eigene Sendung und verlasen auch die aktuellen Internet-Tipps  – hier einige Beispiele aus der Web-Urzeit, als vieles heute Selbstverständliche noch wahnsinnig neu war:

– Was zum Henker ist das „3W“? – Frank erklärts – und erwähnt die „neue Website des ISC“. Zudem wimmelte es schon damals von „stinklangweiligen Seiten“ – immerhin, gottseidank gabs noch keine Blogs. Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 16. April 1996:

 

– Internettipps vom Juni 1997:

 

– Aus einer Zeit, als Windows 95 noch der letzte Schrei war und ich mich mit Windows 3.1 abmühte… Gewisse Angebote sind nur über Compuserve erreichbar, oder was war der URL-minder schon wieder? Und wieso muss man ächtscht Faxen oder schreiben, um mehr Infos zu den vorgestellten Websites zu bekommen? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 24. Mai 1996 (MP3, 2.5 MB):

 

– „Ich bin da nicht so der Web-Spezialist“ – Von wem könnte dieses Zitat stammen? Und wieso findet man die besten Medienseiten via „Bilanz“-Website? Die Internettips aus der Medien-UniBox vom 17. September 1996 (MP3, 2. MB) – In diesem Manuskript haben wir den SRG-Medien, die den Internetzug verpennt hatten, tüchtig eingezeizt.

 

Vor 20 Jahren hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages als Selbständiger mit solchen Dingen mein Geld verdienen könnte, egal von wo aus auf dem Planeten. Und dass das an der Uni aufgebaute Beziehungsnetz bis heute die Ur-Basis meiner Geschäfte ist – 100x mehr Wert als jedes Diplom.

Screenshot der IMW-Website von 1998 bis 2000Wenig später waren wir ab 1998 – mit neuer Website (erstes Bild rechts) – das erste Institut, das Prüfungsresultate online veröffentliche (Matrikelnummer und Note). Eines der Frühwerke von Michael Herrmann war ein Perl-basiertes System, das ab etwa 1999 Prüfungsanmeldung und Notenmitteilung samt Mailings zuverlässig automatisierte und uns Stunden an Arbeit sparte. Im Jahr 2000 gestaltete uns Bastiaan von nothing eine für damals äusserst moderne Website (zweites Bild), deren Design bis zur Übernahme des Uni-Designs Bestand hatte.

„Online first“ war aber Ende der 1990-er nicht jedermanns Sache. In einem Sitzungsprotokoll beklagte ich mich 1999 bitter: „Input fürs Web kommt ab und zu von X und Y, selten von anderen, ansonsten bringt auch mehrfaches Nachhaken praktisch nichts (z.B. Bitte um neue Projekttexte oder themenverwandte Links). Diese Situation ist bisweilen frustrierend. Gerade Fehler auf der IMW-Website werden so kScreenshot der IMW-Website von 2000 bis 2003aum entdeckt. Viren-Hoaxes werden wie in der Internet-Steinzeit weiterhin fröhlich weitergeleitet, obschon mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass solche Meldungen reiner Unfug sind. E-Mails werden ausgedruckt, obwohl das Verschieben in eine andere Mailbox reichen würde. Linkvorschläge werden manchmal auf Papier eingereicht. Aus der Situation lässt sich eine geringe Sensibilisierung für Online-Anliegen herauslesen.“

Gut, einiges hat sich bis heute nicht verändert…

Mich hatte inzwischen der Internet-Virus aber komplett gepackt – ich brach das Studium ab und entwickelte zusammen mit Role ab Mitte 2000 beim Kanton Bern die ersten Websites der Staatskanzlei, des Grossen Rates, der Gesetzessammlung Belex sowie für Wahlen und Abstimmungen. Auch diese Pionierjahre möchte ich trotz aller Kämpfe gegen eine gewisse Innovations-Lethargie der öffentlichen Verwaltung nicht missen.

Find‘ ich gut. (8 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Jeden Herbst, wenn die Verlängerung des Generalabonnementes ansteht, der gleiche Ärger: Die SBB verlangt für das Partner-GA eine Wohnsitzbestätigung. Diese kostet in Bern 20 Franken. Faktisch bezahle ich für mein GA also mehr als andere in der gleichen Lebenssituation.

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Nun kann man einwenden: Wenn ich mir ein GA leisten kann, sollten auch die 20 Franken zusätzlich kein Problem darstellen.

