Kennen Sie den längsten Skilift auf der Schweizer Seite des Juras? Hätten Sie gedacht, dass er nur wenige Fahrminuten vom Neuenburgersee entfernt liegt (den man vom Lift aus sogar sieht), fast zwei Kilometer lang ist und 400 Höhenmeter überwindet?

20160123-paquier-cretdupuy-0739b

Dann haben Sie noch nie vom kleinen, feinen Skigebiet Le Pâquier gehört, das kurz vor der grösseren, bekannteren Station Les Bugnenets / Savagnières liegt. Didier Cuche wird oft mit letzterem Gebiet assoziiert – tatsächlich stammt er aber aus Le Pâquier. Natürlich hängen in der Pistenbeiz signierte Plakate, und einmal pro Winter kann man sich heute noch mit ihm messen.

20160123-paquier-cretdupuy-1013

Der lange Skilift – Marke Küpfer Steffisburg – dreht hier seit 1971 seine Runden. Leider wurden die antiken Gehänge – im Volksmund Skiliftbügel genannt – kürzlich durch die modernen Borer BSG77 ersetzt, und der laute hydrostatische Antrieb durch einen konventionellen.

20160123-paquier-cretdupuy-0861

Zum Lift fährt man ab Neuchâtel auf der Vue-des-Alpes-Autobahn, nimmt die Ausfahrt Valangin…

20160123-paquier-cretdupuy-0732

… und erspäht dann nach einigen Fahrtminuten durch das weite Val de Ruz die Skihänge auf der Rückseite der ersten Jurakette, vom Mittelland her gesehen:

20160123-paquier-cretdupuy-0735

Die erste Hälfte des Liftes verläuft über einen flachen, weiten Hang mit idealen Anfänger- und Carvingpisten:

20160123-paquier-cretdupuy-0869

20160123-paquier-cretdupuy-0896

Dann geht es in die steile Waldschneise bis auf den Rücken des Crêt du Puy:

20160123-paquier-cretdupuy-0898

Bisweilen etwas schmale, coole Waldabfahrten – anfangs flach, dann steiler – beginnen bei der Bergstation, von wo aus man auch den nahen Chasseral-Gipfel schön sieht. Kurz vor dem Waldausgang zum flachen unteren Teil (mit drei schönen Pistenvarianten) sieht man in der Ferne dann auch den Neuenburgersee in der Abendsonne glänzen.

20160123-paquier-cretdupuy-0994

20160123-paquier-cretdupuy-1003

Der zweite, kürzere Lift im unteren Bereich – für fortgeschrittene Anfänger – wurde 1973 ebenfalls von Küpfer Steffisburg aufgestellt. Er besitzt noch die wunderbaren lauten, alten Röhrs-Gehänge mit Metallseilen.

20160123-paquier-cretdupuy-0808

Für die ganz Kleinen existiert ein weitläufiges Kinderparadies mit diversen Schneespielen und Seilliften.

Im Gegensatz zu lethargischen Liften im Gantrischgebiet (inzwischen unter der Woche zu trotz endlich guter Verhältnisse) oder im Jura (Tramelan und andere haben schon Saisonschluss) herrscht hier kurz vor Ostern 2016 nach wie vor Skibetrieb, inklusive Nachtskifahren und Barbetrieb. Das muss unterstützt werden: Ab nach Le Pâquier!

Mehr Bilder in diesem Album. Das Video des Tages:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz / Eischoll und Unterbäch

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Das erste Sekundarschul-Skilager verbrachten wir anno 1987 in Eischoll – nach 29 Jahren war es letzte Woche an der Zeit, endlich an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Das Gebiet ist nämlich ein exzellenter Vertreter für die Vintage-Skigebiete-Serie.

Immerhin tat ich hier zudem den härtesten Sturz meines Lebens, schrammte wohl knapp an Schlimmerem vorbei – samt Felsen und Bäumen im Weg, wie dieses Bild der Sturzstelle 1987 (mit Vergleich 2016) zeigt:

Eischoll 1987-2016

Positiver Nebeneffekt: Das hübscheste Mädchen der Klasse war dabei und fand mich einen echt harten Kerl, als ich tapfer (im Gesicht blutend) aus dem Wald kroch. Das Lager 1987 war zudem das Hauptthema unserer Schülerzeitung „FGOI“ (als PDF lesen, 4 MB), und der Lagerbericht war zugleich der erste Radiobeitrag meines Leben:

Teil 1

Go get Adobe Flash Player!

– Lieber in eigenem Player flashfrei hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 1 (MP3, 1.9 MB)

Teil 2

Go get Adobe Flash Player!

– Lieber in eigenem Player flashfrei hören oder downloaden? Kein Problem: Schülerblabla vom 30.1.1987, Teil 2 (MP3, 1.2 MB)

Der Januar 1987 war zudem der letzte Winter, in dem selbst im Baselbiet sibirische Temperaturen von minus 24 Grad gemessen wurden, wie dieser Blogbeitrag von 2007 ausführt. Hier ein paar weitere Eindrücke von Eischoll anno 1987:

198701-eischoll-024

19870110-skilager-eischoll-1095

19870110-skilager-eischoll-1095

198701-eischoll-028

Doch nun zurück in die Gegenwart: Eischoll kommuniziert via Twitter ausgezeichnet, und so kam ich im Feed stets in den Genuss der aktuellen Bedingungen. Auch hier fiel der Saisonstart 2015/16 wie fast überall komplett ins Wasser – pardon, ins Gras -, aber inzwischen liegt im oberen Teil des Gebietes über ein Meter Schnee.

20160311-b-eischoll-3176

Nachdem am vergangenen Feitag (11. März 2016) fürs Mittelland Nebel angesagt war, entschied ich mich fürs Wallis, wo angeblich kein Wölklein am Himmel stehen sollte. Eine gute Entscheidung! Dank meiner Hausbank kam ich zu einer 1/2-Preis-Tageskarte für 22 Franken (die auch noch in Visperterminen, Stalden, auf der Moosalp usw. gültig gewesen wäre – das Snow and Rail hiesse „Rund um Visp“), beschränkte mich aber auf Eischoll und Unterbäch.