Das ist aber zu kurz gedacht, denn das Stossende an der Sache ist nicht der geringe Mehrpreis des Fahrausweises, sondern dass die SBB Konkubinatspaare schlechter stellt als Verheiratete oder eingetragene Partnerschaften. Letztere kommen leicht um die „Strafgebühr für Unverheiratete“ herum.

Mit der geltenden Regelung habe ich keine Chance, das Zusammenleben mit meiner Partnerin anders nachzuweisen als mit einem Dokument, das ich bei der Gemeinde gegen Gebühr beschaffen muss.

Zu den 20 Franken, welche die Stadt Bern verlangt (was einem Stundensatz von rund 2400 Franken entspricht), kommt der Zeitaufwand. Wir alle haben Sinnvolleres zu tun als jedes Jahr – trotz unveränderter Situation – die gleichen Formulare auszufüllen oder persönlich bei der Einwohnerkontrolle anzutraben. Vor allem, wenn andere in der gleichen Lage eben dies nicht tun müssen.

Verheiratete oder in einer eingetragenen Partnerschaft Lebende können gemäss der heutigen Regelung einfach ihr Familienbüchlein (oder den Parterschafts- oder Familienausweis) kopieren und sind fein raus. Kopien dieser Dokumente sind nota bene leicht zu fälschen, denn auf einer Beglaubigung beharrt die SBB seltsamerweise nicht.

Gemäss dieser Seite ist die Bedingung für den Bezug eines vergünstigten Partner-GA das „Leben im gemeinsamen Haushalt“. Aber:

  • Dass Verheiratete nicht immer unter dem selben Dach leben, ist der SBB offenbar egal.
  • Dass Paare manchmal noch Jahre nach einer Trennung auf dem Papier verheiratet sind, ignoriert die SBB.
  • Dass das Partner-GA problemlos auch für Nicht-Paare „erschleichbar“ ist, wird toleriert (die Wohnsitzbescheinigung gibt es auch für Wohngemeinschaften).

Fazit: Ein „GA-Partner-Bschiss“ wäre vielen Menschen problemlos möglich. Konkubinatspaare müssen aber in jedem Fall – ob sie ehrlich sind oder nicht – jedes Jahr die Bescheinigung bezahlen.

Haus- oder Wohnungsbesitzerinnen und -besitzer könnten, werte Bundesbahnen, übrigens auch einen Grundbuchauszug einreichen – dieser ist bezüglich „Wert“ bzw. Betrugsmöglichkeiten mit dem Familienbüchlein oder der Wohnsitzbestätigung vergleichbar. Dort steht immerhin, dass meine Partnerin und ich das Haus an unserer Postanschrift zu je 50% besitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch als Paar beide dort wohnen, ist ebenso gross wie bei Verheirateten mit gleicher Adresse. (Und mit gewissen Beziehungen kommt man immerhin gratis zu einem Grundbuchauszug.)

Auch die Kopie einer Begünstigungsklausel in der beruflichen Vorsorge mit dem Stichwort „Konkubinat“ würde ich punkto Offizialität und Fälschungssicherheit den oben genannten „SBB-konformen“ Dokumenten gleichsetzen.

Was wären Lösungen, die gerechter sind als die heutige? Ein paar Ideen:

  • Wenn der SBB eine Gleichbehandlung ihrer Kundinnen und Kunden wichtig wäre, müsste sie auch von Verheirateten alljährlich die Wohnsitzbescheinigung verlangen. Oder beglaubigte Kopien anderer Dokumente. Dies wäre aber kaum kundenfreundlich.
  • Darum wäre eine grundlegende Änderung des GA-Rabatt-Modus die bessere Lösung: Egal, ob Paar oder nicht – den Rabatt gibt es, wenn zwei oder mehr Generalabos für zwei oder mehr Personen mit der selben Postadresse zusammen bestellt und bezahlt werden.
  • An einem anderen Ort angesetzt: Die Gemeinden sollten die Gebühren senken. Warum ich meiner Gemeinde als Steuerzahler für eine nicht anspruchsvolle Kurzdienstleistung von fünf Minuten 20 Franken bezahlen muss, ist mir schleierhaft.
  • Den hier beschriebenen Ärger gäbe es nicht, wenn ich bei der Gemeinde online einen Auftrag erstellen könnte, im Sinn von: „Bis Widerruf jedes Jahr Wohnsitzbestätigung am 1.11. per Post senden.“ Mit einer Gebühr von 3-5 Franken pro Jahr könnte ich sogar noch leben.

Und wenn die SBB weiterhin auf der Bescheinigung beharrt?

  • Die SBB könnte andere Dokumente als Wohnsitzbestätigungen oder Familienbüchlein akzeptieren, z.B. einen aktuellen Grundbuchauszug oder eine Bestätigung der Begünstigung in der beruflichen Vorsorge.
  • Die SBB könnte den Betroffenen Gutscheine in der Höhe einer durchschnittlichen Wohnsitzbescheinigung verschicken, die man für internationale Tickets oder Mitfahr-GAs verwenden bzw. verschenken kann.
  • Etwas Vertrauen in Stammkunden wäre schön: Die SBB könnte die Bescheinigungen – wenn sie darauf beharrt – nach mehrjährigem Bezug eines Partner-GA nur noch alle 2-3 Jahre verlangen. Immerhin habe ich seit über einem Vierteljahrhundert unterbruchsfrei ein Generalabo. Und seit über zehn Jahren die gleiche Partnerin.
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Videospielfilme entwickelten sich Mitte der 1980er-Jahre zu unserem grossen Hobby: Bevor Mädchen so richtig interessant wurden, war es die Videokamera, die uns Landjungs faszinierte.

Dass man dereinst mit einem kleinen, flachen Gerät Filme herstellen, schneiden und einem Milliardenpublikum zur Verfügung stellen könnte, hätten wir uns vor 30 Jahren niemals vorstellen können. Wir fanden bereits das sensationell: Mit einem tragbaren VHS-Videorekorder (an dem an einem fetten Kabel die Kamera hing) filmen. Dann zwei Recorder mit klobigen Kabeln zusammenstöpseln, mittels Play auf Gerät A und Record auf Gerät B den Film cutten.

Filmen mit Videokamera 1986Und wenn’s ganz flott werden musste: Den Ton via Mischpult leiten und Musik drunter mixen. Den Bildqualitätsverlust nahmen wir in Kauf oder beherzigten Tipps aus Heftli wie dem „Schweizer Video Magazin“, den Verlust zu minimieren.

Filmende Kiddies waren Jahrzehnte vor den Youtubern eine Ausnahme, darum gab es damals auch TV-Sendegefässe für Schülerfilme. Unsere beiden ersten Streifen „Der Ausgestossene“ und „Die Schatzsuche“ wurden bereits ausgestrahlt – aus heutiger Sicht sind sie auch weitaus gehaltvoller als der Film, um den es in diesem Beitrag geht. Waren wir bei den ersten Filmen zwischen 11 und 13 Jahre alt – quasi „jung und unverdorben“ – merkt man bei der Produktion des Sommers 1986, dass wir langsam zu pubertierenden Jungs wurden.

Wir waren überzeugt, dass unser neuer Film ein wenig anrüchig werden musste.

Und das hiess auf dem Lande: Keilereien, Töffli, Rauchen, Fluchen.

Meitli waren – im Gegensatz zu den letzten Filmen – keine mehr mit dabei, „Feinde“ war ein reines Jungs-Projekt. Mädels waren im Sommer 1986 plötzlich keine reinen Schulkameradinnen mehr, sondern zogen sich irgendwie anders an, verhielten sich anders, und „beim Flaschenspiel an der Schulparty küssen üben“ oder „geschlossen Tanzen“ schienen wie durch Zauberhand bessere Optionen als „zusammen einen Film drehen“.

Dass unsere Eltern den Plot „Töfflibuebe-Dorfgang prügelt sich in der Badi und beim Fussball mit Outlaws“ birnenweich fanden, verstanden wir nicht – hey, wir waren hier schliesslich drauf und dran, in die Hollywood-Liga aufzusteigen! Bud Spencer, Terence Hill (wir dachten damals, das sei Hollywood), Beverly Hills Cop, Back to the Future, Knight Rider… das waren die Vorbilder, Filme und Serien, an die wir anknüpfen wollten.

19851231-itingen-radiorecorder-fairmateIm Sommer 1986 sahen Radiorecorder von Teenies etwa so aus wie auf dem Bild links (das war mein Fairmate RD-6000); in der Hitparade weit vorne lagen Samantha Fox (Touch me), Bananarama (Venus), Modern Talking (Atlantis is Calling), Madonna (Live to Tell und Papa Don’t Preach), Level 42 (Lessons in Love), Nu Shooz (I Can’t Wait) oder Janet Jackson (Nasty). Wham! verabschiedeten sich fulminant mit „The Edge of Heaven„, und Peter Gabriel setzte mit „Sledgehammer“ dem Medium Videoclip ein monumentales Denkmal.