Am Müller-Lift in Unterbäch war – soweit ich mich erinnere – 1987 sogar noch ein Anbügelautomat „Liftomat 2000“ im Einsatz, heute hängen die Büsseracher Borer-BSG77-Langbügel am Lift, wie auch an allen anderen Schleppliften (von Küpfer – mit zwei Stützenformen – und Müller) in den Gebieten. Nicht gerade Vintage, aber die Dinger wurden auch vor 1980 erfunden.

20160311-c-unterbaech-3333

War die Küpfer-Sesselbahn in Eischoll 1987 noch so gut wie neu…

198701eischoll-sessel01

… läuft die Konzession der Bahn demnächst ab – in wenigen Tagen findet eine Abstimmung dazu statt (weiterer Beitrag hier). Angesichts der ungewissen Zukunft war es also höchste Zeit, die schönen alten Bahnen hier noch zu besuchen.

20160311-b-eischoll-3301

20160311-b-eischoll-3165

20160311-b-eischoll-3227

20160311-b-eischoll-3251

20160311-b-eischoll-3294

In Eischoll hatte es kaum Leute (etwa 10), in Unterbäch lief etwas mehr, aber über 40 Leute dürften es auch nicht gewesen sein. Dank der Nordhänge waren die Pisten einfach nur perfekt: Kompakter Pulver, bestens präpariert, ideal zum Carven. Eischoll hat etwas viele Ziehwege, aber die roten und schwarzen Waldabfahrten sind top, ebenso die flacheren Hänge unterhalb des Waldes.

20160311-b-eischoll-3236

20160311-b-eischoll-3197

Der obere Teil des Unterbächer Gebietes – aus Eischoll einfach erreichbar über einen langen, malerischen Waldweg – …

20160311-b-eischoll-3316

… ist hochalpin und bietet allen etwas, von blau über rot bis schwarz – sowie alte, knorrige Lärchen unterhalb der Waldgrenze, und einen weiten, malerischen Talkessel zuoberst.

20160311-c-unterbaech-3535

20160311-c-unterbaech-3496

Der untere Teil ist bisweilen etwas ziehwegig, aber dank der schönen Aussichten, Birkenwälder und variantenreichen Abkürzungen ebenfalls recht aufregend.

20160311-c-unterbaech-3393

Ein tolles Cordon Bleu bei der Mittelstation rundete den Tag ab.

20160311-c-unterbaech-3446

Dem vollkommenen Skivergnügen abträglich sind für pressante Menschen allenfalls die drei lahmen Zweiersesselbahnen, die aber grösstenteils auch als blosse Zubringer zu den zügigen Bügelliften verwendet werden können. Und kuppelbare 6er-Sesselbahnen suchen wir in dieser Serie ja eben gerade nicht. Mit drei Herstellern (Küpfer, Bartholet und Leitner) kann der geneigte Liftfetischist immerhin auch eine grosse Sesselbahn-Markenvielfalt bestaunen.

Fazit: Zwei kleine, sinnvoll verbundene Skigebiete abseits des Rummels mit Tarifverbund, sehr zu empfehlen!

20160311-c-unterbaech-3352

– Alle Bilder aus Eischoll in diesem Album (mit weiteren Fotos von 1987)
– Alle Bilder aus Unterbäch in diesem Album

Das Video des Tages:

 

Die bisherigen Teile dieser Serie: Eggiwil / Marbach und Bumbach / Les Breuleux und Tramelan / Nachtskifahren Linden / Selital (Gantrisch) / Hohe Winde / Grandval / Engstligenalp / Langenbruck / Prés-d’Orvin / Faltschen / Aeschiallmend / Gantrisch-Gurnigel / Les Bugnenets-Savagnières / La Corbatière / Rüschegg-Eywald / Dent de Vaulion / L’Audibergue (F) / Gréolières-les-neiges (F) / La Berra / Habkern / Heiligkreuz / Vallée de Joux / Elsigenalp / Eriz

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

TLDR: Ich halte die Mobilisierung über Social Media im Vorfeld von Urnengängen für völlig aus den Fugen geraten. Viele politisierte Menschen mögen es zwar gut meinen, wenn sie täglich mehrmals das Gleiche in leicht anderen Worten posten, richten aber durch die spam-artige Verbreitung ihrer Botschaft mehr Schaden als Nutzen an. So lange es dazu keine repräsentativen empirischen Studien gibt, plädiere ich für eine Zurückhaltung beim Überfluten der Timelines mit zig Aufrufen.

_________

Sind Sie auch oft auf Social Media unterwegs, bewegen sich aktiv im Netz, interessieren sich für Politik? Haben Sie die unablässigen Aufforderungen in Ihren Social-Media-Timelines, abstimmen zu gehen oder bestimmte Vorlagen abzulehnen oder anzunehmen, nicht auch immens genervt?

Zur meiner persönlichen Ausgangslage: Ich habe seit 1990 keine Abstimmung und keine Wahl verpasst, ich fülle die Abstimmungsunterlagen meist am selben Tag aus, wie ich sie bekomme, da ich mir längst eine Meinung gemacht habe. Politisiert wurde ich von Jürg Frischknechts „Unheimlichen Patrioten“, dem Fichenskandal und der ersten GSoA-Abstimmung.

Und auch wenn ich – inzwischen als Einzelunternehmer vielleicht noch etwas mehr als früher – sehr extreme Positionen je länger je mehr ablehne, wäscht mir spätestens meine Partnerin als Gewerkschafterin die Kappe, wenn ich allzu fest zur Mitte tendiere. Bref: Für mich ist zu 110% klar, dass man als normal denkender Mensch eine DSI nur ablehnen kann, dass eine fünfte Gotthardröhre kompletter Unsinn ist undsoweiter.