A propos Videoclip: Das Schweizer Fernsehen sendete stundenlang live von der FERA (das war eine Schweizer Unterhaltungselektronik-Ausstellung in Zürich); der Stereoton dazu lief parallel auf DRS3 (Fernsehen in Stereo gab’s damals noch nicht). Davon haben wir in diesem Blog schon anno 2007 berichtet. Man beachte dort vor allem die Kommentarspalte, wo sich eine Pop-Ikone der 1980er persönlich zu Wort meldet.

Damit aber zu unserem Schläger-, Fussball- und Klamaukvideo „Feinde“, das in den Sommerferien 1986 in Itingen (BL) entstand, zwischen den ersten beiden Dorfgrümpelturnieren (Videos davon hier und hier). Mit von der Partie waren nebst Patrick Tanner und mir Martin Madörin (alias Duggi), Martin Spitz, Rolf Stirnemann, Patrick „Pex“ Buser und Rolf Wüst. Martin Brunner setzen wir hiermit einen kleinen Gedenkstein ins Netz: Er kam wenige Jahre nach dem Dreh bei einem Strom-Unfall ums Leben.

Hinweis: Das Video mit dem Hauptfilm (aus technischen Gründen in zwei Teilen) kann aus urheberrechtlichen Gründen in einigen Ländern nicht verfügbar sein. Die Originalaufnahmen und Takeouts hingegen gehören allein uns und sind überall abrufbar.

Feinde, Teil 1

Feinde, Teil 2

Feinde, Originalaufnahmen und Takeouts

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Mit „Infinity M“ von Swisscom habe ich zwar ein Mobilfunk-Abonnement, mit dem ich in Europa während 60 Tagen im Jahr total 3 Gigabytes absurfen kann. Für Power User und Vielreisende reicht das aber bekanntlich nicht sehr weit.

3 GB beträgt mein monatliches 3G/4G-Volumen in der Schweiz alleine schon in eher „surfarmen“ Monaten. Und 139 Franken monatlich für „Infinity L“ mag ich derzeit ebenso wenig ausgeben wie 39 Franken für ein 1GB-Datenpaket, das dann doch nur 30 Tage gültig ist.

Auch nur einen Monat gültig ist zwar das Gigabyte des Prepaid-Angebotes von Vodafone Nederland, das ich dank Oliver Gut entdeckt habe. Mit 10 Euro ist es aber weitaus günstiger – und es gilt in ganz Europa, auch in der Schweiz. Im Link von Michael Stuckis Tweet findet sich dann auch einer von vielen Links zu eBay, wo man auch als Schweizer zu einer holländischen SIM-Karte kommt, die das Roaming-Surfen via LTE (4G) samt Tethering und VoIP erlaubt.

20160802-vodafone-sim-hotspot-03Ich finde das Wechseln einer SIM und die damit verbundenen Nachteile (z.B. Nummernwechsel) mühsam, also habe ich mich für einen LTE-Hotspot entschieden, wie ich ihn auch schon in Japan als Mietgerät verwendet hatte. Mediamarkt hatte ein Gerät von TP-LINK (M7350) für rund 110 Franken an Lager, das ich sogleich erwarb. Die Dinger heissen „Mobile WiFi Hotspot“, „MiFi“, „LTE Router“, „4G-Modem“ oder ähnlich.

Vergleicht man die Kosten der Datenpakete, so ist – bei horrenden 39  Franken für ein europäisches Gigabyte bei Swisscom und Salt (und 49 für 2GB bei Sunrise) – die Anschaffung von SIM und Hostpot schon nach rund vier 1GB-Datenpaketen amortisiert.

@sultaninen macht mich darauf aufmerksam, dass Salt im Abo "Plus Europe" für 89CHF/Monat 12GB in Europa inklusive hat. Ich kenne allerdings etwas gar viele Leute, die mit dem Salt-Service nicht zufrieden waren; mit dem Mitbewerber Sunrise habe ich selbst nur negative Erfahrungen gemacht. Daher gibt es für mich in der Schweiz im Mobile-Bereich nur Swisscom; alles andere kann sehr schnell in einem Kundendienst-Fiasko enden, wie zahllose Berichte im Netz zeigen.

Das Projekt „Der Swisscom ein Schnippchen schlagen“ war aber leider nicht so einfach wie erhofft; ich versuche hier die wichtigsten Probleme und Hinweise zusammenzustellen. Für alle Daten und Preise gilt „Stand heute“ (09/2016).