Natürlich höre ich am Stammtisch im Sedruner Heimatskigebiet das pure Gegenteil davon, in flammenden Reden mit Fäusten auf dem Tisch, und fahre nachher mit den Urhebern der Tiraden den Skilift rauf. Da wird mir allerdings nur noch klarer, dass es bei solchen Vorlagen relativ klar ist, wer wie abstimmen wird; dass ich deren Meinung sicher nicht ändern werde.

Und dass ich in meiner Timeline mit überflutungsartigen #DSInein-Tweets oder SCHON-NEIN-GESTIMMT?-Posts auf dem Fratzenbuch sowieso nichts ausrichten kann. Ausser den Freundeskreis und die Follower zu nerven mit all diesen wohl gut gemeinten, aber wenig durchdachten Posts – denn 95% denken ohnehin gleich wie ich, und „die andere Seite“ werde ich auch mit dem 6238. Post garantiert nicht überzeugen.

Mich und viele andere muss man weder aktivieren noch mobilisieren – wir wissen, was wir zu tun haben.

Danke auch nochmals für das sinnlose Zumüllen meiner Timelines die letzten Wochen. Social Media waren beinahe unbrauchbar, da vollkommen durchtränkt von den immer gleichen politischen Botschaften.

Die einzigen Folgen der DSI-, Gotthard- und sonstigen Nachrichten waren bei mir:

  1. Ich habe mir überlegt, auf einen Twitter-Client zu wechseln, der Hashtag-Muting erlaubt.
  2. Ich habe etliche Personen, deren Posts mich an sich sonst interessieren, gemutet oder entfolgt.
  3. Ich bekam ob dem Overflow bestenfalls wütende Wallungen und überlegte mir, das nächste Mal aus Protest gegen diese sinnlose Über-Posterei ein Video zu posten, wie ich meine Wahl- oder Stimmzettel im Garten verbrenne.

Dabei wäre es einfach: Über Dinge, über die schon 1000 andere Twittern, halte ich meist den Mund (Ausnahmen bestätigen die Regel). Was bringt es genau, der 2358. in der Timeline zu sein, der in leicht veränderten Worten den Trend Nummer 76264 abhandelt oder der 187634762. zu sein, der sich zu wiederholten Male öffentlich über die SVP aufregt?

Diese Zwangsbeglückung mit Selbstverständlichkeiten nervt je länger je mehr.

Anderes abschreckendes Beispiel: Die Telefonkampagne der SP vor den eidgenössischen Wahlen 2015. – „Schon mal was von Mobilisierung gehört?!“ entgegnete eine meiner ältesten Berner Freundinnen und heutige SP-Grossrätin empört, als ich meinen Unmut über diese imho dümmliche Wahlkampfart vertwitterte. Mit Verlaub, aber mir persönlich können all diese Formen der „Mobilisierung“ und „Aktivierung“ gestohlen bleiben – sie führen eher dazu, dass ich eine andere Partei wähle, zum Beispiel eine aus dem linken Spektrum, die mich nicht vollspammt und bevormundend anruft. Genau so gut kann die SP gerne einem Fisch sagen, er solle schwimmen.*

Ein anderer Berner Sozialdemokrat legte mir kürzlich ans Herz, Personen oder Hashtags einfach bis nach der Abstimmung zu muten.

Einspruch! Das sind alles Argumentationslinien, wie wir sie seit den später 1990-ern von Spammern hören: „Wenn du Ruhe vor uns willst, musst DU aktiv werden, und sowieso, tu doch nicht so, das ist doch nicht so schlimm.“ Und zwischen den Zeilen: „Es ist gut für dich, wenn du es lange genug aushälst, merkst du es schon.“

Adrienne Fichter, Politologin und „Head of Social Media“ bei der NZZ, entgegnete nach einem Tweet, in dem ich die übertriebene Posterei kritisierte: „Aber Sie haben dich aktiviert, letzten Endes. Darum geht es.“

NEIN – eben nicht!

Sie haben mich nicht aktiviert, da ich seit meiner Kindheit politisch aktiviert bin.

Wie Tausende andere, deren Timelines vor Abstimmungen und Wahlen verstopft werden und die das langsam angurkt (ich hatte in den letzten Wochen anstelle dieses biologisch abbaubaren Wortes diverse Four-Letter-Words zuvorderst, konnte mich aber noch knapp zurückhalten, zu posten, dass sich all diese MobilisiererInnen ihre Aktivierungen sonstwo… eben).

Bevormundung, Überheblichkeit, Übertreibung, Sich-nicht-mehr-Spüren – das sind die Stichworte, die mir dazu in den Sinn kommen. Wenn das die Zukunft des politischen Dialoges ist, dann bitte ohne mich – das habt ihr wirklich sauber hinbekommen, aus einem Homo Politicus einen in Bälde Politikverdrossenen zu machen, dem das ganze langsam zu blöd, zu infantil wird.

Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Gewinn einer Abstimmung etwas ganz anderes ist als der Verkauf von Medikamenten oder die Mitteilung inexistenter Lottogewinne. Und dass unsereiner diese „Aktivierungen“ auszuhalten hat.

Von mir kommt dazu ein klares Nein.

Ich halte die Annahme für naiv, zu glauben, dass es Sinnvoll oder gar Nützlich ist, die Timelines seiner Follower mit täglich, wenn nicht teils stündlich platzierten eintönigen Erinnerungen vollzumüllen. Das ist ein klassisches „Preaching to the choir“ – verpuffter, sinnloser Aufwand, der mehr Schaden anrichtet als nützt. Aber der Viagra-Spammer würde auch sagen: „Wenn von 30 Millionen Mails auch nur zwei reagieren, hat es sich schon gelohnt!“

So schockieren mich auch Aussagen des Campaigners Daniel Graf, die kürzlich im „Tagi“ und „Bund“ zu lesen waren: „Per E-Mail kann man die Leute bitten, einen bestimmten Artikel auf Facebook zu teilen. Das führt dazu, dass viele Leute gleichzeitig auf Facebook aktiv werden. Das löst einen Effekt aus.“

Noch mehr Politiklärm und die ewig gleichen geteilten Inhalte auf sozialen Medien? Nein, danke!

Genau solche „ungschpürigen“ Übertreibungen führen mitunter dazu, dass ich im Vorfeld der Wahlen SMS von Privatpersonen bekommen habe, die eine Partei getriggert hat – vermutlich mit Aussagen wie „Mobilisiert euren Freundeskreis, schickt ihnen SMS mit diesem vorgefertigten Text, einfach kopieren und einfügen…“ – Widerlichst!

Solche Aktionen wirken bestensfalls Freundeskreisverkleinernd.

Ich weiss ja auch, dass zu wenig Menschen an die Urne gehen. Aber die Energie der 10’000 Tweets würde man gescheiter auf der Strasse gezielter einsetzen, oder indem man für bewundernswerte Aktionen wie Peter Studers „Dringenden Aufruf“ oder die Operation Libero spendet. Allenfalls, in dem man eindrückliche Backgroundgeschichten postet (wie z.B. den Text der NZZ-Praktikantin mit afghanischen Wurzeln).

Aber „Schon gewählt?“, „GEH ABSTIMMEN!“, „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, #dsinein zu stimmen“ im Zweistundentakt in den Cyberspace zu proleten, ist nichts anderes als billiger, nerviger Slacktivism – genau so übel wie politische Propaganda in Briefkästen mit STOPP-Kleber zu werfen. (Ich höre schon wieder die heuchlerischen Kommentare von Werbung an sich vehement abgeneigter Politiker, die beim eigenen Thema gerne noch so viele Ausnahmen von der Werbesperre machen.)

Auswege? – Es ist halt anstrengend, aber zumindest Facebook erlaubt es, Freundeslisten zu machen. Ich würde mir als Politaktivist die Mühe machen, solche Listen zu erstellen und Menschen, von denen ich weiss, dass sie genug politisiert sind, von meinen inflationären Posts verschonen.

Und ich bitte all die Berufszwitscherer, bei den nächsten Urnengängen um Zurückhaltung, möge sie das Thema noch so emotional beschäftigen, mögen sie es für die Schweiz noch so katastrophal halten, wenn die Abstimmung nicht in ihrem Sinne ausgehen sollte.

Anyway: Ich möchte zum Thema „Mobilisierung via Social Media“ gerne konkrete Zahlen sehen. Keine „persönlichen Einschätzungen“ (wie hier von mir), sondern repräsentative Umfragen. Ich bin gerne bereit, meine Meinung zu revidieren – und bin gespannt auf handfeste Beweise.

________________

* (Sideline: Abgesehen davon ist diese Datensammlung der SP ein Fall für den EDÖB – mir sind viele Menschen persönlich bekannt, die sich niemals selbst auf eine Mailingliste oder ähnliches haben setzen lassen und die schon weissnichtwas unternommen haben, um von diversen Verteilern zu kommen – erfolglos. Ich habe einige Jahre lang Simonetta Sommarugas Website betreut, hoste verschiedene Auftritte von Berner SP-Sektionen, -PolitikerInnen und diverser Grüner ExponentInnen, mache immer wieder Websites für linke PolitikerInnen – aber ich habe nie ein Einverständnis dazu gegeben, dass man mich mit Newslettern, Post oder gar Anrufen eindeckt. Dabei müsste jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein, dass ich zu 99% SP wähle und auch in ihrem Sinne abstimme. Meine Daten wurden auch nach den Wahlen 2011 – als ich öffentlich meinen Unmut über diese Praxis kundtat – nur teilweise gelöscht; aufgrund der Nachrichtenstruktur vermute ich inzwischen voneinander unabhängige Verteiler. Offizielle Kanäle für ein Opt-Out existieren nicht; in Mailnewslettern fehlt der gesetzlich vorgeschriebene Abmeldelink.)

Find‘ ich gut. (3 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)
17.07.2015

Südkorea und Japan

Ein kurzer Hinweis aus Kyoto für alle, die es nicht bemerkt haben sollten: Seit drei Wochen und noch für eine Woche berichte ich auf Twitter täglich mehrmals über Kurioses, Interessantes, Schönes, Kulinarisches und anderes aus Südkorea und Japan.

Viel Spass!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Südkorea, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Hiroshima, Juli 2015 - mehr auf Twitter!

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

In diesen Tagen vor 30 Jahren waren einige Schülerinnen und Schüler aus Itingen (BL) ziemlich nervös – wir kamen zum ersten Mal am Fernsehen!

Das mag heute, in einer Zeit der Tausenden Kanäle, etwas nicht sehr Aussergewöhnliches sein. 1985 hingegen gab es erst eine handvoll Sender, und TV DRS hatte eben erst das Wolken-Signet eingeführt (man sieht es im Video weiter unten).

In den frühen 1980ern entwickelte das Schweizer Fernsehen ein Format, das es Kindern und Jugendlichen ermöglichte, eigene Super-8-Filme zu zeigen (und später dann, als entsprechende Kameras auf dem Markt kamen, Videos). Das konnten Dokus, aber auch Spielfilme sein. Mein alter Kumpel Patrick (aka „Tanner“) und ich wollten da natürlich unbedingt hin. Wir gaben ja schliesslich schon eine Zeitung heraus, mit der sagenhaften Auflage von etwa 40 Stück – der Schritt ins nationale TV schien da nicht mehr weit. (Bescheidenheit war schon immer unsere Stärke.)

Es muss Anfang 1984 gewesen sein, als in der Zeitschrift „TR7“ dieser Artikel zur Sendung erschien (klicken für grosse Fassung):

1984, TR7

Das Fieber hatte uns gepackt – wir setzten uns an die Schreibmaschine und schrieben eine Geschichte auf, die wir sogleich an die Redaktion sandten. (Links im oberen Bild ist die Antwort sichtbar. Das Fernsehen hatte angebissen!)

1984, Idee zum Film

Natürlich war „Der Ausgeschlossene“ (später umbenannt zu „Der Ausgestossene“ und in der Handlung leicht modifiziert) ein wilder Mix aus Trick- und Spielfilmen, die wir als Kids toll fanden: Captain Future, Die Zeitmaschine (in der Verfilmung von 1960), Buck Rogers in the 25th Century, Raumpatrouille, Star Trek.