TLDR

Surfen mit einer ausländischen SIM-Karte ist primär etwas für Menschen, die eine gewisse Technikaffinität und Tüftellust besitzen. Wenn man etwas Aufwand nicht scheut, lässt es sich aber in ganz Europa sehr günstig surfen. Allen, die den Initalaufwand von 30-60 Minuten  nicht scheuen, kann ich das Angebot von Vodafone Holland bestens empfehlen; es bietet eine sehr günstige Datenverbindung auf Reisen (und selbst im Inland) für Schweizerinnen und Schweizer. Es ist zu hoffen, dass Vodafone noch einige Kinderkrankheiten beseitigt.

Bestellung und Grundsätzliches

  • Die Bestellung der SIM verlief problemlos. In den Niederlanden können derzeit noch alle ohne ID-Registrierung eine SIM-Karte kaufen. eBay-Händler verkaufen sie Interessierten weiter. Zwei aktuelle Links hier und hier. Ich habe meine beim zweiten Anbieter erstanden – teurer als beim ersten, aber der war damals ausverkauft. Die Lieferung dauerte 3 Tage, die SIM kam in einem neutralen Couvert.
  • Die Registrierung auf der Seite von Vodafone NL ist nur auf Holländisch möglich. Wer ein wenig Sprachgefühl hat, schafft das locker; ansonsten hilft Google Translate. Ich konnte problemlos eine Schweizer Adresse angeben und bekam sogleich ein nettes Begrüssungs-SMS, das man auch als Deutschsprachiger versteht:

20160802-vodafone-sim-hotspot-02

  • Beim ersten Aufladen gibt’s 25% Extra-Guthaben (Guthaben = „Tegoed“). Meine CH-Mastercard wurde nicht akzeptiert, die Schweizer VISA hingegen schon – es ist zu hoffen, dass das so bleibt, ansonsten kann man nur über Umwege aufladen (via prepaid.eu, Bekannte in Holland oder ev. gegen Gebühr beim eBay-Verkäufer).
  • Das Guthaben bleibt ein Jahr gültig, jedes Aufladen („Opwaarderen“) verlängert die Gültigkeit wieder um 365 Tage. Vom Guthaben werden die Preise der gelösten Datenpakete abgebucht. Das hier thematisierte Prepaid-Angebot heisst „YOU“, die Pakete heissen „Bundels“ und/oder „Blox“ (den Unterschied habe ich nicht ganz verstanden). Man löst als Vielsurfer in der Regel ein „ONLINE ONLY BLOX“ für 1GB Daten in ganz Europa. Das kostet 10 Euro.
  • Jeden Freitag gibt es im Rahmen der Aktion „Fantastic Friday“ Specials wie Extraguthaben beim Aufladen usw. Oft sind die Angebote aber nur innerhalb der Niederlande gültig.
  • Nach Einlegen der SIM wurden in den Interneteinstellungen APN usw. automatisch auf für Vodafone NL korrekte Werte gesetzt.

Probleme und Erfahrungen

  • Pakete kann man einerseits via SMS oder via Website (Kundenkonto-Login) lösen. Die SMS kann man über das Web-Interface oder via App des LTE-Hotsopts auch senden, wenn die SIM nicht in einem Smartphone steckt.
  • Hier liegt aber ein gravierendes Problem versteckt: Vodafone offeriert derzeit im Paket „ONLINE ONLY“ zum einen Gigabyte in ganz Europa auch noch 1GB dazu, das nur in Holland gültig ist. Befindet man sich im Ausland – von Holland aus gesehen – meint das System nach Ablauf des Roaming-Gigabytes, dass man das Paket noch gar nicht aufgebraucht hat, da noch ein ganzes Gigabyte der Benutzung in den Niederlanden harrt. Dementsprechend kann man weder per SMS noch via Website ein neues Paket „ONLINE ONLY“ lösen. Hier musste ich über Twitter den Kundendienst von Vodafone Nederland kontaktieren, der mir ein neues Paket manuell freigeschaltet hat. Unter Umständen ist man so aber einige Stunden ohne Datenverbindung – wer z.B. aus beruflichen Gründen dringend darauf angewiesen ist, hat ein gröberes Problem. Möglicher Umweg: „YOU L“ lösen, kostet zwar 15 Euro, ist aber immer noch günstig.
  • Der Kundendienst von Vodafone NL (via Twitter) erinnerte bisweilen ein wenig an Sunrise-Zeiten: Je nach Supporter war die Qualität annähernd null (bis hin zu nachweislich kreuzfalschen Auskünften), wobei zwei sehr kompetente Ausnahmen dabei waren.
  • Immerhin: Die Antworten – ob im Twitterfeed oder via DM – waren selbst nachts oder am Wochenende rasant (wenige Minuten bis wenige Stunden) und ausführlich. Man kann problemlos Englisch schreiben, auch die Antworten kommen in Englisch. Beim Speed kann sich so manches CH-Telko-Unternehmen eine dicke Scheibe abschneiden!
  • Nachdem das zweite ONLINE-ONLY-Paket verbraucht war, aktivierte das System automatisch den Tagestarif, ein „Internet Dagbundel“, das zwar nur 1 Euro für 100 MB in 24 Stunden kostet – doch das hiesse, dass 1GB eigentlich 11 statt 10 Euro kostet, denn eine Erneuerung via SMS/Website war ja aufgrund der oben beschriebenen Probleme nicht möglich. Warum sich das Dagbundel nicht auch das erste Mal aktivierte und warum es 1.23 statt 1.00 Euro kostete? Das gehört zu den vielen Geheimnissen dieser Geschichte.
  • Inzwischen vermute ich, dass ich jedesmal kurz vor Ablauf von 1GB den Kundendienst anzwitschern muss, auf dass er mir wieder ein Paket freischaltet, um der Aktivierung des Dagbundels für 1 Euro zu entgehen. Verglichen mit dem vierfachen Monatspreis der Swisscom drehe ich den einen Euro aber auch nicht 10x um. Wenn Vodafone in den Griff bekäme, dass auch Prepaid-Kunden mit hohem Datenverbrauch im nicht-holländischen Ausland per SMS/Web erneuern können, wäre das natürlich für alle Beteiligten die bessere Lösung.