So kam beispielsweise das „Beamen“ vor, und Tanner und ich reisten versehentlich ins Jahr 3458, wo die Leute nach einem Atomkrieg relativ seltsam aussahen (und sich auch so benahmen). Zudem benannten wir zwei Figuren (recht phantasielos!) nach dem Roboter und dem Androiden in „Captain Future“, die Morloks hiessen gleich wie bei H.G. Wells und die Bügeleisen und Badezimmer-Armaturen des Raumschiffs Orion inspirierten uns bei der Einrichtung unseres Raumschiffs.

Am Ende hatten wir ein ganzes Heft voller Unterlagen, Storyboards, Drehbücher, Finanzlisten, Verträge usw. zusammen:

Drehbuch 1984

Am Anfang Stand eine Überischt, dann kam das Drehbuch (klicken für grosse Fassung):

Drehbuch 1984

Kurz nach unserem 12. Geburtstag war dann klar: Es klappte! Sendungsleiter Dani Bodmer fand unsere Idee gut, mein Onkel lieh uns seine brandneue Panasonic-A1-Videokamera mit tragbarem VHS-Recorder aus, und wir machten uns auf die Suche nach Schauspielerinnen und Schauspielern. Es war die Zeit des Schulwechsels von der Primar Itingen an die Sek Sissach – bei uns spielte noch voll der alte Dörfligeist: Fast unsere gesamte frühere Primarschulklasse war dabei. (Interessanterweise treffe ich viele dieser Leute heute noch – schön!)

Alle bekamen einen Plan, auf dem sie ihre Verfügbarkeiten nach den Sommerferien 1984 eintragen sollten (klicken für grosse Fassung – meine Anleitungen waren schon damals absolut legendär):

Plan 1984

Erstaunlicherweise bekamen wir in einer komplett smartphonefreien Zeit immer alle probelmlos an den richtigen Ort – die Dreharbeiten fanden zwischen August und Oktober 1984 in und um Itingen statt.

Als „Zukunft nach dem Atomkrieg“ (sowas von 80er!) musste eine Lehmgrube hinten im Tal her halten (heute mit Biotop), für die Raumschiff-Kommandokapsel räumten wir das Schlafzimmer von Tanners Schwester kurzerhand aus, und besonders stolz waren wir auf den „Verschwindibus-Trick“ (zwei Leute stehen da und verschwinden plötzlich: Kamera stoppen, Leute rennen weg, leeren Raum weiterfilmen).

Einige Impressionen aus dem Spätsommer 1984:

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Ich erkläre Kamermann Hanspeter die Panasonic-Videokamera

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Co-Autor Tanner guckt sich die aktuelle Szene durch den Sucher an

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Keinen Aufwand gescheut: Hanspi hat auch seinen Papagei „Agro“ als lebendige Requisite mit in die Lehmgrube gebracht

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Schminke, Perücken, Papagei – und schon ist die Herrscherin des Jahres 3458 (aka Lisi) bereit zum Regieren!

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

So sehen Verstrahlte Kriegsopfer aus, im Fall: Wundi und Fränzi erklimmen den Drehort

Dreharbeiten in Itingen im Herbst 1984

Genau so muss die Szene sein. ACTION!

Wie war denn Filmen anno 1984? Gute Videocassetten (SHG!) waren schon einmal sackteuer. Besonders schwierig war der Ton – das eingebaute Mikrofon der A1 war lausig: Damit man überhaupt etwas hörte, mussten wir richtiggehend schreien. Und die Bildqualität…? Na ja.

Heute kann man Filme auf dem Smartphone erstellen, schneiden, vertonen und auch gleich veröffentlichen. Damals mussten wir durch die halbe Schweiz reisen, um bei der Verwandtschaft für den Schnitt (ein VHS-Gerät spielt ab, das andere nimmt das auf, was man übernehmen will – eine nicht ganz präzise Plackerei) ein zweites Videogerät zu finden.

Inzwischen hatten wir auch unser eigenes Label erfunden „Metro Goldwyn Hansi“ (Wellensittich statt Löwe ganz am Anfang), mit einer selbst gepfiffenen Fanfare.

Anfang Dezember 1984 fand auf der Rega-Basis Untervaz (sichtbar im Hintergrund) die Postproduction statt – die Executive Producers waren mit der Arbeit zufrieden:

Tanner und Andi, Herbst 1984

(Heute würden Eltern wohl in Ohnmacht fallen, wenn ihre Kids ohne Geländer auf der Zinne einer Burgruine posieren. Ohne Helm, boah!)

Das Fernsehen DRS hat uns sodann für die Sendung vom Juni 1985 eingeplant. Da waren aber noch Formalitäten zu regeln – wir waren angenehm überrascht, als wir 450 Franken (für uns Knapp-Teenies natürlich ein Vermögen) für den Streifen bekamen und sogar noch Verträge unterschreiben mussten… bzw. unsere Eltern (klicken für grosse Fassung):

Vertrag 1984

Vertrag 1984

Die 450 Franken verteilten wir möglichst gerecht – nach Anzahl Sekunden im Film oder „Mithilfegrad“ – an alle. Auch die Grossmutter erhielt 10 Franken für die Verpflegung der Filmcrew. Natürlich musste jede und jeder den Empfang quittieren (klicken für grosse Fassung):

Vertrag 1984

Dank des Fernsehens kamen wir auch zu einem der beliebten offiziellen Schuldispense…

Dispens 1985

… und am 15. Mai 1985 fuhren wir – damals eine halbe Weltreise – ins Leutschenbach zur Aufzeichnung der Sendung:

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Tanner und ich waren natürlich die Landeier vom Dienst und sowas von scheu: Schliesslich waren wir hier plötzlich ausserhalb des geschützten Oberbaselbiets! Auch noch in der Sendung waren einerseits das fesche junge Mädel aus Zürich (heute Gemeindepräsidentin von Brunegg) und andererseits drei peppige Radiomacher aus Biel, die ihre Jugendsendung auf „Canal 3“ vorstellten.