Hier noch einige Punkte, die mir aufgefallen sind, die ich aber als vernachlässigbar betrachte oder vermute, dass die einmalige Natur waren:

  • Die Vodafone-Website (Kundencenter) ist grundsätzlich OK, bisweilen aber etwas widerspenstig - es zeigt z.B. teils falsche Ablaufdaten für die gelösten Pakete an. Das ist nicht weiter schlimm, ebensowenig die paar toten Links.
  • Tipp für alle, bei denen das Aufladen von Guthaben nicht klappt: Nach jedem Aufladungsversuch min. 30 Minuten warten und das verfügbare Guthaben durch Reloaden der Website checken. Ich habe nicht immer eine Bestätigungsseite bekommen, auch wenn es geklappt hat.
  • Man kann nur Beträge von 10, 20, 30, 40 oder 50 Euro Aufladen. Es ist nicht möglich, einen "ungeraden" Betrag zu wählen.
  • Wenn man in einem Monat mehrere Blox löst, ist irgendwann die Leitung tot. Der Grund dafür ist, dass Vodafone NL einen Kostenschutz hat, der irgendwo bei 60 EUR standardmässig greift. Das Problem ist scheinbar, dass Vodafone dafür noch alte Preise berechnet. Den Kostenschutz kann man einfach ausschalten, bei Prepaid muss man sich schliesslich keine Gedanken machen, viel Geld zu verlieren. Im Kundencenter geht man zu "My Vodafone" > "Profiel" > "YOU instellen" > "Datalimiet" und wählt "Onbeperkt".
  • Nicht weiter von Belang, aber gut zu wissen: 4G (LTE) war nicht automatisch aktiv wie auf der eBay-Verkäuferseite angezeigt. Man muss dafür via SMS oder Kundencenter-Website ein "4G BloX" lösen, der mit 2.50 pro Monat ausgewiesen ist, derzeit aber null Euro kostet. Danach (Reboot erforderlich) wechselte mein Gerät aber sofort anstandslos aufs LTE-Netz.
  • Auch nur ein Detail am Rande: Die 5MB Testguthaben am Aktivierungstag, die hier erwähnt sind, waren bei mir nicht existent.
  • Nachdem das erste ONLINE-ONLY-1GB-Paket verbraucht war und (siehe oben) der Kundendienst mir ein neues freigeschaltet hatte, lief 10 Tage überhaupt nichts mehr. Der Kundendienst behauptete, das sei wegen "technical problems". Und von wegen "we will inform you"... irgendwann lief es einfach wieder. Erst nach Rückfrage erhielt ich für den Totalausfall 10 Euro "Schadenersatz" gutgeschrieben. Dies kam aber danach nie mehr vor.
  • Ein Vodafone-Supporter fand, nachdem ich meinem Ärger über die genannten Unzulänglichkeiten Luft gemacht hatte, alles laufe genau gemäss den AGB und ich solle die doch gefälligst lesen. Dafür ist mein Holländisch dann doch zu schwach. Wer des Holländischen mächtig ist und in den AGB sowie den Online-Blox-Bedingungen etwas findet, das darauf hinweist, dass meine Aussagen auf falschen Annahmen beruhen, kann es mir gerne in den Kommentaren mitteilen.
  • Der Kundendienst fragte mich niemals, ob ich Holländer sei; ich wurde wie ein normaler NL-Kunde behandelt. Ob ein Wiederverkauf der SIM an Ausländer überhaupt legal ist, weiss ich nicht; es ist mir allerdings auch Wurst. Im Zweifelsfall bin ich ein Expat, der von seiner Bude nach Holland versetzt wurde und dennoch viel im Ausland arbeitet.