Mediengewandten sagen die Namen Jan Brönnimann und Claude Jaggi natürlich etwas – die beiden sind auf diesen Bildern von der Sendungsvisionierung zu sehen:

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Dass Claude dereinst Sportkommentator in diesen Räumlichkeiten würde, dachte er sich damals vermutlich nicht – aber vielleicht hoffte er es insgeheim. Tanner und ich fanden jedenfalls nach diesem Tag, dass wir auch mal Radiomachen müssen – zwei Jahre später war’s dann soweit.

Spannend war natürlich auch die Studioführung mit dem Dekor des legendären „Karrussell“ oder anderen Sendungen wie „Karambuli“ (mit Heidi Abel).

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Im TV-Studio 1985

Und wie sah die fertige Sendung aus, die im Juni 1985 ausgestrahlt wurde?

Etwas ernüchternd für uns war: TV DRS hatte keine Freude an der Qualität unseres Videobandes (jeder Schnitt- und somit Kopiervorgang verschlechterte die Qualität, werte verwöhnte Digitalkids von heute!). Die Fernsehleute verlangten also die Originalaufnahmen und versprachen, sie gemäss unseres Schnittes aneinander zu reihen. Leider missriet da einiges – und die Story wurde noch unverständlicher als sie eh schon war.

Das war für mich die erste Lebenserfahrung des Typs „gib nie ein Projekt aus der Hand, das dir extrem wichtig ist“. Der Film, wie wir ihn eigentlich wollten, ist hier zu sehen (YouTube erlaubte zum Zeitpunkt des Uploads keine langen Videos, daher zwei Teile:

Auch wenn diese kleine Schnitt-Episode enttäuschend war: Wir waren natürlich mächtig stolz. Und arbeiteten hart an unserem Auftreten. Und am nächsten Projekt: Ein Jahr später sassen wir wieder im „Sälber gmacht“, mit dem ungemein spannenden und actiongeladenen Western „Die Schatzsuche“.

Doch mehr dazu anno 2016 zum 30-jährigen Jubiläum.

Find‘ ich gut. (11 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Es ist wieder einmal Zeit für einen Ärger-Blogbeitrag.

Als Erklärung für mit dem Thema nicht Vertraute: Es geht in diesem Beitrag um die Spamfilterung von E-Mails und deren Folgen im Alltag.

Ohne Mailfilter würden wir alle gnadenlos vollgespammt – teils werden 90% der Mails, die wir eigentlich bekommen sollten, als Werbung oder Betrugsversuche ausgefiltert. Für die Filterung werden verschiedene technische Massnahmen angewendet, u.a. so genannte Blacklists. Mehr dazu auf Wikipedia.

Eine Methode ist es, sehr vereinfacht gesagt, im Internet Fallen auszulegen und zu warten, bis Spam in dieses Loch fällt. Man schaut dann, über welchen Server der Spam versandt wurde – und die IP-Adresse, wo das Mail her kam, wird auf eine schwarze Liste gesetzt. Solche Listen gibt es zuhauf; die einen sind seriöser als andere.

Spamfilterdienste gleichen – nebst vielen anderen Methoden wie z.B. einer Textanalyse – die über ihre Filter laufenden Mails mit einigen dieser schwarzen Listen ab. Befindet sich eine IP-Adresse auf so einer Blacklist, wird das Mail tendenziell als Spam eingestuft und ausgefiltert. Beim Empfänger landet es dann (je nach Anbieter) in einer separat zu checkenden Spambox oder wird gar nicht angezeigt.

Das ist alles kein Problem und funktioniert weitgehend gut – inzwischen ist es sehr selten geworden, dass Mails fälschlicherweise als Spam eingestuft werden oder dass massenhaft unerwünschte Mails durchkommen. Allerdings gibt es grosse Probleme, wenn eine IP-Adresse von wichtigen hiesigen Providern auf eine Blacklist kommt. Dann kommt es auf eine schnelle und sinnvolle Reaktion an, damit nicht sehr viele Schweizerinnen und Schweizer ein Problem mit E-Mails haben.

Genau das war in diesem Frühling der Fall – und zwar gleich mehrmals. IP-Adressen eines Schweizer grossen Webhosters sowie eines mittelgrossen Internetproviders erschienen auf einer Blackhole List (DNSBL).

Die Mails meiner Hosting-Kunden werden von einem führenden europäischen Anbieter von Antispam-Filtern „gereinigt“, bevor sie zugestellt werden. Dieser Dienst wird von zahlreichen europäischen Internetprovidern für das Filtern der Kundenmails verwendet – es ist also kein Feld-Wald-Wiesen-Anbieter, der wenig Ahnung von der Materie hat.

Erstaunlich war in diesen Fällen, wie lahm die betroffenen Schweizer Provider – deren IPs auf der DNSBL gelandet werden – reagierten.

Im Normalfall schaut man als Provider, dass man seine Infrastruktur so sauber hält, dass man gar nicht erst auf eine DNSBL kommt: Das heisst grob gesagt, man überwacht sein Netzwerk so, dass Kunden umgehend gesperrt werden, wenn ihre verseuchten Rechner massenhaft Spam versenden. Gewisse Provider haben auch eine Beschränkung der Anzahl Mails pro Stunde, sodass sich der Schaden in Grenzen hält, wenn jemand gehackt wird.

Das klappt natürlich angesichts der Grösse vielen Provider nicht immer perfekt.

Aber wenn man dann mal auf einer DNSBL ist, schaut man, dass man da so schnell wie möglich weg kommt – weil sonst die eigenen Kunden kaum mehr vernünftig mailen können. Und letztlich ich und viele andere Kundenbetreuer das ausbaden, indem man seinen Kunden klar machen muss, dass das Problem z.B. nicht bei mir liegt, sondern bei der Gegenstelle, wo man schlufig mit DNSBL-Delistings umgeht. Ein Laie versteht sowas nicht – der stellt fest: „Mails von X kommen bei mir nicht an, da muss doch Andi daran Schuld sein!“.

Ich bin ja nicht so – auch wenn das nicht mein Job wäre, habe ich im Namen meiner Kundinnen und Kunden die betroffenen Provider informiert.

Beide Anbieter sträubten sich aber gegen eine Austragung ihrer IPs – die betroffene Liste sei unseriös und sollte sowieso nicht verwendet werden, sagte eine Firma sogar. Das ist natürlich Unsinn – der grosse Antispamanbieter könnte es sich niemals leisten, auf so einen Dienst zu setzen. Mehrmals versicherte mir die weltweit tätige Firma mit Hauptsitz in Holland, dass man nur auf die fragliche DNSBL komme, wenn grösste Mengen von Spam über lange Zeiträume über die betreffende IP versandt werden.

Erst eine informelle Anfrage bei einem Bloggerkollegen, der für den einen erwähnten Provider arbeitet, führte dort zu einer adäquaten Reaktion. Die zweite Firma stellte sich auf den Standpunkt, sie habe kein Problem (ich empfahl dann meinem Kunden natürlich, diese Firma schleunigst zu verlassen).

Fazit: Die Alltagssupporter waren offenbar heillos überfordert und sahen auch keinen Grund, das Problem zu eskalieren. In einem Fall, der sehr vielen Menschen das heute so zentrale Mailen erschwert, ist das natürlich für alle Betroffenen obermühsam.

Erstaunlich unprofessionell war auch das Verhalten der Swisscom in einem ähnlichen Fall.

So etwas war ich mir eigentlich von den Bastlern von Sunrise gewohnt, wo ich leider lange Kunde war. Und wenn ich die Swisscom als einzige hier namentlich nenne, so ist es, weil der Case kommunikativ von A-Z enttäuschend verlief und weil ich von einem Unternehmen wie Swisscom mehr erwarte.

Einer meiner Kunden beschwerte sich kürzlich bei mir, seine Mails kämen bei den Kunden nicht an. Ich prüfte den Fall und stellte rasch fest, dass es seine Swisscom-IP zu Hause war, die auf einer DNSBL gelandet war, und nicht unser Server. Es ist immer schwierig, Laien all diesen Technikkram näher zu bringen, also beschloss ich, der Swisscom direkt eine Meldung zu machen.

Eine Anfrage per Mail am 8. Juni, in dem ich den Fall detailliert schilderte, wurde erst am 12. Juni beantwortet (im Falle einer DNSBL-Eintrags ist eigentlich eine schnelle Reaktion angebracht) – und zwar offenbar von einer mit der Materie alles andere als vertrauten Person, die das Problem überhaupt nicht erfasst hatte. Sie beschrieb in der Antwort das Problem völlig falsch und fragte nach mehr Informationen. Ich klickte auf „Antworten“ und wies höflich darauf hin, dass sie offenbar nicht verstanden hatte, worum es ging, und lieferte nochmals (!) die betroffene IP.

Das Mail kam zurück mit dem Hinweis, dass diese Adresse nicht geprüft werde (klassische kundenunfreundliche No-Reply-Mailadresse, was so viel heisst wie „mühsamer Kunde, putz di“). Erst dann sah ich, dass es einen Kontaktbutton im Mail hatte, den man offenbar benutzen soll. Mühsam! Denn dann kommt man auf die normale Swisscom-Kontaktseite. Die wichtigen Infos aus dem Diskussions-Thread verschwinden so aus der Kommunikation, was alles noch schwieriger macht.

Ich war in Eile und wählte „Chat“ als Option. Ich schrieb dem Angestellten, dass er im Case Nummer XYZ der Mitarbeiterin A doch intern schnell die gewünschte Info zustellen soll. Er fand das gar keine gute Idee und sagte, er wolle mir sofort helfen – was beim vorliegenden Fall aber unmöglich gewesen wäre. Ein Chatsupporter kann kein DNSBL-Delisting machen, so naiv bin in inzwischen nicht mehr… er weiss vermutlich gar nicht, was das ist.

Die korrekte Reaktion wäre von Beginn an gewesen: Mein Mail an Fachspezialisten (z.B. Abuse Desk) leiten, IP-Adresse entlisten lassen, ggf. sündige(n) Kunden sperren, kurze Antwort an mich „Fall erledigt“, finito.

Stattdessen begann eine Odyssee wie zu Sunrise-Zeiten. Den Chat brach ich natürlich ab und wandte mich via Twitter an den sonst guten Support @swisscom_care. Ich schilderte auch dort das Problem samt Case-Nummer. Es hiess, man würde mich kontaktieren. Ich gab an, auf welcher Mailadresse ich erreichbar sei und dass ich telefonisch nur schlecht zu erreichen sei (Telefon ist für mich eine Kommunikationsform des letzten Jahrhunderts, die ich wenn immer möglich vermeide).

Tagelang passierte nichts. Ich hakte nach – es wurde mir beschieden, ein Fachspezialist habe mich telefonisch nicht erreicht… ja Himmelherrgottnochmals, ich hatte doch erwähnt, dass man mir mailen solle. Also nochmals darum bitten, die Mailadresse zu benutzen, über die ich schon vor zwei Wochen das DNSBL-Listing an Swisscom gemeldet hatte.

Sie dürfen dreimal raten: Nach weiteren 24 Stunden habe ich immer noch kein Mail von diesem Fachspezialisten bekommen. Die ursprüngliche Anfrage ist nun über zwei Wochen her.

Ehrlich, liebe Swisscom: Das ist ein #FAIL auf der ganzen Linie. Das darf einer Swisscom einfach nicht passieren. Ich möchte nun auch gar keine Antwort mehr, da ich bald in die Ferien fahre und mich über die Antwort vermutlich sowieso wieder nur ärgern würde. Was ich aber von euch erwarte:

– Leitet Nachrichten von Beginn an den Leuten weiter, die etwas vom Thema verstehen und etwas tun können. (Natürlich wäre es eh besser, wenn ihr euer Netz so überwacht, dass keine eurer IPs je auf eine DNSBL kommt.)