Offene Fragen und Schlussbemerkungen

  • Der Datenverbrauch mit dem LTE-Hostpot war gefühlt um ein Mehrfaches so hoch wie wenn die SIM direkt im iPhone stecken würde. Hier ist von „Data billing is in fair 1 KB increments in the EU“ die Rede – nun weiss ich nicht genau, ob das technische Gründe hat, ob ein iPad-Tethering (von Apple zu Apple quasi) besser wäre, oder weshalb genau die MiFi-Verbindung so datenhungrig ist. Macwelt lieferte bereit 2012 einige Tipps, z.B. das Deaktivieren der iCloud-Backups oder des Fotostreams für die Dauer des Hostpot-Tetherings. Das hatte ich natürlich so eingestellt; dennoch erschien mir der Verbrauch horrend. Wenn diesbezüglich kundige Menschen Kommentare hinterlassen, bin ich dankbar.
  • Tethering (mobiler Hotspot) via iPad lief nicht – es hiess „Contact vf nl to enable the feature“, wenn ich „Persönlicher Hotspot“ anwählte. Das Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen des iPads brachte nichts. Tethering mit einem Android-Telefon (htc) klappt aber problemlos.
  • Das „Dagbundel“ könnte man im Kundencenter deaktivieren – ob nach Verbrauch des Paketes die Verbindung abbricht oder der (teure) Standardtarif verrechnet wird, habe ich nicht getestet.

Diese Website liefert eine gute Zusammenfassung der aktuellen Randbedingungen des holländischen Vodafone-Angebotes. Da die SIM auch in der Schweiz läuft (auf allen Netzen!), ist sie für Leute ohne Daten-Inklusivvolumen in der Schweiz ebenfalls interessant – bei Swisscom kostet im Prepaid-Tarif „Ohne Abo gelegentlich surfen“ 9 Franken für 200 MB, also 1/5 der Menge, die mit Vodafone NL für einen ähnlichen Preis nutzbar ist.

Eine weitere Möglichkeit, die Schweizer Abzocker-Romaingtarife zu umgehen, ist übrigens hier beschrieben.

Zum LTE-Modem

Natürlich muss man das zigarettenschachtelgrosse Ding immer dabei haben, und nach einer (vordefinierbaren) Zeit fällt es in den Schlafmodus. Der über USB aufladbare Akku des M7350 hält aber erstaunlich lange, es ist leicht (viel leichter als ein iPad) und aus dem Sleep-Modus erwacht es rasant. Via App oder über jeden Browser kann man auf die SMS auf der SIM-Karte 20160802-vodafone-sim-hotspot-01zurückgreifen oder welche versenden (für Steuerbefehle wie die Abfrage des Restguthabens), den Hotspot konfigurieren usw.

Natürlich können sich mehrere Geräte auf das vom Hotspot erzeugte WLAN verbinden. Die versurfte Datenmenge wird im Vergleich zu dem, was Vodafone tatsächlich berechnet, rund 10% höher angezeigt; dieser „Spatzig“ ist praktisch. Die Latenzzeit ist bei schlechtem Empfang gefühlt massiv höher als wenn die SIM im Smartphone stecken würde.

Nicht vergessen: ausserhalb der Schweiz das Datenroaming im Smartphone ausschalten, damit ausschliesslich via WiFi gesurft wird (für das Handy ist auch der 4G-Hotspot nichts anderes als ein normales WLAN). Ich habe den Hostpot mit der Vodafone-SIM in der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Grossbritannien getestet – der Empfang war stets in Ordnung.

Wer sich nicht scheut, über seine CH-Nummer nicht erreichbar zu sein und Messaging-Apps umzumodeln, kann die SIM natürlich problemlos direkt ins Smartphone stecken. Dann fallen viele der soeben genannten Unzulänglichkeiten des Hotspots weg. Ein Dual-SIM-Phone wäre natürlich eine elegante Lösung.

Fazit

Mit einer SIM von Vodafone NL in Europa herumreisen und surfen klappt grundsätzlich, aber ist aufgrund der erwähnten Downsides bisweilen mühsam. Wäre ich nicht Blogger, Telko-interessiert und technikaffin, hätte ich womöglich irgendwann aufgegeben.

Zudem ist mir der massive Datenverbrauch via Hostpot ein Dorn im Auge. Hier weiss ich aber schlicht zu wenig darüber bzw. habe es noch zu wenig getestet. Die Datenpaket-Gültigkeit von nur 30 Tagen ist angesichts des tiefen Preises vertretbar.

Dennoch kann ich das Angebot empfehlen – wenn anfangs eine technikaffine Nachbarin oder ein Geek-Onkel mithelfen, kann es fast nur gut gehen.

Und hallo, Swisscom…

Schade, dass Ihre Hochpreispolitik Vielreisende zu solch zeitraubenden und bisweilen nervenaufreibenden Aktionen zwingt.

Swisscom täte gut daran, die aus Kundensicht völlig birnenweiche 30-Tage-Politik bei internationalen Datenpaketen aufzugeben: Beginnt denn ein abonniertes Datenvolumen nach 31 Tagen zu gären und zu stinken? Ist es ungesund, es nach einem Monat noch zu benutzen? Nein.

Gäbe es kein Verfalldatum und wäre der Preis etwas tiefer: Ich wäre der erste, der nach Ablauf des Abo-Inklusivvolumens ein Gigabyte dazu kaufen und es auf den Europareisen in den kommenden Monaten nadisna aufbrauchen würde. Aber so lange diese nicht nachvollziehbare 30-Tage-Regelung gilt, greifen ich und andere Power User lieber zu ausländischen SIM-Karten, so lange das geht.

Werter Herr Schäppi: 15 Franken für 1 Gigabyte in Europa, 6 Monate gültig – da würde ich sofort mitmachen!

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Vor genau 30 Jahren wurde in meinem damaligen Wohnort Itingen im Oberbaselbiet die Zivilschutzanlage eröffnet. Es war das grösste kommunale Infrastrukturprojekt der 1980er-Jahre.

„Perestroika“ war noch in den Kinderschuhen, Gorbatschow war erst anderthalb Jahre im Amt – die Anlage war ganz klar ein Kind des Kalten Krieges und fiel in jene Zeit, in der wir noch über teure „GOPS“ (geschützte Operationsstellen in einem Bunker) abstimmten. Genau – das sind jene „GOPS“, von denen kürzlich eine in Basel aufgelöst wurde, ohne dass sie jemals benutzt worden wäre.

Allerdings fanden wir damals, dass so eine Zivilschutzanlage doch etwas ganz Nützliches sei: Die Einweihung fiel ziemlich genau in die Mitte zwischen Tschernobyl und Schweizerhalle.

Zum Jubiläum habe ich den Videofilm, den ich als 14-Jähriger von der Eröffnung am 30. August 1986 gemacht hatte, ab dem VHS-Band neu gemastert und auf YouTube gestellt. Ein interessantes Zeitdokument des Schweizer Dorflebens in den 1980ern – samt Ansprache des damaligen Gemeindepräsidenten Hansruedi Bieri, der Dorfmusik und „Alt und Jung“ auf den Beinen:

Für uns Jugendliche war die Anlage ein Glücksfall – nicht wegen des atomsicheren Unterstandes oder des Feuerwehrmagazins, aber wegen des Mehrzweckraums und des Sportplatzes, die ebenfalls vor 30 Jahren eröffnet wurden. Im Mehrzweckraum fanden zahllose Partys statt, und Jungdrummer konnten sich im Bunker – der natürlich auch besten Schallschutz bot – die Seele aus dem Leib trommeln, ohne jemandem auf den Keks zu gehen.

Hier der Flyer für unsere legendäre „Dance-Party“ am 26. November 1988:

19881126-party-itingen

Aus dem Video konnte ich die folgenden Stills vom Bau der Anlage extrahieren:

 

Wie aber sah der Platz vor 1986 aus? Im Fotoarchiv habe ich diese Bilder vom Sommer 1983 gefunden, das meine Kumpels beim Fussballspielen auf dem alles andere als ebenen Platz zeigt. Im Hintergrund ist das Mehrfamilienhaus Bahnweg 26 im Bau (dieses war 1984 bezugsfertig):

 

Ich erkenne zumindest Duggi, Glace, Tanner, Busi, Patrizia und Felbi – wer erinnert sich an die anderen?

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