– Richtet ein, dass man auf eure Mails ganz normal via REPLY per Mail antworten kann, wenn ihr schon nach mehr Infos fragt (siehe hier).

– Wickelt solche Fälle schneller ab. Hakt intern nach, arbeitet abteilungsübergreifend besser zusammen, nehmt die Wünsche eurer Kundinnen und Kunden ernst („Er hat dich probiert anzurufen“, nachdem jemand deutlich schrieb „ich bin telefonisch nicht erreichbar, mailt bitte“ ist ein Armutszeugnis von Kundendienst).

– Und im Zusammenhang mit einem anderen auf Twitter ausgetragenen Fall (Verfall von internationalem Datenvolumen): Weniger Marketingsprech und mehr Ehrlichkeit bedeutet mehr Glaubwürdigkeit. Ich höre lieber einmal mehr „Wir tun das, um mehr Geld zu verdienen“ statt „Wir überprüfen laufend unsere Angebote und hoffen, dir in Zukunft bla bla bla sülz sülz bla….“

______

O Wunder, kurz nach Veröffentlichung dieses Beitrages kommt folgende Antwort: „(…) Sie beschreiben, dass das Mail eines Kunden an Sie als Spam eingeordnet wurde. Wir haben Ihre Anfrage (inkl. IP-Adresse) an die dafür zuständige Abteilung weitergeleitet. Wir bitten Sie um Geduld und entschuldigen uns für die lange Antwortzeit.“

Schön. Nur ist bei Blacklistings jeweils Eile angesagt…

Oh, und soeben kommt dieses Mail ein zweites Mal. Und alle wieder mit „Wenn Sie mit uns in Verbindung treten möchten, klicken Sie bitte auf Hilfe & Kontakt. Die Absender-Adresse dieses E-Mails ist nicht betreut und Anfragen können nicht beantwortet werden.“

Bastler. Echt Sunrise-mässig!

Find‘ ich gut. (2 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Heute vor 10 Jahren startete dieses Ding hier: JacoBlök.

Das Projekt und der Name waren eine spontane Idee an einem lauen Berner Frühlingsabend in der Bürogemeinschaft. „Versuch doch mal dieses WordPress“, sagte der Sultan. Gesagt – getan.

Der erste Beitrag vom 19. April 2005 war ein Rant auf die damals ausgestrahlte Sendung „Traumjob“, der erste Kommentar ein Test des besagten Sultans. Nummer zwei handelte von der Wahl Ratzingers zum Papst. In Nummer drei ging es dann bereits um etwas, das in diesem Blog programmatisch werden sollte: Nostalgiefotos (Autor mit Grossvater und Kuh anno 1972).

Wenig später tauchten die ersten – damals noch undeutlichen – Handyfotos (gemacht mit einem Nokia 6230) in JacoBlök auf: Dem Völkl Racetiger bin ich bis heute treu geblieben. Der Musik auch – und dem öffentlichen Zelebrieren von Dingen, die ich gerne tue, ebenfalls.

Auch wenn sich JacoBlök inzwischen fast gänzlich auf Twitter verlagert hat: Zum Zehnjährigen ein grosser Dank an WordPress, die nach wie vor unglaublich gute und zuverlässige Open-Source-Software, die seit Beginn an kaum je Probleme machte und die im Gegensatz zu anderen CMS jedes Update schadlos überstanden hat.

Der seit Monaten geplante Relaunch wird sich weiter verzögern: Viel Arbeit und viel unterwegs. Derzeit auf Cape Cod, zuvor in Washington, Philly und Boston, später New York. Täglich mehr dazu auf Twitter – unter anderem mit spektakulären Bildern vom Whale Watching gestern:

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Whale Watching, Cape Cod, 18.4.2105

Zum Jubiläum schwinge ich keine grossen Worte mehr, sondern mache einmal mehr einen auf Nostalgie- und Vergleichsfotos sowie thematisches Chrüsimüsi (wo gibt es schon Meeressäuger und Vintage-Skibilder auf der gleichen Seite?).

Denn in diesen Tagen ist es auch genau 40 Jahre her, dass ich in Sedrun zum ersten Mal auf den Skis stand:

Erster Skitag, Frühling 1975

Im Frühling 1975 zog ich auf dem „Idiotenhügel“ in Valtgeva meine ersten Schwünge in den Schnee. Etwas, das ich später als Erwachsener während 30-60 Tagen pro Winter tun würde. Vermutlich habe ich inzwischen total rund zwei Jahre des Lebens auf der Piste verbracht.

Auf diesem Video sieht man am Schluss den ersten Skitag auf Super-8-Film gebannt (ab 8:24):

Natürlich haben mein Vater und ich „40 Jahre danach“ unsere erste gemeinsame auf Film festgehaltene Skiszene diesen Winter möglichst adäquat nachgestellt:

Erster Skitag, Frühling 1975

Aber jetzt lassen wir die Bilder aus dem Familienfotoalbum 1975 für sich sprechen.

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Der Skilift im Hintergrund ist übrigens (nach dem Skilift Alpsu 1960) der zweite Bügellift, der in der Region Tujetsch aufgestellt wurde – im Jahre 1962 von Testa Soliva:

Skilift Valtgeva, 1962

Alles weitere zu diesem Lift auf dieser Seite. Zum letzten erhaltenen Skiliftbügel dieser Anlage schaue ich übrigens seit 1985 bestens:

Skiliftbügel aus Valtgeva, 1962/2003/2012

1975 sah es bei dessen Talstation so aus – inzwischen hat man sie in ein Haus gepackt (was 2006 rückgängig gemacht wurde):

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Erster Skitag, Frühling 1975

Offenbar hatte da jemand Spass an diesem Dings mit dem Schnee und dem Gleiten darauf und machte seine Sache gut – das Schrie nach einer Belohnung in einem Bereich, der auch 40 Jahre und etliche Kilos danach noch einen zentralen Bereich im Leben einnimmt: Fein Essen.

Sedrun, Frühling 1975

Find‘ ich gut. (6 weitere Leute finden diesen Beitrag auch gut.)

Kategorien